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In den Wintermonaten 1890/91 malte Claude Monet 25 Gemälde von Heuschobern in verschiedenen Licht- und Wetterstimmungen. Mit der Heuschober-Serie begann Monet sich nach dem Bruch mit seinen Malerkollegen und vielen Reisen während der 1880er Jahre seriell mit einem Thema auseinanderzusetzen und die impressionistische Landschaftsmalerei der vorangegangenen Jahrzehnte zu hinterfragen. In der ländlichen Umgebung von Giverny fand Monet die idealen Bedingungen für seine Recherche zu Farbe, Unschärfe und Stimmung. Er stellte seine Leinwand nahe seiner Gartenmauer auf und blickte nach Westen bzw. Südwesten in Richtung der Seine. Das anschließende Feld wurde Clos Morin genannt. Nach der Ernte hatten die Bauern dort unzählige „Heuschober“ (besser „Kornschober“) aufgestellt, d. h. kreisförmige Bündel von Stroh mit charakteristischen konischen Dächern. Aus ökonomischer Perspektive stellten diese „Heuschober“ den Ertrag und die Anstrengungen bäuerlicher Arbeit dar. Heuschober bzw. Kornschober aren in der französischen Landschaftsmalerei seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wichtige Elemente bäuerlich organisierter Landschaften. Maler wie Millet und Van Gogh stellten rastende Bauern im Schatten der von ihnen geschaffenen Strukturen dar (→ Vincent van Gogh. Von Paris nach Arles), womit die gebäudeartigen Vorratslager auch zu Symbolen der Hoffnung wurden.

Dem nunmehr vierzigjährigen Monet ging es in der Serie nicht um die romantisierende Schilderung bäuerlicher Erwerbsarbeit, sondern um ein malerisches Experiment: Indem er immer das gleiche Sujet wählte, einen großen „Heuschober“ rechts im Vordergrund und kleinere Strukturen im Hintergrund, konnte er sich auf die Farbveränderungen konzentrieren. Die duftigen Rosa-, Flieder-, Orange- und Gelbtöne verband er mit dem winterlichen Weiß zu hellen bis feurigen Kompositionen. Anstelle die visuelle Erfahrung der Natur auf die Leinwand zu übersetzen, stellte Monet seine Empfindungen zunehmend in das Zentrum seiner Beobachtungen. Das Sujet verlor an Bedeutung, die Farbe gewann eine abstrakte Qualität und die künstlerischen Mittel wurden zunehmend autonomer von Monet eingesetzt. Das Spätwerk des Künstlers (ab 1890) gilt heute als wesentlicher Meilenstein zwischen Realismus, Impressionismus und der Erfindung der Abstraktion im frühen 20. Jahrhundert. In den folgenden Jahren inspirierte „Meule au soleil [Kornschober im Sommer]“ (1891, Kunsthaus Zürich; Abbildung und Text → Claude Monet in der Fondation Beyeler) dieser radikalen Serie Wassily Kandinsky Maler zu werden.

 

„Ich empfand dumpf, dass das Bild nicht nur packt, sondern sich unverwischbar in das Gedächtnis einprägt und immer ganz unerwartet bis zur letzten Einzelheit vor den Augen schwebt.“[1]Zitiert nach Karin Sagner-Düchting, Monets Spätwerk im Blick der Moderne, in: Claude Monet und die Moderne (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München) München 2001, S. 22. (Wassily Kandinsky)

 

Fünfzehn der Gemälde der Kornschober-Serie stellte Paul Durand-Ruel im Mai 1891 in seiner Galerie aus. Bis Ende des Jahres hatten alle bis auf zwei Werke das Atelier des Künstlers bereits verlassen. Der amerikanische Kunsthändler Knoedler wählte im September 1891 fünf „Heuschober“ direkt bei Claude Monet aus und brachte die Bilder in die USA. Das jetzt versteigerte ist das einzige dieser Gruppe, das sich noch in Privatbesitz befindet.

 

Neuer Auktions-Weltrekord für Claude Monet

Am 16. November 2016 wurde Claude Monets „Meule [Heuschober]“ bei Christie’s New York für $ 81.447.500.- (€ 75,774,215) verkauft. Ein anonymer Telefonbieter erwarb das Gemälde innerhalb von 14 Minuten Bietergefecht. Bislang war „Le bassin aux nymphéas“ (1919) mit einem Preis von $ 80.451.178.- das teuerste auktionierte Monet-Gemälde.

 

Bild:

  • Claude Monet, Meule [Heuschober], 1891, Öl auf Leinwand, 72,7 x 92,1 cm (Privatbesitz © Courtesy Christie’s New York)

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1. Zitiert nach Karin Sagner-Düchting, Monets Spätwerk im Blick der Moderne, in: Claude Monet und die Moderne (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München) München 2001, S. 22.