0

Erwin Olaf schenkt dem Rijksmuseum sein gesamtes Werk Fotograf revanchiert sich für lebenslange Inspiration

Erwin Olaf, Grief Caroline, 2007 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)

Erwin Olaf, Grief Caroline, 2007 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)

Das Rijksmuseum nahm heute die Schenkung des Werks von Erwin Olaf (* 1959) entgegen. Insgesamt 500 Objekte, darunter Abzüge, Portfolios, Videos, Magazine, Bücher und Poster, gehen an das Amsterdamer Museum. Mit Hilfe der BankGiro Loterij konnten davon 60 Fotografien und drei Video dem niederländischen Fotografen finanziell abgegolten werden.

Der niederländische Fotograf möchte sich mit diesem Schritt für die jahrzehntelange Inspiration bedanken, die er von dem Museum erhalten hat – seit seiner ersten Begegnung mit dem „jugendlichen Selbstporträt“ von Rembrandt van Rijn im Kindesalter. Gleichzeitig, so mag man konstatieren, hat sich Olaf in die Ruhmeshalle der holländischen Kunst eingebracht.

 

 

Erst jüngst hatte der Fotograf die offiziellen Porträts der niederländischen Königsfamilie aufgenommen und das Profilbildnis von König Willem Alexander für die neue Münzenserie. Damit reiht sich Erwin Olaf in die Tradition der Auftragsporträtisten und berühmter Porträtfotografen, denen es immer schon oblag, die Auffassung der Rollen bildlich zu transportieren. Dass der am 2. Juni 1959 in Hilversum, Niederlanden, als Erwin Olaf Springveld geborene Fotograf seine Karriere als Fotojournalist begann und in den 1980ern die Schwulenszenen porträtierte, deutet an, dass Olaf einen langen Weg ging. Inzwischen arbeitet er für Bottega Veneta, die Vogue, The New York Times und Diesel. Er wurde auch vom Niederländischen Nationalballett mit Porträts beauftragt. Nacktheit, liberaler Umgang mit Sexualität, kunsthistorische Vorbilder spielten damals und spielen immer noch eine große Rolle für die Genese von Olafs Bildwelten.

In den letzten Jahren, so betont das Rijksmuseum in seiner Aussendung, hat Olaf seine Themen über die Form von monumentalen Tableaux weiterentwickelt, für die er die Rollen des Regisseurs und des Fotografen in seiner Person vereint. Olafs mysteriöse, ja surreale Bühnen und die sprachlosen Figuren läuteten eine neue Ära in der „staged photography“ ein. Stille, Kontemplation und verträumte Mysterien stehen für ihn im Vordergrund. Die virtuos ausgeführten Aufnahmen machen ihn zu einem „Bildermacher“ mit einer Nähe zu Robert Mapplethorpe und den Alten Meistern wie Rembrandt, so das Museum.

 

 

Erwin Olaf 2019

Das Gemeentemuseum Den Haag und das Fotomuseum Den Haag werden anlässlich des 60. Geburtstags von Erwin Olaf eine Doppelausstellung zu dessen Werk organisieren. Sie wird vom 16. Februar bis zum 12. Mai 2019 zu sehen sein. Das Gemeentemuseum Den Haag wird nicht beauftragte Werke von Olaf von 2000 bis zu seinen aktuellsten Serien zeigen, die er in Shanghai aufgenommen hat. Das Fotomuseum Den Haag möchte sich auf Olafs Handwerk und seine Wandlung vom analog arbeitenden Fotojournalisten zum digitalen Bilder-Macher und Erzähler konzentrieren. Olaf selbst bringt etwa 25 Fotografien von berühmten Fotografen in die Retrospektive, die für ihn eine Quelle der Inspiration darstellten, betont das Gemeentemuseum in seiner Aussendung.

Im Sommer 2019 wird das Rijksmuseum eine Auswahl an ikonischen Werken von Erwin Olaf präsentieren, für die er Anregungen aus Gemälden von Rembrandt, Jan Vermeer und Georg Henrik Breitner (→ Haager Schule) erhielt.

 

 

Erwin Olaf im Rijksmueum: Bilder

  • Erwin Olaf, Squares Cum, 1985 ((Rijksmuseum, Amsterdam, Purchased with the support of the BankGiro Loterij, 2018)
  • Erwin Olaf, Chessmen XXIV, 1988 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)
  • Erwin Olaf, Joy, 1993 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)
  • Erwin Olaf, Grief Caroline, 2007 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)
  • Erwin Olaf, Hope 5, 2007 (Rijksmuseum, Amsterdam, Purchased with the support of the BankGiro Loterij, 2018)
  • Erwin Olaf, I Wish, I Am, I Will Be, 2009 (Rijksmuseum, Amsterdam, Purchased with the support of the BankGiro Loterij, 2018)
  • Erwin Olaf, Keyhole, 2011 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)
  • Erwin Olaf, HRH Princess Maxima, 2011 (Rijksmuseum, Amsterdam, Purchased with the support of the BankGiro Loterij, 2018)
  • Erwin Olaf, Berlin Portrait, 2012 (Rijksmuseum, Amsterdam, Transfer of Erwin Olaf’s core collection, 2018)

Weitere Beiträge zu den Kunst-News

17. Mai 2019
Francis Bacon und Mark Rothko, 2019 bei Sotheby's auktioniert

Rothko und Bacon für über 50 Millionen verkauft Warum ist das Werk von Mark Rothko so bedeutend?

Francis Bacons „Studie für einen Kopf“ (1952) und Mark Rothkos „Untitled“ (1960) erzielten im New Yorker Auktionshaus gestern Abend gemeinsam mehr als 100 Millionen USD. Bacons „Studie für einen Kopf“ war unbekannten Bietern 50,38 Millionen USD (ca. 45,1 Euro) und Rothkos „Untitled“ weitere knapp 50,1 USD (ca. 44,8 Euro) wert.
15. Mai 2019
Claude Monet, Meule [Getreideschober], Detail, 1891, Öl auf Leinwand, 72.7 x 92.6 cm (Privatbesitz © Courtesy Sotheby’s New York)

2019: Auktions-Weltrekord für Monets „Getreideschober“ Teuerstes Gemälde des Impressionismus bei Sotheby’s versteigert

Claude Monets „Getreideschober“ aus dem Jahr 1890/91 erzielte am 14. Mai 2019 New Yorker Zeit einen neuen Auktions-Weltrekord: Ein unbekannter Bieter erwarb es für 110,747.000.- US-Dollar, das sind 98,797.399.- Euro. Damit ist nicht nur die anhaltende Beliebtheit des Malers und die Wertschätzung seiner Kunst einmal mehr bestätigt, sondern auch des Impressionismus, handelt es sich auch um den Bieterrekord für ein impressionistisches Kunstwerk.
10. Mai 2019
Albrecht Dürer, Feldhase, Kopf, 1502 (© Albertina, Wien)

Lange Nacht der Museen 2019 in Wien Welche Ausstellungen sind am 5. Oktober 2019 geöffnet?

Welche Ausstellungen sind am 5. Oktober 2020 zur XX. Langen Nacht der Museen in Wien geöffnet? Ein erster Überblick!
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.