Catharina Treu: dt. Malerin des Barock | ARTinWORDS

Catharina Treu

Wer war Catharina Treu?

Catharina Treu (Bamberg 21.5.1743–11.10.1811 Mannheim) war eine deutsche Malerin des Barock bzw. Rokoko. Als Hofmalerin des speyerischen Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg und des pfalz-bayerischen Kurfürsten Karl Theodor schuf sie hauptsächlich Stillleben. Zudem unterrichtete Catharina Treu ab 1776 als Professorin an der Kunstakademie in Düsseldorf; damit ist die Spezialistin für Stillleben die erste Kunstprofessorin an einer deutsche Kunstakademie.

Kindheit & Ausbildung

Maria Catharina Wilhelmina Treu wurde am 21. Mai 1743 als Tochter des zum katholischen Glauben konvertierten Malers Marquard Treu (1712–1796) und seiner Ehefrau Catharina (1714–1789) in Bamberg, Hochstift Bamberg, geboren. Eigentlich hieß ihr Vater Jol Nathan und war der Sohn des Bamberger Hofjuden Wolf Nathan. Noch vor der Geburt seines ersten Kindes trat er zum katholischen Glauben über. Die Mutter Catharina Treus war die Tochter des Malers Johann Georg Friedrich.

Ihre Eltern förderten ihre insgesamt fünf Kinder früh, darunter Catharinas Bruder Christoph sowie ihre Schwestern Anna Maria und Rosalie. Schon als Zehnjährige soll Catharina Treu Insekten, Früchte und Blumen recht naturgetreu wiedergegeben haben. Auch später noch arbeitete Catharina mit ihrem Bruder Johann Nicolaus Treu (1734–1796) an Gemälden.

Schon bald arbeitete die Familie für prominente Klienten und entwickelte sich zu einer der wichtigsten Künstlerfamilien in Franken Mitte des 18. Jahrhunderts. 1762 wirkte sie an der Ausmalung der Würzburger Residenz mit und schuf Supraporten. Im Folgejahr malte sie in der Bamberger Residenz.

Bruchsal

Catharinas Talent wurde schnell erkannt. Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg, Fürstbischof von Speyer, beauftragte sie, ihm Bilder von teuren, exotischen Früchte zu malen, die er ihr geschickt hatte. Da das Ergebnis zu seiner Zufriedenheit ausgefallen war, wurde Catharina Treu 1766 seine Hofmalerin in Bruchsal.

Durch ein Reisestipendium des Fürstbischofs konnten Catharina Treu und ihr Bruder Christoph 1768 an der Zeichenschule von Lambert Krahe in Düsseldorf (gegr. 1762) studieren. Der Fürstbischof ermöglichte ihr einen einjährigen Aufenthalt an der Kurfürstlichen „Academie der Maler, Bildhauer- und Baukunst“, die spätere Kunstakademie Düsseldorf. Als Anschauungsmaterial stand ihnen die umfangreiche Sammlung des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor in der Gemäldegalerie Düsseldorf zu Verfügung. Ihr Ruf eilte der begabten Stilllebenmalerin voraus, denn kurz vor seinem Tod empfahl Christoph von Hutten seine Malerin beim Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz. Bereits ein Jahr später wurde Catharina Treu Kabinettmalerin im Dienste des Kurfürsten in Mannheim.

Catharina Treu in Mannheim

Seit dem 25. November 1769 stand die damals 26-jährige Catharina Treu im Dienst des Kurfürsten von der Pfalz und Bayern in Mannheim, Großherzogtum Baden. 1770 kehrte sie nach Mannheim zurück, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb. Ab 1776 war sie Honorarprofessorin an der Akademie in Düsseldorf.

Catharina genoss ein äußerst freizügiges Leben am Mannheimer Hof. Ihre Konditionen waren außerordentlich gut, ihr Gehalt von 600 Gulden wurde durch zusätzliche Zahlungen in Höhe von 200 Gulden jährlich aufgestockt. Sie erhielt Reisefreiheit und die Möglichkeit unabhängig auf dem freien Kunstmarkt zu arbeiten. Nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft am Hof, entwickelten sich ihre Gemälde bereits zu gesuchten Sammlerstücken. Der Kurfürst selbst erstand zwei Gemälde für die außergewöhnlich hohe Summe von 1.500 Gulden.

1770 besuchte Treu London, wo sie für den englischen Hof arbeitete.

Als Carl Theodor 1777 nach dem Tod von Kurfürst Maximilian III. Josef nach München berufen wurde, verlegte er seine Residenz an die Isar. Der gesamte Hofstaat folgte ihm, doch Catharina Treu weigerte sich Mannheim zu verlassen. Der Grund dafür ist unbekannt.

Einige Jahre später heiratete sie Jacob König, ein gut situierter Hofbauer aus Schwetzingen. Zwei Töchter gingen aus der Ehe hervor: Franziska (*1783) und Elisabeth (*1784/85), doch hielt die Beziehung nur bis zur Geburt ihrer zweiten Tochter im Jahre 1784. Hochschwanger zog sich Catharina nach Mannheim zurück, zog ihre Töchter alleine groß und bildete sie zu Malerinnen aus. In der Zeit der Koalitionskriege verlor sie einen Teil ihres Vermögens.

Professorin für Malerei in Düsseldorf

Am 30. September 1775 bat Catharina Treu Krahe in einem Brief um Fürsprache und Unterstützung. Kurze Zeit später, am 15. Februar 1776, berief Kurfürst Carl Theodor Treu zur Professorin der Kunstakademie in Düsseldorf (gegr. 1773) – ihre höchste Auszeichnung. Eine ungewöhnliche Position für eine Frau in dieser Zeit und ein Titel, den Catharina mit Stolz trug.

Catharina Treu war das erste weibliche Mitglied der Düsseldorfer Kunstakademie und die erste lehrende Professorin im ganzen deutschsprachigen Raum. Bis 1786 unterrichtete sie in dieser Funktion und bis 1788 führte sie der „Chur-Pfältzische Hoff- und Staats-Calender“ als ordentliches Mitglied des Lehrkörpers. In späterer Zeit wandte sie sich auch der religiösen Historienmalerei zu.

Werke

Im Jahr 1762 malte Catharina Treu im Auftrag von Franz Christoph Reichsfreiherr von Hutten zum Stolzenberg drei Supraporten für die Residenz in Würzburg.1

Catharina Treu spezialisierte sich auf Blumen- und Früchtestillleben. Um 1770 entstanden ihre besten Gemälde, vor allem Prunkstillleben nach Vorbildern der niederländischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Ihr Malstil zeigt eine Nähe zu Rachel Ruysch (1664–1750).

Die Geschwister Catharina und Johann Nikolaus Treu schufen das „Porträt von Catharina Treu mit Palette“ in Arbeitsteilung, eine gängige Praxis im Barock. Nikolaus stellte seine Schwester als Malerin dar, während Catharinas Stillleben gleichzeitig eine Probe ihres Könnens zeigt.

Tod

Am 11. Oktober 1811 verstarb Catharina Treu im Alter von 68 Jahren im Beisein ihrer Töchter in Mannheim.

Die Werke von Catharina Treu sind heute sind in Sammlungen in Augsburg, Bruchsal, Darmstadt, Düsseldorf, Karlsruhe, München, Speyer und Stuttgart vertreten.

Literatur zu Catharina Treu

  • Gabriele M. Thölken, Catharina Treu (1743 Bamberg – 1811 Mannheim). Die Hofmalerin des Kurfürsten Carl Theodor. Studien zu Leben und Werk (Dissertation, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, 2018) Ubstadt-Weiher 2021.
  • Stefanie Wolter, Das gar nicht stille Leben der Catharina Treu. Wie eine Bamberger Barockmalerin zur Kunstprofessorin in Düsseldorf aufstieg, in: Stefanie Wolter, Bamberger Streifzüge, Erfurt 2012, S. 107 ff.
  • Gabriele M. Thölken, Karrierefrau Catharina Treu, Mannheim. Die Kunstprofessorin und Hofmalerin des Kurfürsten Carl Theodor starb vor 200 Jahren, in: Schlösser Baden-Württemberg, 1/2011, S. 20–23.
  • Regina Hanemann, Vom Galanteriewarenhändler zum Hofmaler. Künstlerkarrieren am Ende des Fürstbistums Bamberg. Prolegomena zu einer Geschichte der Malersippe Treu, in: Hortulus Floridus Bambergensis: Studien zur fränkischen Kunst- und Kulturgeschichte, Petersberg 2004, S. 329–344.
  • Gabriele M. Thölken, Catharina Treu (1743–1811). Kabinettmalerin unter Kurfürst Carl Theodor in Mannheim, in: Bericht des Historischen Vereins Bamberg für die Pflege der Geschichte des Ehemaligen Fürstbistums 134 (1998), S. 217–240.
  • Treu (Maler-Familie), in: Hans Vollmer (Hg.), Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker, Band 33: Theodotos–Urlaub, Leipzig 1939, S. 384–385.
  • Erna Reidel, Katharina Treu, eine kurpfälzische Malerin der Karl-Theodor-Zeit, in: Kurpfälzer Jahrbuch, 1929, S. 90–95.
  • Joseph August Beringer, Katharina Treu-König, in: Allgemeine Deutsche Biographie, 54 (1908), S. 710–711.
  • Catharina Treu, in: Georg Kaspar Nagler, Neues allgemeines Künstler-Lexicon. 19. Band, München 1849, S. 71–72.

Beiträge zu Catharina Treu

Catharina van Hemessen, Selbstbildnis an der Staffelei, 1548 (Kunstmuseum Basel, Schenkung der Prof. J.J. Bachofen-Burckhardt-Stiftung 2015)

Basel | Kunstmuseum: Geniale Malerinnen vom 16. bis 18. Jahrhundert


Die Ausstellung verfolgt den Werdegang herausragender Künstlerinnen aus drei Jahrhunderten. Erstmals wird der familiäre Kontext, in dem die Künstlerinnen ihre Karriere entwickelten, thematisiert und durch die Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen sichtbar gemacht. Außerordentlich erfolgreich waren Künstlerinnen in jeglicher familiären Konstellation: Sie wurden Hofmalerinnen, Lehrende, Unternehmerinnen, aber auch Verlegerinnen und mit höchsten Auszeichnungen versehen.
Catharina van Hemessen, Selbstbildnis an der Staffelei, 1548 (Kunstmuseum Basel, Schenkung der Prof. J.J. Bachofen-Burckhardt-Stiftung 2015)

Hamburg | Bucerius Kunst Forum: Malerinnen und ihre Familien


Die Ausstellung verfolgt den Werdegang herausragender Künstlerinnen aus drei Jahrhunderten. Erstmals wird der familiäre Kontext, in dem die Künstlerinnen ihre Karriere entwickelten, thematisiert und durch die Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen sichtbar gemacht. Außerordentlich erfolgreich waren Künstlerinnen in jeglicher familiären Konstellation: Sie wurden Hofmalerinnen, Lehrende, Unternehmerinnen, aber auch Verlegerinnen und mit höchsten Auszeichnungen versehen.
Maria Angelika Weiß, Mädchenbildnis, Detail, 1826, Öl auf Leinwand, 62,5 x 49,5 cm (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt)

Schweinfurt | Museum Georg Schäfer: Malerinnen und Maler der Romantik


Malerinnen der Romantik in Deutschland im Kontext der männlichen Kunstproduktion ihrer Zeit zu diskutieren, ist das Ziel dieser spannenden Ausstellung im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. Während in den Jahrhunderten zuvor Künstlerinnen im Bereich der Tafelmalerei allenfalls der Status von Ausnahmetalenten und Einzelgängerinnen zuerkannt wurde, erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ihr Aufbruch als eine sich durch Briefkontakte vernetzende Gruppe.
  1. Saur 1992.