Ernst Ludwig Kirchner: Die Berliner Jahre Ausstellung im Kunsthaus Zürich

Ernst Ludwig Kirchner, Die Straße, 1913, Öl auf Leinwand, 120,5 × 91 cm (The Museum of Modern Art, New York, purchase, 1939, Foto © 2017 Digital image, The Museum of Modern Art/Scala Florence)

Ernst Ludwig Kirchner, Die Straße, 1913, Öl auf Leinwand, 120,5 × 91 cm (The Museum of Modern Art, New York, purchase, 1939, Foto © 2017 Digital image, The Museum of Modern Art/Scala Florence)

Mit 31 Jahren übersiedelte Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) nach Berlin. Die Jahre zwischen 1911 und 1917 lebte er in der Zweimillionen-Metropole, die Sommermonate verbrachte er auf der Ostseeinsel Fehmarn. Wenn der Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ thematisch bereits etablierte Wege ging – Straßenszenen, Porträts, Zirkus, Tanz, Varieté, Akte im Atelier und in der Natur waren in der Dresdner Zeit bereits ausgeprägt – so änderte er in Berlin und Fehmarn seinen Malstil. Zwischen 1912 und 1917 verwendete Kirchner gedeckte Farbtöne und spitze Formen. Hier das frenetisch-nervöse Großstadtleben, da die Erholung in ländlicher Abgeschiedenheit; hier die Misere und Entfremdung des Großstädters, da das harmonische Leben in Einheit mit der Natur. So werden und wurden Ernst Ludwig Kirchners Bilder aus den Berliner Jahren gerne gedeutet. Über diese apokalyptisch-paradiesische Lesart hinaus zeigt das Kunsthaus Zürich den Kirchner der Jahre 1911 bis 1918.

 

Berlin – Fehmarn: ein Gegensatz?

Das enge Verhältnis der beiden Orte Berlin und Fehmarn im Werk von Ernst Ludwig Kirchner zeigt sich faktisch an den Bildträgern: 13 Prozent der Leinwände hat Kirchner doppelseitig bemalt; ob aus Mangel an Materialien, finanziellen Mitteln, Lagerfläche oder anderen Gründen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Handelt es sich hierbei um Vorder- und Rückseiten, oder sind beide Seiten gleichwertig? Sechs dieser doppelseitig bemalten Leinwände zeigen auf der einen Seite eine Berliner Straßenszene, auf der anderen ein Fehmarn-Motiv, allerdings selten mit derselben Ausrichtung: „Zwei Frauen auf der Straße“ und „Zwei Badende in Wellen“, zwei Seiten von ein- und derselben Leinwand, werden im Kunsthaus Zürich entsprechend präsentiert.

Die scheinbar „natürliche“ Gegenüberstellung der Berliner Bilder mit jenen des anti-urbanen Rückzugsortes auf der Insel Fehmarn ist so einfach nicht, wie Kuratorin Sandra Gianfreda in ihrer Einleitung darlegt. Sie schließt sich den Deutungen von Charles W. Haxthausen sowie ihrer Co-Kuratorin Magdalena M. Moeller an, die in den „Straßenbildern“ Kirchners keine Kritik an der zeitgenössischen Gesellschaft sehen. Die „Ästhetisierung der Großstadt“ folgt der Begeisterung des Künstlers für die italienischen Futuristen und deren Konzept von Bewegung als Zeichen von Modernität. Beide Orte – Berlin und Fehmarn – repräsentierten für Kirchner bei all ihrer Unterschiedlichkeit ein Leben außerhalb der bürgerlichen Konventionen: in der Residenzstadt die Varietés, der Zirkus, die Cafés, die Menschenmassen in den Straßen – an der Ostsee die Freikörperkultur, die Freiheit in Sonne, Meer und Strand. Die direkteste Art, diesem Bedürfnis nachzugeben, zeigen die selbst eingerichteten Wohnateliers von Ernst Ludwig Kirchner. Zeit seines Lebens gestaltete er Möbel, Textilien und expressionistische Skulpturen selbst bzw. mischte sie mit originalen Stücken aus Afrika und Ozeanien. Fotografien von nackten, auch dunkelhäutigen Menschen, aber auch Kirchners Aktdarstellungen bezeugen die Befreiung des Körpers, gleichermaßen stehen sie aber auch für den Bruch mit bürgerlichen Moralvorstellungen wie eine ungehemmte Sexualität.

 

 

Berlin und die Kunst der „Brücke“

Zwischen Ende Oktober 1911 und 1917 lebte und arbeitete Ernst Ludwig Kirchner in Berlin. Max Pechstein war schon 1908 in die Residenzstadt übersiedelt und hatte in der Zwischenzeit als Mitbegründer der „Neuen Secession“ (1910) und deren Präsident einen Namen gemacht. Die Zeit schien günstig, um in der Zwei-Millionen-Metropole die Karriere weiterzutreiben, die „Brücke“ und ihre Kunst bekannt zu machen und sich mit der Avantgarde der Stadt bekannt zu machen. Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff zogen ebenfalls 1911 nach Berlin. Mit Pechstein gründete Kirchner unmittelbar nach seiner Ankunft das MUIM- Institut (Moderner Unterricht in Malerei). Einerseits wollten die beiden Maler ihre revolutionäre Kunstauffassung an angehende Künstler vermitteln, andererseits sollte ihnen der Unterricht ein regelmäßiges Einkommen sichern. Im Dezember 1912 mussten sie sich jedoch eingestehen, dass sie mit ihrem Plan gescheitert waren. Kirchner und seine Malerkollegen befanden sich in der Krise: Wenig später zerbrach die „Brücke“ und auch die langjährige Beziehung mit der Dresdener Modistin Doris Große, die seit 1906 eines seiner wichtigsten Modelle gewesen war.

In Berlin gehörte Ernst Ludwig Kirchner zu den gesellschaftlichen und künstlerischen Außenseitern, er bildete mit seinen Freundinnen und Freunden eine anarchische Künstlerboheme. Ihre Suche nach dem Neuen in der Kunst spielte sich kaum beachtet vom wilhelminischen Establishment ab. Der Kaiser und seine wichtigsten Berater nahmen die jungen Künstler kaum zur Kenntnis oder verurteilten sie. Kirchners Bekanntenkreis bestand anfangs aus den MUIM-Schülern Hans Gewecke und Werner Gothein sowie den beiden Tänzerinnen Gerda und Erna Schilling, die zu seinen beiden wichtigsten Modellen wurden. In den folgenden Jahren umgab sich Kirchner vor allem mit Dichtern und Intellektuellen, die im Neuen Club und in dessen Veranstaltungsreihe des Neopathetischen Cabarets sowie in der Galerie Der Sturm verkehrten. Herwarth Walden, den Kirchner über Max Pechstein kennenlernte, publizierte von April 1911 bis März 1912 Holzschnitte Kirchners. In der gleichnamigen Galerie traf er die internationale Avantgarde wie die italienischen Futuristen. Mit dem praktizierenden Psychiater und Schriftsteller Alfred Döblin verband den Maler eine künstlerische Freundschaft. So rezipierte Kirchner Döblins Forderungen nach „Entselbstung“, „Entäußerung“, „Depersonation“ des Autors: „Die Hegemonie des Autors ist zu brechen; nicht weit genug kann der Fanatismus der Selbstverleugnung getrieben werden. Oder der Fanatismus der Entäußerung: ich bin nicht ich, sondern die Straße, die Laternen, dies und dies Ereignis, weiter nichts.“ Sein Eintauchen in die Stadt und das Aufsaugen ihrer Bewegungen amalgamierte Kirchner in seinen berühmten Straßenbildern von Berlin.

 

 

Kirchners Berliner Straßenbilder

Die meisten seiner Berliner Bildthemen hatte Ernst Ludwig Kirchner bereits in seinen Dresdener Werken im Kern angelegt: Straßen, Plätze, Cafés, Varietés, Zirkus und die Gesellschaft für Kokotten finden sich genauso wie die weiblichen Akte am Strand von Fehmarn in den zwischen 1909 und 1911 an den Moritzburger Teichen entstandenen Badeszenen. Der Stilwandel im Œuvre von Ernst Ludwig Kirchner zeigt sich ab Sommer 1912 in Fehmarn: spitze Winkel, rasche Pinselstriche, Schraffuren, gedämpfte Farbtöne. In den ab Herbst entstandenen Bildern setzte er „Innenbilder“ der bewegten Menschenmenge auf Berlin Straßen um.

 

„Es gilt als Bild, was man von einem Punkt mit einem Blick übersehen kann. Das ist eine große Beschränkung. Ich mache es so. Ich bewege mich und sammle die aufeinander folgenden Bilder in mir zu einem Innenbild. Dieses male ich.“1 (Ernst Ludwig Kirchner, um 1926)

 

Zu den betriebsamsten Stellen im Berlin der Vorkriegszeit gehörten der Potsdamer Platz (belebtester Verkehrsknotenpunkt Europas) und die Friedrichstraße. An diesen Orten zogen zahlreiche, höchst elegant gekleidete Damen die Blicke auf sich. Häufig war die Unterscheidung zwischen Bürgerin und Kokotte nicht eindeutig zu treffen, denn Bordelle und Prostitution waren in Berlin verboten. Die käuflichen Damen mussten entsprechend diskret auf ihre Suche nach Freiern gehen. Auf unzähligen Streifzügen durch die Stadt hielt Kirchner Damen und Flaneure in ihren langen Mänteln mit raschen Bleistift- und Federstrichen in seinen Skizzenbüchern fest. In Druckgrafik und Malerei gelang Kirchner zu einer doppeldeutigen Visualisierung seiner Erlebnisse. So wie auf den Straßen von Berlin kaum eine Gesellschaftsdame von einer Kokotte, ein Varietéstar von einer sich prostituierenden Mutter zu unterscheiden war, so sind auch die Frauen in Kirchners Werken nicht eindeutig zuordenbar.

 

„[…] besonders die Beobachtung der Bewegung zum Schaffen anregt. Aus ihr kommt das gesteigerte Lebensgefühl, das der Ursprung des künstlerischen Werkes ist.“2 (Ernst Ludwig Kirchner)

 

 

Insgesamt gibt es acht, in den Jahren 1914 und 1915 entstandene Gemälde, in denen sich Kirchner mit „Straßenszenen“ beschäftigte3 Ursprünglich hatte keines der Werke einen Titel, der auf Prostituierte oder Kokotten hindeutete, auch wenn in mindestens fünf der Arbeiten Kokotten gemeint sein dürften: „Fünf Frauen auf der Straße“, „Friedrichstraße, Berlin“, „Potsdamer Platz, Berlin“, „Zwei Frauen auf der Straße“ und das später überarbeitete Gemälde „Straße mit roter Kokotte“. Zudem verschleierte der Künstler den teils offensichtlichen Inhalt, indem er von „Damen“ sprach. Erst die Betitelung von zehn der 24 grafischen Blätter von Straßenszenen durch Gustav Schiefler in den Zwanzigerjahren brachte diese Deutung ein. Seit den 1980er Jahren hat sich die Identifikation der Damen als Kokotten allgemein durchgesetzt, auch wenn, wie Lucius Grisebach sich eingestand, die „modisch gekleidete[n] Frauen, die die Aufmerksamkeit der Männer auf sich ziehen, wahrscheinlich als Kokotten gemeint [sind], doch fehlt jegliche eindeutige Wertung dieser Rolle“4.

 

„Meine Malerei ist eine Malerei der Bewegung. Am Bahnhof geboren zeichnete ich schon früh die Locomotiven allmälig kam ich auf die Linie das Zeichen der Bewegung und aus der Linienkomposition auf ihre Flächenmalerei. Ich bereicherte sie um neue Formen, die Form, die man sieht, wenn man selbst in Bewegung ist« [Hervorhebung im Original]“5 (Ernst Ludwig Kirchner in einem Skizzenbuch, Ende 1920er)

 

Elektrische Straßenbahnen, Autos, Pferdeomnibusse und Droschken dürften für Kirchner nicht nur visuelle Fakten oder als Ikonen der Moderne betrachtet worden sein, sondern als Signifikanten der Bewegung. Mit Schraffuren, Bewegungseffekten, Kraftlinien und kontrastierenden Achsen bzw. Bewegungsbahnen übertrug der deutsche Expressionist seine Begeisterung für alles Bewegte in bildnerische Mittel. Indem er verschiedene Blickpunkte zu multiplen Ansichten miteinander kombinierte, verstärkte er den Eindruck eines wandernden Blicks. Bei Kirchners Straßenbildern handelt es sich also nicht um Momentaufnahmen, sondern um die Synthese von Eindrücken. Dieser fiel auch schon mal ein ganzer Straßenzug zum Opfer, wenn es die Komposition erforderte (siehe „Potsdamer Platz, Berlin“, wo Kirchner die Köthener Straße eliminierte). In den Druckgrafiken steigerte er die „Polyphonie der Bewegungen“ (Charles Werner Haxthausen) durch den Einsatz von Schraffurbündeln.

 

 

Ernst Ludwig Kirchner auf Fehmarn

In den vier Sommern 1908, 1912, 1913 und 1914 verbrachte Ernst Ludwig Kirchner insgesamt etwa sechs Monate auf der Ostseeinsel Fehmarn. Diese Zeitspanne steht in keiner Relation zur Fülle der damit verbundenen Werke: In rund 120 Gemälden, 550 Aquarellen, Pastellen, Zeichnungen und Skizzen, 60 Radierungen, Holzschnitten und Lithografien sowie einigen Skulpturen und Fotografien verarbeitete Kirchner seine Eindrücke. Das Leitmotiv der Fehmarn-Bilder ist der Akt in freier Natur, so wie Kirchner es schon an den Moritzburger Teichen erprobt hatte. Vermutlich hatte ihn das Geschwisterpaar Frisch 1908 auf die Idee gebracht, nach Fehmarn zu reisen. Die Ostseeinsel liegt zwischen der Kieler und der Mecklenburger Bucht und war erst seit 1905 bequem per Bahn und Fähre zu erreichen. Ernst Ludwig Kirchner suchte offenbar die Einsamkeit und Unberührtheit der Natur, denn die Insel war noch kein beliebtes Reiseziel.

 

 

Im zweiten Sommer von 1912 begeisterte sich Ernst Ludwig Kirchner für die „Exotik“ der Insel. Danach malte Kirchner auf Fehmarn fast ausschließlich auf die gebogene Uferzone und das Meer. Hinter dem Leuchtturm auf Staberhuk, wo Kirchner zusammen mit Erna wohnte, fällt das Gelände steil ab zu einem weiten Strand mit großen Granitfindlingen. Der Maler mietete sich mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling im Haus des Leuchtturmwärters Lüthmann und dessen zehnköpfiger Familie ein. Im folgenden Jahr baute Kirchner eine Grashütte, in die er sich zurückziehen konnte. Gelegentlich besuchten Künstlerfreunde das Paar und dienten sogleich als Modelle für den Künstler. Anstelle der Landschaft traten nun Figuren in das Zentrum seines Interesses. Er bereitete in schnell hingeworfenen Skizzen Bilder zum Verhältnis von Körper und Umgebung vor. Aneinandergereiht wirken die Zeichnungen wie filmische Sequenzen.

 

„Denken Sie sich wir haben noch eine Hütte gebaut am Strand mit einem feudalen Eingang. Sie würden natürlich sagen gotisch. Es ist wunderschön darin zu sitzen. Ich habe sie so gebaut, dass man über einen rosa Stein hinweg das Meer sehen kann. Wenn nun Badende mit ihren langen Senkrechten den Strand herauf kommen und im Spitzbogen des Einganges erscheinen, und dahinter die beiden schwarzen Keile der Steine an unserer Badestelle. Wie prachtvoll würden Sie sich darin ausnehmen.“6 (Ernst Ludwig Kirchner in einem Brief an Hans Gewecke, 24.9.1913)

 

Im Jahr 1913 klärten sich seine Kompositionen, und Kirchner verwendete wenige gedämpfte Farben. Immer wieder stellte er Erna als Akt in der Natur dar. Hierbei verschmelzen die Figuren in Kirchners Bildern immer mehr mit der Landschaft. Auch eigene Skulpturen, die der Maler auf der Ostseeinsel gemacht hatte, baute er in diese Naturidyllen ein. Geschnitzte Akte wie „Rückschauende“ beruhen auf Kirchners Studium der flächenbezogenen Kunst Afrikas, Indiens oder Ozeaniens. Er integrierte sie in seine Arbeit, da er sich zwar Lösungen für die eigene Malerei erhoffte.

 

„Er fühlt in ihnen eine Parallele seines eigenen Strebens aber auch das, dass seine eigene Form etwas ganz anderes war und sein musste als die dieser Exoten […] dass der Weg zu einem neuen modernen nur durch ein reines naives Naturstudium ohne Stilbrille führte.“7 (Ernst Ludwig Kirchner, Tagebuch, März/April 1925)

 

Kirchner im Ersten Weltkrieg: „Peter Schlemihl“ (1915)

Ernst Ludwig Kirchner wurde auf Fehmarn vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 überrascht. Da die Ostseeinsel zum gesperrten Gebiet erklärt wurde, musste der Maler und seine Gefährtin nach Berlin zurückkehren. Um seinen Insel-Traum mitnehmen zu können, entwarf er Textilien, die Erna stickte. Mit den Stoffen kleidete er eine der beiden Mansardennischen seines Wohnateliers an der Körnerstraße 45 aus. Kirchner meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst, da er meinte, sich so die Waffengattung aussuchen zu können. Kirchners Einsatz ab Juli 1915 beim Feldartillerieregiment Nr. 75 ließen ihn psychisch und physisch zusammenbrechen. Bereits im September 1915 war Kirchner völlig aus der Bahn geworfen. Dennoch schuf er jährlich 20 bis 30 Gemälde verschiedener Motive, zahlreiche Holzschnitte, darunter wichtige Porträts, sowie die Zyklen „Schlemihl“ (1915), „Absalom“ (Sommer 1918) und „Triumph der Liebe“ (1918), aber auch 1916/17 die Folge der einzigartigen Rohrfederzeichnungen, zu denen das aufrüttelnde „Selbstbildnis im Morphiumrausch“ (1917) gehört.

 

 

Alkohol- und Morphiummissbrauch sowie Panikattacken Von Dezember 1915 bis Juli 1916 versuchte sich Ernst Ludwig Kirchner mehrfach im Sanatorium Kohnstamm in Königstein im Taunus zu regenerieren. Um vom Kriegsdienst beurlaubt zu werden, musste er Ende 1916/Anfang 1917 ins Nervensanatorium Dr. Edel in Berlin. Es folgten im Januar ein Aufenthalt in Davos und im Mai 1917 die Übersiedlung dorthin, von September 1917 bis Juli 1918 war er zur Heilung im Sanatorium von Dr. Ludwig Binswanger in Kreuzlingen: Alkohol, Schlafmittel, Morphium hatten gesundheitliche Probleme zur Folge. Kirchner klagte wieder und wieder über Lähmungen an Händen und Beinen. Dennoch arbeitete er während des Ersten Weltkriegs unermüdlich. Wie Otto Dix und Max Beckmann arbeitete er aus der Krise heraus, doch nur Paul Klee konnte während des Ersten Weltkriegs ein ähnlich umfangreiches Werk schaffen (→ Paul Klee. Bilder aus dem Ersten Weltkrieg).

 

„Ich bin vollständig unfähig, infolge der Lähmung der Hände und Füße selbst irgend etwas zu tun. Dabei sehe ich so viel Interessantes und tausend Bilder die ich malen könnte und doch nicht kann, und das macht mich sehr unglücklich.“8 (Ernst Ludwig Kirchner in einem Brief an Carl Hagemann, 14.10.1917)

 

Ernst Ludwig Kirchner schuf den „Schlemihl­-Zyklus“ im Dezember 1915. Er besteht aus sechs Farbholzschnitten und einem Titelblatt nach Adelbert von Chamissos „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1813). Der glücklose Schlemihl hatte dem Teufel seinen Schatten verkauft und dafür die Furcht der Menschen auf sich gezogen. Ernst Ludwig Kirchner sah in Peter Schlemihl ein alter ego seiner eigenen verletzten und gebrandmarkten Seele. Er verglich seine freiwillige Meldung zum Kriegsdienst mit dem Verkauf des Schattens an den Teufel. Der Zyklus erzählt vom verfolgten Künstler in der Moderne und er handelt zugleich vom Schicksal des Künstlers Kirchner, der durch die bedrohliche Nähe des Kriegs die Orientierung verliert.9 gleichzeitig zog Ernst Ludwig Kirchner mit dem „Schlemihl-Zyklus“ eine Summe seines expressionistischen Werks.

 

„Er bemüht sich, mit seinen Füßen in die Fußstapfen des Schattens zu kommen, in dem Wahn, dadurch wieder er selbst zu werden. Analog dem Seelenvorgang eines Militärentlassenen.“10 (Ernst Ludwig Kirchner in einem Brief an Gustav Schiefler, 28.7.1919)

 

Von der „Apokalypse“ (1917) nach Davos

Zu Beginn seines Aufenthaltes am Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen im Herbst 1917 begann Kirchner, sich mit der „Apokalypse“ (1917 Studien, Umsetzung von zwei Holzschnitten Jahreswechsel 1918/19) auseinanderzusetzen. Die zwölf circa 6 × 8 Zentimeter kleinen Entwürfe für die Holzschnitt-Folge zeichnete er wohl aus Materialnot auf die Rückseiten von Zigarettenpackungspapier. Kirchner klebte aquarellierten Bleistift- und Tuschfeder-Zeichnungen in ein Album ein. Seit 1985 befindet es sich im Archiv des Getty Research Institute in Los Angeles, wurden aber erst 2014 wiederentdeckt.  Das Kunsthaus Zürich zeigt diese Entwürfe zum ersten Mal im Kontext einer musealen Kirchner-Ausstellung. Die „Aufzeichnungen von inneren Bildern“ (Günther Gercken) fanden in nur zwei, nunmehr fein durchmodellierten Holzschnitten eine Realisation.

Nach mehreren Sanatoriumsaufenthalten in Königstein im Taunus und in Berlin reiste Kirchner auf Anraten seines Jenaer Kunstfreundes Eberhard Grisebach Anfang 1917 zum ersten Mal nach Davos. Nach Unterbrechungen seiner Kuren in Berlin und Kreuzlingen sollte er sich schließlich 1918, zusammen mit Erna, für den Rest seines Lebens in Davos Frauenkirch niederlassen. Hier fand Kirchner nach einer langwierigen Genesung zurück zu seiner Arbeit. In den Werken, die nach seinem Umzug nach Davos entstanden, zeichnet sich erneut eine Wendung in seinem visuellen Ausdruck ab. Anfangs beschäftigte er sich mit Porträts von Personen, die sich um ihn kümmerten, sowie einer Anzahl von Selbstbildnissen. Bald floss auch Kirchners Umgebung in seine Bilder ein: Berglandschaften, ihre Bewohner sowie deren Tiere im Alltag. Ende 1917 erwarb Karl Ernst Osthaus das Gemälde „Rhätische Bahn im Schnee“ (1917, Sammlung Deutsche Bank) für das Folkwang Museum. Kirchners erster Museumsankauf.

 

Ernst Ludwig Kirchner: Die Berliner Jahre: Ausstellungskatalog & Inhaltsverzeichnis

Zürcher Kunstgesellschaft/Kunsthaus Zürich (Hg.)
mit Beiträgen von Sandra Gianfreda, Charles Werner Haxthausen, Karin Schick, Uwe M. Schneede, Günther Gercken, Martina Pfister
272 Seiten
ISBN 978-3-7774-2728-7
Hirmer Verlag

Charles Werner Haxthausen, Bewegungsbilder: Zu Kirchners Berliner Straßenszenen, S. 20
Karin Schick, »Glück im Winkel«. Kirchner auf Fehmarn, S. 32
Sandra Gianfreda, Selbstgeschaffenes Naturidyll in der Großstadt –  Kirchners Wohnateliers in Berlin, S. 46
Uwe M. Schneede, In der Krise, gegen die Krise. Ernst Ludwig Kirchner in Zeiten des Ersten Weltkriegs, S. 64
Günther Gercken, Ernst Ludwig Kirchners Skizzen und Holzschnitte zur Apokalypse, S. 74–.
Martina Pfister, Kurztexte im Katalog
Sandra Gianfreda, Biografie Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), S. 250–258.

 

Ernst Ludwig Kirchner: Bilder

  • Ernst Ludwig Kirchner, Fehmarn-Häuser, 1908, Öl auf Leinwand, 75 × 99,5 cm (Städel Museum, Frankfurt a. M., Dauerleihgabe aus Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Vier Badende, 1909, Öl auf Leinwand, 75 × 100,5 cm (Von der Heydt-Museum Wuppertal)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Straßenbahn in Dresden, 1909, Öl auf Leinwand, 70 × 78,5 cm (Staatsgalerie Stuttgart, Leihgabe aus Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Liegender Akt vor Spiegel, 1909/10, Öl auf Leinwand, 83,5 × 95,5 cm (Brücke-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Fränzi und Marcella, 1910, Öl auf Malpappe, 50 × 65,5 cm (Sammlung E.W.K., Bern/Davos)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Mädchen mit Katze, Fränzi, 1910, Öl auf Leinwand, 88,5 × 119 cm (Merzbacher Kunststiftung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Artistin – Marcella, 1910, Öl auf Leinwand, 101 × 76 cm (Brücke-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Nacktes Mädchen hinter Vorhang (Fränzi), 1910/1926, Öl auf Leinwand, 120,5 × 90 cm (Collection Stedelijk Museum, Amsterdam)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Tänzerinnen, 1910/11, Öl auf Leinwand, 65 × 59,5 cm (Franz Marc Museum, Kochel a. See, Dauerleihgabe aus Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Der Stadtturm, 1911, Öl auf Leinwand, 96,5 × 84 cm (Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Inv.-Nr. GUN_M-0177, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Einradfahrer, 1911 Öl auf Leinwand, 80 × 90 cm (Merzbacher Kunststiftung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zwei weibliche Akte in Hochformat, 1911/12, Öl auf Leinwand, 150,5 × 75,5 cm (Kunstmuseum Bern, Schenkung Hilde Thannhauser, Bern, aus der Sammlung Justin Thannhauser)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Rückenakt mit Spiegel und Mann, 1912, Öl auf Leinwand, 150 × 75,5 cm (Brücke-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Mexikobucht auf Fehmarn, 1912, Öl auf Leinwand, 50,5 × 50,5 cm (Privatsammlung Deutschland)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Bäume über Sandweg, 1912, Öl auf Leinwand, 70 × 80 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Schenkung Gerda Techow, Vaduz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Leuchtturm Staberhuk, Fehmarn, 1912, Öl auf Leinwand, 119,5 × 91 cm (Carnegie Museum of Art, Pittsburgh: Patrons Art Fund)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Badende zwischen Steinen, 1912, Öl auf Leinwand, 45,5 × 60,5 cm (Städel Museum, Frankfurt a. M., Dauerleihgabe aus Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Akte im Atelier, 1912, Öl auf Leinwand, 80,5 × 70,5 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Nollendorfplatz, 1912, Öl auf Leinwand, 69 × 60 cm (Stiftung Stadtmuseum Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Akte an einem Baum, Fehmarn, 1912/13, Öl auf Leinwand, 100 x 75 cm (Privatsammlung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Goldregenbaum, 1912/13, Öl auf Leinwand, 101,5 x 76 cm (Colby College Museum of Art, Gift of Gertrud A. Mellon, 1961.007)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Pfortensteg Chemnitz, 1912/13, Öl auf Leinwand, 89 x 80 cm (Museum Frieder Burda, Baden-Baden)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Elisabethufer, 1912/13, Öl auf Leinwand, 83,5 x 94 cm (Staatsgemäldesammlungen, München, Pinakothek der Moderne)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Straße am Stadtpark Schöneberg, 1912/13, Öl auf Leinwand, 121 × 151 cm (Milwaukee Art Museum, Gift of Mrs. Harry Lynde Bradley, Foto: Larry Sanders)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zirkus, 1913, Öl auf Leinwand, 120 × 100 cm (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Pinakothek der Moderne)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Frauen mit Waschbecken; Die Schwestern, 1913, Öl auf Leinwand, 121 × 90,5 cm (Städel Museum, Frankfurt a. M., Eigentum des Städelschen Museums- Vereins e. V.)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis, 1913, Öl auf Leinwand, 68 × 28 cm (Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Skizzierender Künstler mit zwei Frauen / Künstlergruppe, 1913, Öl auf Leinwand, 70 × 80 cm (Collection Stedelijk Museum, Amsterdam)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Otto Mueller beim Schach, 1913, Öl auf Leinwand, 35,5× 40,5 cm (Brücke-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Gelbes Engelufer, Berlin, 1913, Öl auf Leinwand, 71,5 × 76 cm (Kunsthalle Mannheim)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Windmühle auf Fehmarn, 1913 Öl auf Leinwand, 95,5 × 95,5 cm (Von der Heydt-Museum Wuppertal)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Bucht an der Fehmarnküste, 1913, Öl auf Leinwand, 126 × 90 cm (Städel Museum, Frankfurt a. M., Dauerleihgabe aus Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Turmzimmer (Selbstbildnis mit Erna), 1913 Öl auf Leinwand, 91 × 81 cm (Columbus Museum of Art, Ohio, Gift of Howard D. and Babette L. Sirak, the Donors to the Campaign for Enduring Excellence, and the Derby Fund)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Erna am Meer, Fehmarn, 1913, Öl auf Leinwand, 79 × 69 cm (Merzbacher Kunststiftung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Erna mit Japanschirm (Japanerin), 1913, Öl auf Leinwand, 80 × 70,5 cm (Aargauer Kunsthaus Aarau / Legat Dr. Othmar und Valerie Häuptli, Foto: Jörg Müller)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Gut Staberhof, Fehmarn I, 1913, Öl auf Leinwand, 121 × 151 cm (Hamburger Kunsthalle)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Fehmarnküste mit Leuchtturm, 1913, Öl auf Leinwand, 90,5 × 120,5 cm (Sammlung Hermann Gerlinger, im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Otto Mueller beim Schach, 1913, Öl auf Leinwand, 35,5 × 40,5 cm („Brücke“-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Mädchen auf Fehmarn, 1913, Öl auf Leinwand, 125 × 90,5 cm (Lehmbruck Museum, Duisburg)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Rückschauende, 1913, Holz (Eiche, aus einem Stamm), dunkel gebeizt, H: ca. 81 cm, Grundfläche: 20 × 20 cm (Museum Kunstpalast, Düsseldorf)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Im Cafégarten, 1914, Öl auf Leinwand, 70,5 (Brücke-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Frauenkopf, Gerda, 1914, Öl auf Leinwand, 99 × 75,5 cm (Solomon R. Guggenheim Museum, New York, partial gift, Mr. and  Mrs. Mortimer M. Denker, 1978)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zwei gelbe Akte mit Blumenstrauß, 1914, Wachs-Ölemulsionsmalerei auf Leinwand, 80 × 71 cm (Bündner Kunstmuseum Chur, Ankauf)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Porträt Hugo, 1914, Öl auf Leinwand, 60 × 50 cm (Nachlass Ernst Ludwig Kirchner, Courtesy Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Die Straße, 1913, Öl auf Leinwand, 120,5 × 91 cm (The Museum of Modern Art, New York, purchase, 1939, Foto © 2017 Digital image, The Museum of Modern Art/Scala Florence)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Zirkus, 1913, Öl auf Leinwand, 120 × 100 cm (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Pinakothek der Moderne, Foto: bpk/Bayerische Staatsgemäldesammlungen/Sybille Forster)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Drei Badende, 1913, Öl auf Leinwand, 197,5 × 147,5 cm (Art Gallery of New South Wales, Sydney, Foundation Purchase 1984, Foto: AGNSW)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Friedrichstrasse Berlin, 1914, Öl auf Leinwand, 125 x 91 cm (Staatsgalerie Stuttgart, Foto: bpk/Staatsgalerie Stuttgart)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Potsdamer Platz, Berlin, 1914, Öl auf Leinwand, 200 × 150 cm (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Runde Bucht (Goldregenbaum), um 1914, Öl auf Leinwand, 146 × 123 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Straßenbahn und Eisenbahn, 1914, Öl auf Leinwand, 71 x 81 cm (Die Lübecker Museen, Museum Behnhaus Drägerhaus)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Selbstporträt in der Atelierwohnung in Berlin-Friedenau, 1913/1915, Glasnegativ, 13 × 18 cm (Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 2001)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Mansardennische in Kirchners Atelierwohnung, Berlin-Friedenau, 1914/15, Glasnegativ, 24 × 18 cm (Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 2001)
  • Ernst Ludwig Kirchner (Entwurf) und Erna Schilling (Ausführung), Supraporte, Rückenlehnenbezüge, Diwandecke und Tischdecke aus Kirchners Atelierwohnung, Berlin-Friedenau, 1914/15, Wollstickerei auf Leinen, verschiedene Maße (Sammlung E.W.K., Bern/Davos)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Frauen auf der Straße, 1915, Öl auf Leinwand (Von der Heydt-Museum  Wuppertal)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Schlemihl-Zyklus, Peter Schlemihls wundersame Geschichte, 1915, Farbholzschnitte auf Löschpapier, Bildmaß: 29,3 × 26,3 cm, Blattmaß: 57,9 × 41,7 cm (Brücke-Museum, Berlin, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Schlemihls Begegnung mit dem Schatten (Bl. 6 aus dem Schlemihl-Zyklus), 1915, Farbholzschnitt auf Löschpapier, 30,5 × 29,3 cm („Brücke“-Museum, Berlin, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Ernst Ludwig Kirchner, Artilleristenbad – Badende Soldaten, 1915, Lithografie auf gelbem Papier, 50,5 × 59,0/4 cm (Sammlung E.W.K., Bern/Davos)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Der Tanz zwischen den Frauen, 1915/16, Feder mit Tinte auf Papier  (Sammlung E.W.K., Bern/Davos Sammlung E.W.K., Bern/Davos, Courtesy Kirchner Museum Davos)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Königstein mit roter Kirche, 1916, Öl auf Leinwand, 80,5 × 64 cm (Privatsammlung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Bad des Kranken, 1916, Öl auf Karton, 53 × 39 cm (Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Nervöse beim Diner (Sanatorium Kohnstamm), 1916, Holzschnitt auf Karton, 42 × 28 cm (Kassel, Museumslandschaft Hessen, Kassel, Graphische Sammlung, Städtischer Kunstbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Rhätische Bahn im Schnee, 1917, Öl auf Leinwand, 94 × 94 cm (Sammlung Deutsche Bank)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis im Morphiumrausch, 1917, Rohrfeder, Tinte auf Kreidegrundpapier, 50 × 38 cm („Brücke“-Museum, Berlin)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Album mit 12 Skizzen zur Apokalypse, 1917, Bleistift, Tinte und Wasserfarbe auf Zigarettenpackungspapier, je max. 8 × 10 cm, Album 18 ,1 × 17, 5 × 1,8 cm (geschlossen) (The Getty Research Institute, Los Angeles (850463))
  • Ernst Ludwig Kirchner, Kopf Erna, 1917, Öl auf Leinwand, 70,5 × 60,5 cm (Kirchner Museum Davos, Schenkung Stiftung Baumgart-Möller 2000)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Stafelalp im Schnee, 1917, Öl auf Tuch, 80 × 90 cm (Sammlung E.W.K., Bern/Davos)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Mondaufgang auf der Stafelalp, 1917, Öl auf Leinwand, 80 × 90 cm (Kirchner Museum Davos, Leihgabe Rosemarie Ketterer Stiftung)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Berggipfel, 1918, Öl auf Leinwand, 79,5 × 90 cm (Privatbesitz)
  • Ernst Ludwig Kirchner, Alpküche, 1918, Öl auf Leinwand, 121,5 × 121,5 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid)
  • Anonym, Leopardenhocker (aus dem ehemaligen Besitz von Ernst Ludwig Kirchner), 19. Jh., Afrikanisches Abachiholz, H: 35 cm, ø 42 cm (Bündner Kunstmuseum Chur, Schenkung Prof. Dr. Otto Tschumi, Bern (1954))
  • Werner Gothein, daneben verdeckt unbekannte junge Frau (Gerda Schilling?), Ernst Ludwig Kirchner (?) und Erna Schilling in Kirchners Atelierwohnung, Berlin-Friedenau, 1915, Glasnegativ.
  1. Zitiert nach E. L. Kirchner, Das Werk E. L. Kirchners, in: Eberhard W. Kornfeld, Ernst Ludwig Kirchner. Nachzeichnung seines Lebens, Bern 1979, S. 344.
  2. E. L. Kirchner, Bemerkungen über Leben und Arbeit, in: ders., Das Werk 17,  Heft 1, 1930, S. 3.
  3. Davon sind sieben von ungefähr gleicher Größe, zwischen 120 bis 126 Zentimeter hoch und 90 bis 95 Zentimeter breit; das achte Bild, „Potsdamer Platz, Berlin“, misst 200 × größten Formaten aus Kirchners Berliner Zeit. Das Bild „Straße mit roter Kokotte“ wurde von Kirchner um 1925 völlig überarbeitet, weshalb es sich nicht zum Vergleich anbietet. Siehe: Charles Werner Haxthausen, Ernst Ludwig Kirchner Bewegungsbilder: Zu Kirchners Berliner Straßenszenen, in: Großstadtrausch / Naturidyll. Kirchner – Die Berliner Jahre (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, 10.2.–7.5.2017), Zürich 2017, S. 20–31, hier S. 23.
  4. Lucius Grisebach, Ernst Ludwig Kirchner. Großstadtbilder, München 1979, S. 16.
  5. Zitiert nach Ebenda, S. 24.
  6. Hans Delfs, Ernst Ludwig Kirchner. Der gesamte Briefwechsel, Zürich 2010, Bd. 1, S. 84.
  7. Lothar Grisebach, Ernst Ludwig Kirchners Davoser Tagebuch. Eine Darstellung des Malers und eine Sammlung seiner Schriften, durchges. Neuausgabe von Lucius Grisebach, Ostfildern-Ruit 1997, S. 76.
  8. Zitiert nach: Hans Delfs, Mario-Andreas von Lüttichau, Roland Scotti (Hg.), Kirchner, Schmidt-Rottluff, Nolde, Nay … Briefe an den Sammler und Mäzen Carl Hagemann, 1906–1940, Ostfildern-Ruit 2004, S. 88.
  9. Uwe M. Schneede, In der Krise, gegen die Krise. Ernst Ludwig Kirchner in Zeiten des Ersten Weltkriegs, in: Großstadtrausch / Naturidyll. Kirchner – Die Berliner Jahre (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, 10.2.–7.5.2017), Zürich 2017, S. 64–73, hier S. 71.
  10. Zitiert nach: in: Ernst Ludwig Kirchner/Gustav Schiefler. Briefwechsel 1910– 1935/1938, hg. von Wolfgang Henze, Stuttgart/Zürich 1990, S. 136–137.
Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn in Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.