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Francis Bacon: Biografie Lebenslauf und Ausstellungen des britischen Malers

Francis Bacon, Sitzende Figur, 1961, Öl und Sand auf Leinwand, 165,1 x 142,2 cm (Tate); Porträt George Dyer im Spiegel, 1968, Öl auf Leinwand, 198 x 147,5 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid); Mann und Kind, 1963, Öl auf Leinwand, 198 x 147,5 cm (Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk), Ausstellungsansicht Staatsgalerie Stuttgart 2016, Foto: Alexandra Matzner.

Francis Bacon, Sitzende Figur, 1961, Öl und Sand auf Leinwand, 165,1 x 142,2 cm (Tate); Porträt George Dyer im Spiegel, 1968, Öl auf Leinwand, 198 x 147,5 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid); Mann und Kind, 1963, Öl auf Leinwand, 198 x 147,5 cm (Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk), Ausstellungsansicht Staatsgalerie Stuttgart 2016, Foto: Alexandra Matzner.

Francis Bacon (1909–1992) gilt als einer der bedeutendsten figurativen Maler der Nachkriegszeit.

Francis Bacon wurde am 28. Oktober 1909 in Dublin (Nordirland) als Sohn eines Pferdetrainers geboren. Da Bacons Familie britisch und protestantisch war, gehörte er einer Minderheit an. Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie häufig zwischen England und Nordirland um, weshalb Francis Bacon ein Gefühl von Heimatlosigkeit entwickelte. Als Fünfzehnjähriger wurde er sich seiner Homosexualität bewusst (1926), worauf ihn der autoritäre Vater aus dem Haus warf. Mit nur wenig Schulbildung und noch weniger Geld zog Francis Bacon nach London, ein Jahr später hielt er sich bei Verwandten in Berlin auf. Hier sollte er nach Wunsch seines Vater zu einem heterosexuellen Mann umerzogen werden, was nicht gelang.

Die Hinwendung zur Kunst erfolgte 1927/28 Francis Bacon übersiedelte nach Paris, wo er sich erstmals mit der zeitgenössischen französischen Kunst beschäftigte. Hier kam er erstmals in Kontakt mit Werken von Fernand Léger, Max Ernst, Giorgio de Chirico und vor allem Pablo Picasso, dessen Gemälde aus den späten 1920er und frühen 1930er Jahre er ungemein schätzte. Gleichzeitig war er aber auch beeindruckt von Nicolas Poussins „Bethlehemitischer Kindermord“ (Musée Condé, Chantilly). Er beschrieb das Gemälde als „vermutlich beste Darstellung eines Schreis in der Malerei“.

Erst nachdem Francis Bacon Ende 1928 oder Anfang 1929 nach London zurückgekehrt war, begann er zu malen. Er entwarf Möbel, unter anderem designte er einen Schreibtisch für den bedeutenden Sammler und Kunstkritiker Douglas Coolper. Bacons Erfolg als Innen- und Möbeldesigner, wobei er sich in seinen Entwürfen an Le Corbusier und Eileen Gray orientierte, war allerdings bescheiden. In dieser Phase beschäftigte er sich intensiv mit Fragen zum Raum, was in seiner späteren Malerei wichtig wurde.

 

Francis Bacon, Maler

Im Jahr 1933 malte Francis Bacon „Crucifixion“, das Herbert Read in seinem Buch „Art Now. An Introduction so the Theory of Modern Painting and Sculpture“ neben Picassos „Badenden“ (1929) abbildete. Eine selbstorganisierte Ausstellung brachte 1934 keinen Erfolg, worauf sich Francis Bacon seiner Spielsucht hingab. Auf Reisen in Europa arbeitete er auch zeitweilig als Croupier. Bis 1944 malte er deshalb nur wenig.

Mit „Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion [Drei Studien zu Figuren am Fuß einer Kreuzigung]“ (1944, Tate Gallery, N06171), das in der Lefevre Gallery (April 1945) gezeigt wurde, gelang Francis Bacon der Durchbruch als Maler. Eric Hall kaufte das Gemälde und schenkte es 1953 der Tate Gallery. Aus den Jahren zwischen 1929 und 1944 ließ Francis Bacon nur 17 Gemälde gelten. Die anderen zerstörte er.

Ab 1946 stieg der Ruhm von Francis Bacon exponentiell an, seine Gemälde wurden auf Gruppenausstellungen in der Lefevre Gallery und der „Exposition internationale d’art moderne“ im Musée national d’Art moderne in Paris ausgestellt, von der Contemporary Art Society und der Hanover Gallery erworben. Bereist 1948 gelangte „Painting 1946“ an das Museum of Modern Art in New York.

Zwischen 1946 und 1948 lebte Francis Bacon hauptsächlich in Monte Carlo, wo er sich seiner Spielsucht hingeben konnte. Die Arbeiten aus diesen Jahren vernichtete der Maler. Die einzige Erkenntnis von bleibenden Wert dürfte gewesen sein, dass Bacon die ungrundierte Rückseite der Leinwände als Malfläche entdeckte. Zudem eröffnete ihm Isabel Rawsthorne den Zugang zum Existentialismus, der sich in einer Serie von Kopf-Bildern zeigt: In „Head VI“ beschäftigte sich Bacon erstmals mit Diego Velázquez‘ „Porträt von Innozenz X“ (1650, Galleria Doria Pamphili, Rom) und er erarbeitete sich die für ihn charakteristischen offenen Rahmenstrukturen.

Seine erst Einzelausstellung in der Hanover Gallery (Dezember 1951–Februar 1952) brachte endlich den ersehnten durchschlagenden Erfolg. In den folgenden Monaten malte Bacon Porträts von Bekannten und Freunden wie Lucian Freud, Michel Leiris, Henrietta Moraes, Jacques Dupin, George Dyer, John Edwards, Reinhard Hassert und Eddy Batache. In diesem Jahrzehnt wurde Francis Bacon ein international anerkannter zeitgenössischer Künstler. 1954 vertrat Francis Bacon auf der Biennale von Venedig gemeinsam mit Ben Nicholson und Lucien Freud Großbritannien vertrat. Zwei Jahre später hatte er seine erste Ausstellung im Museum of Modern Art in New York, 1959 nahm er an der Documenta II in Kassel und der Biennale in São Paolo teil, und 1962 widmete ihm die Tate Gallery eine Retrospektive.

Am 28. April 1992 starb Francis Bacon an einem Herzinfarkt in Madrid. John Edwards wurde der Erbe des Malers. Sein enges, chaotisches, aber berühmtes Atelier in den Reece Mews in South Kensington, London, wurde unter Anwendung archäologischer Methoden in die Dublin City Gallery The Hugh Lane in seiner Geburtsstadt Dublin transferiert.

 

Beziehungen

Francis Bacon war bekennend und offen lebend homosexuell (bis 1967 war Homosexualität in Großbritannien ungesetzlich).

  • Eric Hall (1890–1959): 1932–1949. Der wohlhabende Geschäftsmann und Kunstmäzen unterstützte Francis Bacon am Beginn dessen künstlerischer Ambitionen außerordentlich. Obwohl verheiratet und Vater zweier Kinder verbrachte er viel Zeit mit dem aufstrebenden Maler (darunter Monaco), weitete dessen Horizont
  • George Dyer (1934–1971): Im Oktober 1963 lernte Francis Bacon George Dyer kennen, als dieser in die Wohnung des Malers einbrach. Die beiden wurden ein Liebespaar, wobei Francis Bacon nun erstmals die ältere sowie dominante Person war. Die stürmische Beziehung endete tragisch. Zwei Tage vor der Eröffnung der Retrospektive Francis Bacons im Grand Palais in Paris 1971 wurde Dyer tot aufgefunden. Er hatte sich mit einer Mischung aus Alkohol und Schlafmitteln im gemeinsamen Badezimmer des Hotel des Saint-Pères in Paris umgebracht. Bacon malte obsessive Porträts von Dyer, sowohl während dessen Leben als auch nach dessen Tod, darunter „Triptych May—June 1973“.
  • Peter Lacy (1916–1962): 1952–1957. Der ehemalige Pilot und Francis Bacon trafen einander um 1952 und hatten eine zehnjährige Beziehung. Ab Mitte der 1950er Jahre lebte Peter Lacy in Tangier, wohin Bacon immer wieder auf Besuch kam, dann allerdings nach London zurückkehrte.
  • John Edwards (1949–2003): Francis Bacon lernte den 26-jährigen John Edwards 1974 kennen, der sein Modell, sein lebenslanger Freund und sein Fotograf wurde. In mehr als 20 Gemälden ist Edwards das Motiv. Er wurde von dem Maler sein sein „Sohn“ angesehen und war Bacons einziger Erbe.

 

Künstlerfreunde, Modelle, Freundinnen

  • Lucian Freud (1922–2011)
  • Isabel Rawsthorne (1912–1992): Künstlerin und Bühnenbildnerin. Eine der engsten Freundinnen von Francis Bacon, der sie häufig malte.
  • Frank Auerbach (* 1931)
  • Alberto Giacometti (1901–1966): Über Isabel Rawsthorne lernte Francis Bacon Alberto Giacometti kennen.
  • Peter Beard (* 1938)
  • Muriel Belcher (1908–1979): Inhaberin des berühmten Colony Room, einem Trink-Club in Dean Street, Soho, den sie 1948 eröffnete. Sie zahle Francis Bacon £ 10 pro Woche und gratis Getränke, damit dieser ihr Gäste brachte.
  • Richard Chopping (1917–2008)
  • Brian Clarke (* 1953)
  • Michel Leiris (1901–1990): Anthropologe, Schriftsteller und Dichter, vielleicht Francis Bacons engster Intellektuellen-Freund. Anlässlich einer Giacometti-Retrospektive in London lernte Francis Bacon Michel Leiris 1965 kennen.
  • Henrietta Moraes (1937–1999): zentrale Persönlichkeit in Londons Nachkriegskunstszene. Modell von einigen Gemälden Bacons.

 

Weitere Beiträge zur Francis Bacon

 

Biografie von Francis Bacon (1909–1992)

  • 28. Oktober 1909

    Francis Bacon wurde am 28. Oktober 1909 in Dublin (Nordirland), als Sohn von Captain Anthony Edward Mortimer Bacon (1870–1940) und dessen Ehefrau Christina Winifred Firth geboren. Da Bacons Familie britisch und protestantisch war, gehörte er einer Minderheit an. Der Vater hatte Major der britischen Armee im Burenkrieg gekämpft und arbeitete als Züchter und Trainer für Rennpferde. Bacons Mutter, Christina Winifred Loxley Firth, war die Erbin eines Stahl- und Kohle-Unternehmens in Sheffield. Francis Bacon verbrachte seine Kindheit in Cannycourt (Kildare/Nordirland) und litt schon in jungen Jahren an chronischem Asthma, weshalb er nur unregelmäßig die Schule besuchen konnte.
  • 1914

    Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Francis Bacons Vater in das Territorial Force Records Office, der Hauptverwaltung der freiwilligen Reserve-Einheiten, nach London einberufen. Die Familie zog in den folgenden Jahren häufig zwischen England und Nordirland um. Francis Bacon entwickelte daher das Gefühl von Heimatlosigkeit, das nur von seiner aus Cornwall stammenden Nanny Jessie Lightfoot gelindert werden konnte.
  • 1919

    Geburt seiner Schwester Ianthe Knott (1919–2009)
  • 1921

    Geburt seiner Schwester Winifred (1921–1981)
  • 1924–1926

    Schulbesuch in Cheltenham, wovon Bacon häufig davonlief.
  • 1926

    Wurde sich seiner Homosexualität bewusst und vom autoritären, gewalttätigen Vater aus dem Haus geworfen, als dieser ihn dabei ertappte, die Unterwäsche seiner Mutter anzuziehen. Zog alleine und mit nur wenig Schulbildung nach London. Kleine Geldsendungen, genauer drei Pfund, aus dem Treuhandfond seiner Mutter und Gelegenheitsjobs hielten ihn über Wasser. Stellte fest, dass ihn ältere, vermögende Männer anziehend fanden.
  • 1927

    Francis Bacons Vater schickte seinen Sohn zu einem Verwandten nach Berlin, wo er zu einem heterosexuellen Mann „umerzogen“ werden soll. Da Highat Cecil Harcourt-Smith bisexuell war, verkehrte er nach Aussagen von Francis Bacon mit ihm auch sexuell. Der Aufenthalt in der deutschen Metropole dürfte hingegen Francis Bacon ein erstes Gefühl von Freiheit vermittelt haben. Vermutlich sah er „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) zum ersten Mal.
  • 1927/28

    Übersiedelte für drei Monate nach Chantilly und Paris, wo er sich erstmals mit der zeitgenössischen französischen Kunst beschäftigte. Erste Kontakte mit Werken von Fernand Léger, Max Ernst, Giorgio de Chirico und vor allem Pablo Picasso, dessen Gemälde aus den späten 1920er und frühen 1930er Jahre er ungemein schätzte. Aber auch Nicolas Poussins „Le Massacre des innocents [Bethlehemitischer Kindermord]“ (um 1627/28, Musée Condé, Chantilly) beschäftigte ihn nachhaltig, denn er bezeichnete es als „vermutlich beste Darstellung eines Schreis in der Malerei“. War beeindruckt von Picassos Ausstellung in der Galerie Paul Rosenberg (Sommer 1927). Besuchte freie Akademien und begann zu zeichnen.
  • 1928–1929

    Ende 1928 oder Anfang 1929 Rückkehr nach London. Entwarf Möbel und begann autodidaktisch zu malen. Francis Bacon designte einen Schreibtisch für den bedeutenden Sammler und Kunstkritiker Douglas Coolper, dessen Cousin den mittellosen Bacon als „Gentleman’s companion“ in Anspruch genommen hatte.
  • 1930

    Arbeitete (erfolglos) als Innen- und Möbeldesigner, wobei er sich in seinen Entwürfen an Le Corbusier und Eileen Gray orientierte. „The Studio“ widmete den Möbeln von Francis Bacon eine Doppelseite. In dieser Phase beschäftigte er sich intensiv mit Fragen zum Raum, was in seiner späteren Malerei wichtig wurde. Konnte November 1930 in einer kleinen Gruppenausstellung ein paar Werke präsentieren.
  • 1932

    Traf den Geschäftsmann Eric Walter Hall, der für mehr als zehn Jahre Bacons Förderer und Freund wurde. In dessen Gesellschaft erlernte Francis Bacon Lebenskultur und Stil.
  • 1933

    Francis Bacon malte mit „Crucifixion“ ein erstes eigenständiges Werk, das Herbert Read in seinem Buch „Art Now. An Introduction so the Theory of Modern Painting and Sculpture“ neben Picassos „Badenden“ (1929) abbildete. Das in der Mayor Gallery präsentierte Bild erwarb der Sammler Michael Sadler. Francis Bacon ließ sich zunächst in einem unkonventionellen Wohnarrangement zusammen mit seinem ehemaligen Kindermädchen Jessie Lightfoot in Chelsea nieder.
  • 1934

    Organisierte sich selbst eine Ausstellung in der Wohnung eines Freundes (Sunderland House, Curzon Street), die keinen Erfolg brachte. Verzweifelt über diese fehlende Anerkennung brach bei Francis Bacon die Spielsucht gänzlich aus. Auf Reisen in Europa arbeitete er auch zeitweilig als Croupier.
  • 1935

    Erwarb in Paris das Buch „Diseases oft he Mouth“, dessen Abbildungen für seine späteren Gemälde wichtig wurden.
  • 1936

    Herbert Read und Roland Penrose lehnten Francis Bacons Gemälde für die „International Surrealist Exhibition“ in London ab, da sie sie als zu wenig surrealistisch hielten.
  • 1937

    Seine Teilnahme an der Ausstellung „Young British Painters“ (Jänner) brachte wieder nicht den erwünschten Erfolg, weshalb Francis Bacon bis 1944 nur noch wenig malte.
  • 1939

    Während des Zweiten Weltkriegs wurde er aufgrund seines chronischen Asthmas vom Kriegsdienst befreit, diente aber beim Zivilschutz in England.
  • 1940

    Tod des Vaters (1.6.). Nachdem Eric Walter Hall ein Landhaus bei Petersfield in Hampshire gemietet hatte, begann Francis Bacon wieder vermehrt zu malen.
  • 1943

    Ende des Jahres kehrte das Paar wieder nach London zurück, wo es im ehemaligen und nun kriegsbeschädigten Haus des präraffaelitischen Malers John Everett Millais einzog.
  • 1944

    Francis Bacon vollendete mit „Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion [Drei Studien zu Figuren am Fuß einer Kreuzigung]“ sein erstes aufsehenerregendes Werk.
  • 1945

    Mit „Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion [Drei Studien zu Figuren am Fuß einer Kreuzigung]“ (1944, Tate Gallery, N06171), das in der Lefevre Gallery (April) gezeigt wurde, gelang Francis Bacon der Durchbruch als Maler. Eric Hall kaufte das Gemälde und schenkte es 1953 der Tate Gallery. Aus den Jahren zwischen 1929 und 1944 ließ Francis Bacon nur 17 Gemälde gelten. Die anderen zerstörte er. Freundete sich mit Lucian Freud an.
  • 1946

    Teilnahme an einer Gruppenausstellung in der Lefevre Gallery. Seine Gemälde „Figure Study I“ und „Figure Study II“ wurden von der Contemporary Art Society erworben. Malte „Painting 1946“, das auf der „Exposition internationale d’art moderne“ im Musée national d’Art moderne in Paris ausgestellt wurde. Erica Brausen, die Direktorin der Hanover Gallery kaufte es an, stellte es im Musée d’art moderne in Paris aus und gab es 1948 an das Museum of Modern Art in New York weiter.
  • 1946–1948

    Lebte hauptsächlich in Monte Carlo, wo er sich seiner Spielsucht hingeben konnte. Die Arbeiten aus diesen Jahren vernichtete der Maler. Die einzige Erkenntnis von bleibenden Wert dürfte gewesen sein, dass Bacon die ungrundierte Rückseite der Leinwände als Malfläche entdeckte. Lernte Isabel Rawsthorne, die ehemalige Geliebte von Alberto Giacometti, kennen. Über Rawsthorne kam Francis Bacon in Kontakt mit den Theorien des Existenzialismus. Begann eine Serie von Kopf-Bildern, in der er sich in „Head VI“ erstmals mit dem Diego Velázquez‘ „Porträt von Innozenz X“ (1650, Galleria Doria Pamphili, Rom) beschäftigte und er sich auch die für ihn charakteristischen offenen Rahmenstrukturen erarbeitete.
  • Ende 1948

    Rückkehr nach London.
  • 1949

    Bacon stellte „Head I“ bis „Head VI“ in der Hannover Gallery aus, mit „Head VI“ paraphrasierte er erstmals das Porträt von Papst Innozenz X. von Diego Vélazquez. Die Kritik war gespalten zwischen Spott und Euphorie. Bis ins Jahr 1958 vertrat Erica Brausen Francis Bacon.
  • 1950

    Im Herbst 1950 lehrt Bacon als Vertretung einige Wochen am Royal College of Art in London.
  • 1951

    Erste Reise nach Südafrika, wohin seine Mutter und seine Schwester nach dem Tod des Vaters übersiedelt waren. Bacon war fasziniert von der Landschaft, die er intensiv fotografierte. Auf der Rückreise machte er einige Tage in Kairo Station, wo er die antike ägyptische Kunst studierte. Zeit seines Lebens war Francis Bacon der Ansicht, dass die Kunst der Pharaonenzeit die Wiege und gleichzeitig der Höhepunkt der europäischen Kunst gewesen wäre. Tod der ehemaligen Nanny Jessie Lightfoot (30.4.), was Francis Bacon in eine Krise stürzte. Er verkaufte umgehend sein Atelier und bezog für Jahre kein festes Atelier. Erste Einzelausstellung in der Hanover Gallery (Dezember 1951 – Februar 1952), die endlich den ersehnten durchschlagenden Erfolg brachte. Malte „Portrait of Lucian Freud“ und „Pope II“, sowie Bekannte und Freunde wie Lucian Freud, Michel Leiris, Henrietta Moraes, Jacques Dupin, George Dyer, John Edwards, Reinhard Hassert und Eddy Batache. In diesem Jahrzehnt wurde Francis Bacon ein international anerkannter zeitgenössischer Künstler.
  • 1952

    Neuerliche Reise nach Südafrika und Kenia. Lernte den Versuchspiloten und Barpianisten Peter Lacy kennen, mit dem Bacon eine Liebesbeziehung einging, die von 1952 bis 1957 dauerte. Reisen nach Rom und Tanger.
  • 1953

    Erste Einzelausstellung in den USA in der Galerie Durlacher Bros. in New York (Oktober). Damit war Francis Bacon der amerikanische Markt eröffnet. Bacon beschäftigte sich in Werken wie „Study of a Nude“ (1952/53) vertieft mit der Aktdarstellung.
  • 1954

    Erste Teilnahme auf der Biennale von Venedig, wo er sich den britischen Pavillon mit Ben Nicholson und Lucian Freud teilte. Wollte in Rom NICHT Velázquez‘ „Porträt von Innozenz X“ sehen. Erste Retrospektive Bacons im Londoner Institute of Contemporary Arts.
  • 1956

    Zog für sechs Jahre in die Wohnung des Anwalts Paul Danquah und dessen Lebenspartner Peter Pollock in London. Erste Ausstellung im Museum of Modern Art in New York.
  • 1957

    Erste Einzelausstellung in Paris in der „Galerie Rive Droite“. Da Peter Lacy nach Tanger (Marokko) übersiedelt war, verbrachte Francis Bacon dort immer wieder längere Aufenthalte. Kam mit der Beat Generation in Berührung (William S. Burroughs; Paul Bowles, Ahmed Yacoubi). Präsentierte in der Hanover Gallery Gemälde nach Vincent van Gogh, in denen Bacon von den dunklen Tönen zu leuchtenden Farben wechselte.
  • 1958

    Wechselte von Hanover Gallery zu Marlborough Fine Art Gallery, weil sie seine Spielschulden bezahlten und ihm größere Ausstellungen versprach. Im Gegenzug verpflichtete sich Francis Bacon weniger Gemälde zu zerstören.
  • 1959

    Teilnahme an der Documenta II in Kassel und der Biennale in São Paolo.
  • 1960

    Erste Einzelausstellung Bacons in seiner neuen Galerie Marlborough Fine Art Gallery. Die Schau war ein grosser Erfolg undFrancis Bacon inzwischen als Künstler etabliert.
  • 1961

    Umzug nach London, 7 Reece Mews in South Kensington, wo er sich über einem ehemaligen Stall ein Atelier einrichtete, wo Francis Bacon bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Retrospektive an der Nottingham University.
  • 1962

    Erste Retrospektive in der Tate Gallery, London, für die er „Three Studies for a Crucifixion [Drei Studien für eine Kreuzigung]“. Am Eröffnungsabend erfuhr Bacon vom Tod Peters Laceys in Tanger. Malte „Landscape near Malabata, Tangier“ (Privatbesitz). Das Solomon R. Guggenheim Museum erwarb „Three Studies for a Crucifixion“. Über Isabel lernte Francis Bacon Alberto Giacometti kennen.
  • 1963

    Stellte in der Marlborough Fine Art Gallery gemeinsam mit Henry Moore aus. Das Solomon R. Guggenheim Museum widmete Francis Bacon eine Retrospektive, die vom Art Institute in Chicago und der Contemporary Arts Association in Houston übernommen wurde. Publikation von Ronald Alley’s Catalogue Raisonée. Im Oktober lernte Francis Bacon George Dyer kennen, als dieser in die Wohnung des Malers einbrach. Die beiden wurden ein Liebespaar, wobei Francis Bacon nun erstmals die ältere sowie dominante Person war.
  • 1964

    Auf der Documenta III in Kassel widmeten ihm die Kuratoren einen eigenen Saal. Erste Porträts von George Dyer, Isabel Rawsthorne.
  • 1965

    Anlässlich einer Giacometti-Retrospektive in London lernte Francis Bacon Michel Leiris kennen, mit dem ihm eine jahrelange Freundschaft verband. Schloss auch Freundschaft mit Peter Beard.
  • 1967

    Bacon erhielt in diesem Jahr zwei Preise: den Carnegie Award in Painting der International Exhibition in Pittsburgh, den er zurückwies, und den Rubenspreis der Stadt Siegen, dessen Preisgeld er der von einem Hochwasser betroffenen Stadt Florenz überließ. Malte „Triptych“.
  • 1968

    „Portrait of George Dyer in a Mirror“. Reiste im November mit seinem Freund Dyer erstmals nach New York, um an der ersten Ausstellung in der Marlborough Gallery in New York dabei zu sein. Alle seine Werke wurden verkauft.
  • 1970

    „Triptych – Studies from the Human Body“ und „Three Studies oft he Male Black“. Der Kontakt zu seinem Liebhaber lockerte sich, als dieser immer mehr dem Alkohol verfiel und einen eigenen Kreis an Günstlingen um sich scharte.
  • 1971

    Tod der Mutter in Südafrika (14.4.). Im Oktober eröffnete eine Retrospektive acons im Grand Palais, Paris (1971/72), die von einer Monografie von John Russell begleitet wurde. Zwei Tage vor der Eröffnung brachte sich George Dyer mit einer Überdosis an Schlafmitteln im gemeinsamen Hotelzimmer um (24.10.). „Memory of George Dyer“ (1971) und „Triptych August 1972“ (1972).
  • 1974

    Francis Bacon lernte den um 40 Jahre jüngeren John Edwards kennen, der sein Modell, sein Freund und sein Fotograf wurde.
  • 1975

    „Francis Bacon. Recent Paintings 1968–1974“ im Metropolitan Museum of Art in New York (erste Ausstellung eines lebenden britischen Künstlers in der Geschichte des Museums).
  • 1976

    Ausstellung in Marseilles. Malte das „Portrait of Michel Leiris“.
  • 1977

    Ausstellungen in der Galerie Claude Bernard in Paris, Mexiko und Carracas.
  • 1978

    Ausstellungen in Madrid und Barcelona.
  • 1979

    Auf der Documenta VI vertreten. Tod von Muriel Belcher (31.10.).
  • 1981

    Francis Bacon malte „Triptych – Inspired by the Oresteia of Aeschylus“ (Astrup Fearnley Museum, Oslo). Tod seiner Schwester Winifred (Ende März). Gilles Deleuze publizierte „Francis Bacon. Logique de la sensation“.
  • 1982

    „Studie of the Human Body“, das von Jean-Auguste-Dominique Ingres inspiriert wurde.
  • 1983

    Ausstellung im National Museum of Modern Art in Tokio. „Sand Dune“ - nach langer Zeit widmete sich Francis Bacon wieder der Landschaftsmalerei.
  • 1984

    Ausstellung in der Galerie Lelong in Paris. „Three Studies for a Portrait of John Edwards“.
  • 1985

    Zweite Ausstellung in der Tate Gallery, London, der Staatsgalerie in Stuttgart und der Neuen Nationalgalerie in Berlin.
  • 1987

    Ausstellung in der Galerie Lelong in Paris.
  • 1988

    Einzelausstellung im Zentralen Künstlerhaus in Moskau (September) mit Werken aus den Jahren 1945 bis 1988. Hierbei handelte es sich um die erste Präsentation eines lebenden Künstlers aus dem Westen in der Sowjetunion.
  • 1989

    Das Hirshhorn Museum in Washington organisierte zu Ehren von Francis Bacons‘ 80. Geburtstag eine erste amerikanische Retrospektive seit 1963.
  • 1990

    Tod von Michel Leiris (30.9.). Ausstelljung in New York.
  • 1992

    Tod von Isabel Rawsthorne (27.1.).
  • 28. April 1992

    Am 28. April 1992 starb Francis Bacon an einem Herzinfarkt im Krankenhaus in Madrid. John Edwards wurde der Erbe des Malers. Bacons enges, chaotisches, aber berühmtes Atelier in den Reece Mews in South Kensington, London, wurde unter Anwendung archäologischer Methoden in seine Geburtsstadt Dublin in die Dublin City Gallery The Hugh Lane transferiert.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.