Anthonis van Dyck

Wer war Anthonis van Dyck?

Anthonis van Dyck (flämisch Antoon van Dyck, 1599–1641) war ein flämischer Maler, der besonders als Porträtist am Londoner Hof reüssierte. Zudem schuf er Grafiken und publizierte 1640 seine Porträtsammlung unter dem Titel „Ikonografphie“. Der hochbegabte Schüler von Hendrick van Balen arbeitete als freier Mitarbeiter von Peter Paul Rubens, der ihn als seinen wichtigsten Schüler lobte.

 

Rubens „bester Schüler“

Bereits mit 19 Jahren wurde Anthonis van Dyck als unabhängiger Meister in die Antwerpener Malergilde aufgenommen und arbeitete gleichzeitig im Atelier von Peter Paul Rubens. Hier malt er unter anderem an den Kartons des Decius-Mus-Zyklus wie den Deckengemälden der Antwerpener Jesuitenkirche. Die Auftraggeber Rubens‘, darunter herausragende Kunstkenner Englands wie Thomas Howard, 21. Earl of Arundel, lernten den ambitionierten und talentierten Maler bald kennen und schätzen. Rubens nutzte die steigende Bekanntheit seines Mitarbeiters und führte ihn namentlich in Verträgen an bzw. nannte ihn in Briefen „seinen besten Schüler“.

 

Anthonis van Dyck in England

Auf Veranlassung Arundels reiste Anthonis van Dyck 1620 erstmals nach England. In London trat er 1621 in die Dienste von James I. (1566–1625), gleichzeitig porträtierte er Persönlichkeiten des Stuart-Hofes. Dabei nutzte er die Gelegenheit, die in deren Sammlungen befindlichen Meisterwerke der italienischen Renaissance zu studieren, die ihn schon in Antwerpen interessiert hatten.

 

Italien

Mit Erlaubnis des Königs reiste Anthonis van Dyck nach Italien, um sich dort fortzubilden. Van Dyck hielt sich zwischen 1621 und 1626 in Genua, Rom, Sizilien und Venedig auf und perfektionierte dort seine Porträtkunst. Insgesamt porträtiert er in seinem Leben etwa 280 Personen. Das Studium der italienischen Renaissance-Meister Tizian und Paolo Veronese minderte den Einfluss von Rubens auf das Werk Van Dycks. Am 12. Juli 1624 besuchte Anthonis van Dyck die betagte Sofonisba Anguissola in Sizilien. Er zeichnete ihr Porträt in das „Italienische Skizzenbuch“ und hielt dort auch den Inhalt ihres Gesprächs fest.

 

Hofmaler von Erzherzogin Isabella

1627 kehrte Anthonis van Dyck nach Antwerpen zurück. Hier trat er der Sodalität der Unverheirateten, einer jesuitischen Laienbruderschaft, bei und pflegte freundschaftlichen Umgang mit seinem Lehrer Peter Paul Rubens. Für die Bruderschaft malte Van Dyck „Die Krönung der Hl. Rosalia“ (KHM, Wien) und „Die Vision des seligen Herman-Joseph“ für das Jesuitenkonvent. Weitere Altarbilder entstanden für die Genter Heiligkreuzbruderschaft, die Minoriten in Mechelen, die Liebfrauenschaft in Denderminde.

Ende der 1620er und Anfang der 1630er Jahre reiste Anthonis van Dyck an den Hof in Den Haag, wo er die Porträts von Frederick Hendrick von Oranien und seiner Gattin, Amalia von Solms, malte und Aufträge für den Exilierten Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz ausführte. Im Juni 1628 malte er Nicolas Lanier, „Master of the King’s Music”, der 1632 Charles I. nach London berichtete, dass Van Dyck erneut bereit wäre zu übersiedeln. In einer Vollmacht für den Maler Pieter Snayers nannte sich Anthonis van Dyck selbst „Maler ihrer Hoheit, der Erzherzogin Isabella“ (27. Mai 1630). Für das Amt des Brüsseler Hofmalers erhielt er eine jährliche Pension von 250 Gulden, er blieb aber in Antwerpen wohnhaft. Auch wenn Van Dyck 1632 nach London übersiedelte, ernannte ihn die Antwerpener Lukasgilde zu ihrem Ehrendekan (18.10.1634).

 

Hofmaler von Charles II. in London

Im April 1632 hielt sich Anthonis van Dyck bereits in London auf. Anfangs lebte er bei Edward Norgate, dem Illuminator der königlichen Patente. Ein Monat später zog er in ein Haus in Blackfriars an der Themse. Das Haus lag außerhalb der Zuständigkeit der Londoner Malerzunft (Painters-Stainers Company). Die Miete wurde von der Krone beglichen. Darüber hinaus erhielt Anthonis van Dyck, „der erste Hofmaler“ eine Wohnung im königlichen Sommerpalast von Eltham in Kent (nicht mehr erhalten). Am 5. Juli 1632 schlug ihn Charles I. in St. Jame’s Palace zum Ritter.

Für Charles I. (1600–1649) schuf Anthonis van Dyck unzählige Porträts und kümmerte sich um den in Mantua erworbenen Tizian-Zyklus. Er restaurierte das Bildnis von Gallus und ersetzte Kaiser Vitellius. Damit der König Van Dycks Gemäldesammlung besichtigen konnte, wurde ein Landesteg in dessen Garten errichtet. Als Abraham van der Doort ein Verzeichnis der königlichen Gemäldesammlung in Whitehall Palace erstellte (Dezember 1638–Januar 1639), listete er dreizehn Gemälde von Anthonis van Dyck auf, dazu dessen Vorzeichnungen für „Le Roi à la Chasse“, die der König zusammen mit wertvollen Zeichnungen (Leonardo da Vinci und Michelangelo Buonarroti) in einem besonderen Album verwahrte.

1640 heiratete Anthonis van Dyck und publizierte die erste Ausgabe seiner „Ikonographie“. Sie enthält 80 Kupferstiche von Porträts von Fürsten, Staatsmännern und Philosophen, Künstlern und Kunstliebhabern in Antwerpen. Nach dem Tod von Peter Paul Rubens weigerte sich Van Dyck dessen unvollendet hinterlassenen Gemälde fertigzustellen. Sein Interesse an der Ausstattung der Grand Galerie im Louvre wurde nicht erfüllt (ging an Nicolas Poussin). Kurz vor Anthonis van Dycks Tod wurde seine eheliche Tochter Justiniana geboren (1.12.1641). Der berühmte flämische Maler starb am 9. Dezember 1641 und wurde in St. Paul’s Cathedral bestattet.

Beiträge zu Anthonis van Dyck

22. Februar 2018
Anthonis van Dyck, Endymion Porter und Anthonis van Dyck, Detail, um 1633, Öl/Lw, 119 x 144 cm (© Museo Nacional del Prado)

Anthonis van Dyck: Biografie Leben und Werke des flämischen Barockmalers

Anthonis van Dyck (1599–1641) war ein flämischer Maler, der besonders als Porträtist am Londoner Hof reüssierte. Hier finden Sie alle wichtigen Daten zu seinem Leben, seinen Reisen, Auftraggebern, seiner Familie.