Andrea del Verrocchio

Wer war Andrea del Verrocchio?

Andrea di Michele Cione, genannt Andrea del Verrocchio (1435–1488), wurde als Goldschmied und Bildhauer in Marmor und Bronze ausgebildet. In den 1460er Jahren wandte er sich auch der Malerei zu. Zweifellos war Andrea del Verrocchio der führende Plastiker seiner Zeit, wie „Christus und der hl. Thomas“ (1467-1483) am Orsanmichele in Florenz und die Reiterstatue des Bartolomeo Colleoni in Venedig beweisen.

Andrea del Verrocchio war ein außergewöhnlicher Zeichner, wie der vollständig rekonstruierte und konsistente Korpus seiner sehr seltenen Zeichnungen vermittelt. Schließlich war Verrocchio ein Humanist, der die Texte und deren erzählerisches Element verstand. Belege dafür sind die Bronze des „Ungläubigen heiligen Thomas“ oder die Careggi-Terrakotta-„Auferstehung“. Darüber hinaus war Verrocchio offensichtlich an der antiken Kunst geschult, zeigen doch Werke wie der „David“, das Grab von Giovanni und Piero de‘ Medici, der „Putto mit Delphin“ und das Reiterstandbild des Colleoni in Venedig eine bewusste Auseinandersetzung mit antiken Vorbildern.

Bedeutung

Andrea del Verrocchio wurde zwischen 1434 und 1437 als Sohn von Michele Cioni, einem Kalkbrenner, und seine Frau Gemma geboren. Andrea war ein Zeitgenosse von Antonio Rossellino, Mino da Fiesole, Desiderio da Settignano, Antonio del Pollaiuolo, Giuliano und Benedetto da Maiano. Ihre Generation löste die Begründer der Florentiner Renaissance – Nanni di Banco, Brunelleschi, Ghiberti, Donatello – ab. Unter der Herrschaft der Medici erlebte Florenz einen beispiellosen Aufschwung in der Kunstpatronage. Andrea del Verrocchio scheint der einzige seiner Zeit gewesen zu sein, der den Forschergeist des Donatello in sich verspürte. Nach Donatellos Tod 1466 wurde Andrea del Verrocchio der führende Bildhauer in Florenz.

Verrocchio arbeitete in allen Medien, in Terracotta, Wachs, Marmor, in hartem Steinen, Metall. Er versuchte zeitlebens, Fragen der Bewegung und Vielfalt der Ansichten seiner Skulpturen zu beantworten. Andrea del Verrocchio war auch Maler, Schöpfer einer berühmten „Taufe Christi“ für die Kirche des Klosters San Salvi und anscheinend Erfinder einer Madonna mit einer konvexen Stirn und wie gemeißelt erscheinenden Augen, die reiche Nachfolge fand.

Skulptur

Im Jahr 1465 bekam Andrea del Verrocchio den Auftrag für das Grab von Cosimo de' Medici, das an der zentralen Säule der Krypta von San Lorenzo unter der Kreuzung des Querschiffs und der rechten Seite der Kuppel liegt. Die Begräbnisstätte ist vor dem Hauptaltar der Basilika geplant. Verrocchio markiert sie durch eine Scheibe aus rotem Porphyr, eingelegt mit weißem Marmor und grünem Porphyr. Er ließ in ein Quadrat aus dunklem Stein das Epitaph „cosmus medices hic situs est decreto publico pater patriae“ einschreiben. Am 22. Oktober 1467 wurden die sterblichen Überreste von Cosimo an die neue Begräbnisstätte gebracht.

Zur selben Zeit realisierte Andrea del Verrocchio für die Medici den Bronze-„David“. In diesem Werk stellte er sich in Konkurrenz mit Donatello. 1476 verkaufte er ihn an Lorenzo und Giuliano de‘ Medici, die den Bronze-„David“ in ihrem Palast aufstellten.

Am 15. Januar 1467 erhielt Andrea del Verrocchio eine erste Zahlung für die Skulpturengruppe des „Christus und der ungläubige Thomas“. Er schuf die Bronze im Auftrag der Università della Mercanzia, des Handelsgerichts von Florenz, für die Nische, die sie in der Kirche von Orsanmichele besaß. An dem Projekt waren Piero und Lorenzo de‘ Medici intensiv beteiligt.

Andrea del Verrocchio konzipierte in den frühen 1470er Jahren unter der Aufsicht von Lorenzo des Prächtigen das Grab seines Vaters Piero, der am 2. Dezember 1469 starb, und seines Onkels Giovanni. Verrocchio entwarf eine aus rotem Porphyr geschmückte, grüne Steinscheibe. Diese ist besetzt mit Ornamenten aus Akanthus, Laub, Früchten sowie antiker Bronze, getragen von Löwenfüßen auf einem weißen Marmorsockel. Ein geflochtenes Tor aus Bronzeschnüren füllt die Öffnung zwischen der Alten Sakristei und der Kapelle der Heiligen Cosmo und Damian in San Lorenzo. Die Basis des Denkmals trägt zwar das Datum von 1472, aber Lorenzo schrieb in seinem kurzen „Ricordi“, die er am 15. März 1473 begannen, dass dessen Ausführung damals noch lief.

Der bewundernswerte Marmor der „Dame mit dem Blumenstrauß“ (1470-1480, Orsanmichele, Museo nazionale del Bargello, Florenz) wurde 1882 von Wilhelm von Bode Andrea del Verrocchio zugeschrieben, da er sie mit der Figur des Glaubens des Forteguerri-Denkmals an die Kathedrale von Pistoia verglich. Das Genre der weiblichen Porträt-Büste wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Florenz entwickelt und von Desiderio da Settignano und Antonio Rossellino zu einem ersten Höhepunkt geführt. Verrocchio erneuerte das Genre, indem er den Oberkörper, die Arme und die Hände veränderte. Seine „Dame mit dem Blumenstrauß“ hat wahrscheinlich eine antike Quelle in römischen Bestattungsporträts, in denen die Ehemänner die rechte Hand in der Geste des junctio dextrarum halten. Die zeitgenössische Referenz liegt in den Darstellungen der Jungfrau Maria mit einem stehenden Kind. Solche Halbfiguren sind vor allem von Luca della Robbia bekannt. Damit reagierte Andrea del Verrocchio auf einen grundlegenden Moment in der Entwicklung des florentinischen Porträts in den 1460er und 1470er Jahren: Die zeitlose Unbeweglichkeit, in der Malerei durch eine Profilansicht oder eine Frontalität in der Skulptur wurde in eine bewegliche Vitalität überführt. Die Identität der „Dame mit dem Blumenstrauß“ bleibt ein Rätsel, auch wenn sie wie eine Schwester der großen Heldinnen der Schönheit und Tugend erscheint. Sie erinnert an Lucrezia Donati, Simonetta Vespucci oder Ginevra de 'Benci, die von den Dichtern des Medici-Kreises und der platonischen Akademie gefeiert wurden. Verrocchios Dame steht aufrecht in einer leichten Gegenbewegung, das Schwingen ihrer Arme deutet sogar auf die Bewegung (eines Spaziergangs) hin. Sie hält sich die Blumen, die sie gepflückt hat oder die ihr gerade von ihrem Verehrer ausgehändigt wurden, am Herzen. Das Gesicht ist teilnahmslos, aber das Lächeln und die Bewegung des Kopfes deuten Gefühle an.

Der „Putto mit dem Delphin“ (1470-1480, Palazzo Vecchio, Florenz) stammt vom Brunnen-Dekor der Careggi Villa. In der Skulptur setzte sich Verrocchio mit verschiedenen antiken Vorbildern auseinander. Sie ist die erste Renaissance-Skulptur, die auf einem fließenden Kontinuum perfekt aufeinander abgestimmter Ansichten aufbaut.

Condottiere Bartolomeo Colleoni (1475-1496)

Im einem Nachtrag vom 31. Oktober 1475 in seinem Testament vom 27. Oktober verlangte der Condottiere Bartolomeo Colleoni, Generalkapitän der Armeen der Republik Venedig, dass die Serenissima, der er 100.000 Golddukaten vermachte, von seinem Soldrückstand befreit wurde. Er verölangte eine bronzene Reiterstatue auf der Piazza San Marco zu seiner Erinnerung. Am 30. Juli 1479 ernannte der Senat von Venedig drei Operai zu diesem Zweck. Andrea del Verrocchio konnte den Auftrag für sich entscheiden, aber es ist kein Dokument über die Arbeit erhalten, bevor es zum Kauf von Gußmetall im Werk von 300 Dukaten am 18. März 1488 kam. Der erkrankte Verrocchio schrieb am 25. Juni 1488 in Venedig sein Testament und starb dort, nachdem er das Modell von Pferd und Reiter vollendet hatte. Am 13. Januar 1490 übertrug der Senat das Gießen dem Venezianer Alessandro Leopardi. Leopardi scheint das Pferd getreu ausgeführt zu haben, wovon er jedoch den Schweif verlängert hat. Ausführlicher scheint er an Colleonis Figur eingegriffen zu haben, allerdings nicht auf die Pose, sondern auf das Detail. Die Reiterstatue wurde schließlich am Campo dei SS Giovanni e Paolo errichtet und am 21. März 1496 enthüllt.

Das Pferd übertrifft in natürlicher Vitalität, Bewegungsfreiheit und morphologischer Genauigkeit die großen Beispiele der Antike, den Marcus Aurel, das Regisole von Pavia, das Oberhaupt des Medici-Palastes und die Pferde von San Marco, sowie sein moderner Rivale, den „Gattamelata“ von Donatello auf der Piazza del Santo de Padua. Das Schwenken der Büste gegen der Kopfbewegung, die Anhebung der linken Schulter, Ellbogens und Handgelenks, die die Zügel halten, kennzeichnen das perfekte rhythmische Zusammenspiel von Reiter und Montur. Wie der „Putto“ der Careggi kann auch der Colleoni aus allen Richtungen betrachtet werden (allansichtig).

Verrocchio, der Maler

Verrocchios Werk als Maler bereitet der Forschung noch Probleme. Einerseits beziehen sich zahlreiche Dokumente auf Andrea del Verrocchio als Maler, und er war im Jahr 1472 nachweislich Mitglied der Malerzunft, doch sein einziges dokumentiertes Werk ist die „Madonna mit Kind thronend mit Heiligen“, auch „Madonna di Piazza“ genannt, aus der Kathedrale in Pistoia. Die jüngste Restaurierung der Tafel hat bewiesen, dass sie mit größter Sicherheit von Andrea del Verrocchios Schüler und Erben Lorenzo di Credi ausgeführt worden ist.1

Eine weiter Gruppe an kleinen Andachtsbildern, die meist eine Madonna in Halbfigur zeigen, ist ebenso problematisch. Diese Gemälde in London und Berlin sind im Stil der Verrocchio-Werkstatt ausgeführt, scheinen aber nicht von derselben Hand zu stammen. In der Forschung werden sie nicht nur Lorenzo di Credi, sondern auch Domenico Ghirlandaio, Pietro Perugino und sogar Leonardo da Vinci zugeschrieben. Nur die „Madonna mit dem sitzenden Kind“ in der Gemäldegalerie in Berlin ist mit großer Zustimmung Andrea del Verrocchio zugeschrieben worden.

Lehrer von Leonardo

Wahrscheinlich um 1464 trat der damals zwölfjährige Leonardo da Vinci, nachdem er die Scuola d'abaco beendet hatte, in das Atelier Andrea del Verrocchios ein.

Beiträge zu Andrea del Verrocchio

22. Mai 2020
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Die bislang kaum erforschte, aber qualitätsvolle Hamburger Sammlung Wolffson, ihre Stellung in der Sammlungslandschaft der Hansestadt und das Verhältnis des Sammlers Albert Martin Wolffson (1847–1913) zur Hamburger Kunsthalle sind das Thema der Ausstellung „Von Menzel bis Monet“.

Beiträge zur Renaissance in Florenz

19. Mai 2020
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22. Oktober 2019
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2. Oktober 2019
Raffael, Heilige Katharina von Alexandria, Detail, um 1507, Öl auf Pappel, 72.2 x 55.7 cm (© The National Gallery, London)

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Raffael: Sein Leben war kurz, seine Arbeit produktiv und sein Erbe unsterblich. Im Herbst 2020 widmet ihm die National Gallery in London eine großangelegte Überblicksschau, ausgehend von den eigenen zehn Gemälden des bedeutenden Malers der italienischen Hochrenaissance.
  1. Gigetta Dalli Regoli, in: Maestri e botteghe: pittura a Firenze alle fine del quattrocento (Ausst.-Kat.), Florenz 1992, S. 52, Kat.-Nr. 1.5.