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Der Flaneur. Vom Impressionismus bis zur Gegenwart Kunstvolles Schlendern durch die Kunst im Kunstmuseum Bonn

Thomas Struth, Art Institute of Chicago 2, Detail, Chicago 1990, C-Print, 184,1 x 219 cm (Astrup Fearnley, Museum of Modern Art, Oslo; © Thomas Struth, 2018)

Thomas Struth, Art Institute of Chicago 2, Detail, Chicago 1990, C-Print, 184,1 x 219 cm (Astrup Fearnley, Museum of Modern Art, Oslo; © Thomas Struth, 2018)

Mit zunehmender Beschleunigung unseres Alltags entsteht der Wunsch nach Müßiggang und Zeit zur Reflexion. Vor diesem Hintergrund ist gerade heute die Figur des Flaneurs aktueller denn je. Das langsame Flanieren und fließende Sehen des Flaneurs stehen in starkem Kontrast zu der Zweckgerichtetheit unseres Tuns und der Hektik unserer Bewegung.

Das zunächst literarisch angelegte Motiv des Flaneurs ist eng mit der urbanen Umgebung verbunden. Der Flaneur ist das Auge der Stadt, das auf die Stadt schaut und durch das die Stadt auf sich schaut. Der schweifende Blick dieser einzelnen Figur, die ziellos über Straßen und Plätze streift und Eindrücke sammelt, erweist sich als adäquate Wahrnehmung des flüchtig instabilen Organismus der Großstadt seit Beginn der Moderne. Entsprechend verfolgt die Schau ihr Thema nicht nur aus einer historischen Perspektive, sondern entwickelt es mit zahlreichen Beispielen bis in die Gegenwart.

 

 

Die Ausstellung folgt dem Weg des Flaneurs durch einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ins 21. Jahrhundert. ImpressionismusExpressionismus und Neue Sachlichkeit zeigen Paris und Berlin als das erste Terrain des Flaneurs.
Die Impressionisten hielten als erste die modisch gekleideten Männer und Paare fest, die ziellos durch die Großstadt schlenderten. Sehen und gesehen werden wurde zu einer wichtigen sozialen Kategorie. Expressionisten und Maler der Neuen Sachlichkeit wie Ernst Ludwig Kirchner und Rudolf Schlichter thematisierten im Vergleich deutlich weniger begüterte Menschen: Auffällig gekleidete Kokotten in den nächtlichen Straßen von Berlin bei Kirchner (→ Ernst Ludwig Kirchner: Die Berliner Jahre), überaus lebendige Bevölkerungsmassen bei Schlichter.
Seit den 1930er Jahren ist die Fotografie ebenfalls ein zentrales Medium der Erfahrung des Urbanen; vor allem in der Street Photography der 1960er spielt der öffentliche Raum als Repräsentationsort eine maßgebliche Rolle. In der Gegenwart nutzen Künstlerinnen und Künstler – neben Malerei und Fotografie – Performance, Film und Audiowalk, um die dynamischen Strukturen der Stadt zu erfahren und zu bestimmen.

 

Ausgestellte Künstlerinnen und Künstler

Louis Abel-Truchet, Franz Ackermann, Francis Alÿs, Louis Anquetin, Jean Béraud, Brassaï, Koen vand den Broek, Auguste Chabaud, Lovis Corinth, Koen van den Broek, Gustave Dennery, Robert Doisenau, Max Ernst, Henri Evenepoel, Lyonel Feininger, Rainer Fetting, Lee Friedlander, André Gill, Vincent van Gogh, George Grosz, Werner Heldt, Karl Horst Hödicke, Candida Höfer, Sofia Hultén, André Kertész, Kimsooja, Ernst Ludwig Kirchner, Mark Lewis, Max Liebermann, Luigi Loir, August Macke, Albert Marquet, Ludwig Meidner, Adolph von Menzel, Helmut Middendorf, Tod Papageorge, Ludovic Piette, Peter Piller, Camille Pissarro, Sigmar Polke, Franz Radziwill, Anton Räderscheidt, Jean-Francois Raffaëlli, Alexander Roob, Alexander Rodtschenko, Christoph Rütimann, Carl Saltzmann, August Sander, Franz Skarbina, Rudolf Schlichter, Friedrich Seidenstücker, Stephen Shore, Alfred Sisley, Léon Spilliaert, Johanna Steindorf, Otto Steinert, Alfred Stieglitz, Beat Streuli, Thomas Struth, Umbo, Maurice Utrillo, Jeff Wall, Corinne Wasmuht, Garry Winogrand, Gustav Wunderwald

Kuratiert von Dr. Volker Adolphs und Prof. Dr. Stephan Bern.

Quelle: Pressetext

 

 

Der Flaneur. Vom Impressionismus bis zur Gegenwart: ausgestellte Bilder

  • Louis Anquetin, Femme sur les Champs-Élysées, la nuit, 1890/91, Öl/Lw, 83,2 x 100 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam)
  • Vincent van Gogh, Le Moulin de Blute-Fin, 1886, Öl/Lw, 55,2 x 38 cm (Museum de Fundatie, Zwolle and Heino/Wijhe, The Netherlands)
  • August Macke, Modes: Frau mit Sonnenschirm vor Hutladen, 1914, Öl/Lw, 60,5 x 50,5 cm (Museum Folkwang, Essen)
  • Lyonel Feininger, Dame in Mauve, 1922, Öl/Lw, 100,5 x 80,5 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Straßenszene, 1926, Aquarell, 37 x 52 cm (Brücke-Museum Berlin)
  • Rudolf Schlichter, Hausvogteiplatz, um 1926, Aquarell, 66,5 x 51,5 cm (Sammlung Christiana und Volker Huber, Offenbach am Main)
  • Lee Friedlander, New York City, 1966, Silbergelatineabzug, 27,9 x 35,6 cm (© Lee Friedlander, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln, Fraenkel Gallery, San Francisco)
  • Helmut Middendorf, Großstadteingeborene II, 1979, Mischtechnik, 189,5 x 280 cm (Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur)
  • Jeff Wall, Passerby, 1996, Schwarzweißfotografie, 259 x 335 cm (Kunstmuseum Wolfsburg)
  • Thomas Struth, Art Institute of Chicago 2, Chicago 1990, C-Print, 184,1 x 219 cm (Astrup Fearnley, Museum of Modern Art, Oslo)

Aktuelle Ausstellungen

15. März 2019
Leopold Museum Wien 1900: Schiele, Klimt, Sigmund Freud

Leopold Museum: Wien um 1900. Urquell der Moderne Neuaufstellung der Sammlung: Wiener Kunst von 1880 bis 1930

Die umfassende, sich über drei Ebenen erstreckende Ausstellung präsentiert den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften einer Epoche.
14. März 2019
Maurice Denis, Poetische Arabeske, oder: Die Leiter im Laub, Detail, 1892, Öl/Lw, auf Holzpaneel montiert, 235 x 172 cm (Saint-Germain-En-Laye, Musée départemental Maurice Denis / Christian Jean)

Musée du Luxembourg: Nabis und die dekorativen Künste Gemusterte Flächigkeit in Malerei und Wandschmuck

Das Musée du Luxembourg widmet erstmals den dekorativen Werken der Nabis eine Ausstellung. Les Nabis (hebr. Propheten) – allen voran Pierre Bonnard, Edouard Vuillard und Félix Vallotton – strebten die Überwindung der Trennung von bildender und angewandter Kunst an.
12. März 2019
Peter Paul Rubens, Das Martyrium des hl. Andreas, Detail, um 1638/39, Öl/Lw, 305 x 216 cm (ohne Rahmen) (Fundación Carlos de Amberes, Madrid)

Rubens’ Martyrium des hl. Andreas im Museo Thyssen Spätwerk des flämischen Malers im Kreis der Rubens-Sammlung

Peter Paul Rubens' monumentales Spätwerk zu Gast im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza. „Das Martyrium des hl. Andreas“ ergänzt die Rubens-Sammlung um eine dramatische Gewaltszene.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.