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Auguste Rodin: Biografie Leben und Werk des französischen Plastikers und Bildhauers

Auguste Rodin, Der Denker, Detail, 1881 (Musée Rodin, Paris)

Auguste Rodin, Der Denker, Detail, 1881 (Musée Rodin, Paris)

Auguste Rodin (1840–1917) ist der bedeutendste Bildhauer Frankreichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Rodin führte Bildhauerei und Plastik zu völlig neuen Ausdrucksformen und näherte sich stilistisch mit seinen bewegten Oberflächen dem Impressionismus an. Inhaltlich ist Rodins Werk vom Symbolismus stark beeinflusst, suchte der Pariser Künstler doch menschliche Emotionen und nicht das Erzählerische in den Vordergrund zu stellen. Mit Werken wie „Der Denker“, „Der Kuss“, „Die Bürger von Calais“ und „Eva“ schuf er Ikonen der Moderne, die bei den Zeitgenossen häufig auf Unverständnis stießen. Dennoch gelang ihm - u.a. mit Hilfe der Fotografie - kurz nach 1900 der internationale Durchbruch.

 

Ehefrau und Partnerschaften

  • Rose Beuret (* Juni 1844–16.2.1917): Ab 1864 lebten die beiden zusammen, am 29. Januar 1917 heitrateten sie. Zwei Wochen später starb Rose.
  • Camille Claudel (8.12.1864–19.10.1943): 1883 erstes Zusammentreffen mit der talentierten Bildhauerin, leidenschaftliche Liebe bis 1898.
  • Gwen John: 1904 begann die Waliser Künstlerin für Auguste Rodin Modell zu stehen und wurde seine Geliebte. Bis 1914.

 

Kind

  • Auguste-Eugène Beuret (1866–1934), Sohn gemeinsam mit Rose Beuret

 

Weitere Beiträge zu Auguste Rodin

 

Beiträge zu Zeitgenossen von Auguste Rodin

 

Biografie von Auguste Rodin (1840–1917)

  • 1840

    Auguste Rodin wurde am 12. November 1840 als Sohn des Polizisten und Polizeiinspektors Jean-Baptiste Rodin (1802–1883) in Paris geboren. Schon während seiner Schulzeit konnte sich Auguste Rodin nur für das Zeichnen begeistern und war daher ein mäßiger Schüler.
  • 1851

    Unterricht bei seinem Onkel in Beauvais.
  • 1854

    Besuch der Petit École (später: Kunstgewerbeschule) im Paris, einer Ausbildungsstätte für Stuckateure, wo er vornehmlich in Zeichnen und Mathematik, dem Studium der antiken Kunst, aus dem Gedächtnis Zeichnen von Lecoq de Boisbaudran (1802–1897) unterrichtet wurde.
  • 1857 / 1858 / 1859

    Auguste Rodin scheiterte drei Mal an der Aufnahme in die Ecole des Beaux-Arts. Daher arbeitete er anfangs für Stuckateure und Goldschmiede.
  • 1862

    Tod der Schwester Marie. Rodin floh als Novize zu den Vätern des Heiligen Sakraments.
  • 1864

    Begegnete Rose Beuret (1844–). Anstellung als Assistent von Albert-Ernest Carrier-Belleuse (1824–1887), einem der beliebtesten Bildhauer der Zweiten Republik, in dessen Atelier er sich den Umgang mit gebrannter Tonerde (Terrakotta) aneignete. Besuchte Kurse von Barye im Naturkundemuseum. Konnte sich in einem unbeheizten Stall sein erstes eigenes Atelier einrichten.
  • 1865

    Erste Einreichung zum Salon mit „Der Mann mit der gebrochenen Nase“, die Maske wurde jedoch als unvollkommen zurückgewiesen, weil der hintere Teil des Kopfes wegen der Kälte in Rodins Atelier abgebrochen war. Sie wurde von Rodin aufbewahrt und 1878 in einer Ausstellung präsentiert.
  • 1866

    Geburt des Sohnes Auguste Beuret. Aufenthalt in Straßburg.
  • 1870

    Misserfolg in Paris und Rückkehr zu Carrier-Belleuse, der Brüssel den Auftrag für die Gestaltung des Frieses der Warenbörse erhalten hatte. Auguste Rodin befand sich in Brüssel.
  • 1871

    Im Juni präsentierte Rodin einige dekorative Büsten unter eigenem Namen, was Carrier-Belleuse nicht akzeptieren konnte und die Mitarbeit Rodins beendete. Finanziell schwieriger Sommer, weshalb Rodin begann eine große Zahl von dekorativen Büsten zu schaffen, von denen er sich später distanzierte. Die Büsten entstanden nach einer Tonform und wurden einzeln überarbeitet, um ihnen ein unikales Gepräge zu verleihen. Damit schuf sich Rodin ein finanzielles Polster.
  • 1973

    Am 12. Februar schloss Rodin mit dem alten Freund Joseph Van Rasbourgh einen Vertrag.
  • 1875

    Rodin konnte sich einer ersten eigenständigen Skulptur zuwenden: „Das Eherne Zeitalter“. Präsentierte die Marmorfassung von „Der Mann mit der gebrochenen Nase“ am Salon. Reise nach Italien.
  • 1876

    „Idylle von Ixelles“.
  • 1877

    Rodin stellte erstmals im Brüsseler Cercle Artistique et Littéraire und dann am Salon „Das Eherne Zeitalter (Der Besiegte)“ aus (Jänner). Rückkehr nach Paris. Beteiligte sich am Wettbewerb um ein Byron-Denkmal im Green Park in London.
  • 1878

    Arbeiten am Trocadéro, in Nizza und Marseille. Fertigte Masken für den Brunnen auf der Weltausstellung für Eugène Legrain an. Albert Cruchet gab eine Büste seiner Frau bei Rodin in Auftrag.
  • 1879

    Auguste Rodin arbeite für die Manufaktur in Sèvres. Präsentierte die Porträtbüste auf dem Salon. Abschlägiges Urteil über „Bellona“ und den Entwurf für das Mahnmal zur Verteidigung von Paris.
  • 1880

    Rodin stellte „Das Eherne Zeitalter“ und „Johannes der Täufer, predigend“ im Salon aus. Erste Würdigung. Bekam ein offizielles Atelier in der Rue de l’Université, im Marmorlager.
  • 1881

    Der französische Staat erwarb „Das Eherne Zeitalter“ für das Musée du Luxembourg. Erhielt den Auftrag für die Gestaltung einer Tür für das Kunstgewerbemuseum, dem späteren „Höllentor“. Reise nach England. Sah den Maler Alphonse Legros wieder, dessen Büste er anfertigte. Bewerbung um die Errichtung eines Dankmals für Lazare Carnot.
  • 1882

    Erste Rezension Rodins im „Magazine of Art“, in der er als „Ausnahmeerscheinung“ bezeichnet wurde. Büsten von Carrier-Belleuse, Henry Becque, Jules Dalou, Jean-Paul Laurens. „Ugolino“ und „Ich bin schön“.
  • 1883

    Büste des Dichters Victor Hugo (1802–1885). Im Mai Reise nach London, wo er bei seinem Freund Gustav Natorp wohnte. Der Bildhauer fand im British Museum in der Figur des assyrischen Gottes Nabu ein Vorbild für die Gestaltung von Hugos Schädel und dessen steifen Bart. Vielleicht Begegnung mit Camille Claudel (?). Tod von Auguste Rodins Vater.
  • 1884

    Auguste Rodin erhielt den Auftrag für „Die Bürger von Calais“, schuf die Büste von Madame Morla Vicuña. Ausschreibung für das Denkmal des Generals Margueritte.
  • 1885

    Präsentierte die Büste von Antonin Proust. Auftrag für das Denkmal für Bastien-Lepage. „Die Marter“, „Die Danaide“.
  • 1886

    Nahm nicht am Salon teil, dafür aber zehn Skulpturen in der Galerie Georges Petit. Rodin erarbeitete „Der Kuss“, „Der Gedanke“ und einen Porträtkopf von Camille Claudel. Maquette für das Reiterstandbild von General Lynch.
  • 1887

    Stellte drei der „Bürger“ bei Georges Petit aus. Auguste Rodin wurde zu Ritter der Ehrenlegion bestellt. „Haupt des Heiligen Johannes“, „Die Sirene“, „Paolo und Francesca“, Büste von Frau Russel.
  • 1888

    Rodin illustrierte die „Blumen des Bösen“ für Paul Gallimard. Bezog gemeinsam mit Camille ein Atelier in der Folie Neubourg, Boulevard d’Italie. Staatsauftrag für den „Kuss“.
  • 1889

    Erste Ausstellung gemeinsam mit Claude Monet (1840–1926) Die „Bürger von Calais“ wurde erstmals ausgestellt. „Das Ewige Idol“. Stellte einige Werke auf der Weltausstellung aus. Auftrag für das Denkmal für Claude Lorrain in Nancy. Offizieller Auftrag für ein Victor-Hugo-Denkmal im Panthón. Enthüllung des Denkmals für Bastien Lepage in Damvillers. Auguste Rodin beteiligte sich an der Gründung der Nationalen Kunstgesellschaft.
  • 1890

    Umgestaltung der Büste des Victor Hugo zu einer „heroischen“ Figur. Auftrag für eine Büste des Puvis de Chavannes. Ausstellung im Salon der Nationalen Kunstgesellschaft. Reise in die Touraine. „Die Verzweiflung“.
  • 1891

    Auftrag des Schriftstellerverbandes für den Balzac. Reise zu den Kanalinseln Jersey und Guernsey. Medaillon von César Franck mit dem Porträt von Auguste Rodin.
  • 1892

    Enthüllung des Claude-Lorrain-Dekmals, das heftige Proteste auslöste. Camille Claudel trennte sich von Rodin. Rodin wurde zum Offizier der Ehrenlegion bestellt.
  • 1893

    Ausstellung im Salon der Nationalen Kunstgesellschaft, in Chicago und in München. Bourdelle wurde Gehilfe im Atelier von Rodin. Umzug in die Villa Bellevue in Meudon. Entwurf für den „Turm der Arbeit“.
  • 1894

    Auseinandersetzung über den Balzac. Reisen in Frankreich.
  • 1895

    Enthüllung der „Bürger von Calais“. Auftrag für das Sarmiento-Denkmal in Bueno Aires. Kauf der Villa des Brillants in Meudon.
  • 1897

    Präsentierte am Salon den unvollendeten „Victor Hugo“. Octave Mirbeau schrieb ein Vorwort für das Buch „Zeichnungen von Rodin“ bei Goupil.
  • 1898

    War mit „Balzac“ und einer vergrößerten Fassung von „Der Kuss“ am Salon vertreten. Auflösung des Vertrages für den „Balzac“. Rodins Freunde starteten eine Geldmittelkampagne. Endgültiger Bruch mit Camille Claudel.
  • 1899

    Ausstellungen in Amsterdam, Den Haag und Brüssel. Auftrag für ein Denkmal des Puvis de Chavannes. Büste von Falguière und „Eva“ entstanden.
  • 1905/06

    Der junge Dichter Rainer Maria Rilke war der Sekretär von Auguste Rodin.
  • 1916

    Gründung des Musée Rodin, das 1919 seine Tore öffnete.
  • 29. Januar 1917

    Nach 35 Jahren wilder Ehe heurateten Rose Beurent und Auguste Rodin. Nur zwei Wochen später, am 16. Februar, verstarb Rose. Auguste Rodin war Anfang des Jahres an der Grippe erkrankt.
  • 17. November 1917

    Am 16. November attestierte Rodins Arzt, dass sich in der Lunge Wasser angesammelt hatte, was zu starker Ermüdung geführt hatte. Am 17. November 1917 starb Auguste Rodin im Alter von 77 Jahren in Meudon. Er wurde hier auch begraben und „Der Denker“ in der Nähe seiner letzten Ruhestätte aufgestellt.
  • 1923

    Marcell Tirel, Rodins Sekretär, veröffentlichte ein Buch, in dem er den Tod Rodins auf die Kälte zurückführte und den Umstand, dass es keine Heizung in Meudon gab. Rodin hätte um die Erlaubnis gefragt, im Hotel Biron unterzukommen, aber der Direktor des Museums hätte das abgelehnt.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.