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Wolfsburg | Kunstmuseum: Erdöl OIL. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 4. September 2021
Richard Wilson, 20:50, 1987, Installationsansicht Space Shifters © Der Künstler, Hayward Gallery 2018. Foto: Mark Blower.

Richard Wilson, 20:50, 1987, Installationsansicht Space Shifters © Der Künstler, Hayward Gallery 2018. Foto: Mark Blower.

Kein anderer Stoff wird die Gesellschaften im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert so geprägt haben wie das Erdöl. Flugzeuge, Panzer und Weltraumraketen, Autobahnen, Shopping Malls und Vorortsiedlungen, Nylonstrümpfe, Plastikberge und Vinyl – zentrale Materialien und Technologien, Lebensweisen und Visionen unserer Zeit verdanken sich der Energiedichte und Wandelbarkeit von Erdöl. Jetzt zeichnet sich jedoch die Dämmerung des „Ölzeitalters“ ab, auch wenn dessen Ende weder genau datiert noch in seinen Auswirkungen abgeschätzt werden kann.

OIL. Schönheit und Schrecken
des Erdölzeitalters

Deutschland | Wolfsburg: Kunstmuseum
4.9.2021 – 9.1.2022

Die Ausstellung „OIL. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“ wirft daher einen spekulativen, poetischen Blick zurück auf die seit rund 100 Jahren andauernde Gegenwart der Erdölmoderne. Aus der Distanz einer hypothetischen Zukunft wird gefragt, was typisch war an dieser unserer Zeit, was großartig und schön, was hässlich und furchtbar, und wie sich all das in Kunst und Kultur widerspiegelt.

Grundlegend ist die Beobachtung eines tiefen Zwiespalts: Benzin und Kerosin, Plastik, Asphalt und Kunstfasern standen im Erdölboom der 1950er- und 1960er-Jahre für die futuristischen Versprechen unbegrenzter Mobilität, individueller Freiheit sowie uneingeschränkter Wandlungsfähigkeit. Heute verbindet man mit ihnen globale Verteilungskämpfe und Müllberge, Klimaerwärmung, Meeres- und Luftverschmutzung.

 

OIL in Worlfsburg

Die Ausstellung fokussiert all das aus einer fiktiven archäologischen Ferne und sucht zugleich eine thematische und emotionale Nähe: Jenseits festgefahrener Ideologie konfrontiert sie künstlerische Arbeiten mit Naturwissenschaft und Technik, Politik und Alltagsleben, mit Wissen, Praktiken und Apparaten aus Chemie, Bohrwesen und Geologie, aus Arbeitsalltag und Popkultur, aus Industrie und Kulturtheorie. Bekannte und weniger bekannte künstlerische Werke sowohl aus dem Kanon der westlichen Moderne als aus Ölregionen rund um den Globus werden im schwarzen Spiegel des Öls neu betrachtet und mit aktuellen künstlerischen Positionen in Beziehung gesetzt.

Der zeitliche Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Jahrzehnten zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und heute. Die vorgestellten kultur-, technik- und erdgeschichtlichen Konstellationen reichen aber einerseits über Mittelalter und Antike bis in die Frühgeschichte der Kultur und des Lebens zurück und greifen andererseits Entwicklungen vor, die hunderte oder sogar tausende Jahre in die Zukunft reichen können. Dergestalt zeigt die Ausstellung die weltweit erste Retrospektive der weltumspannenden Erdölmoderne.

Kuratiert von Kollektiv Beauty of Oil – Alexander Klose (Berlin) und Benjamin Steininger (Berlin/Wien), sowie Andreas Beitin.

 

Künstlerinnen und Künstler

Kader Attia (F), Qiu Anxiong (CHN), Bernardo Bertolucci (I), Ursula Biemann (CH), Mark Boulos (UK), Tony Cragg (USA/D), Mark Dion (USA), Rena Effendi (AZE/TUR), William Eggleston (USA), Sylvie Fleury (CH), John Gerrard (UK), Richard Gessner (D), Tue Greenfort (DK), Carl Grossberg (D), Hans Haacke (D/USA), Romuald Hazoumè (BEN), John Heartfield (D), Werner Herzog (D), Bernd Hopfengärtner (D), Gayle Chong Kwan (UK), Atelier van Lieshout (NL), Mark Lombardi (USA), Wolfgang Mattheuer (D), Josephine Meckseper (D/USA), Richard Misrach (USA), F.W. Murnau (D), Gabriel Orozco (MEX), George Osodi (NGA), Robert Rauschenberg (USA), Alain Resnais (F), Gerhard Richter (D), Ed Ruscha (USA), Shirin Sabahi (IRA), Charles Sheeler (USA), Santiago Sierra (ES), Taryn Simon (USA), Tato (I), Jacques Tati (F), Wolf Vostell (D), Entang Wiharso (IDN), Richard Wilson (UK).

 

OIL. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters: Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche, transdisziplinäre Publikation in deutscher und englischer Sprache, herausgegeben von Andreas Beitin, Alexander Klose und Benjamin Steininger. Das Buch stellt ein umfassendes Kompendium der Kunst in der internationalen Erdölmoderne dar und behandelt auch Arbeiten, die in der Ausstellung nicht gezeigt werden können. Im Spiegel der Kunstwerke werden gesellschaftliche, ökonomische, politische und kulturelle Bedingungen in verschiedenen zeitlichen Abschnitten und in verschiedenen regionalen Ausprägungen der Erdölmoderne rund um den Globus sichtbar.

Quelle: Kunstmuseum Wolfsburg

 

Erdöl-Ausstellung in Wolfsburg: Bilder

  • Richard Wilson, 20:50, 1987, Installationsansicht Space Shifters © Der Künstler, Hayward Gallery 2018. Foto: Mark Blower.

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