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Francisco de Zurbarán und Juan de Zurbarán Ausstellung in Madrid und Düsseldorf

Francisco de Zurbarán, Heilige Apollonia, um 1636-1640, Öl auf Leinwand, 115 x 67 cm (Paris, Musée du Louvre).

Francisco de Zurbarán, Heilige Apollonia, um 1636-1640, Öl auf Leinwand, 115 x 67 cm (Paris, Musée du Louvre).

Francisco de Zurbarán war neben Diego Velázquez (1599—1660) der wichtigste Künstler seiner Generation in Spaniens „Goldener Ära“ (Siglo d'Oro → Die Ära Velázquez). Die überraschende Einfachheit, Ruhe, ja Stille seiner Kompositionen werden besonders bewundert. Zurbarán eignete sich für seine Bilder der Askese, der mönchischen Disziplin und des militanten Katholizismus früh einen gesteigerten Naturalismus an. Wenn er auch kein genialer Erfinder neuer Bildlösungen war, so schuf er dennoch leicht lesbare Interpretationen religiöser Szenen, sogar dann wenn er die Leben der Heiligen erstmals illustrierte. Zurbarán zeigt ein ausgesprochenes Interesse an den taktilen Qualitäten von Objekten, edlen Stoffen, Schaffell usw., was ihn auch zu einem exzellenten Maler von Stillleben werden ließ. Beeinflusst von seinen berühmten Zeitgenossen Velázquez, Cano und im Späterk auch Murillo (→ Murillo und Justino de Neve), inspiriert von italienischen und nordeuropäischen Kupferstichen und in ständiger Auseinandersetzung mit der polychromierten Skulptur Spaniens, entwickelte er sich schon früh zu einem herausragenden Koloristen (→ Malerei und Skulptur im barocken Spanien).

Unbekanntes Frühwerk und erste Proben

Francisco de Zurbarán wurde am 7. November 1598 in Fuente de Cantos, einem Dorf in der ländlichen Provinz Badajoz in der Extrematura geboren. Vom 15. Januar 1614 datiert sein Ausbildungsvertrag mit Pedro Diaz de Villanueva in Sevilla, wo Zurbarán für drei Jahr blieb. In dieser Zeit machte er Bekanntschaft mit Francisco Pacheco (1564—1644), Juan de Roelas (um 1570—1625) und Francisco Herrera dem Älteren (um 1590—um 1654), die Begründer des Sevillaner Naturalismus, sowie mit seinen Zeitgenossen Alonso Cano (1601—1667) und Diego Velázquez (1599—1660). Ohne die Meisterprüfung abzulegen, kehrte Zurbarán in die Extremadura zurück. Er arbeitete als Maler in Llerna, der Hauptstadt der Priorei von San Marcos de Leon. Von dem hier entstandenen Frühwerk ist nichts überliefert. Im Jahr 1626 erhielt er einen ersten Auftrag für Sevilla: Am 17. Januar trafen Zurbarán und Vater Diego de Bordas, Prior von San Pablo el Real (Dominikaner) eine Vereinbarung über 14 Gemälde aus dem Leben des heiligen Dominikus sowie sieben Väter und Doktoren der Lateinischen Kirche. Innerhalb von acht Monaten sollten die Bilder ausgeführt sein, Zurbarán verdiente die überschaubare Summe von 4.000 Real. In den fünf erhaltenen Gemälden zeigt sich die koloristische Fähigkeit des jungen Malers.

 

 

Skulpturale Malerei und gegenreformatorische Mystik

Zurbarán verbrachte sein Leben in der Folge hauptsächlich in Sevilla, wo er ab 1629 Andachtsbilder, Altäre und Bildzyklen für zahlreiche Klöster der Dominikaner, Franziskaner und Marcederier-Orden schuf. Diese Auftragslage bestimmte sowohl die Motive wie auch die Atelierarbeit des Künstlers, der bereits in Llerna über mehrere Mitarbeiter verfügte. Zurbaráns Stil ist realistisch, detailgenau, seine Figuren wirken geometrisch und skulptural. Diese Wirkung erzielte er vielfach mit Hilfe von Licht und Schatten, zudem nutzte er die dunkle Hintergrundfolie als Kontrast. Einfache, statische Kompositionen sind durch eine genaue Darstellung der Oberflächenbeschaffenheit von Objekten charakterisiert. Dadurch haben seine Gemälde einen stillen und universellen Charakter.

 

 

 

„Es gibt eine Kreuzigung von Zurbaráns Hand, die hinter einem Gitter der wenig beleuchteten Kapelle gezeigt wird, und jeder, der sie sieht, und es nicht weiß, glaubt, dass es eine Skulptur sei.“1

So schrieb der spanische Kunstkritiker und Maler Antonio Palomino um 1720 über Francisco de Zurbarán. Zurbarán wurde mit dieser „Kreuzigung“, die er 1627 für das Dominikaner-Kloster San Pablo el Real in Sevilla gemalt hatte, berühmt (heute: Art Institute of Chicago). Er präsentierte den Gekreuzigten vor schwarzem Hintergrund. Helles Licht fällt von rechts auf den zusammengesunkenen Leib und modelliert dessen Volumen mit tiefen Schlagschatten. Damit setzte sich Zurbarán nicht nur mit der zeitgenössischen, realistisch bemalten Skulptur auseinander, sondern auch mit den tatsächlich vorhandenen Lichtverhältnissen an den Bestimmungsorten der Gemälde.
Ähnlich verfuhr er auch mit dem beeindruckenden „Hl. Serapion“ (1628) aus dem Wadsworth Atheneum in Connecticut und zwei düsteren Versionen des „Hl. Franziskus in Kontemplation“ (um 1635) aus der Londoner National Gallery sowie aus St. Louis. Der datierte und signierte „Hl. Serapion“ gilt als Probestück des Künstlers für einen großen Auftrag für die Casa Grande de la Merced Calzada (Mecedarier Kloster). Im Gegensatz zu einigen Zeitgenossen - vor allem Bildhauern - lag Zurbarán nichts daran, die Drastik des Martyriums durch das Zeigen von Wunden hervorzustreichen. Mit größter Würde und Präzision schildert Zurbarán die letzten Momente des einfachen Mönchs. Das caravaggieske Licht modelliert den Körper des Heiligen genauso überzeugend wie dessen weißen Habit. Zurbaráns Farbmeisterschaft zeigt sich u. a. in der Modulation von Weißtönen. Im Zeitalter der Gegenreformation nutzten viele Klöster die Überzeugungskraft von Bildern und beauftragten Künstler wie Zurbarán mit Zyklen zu ihren Ordensgründern, wichtigen Märtyrern und heiligen Jungfrauen. Für die private Andacht schuf der Maler ikonische Werke wie das „Agnus Dei“ (Lamm Gottes), die symbolisch aufgeladene Darstellung eines gefesselten Lammes mit Heiligenschein, und „Das Haus von Nazareth“, häusliche Szenen aus der Kindheit Mariae.
Zurbarán am Hof in Madrid und als Maler von modebewussten Jungfrauen

 

 

Diego Velázquez lud seinen Freund Zurbarán 1634 ein, an den Dekorationen für den Königssaal (auch „Reichssaal“) im neuen Buen Retiro Palast mitzuarbeiten. Dieser Auftrag ermöglichte Zurbarán, sich von seinen monastischen Auftraggebern zu lösen und sich mit mythologischen Szenen zu beschäftigen. Neben einer Serie zu den „Arbeiten des Herkules“ (Prado) führte er zwei großformatige Historien aus, die in bemerkenswert realistischem Stil ausgeführt wurden. Damit haben die Gemälde einen Sonderstatus im Werk Zurbaráns, der als „Maler der Mönche“ bezeichnet wurde. Seine Autorschaft wurde trotz Quellen von Palomino und Ponz bald vergessen und erst wieder 1945 zweifelsfrei belegt. Neben diesem höfischen Auftrag arbeitete Francisco de Zurbarán nur noch an der Dekoration eines Schiffs, dessen Bau König Philipp IV. zu Ehren des heiligen Ferdinand, König von Kastilien und Leon befahl.

Zurück in Sevilla malte Zurbarán ab 1636 wieder für Klöster und Pfarrkirchen. Seine weiblichen Heiligen wirken wie Andalusierinnen mit fast profanem Charme, während die verfeinerte Eleganz ihrer Kleider sie als „göttliche Porträts“ erscheinen lassen. Die seit dem Frühwerk skulptural aufgefassten Figuren zeigen eine subtile Verbindung zwischen Realismus und Mystik. Die „Heilige Casilda“ (um 1635, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid) war die Tochter des Morisken-Königs von Toledo, Abu al-Hasan Yahya al-Mamun. Als sie zum Christentum konvertierte, begann sie die verfolgten und inhaftierten Christen im Kerker ihres Vaters zu besuchen und mit Essen zu versorgen. Als sie eines Tages dabei erwischt wurde, verwandelten sich die Brote in den Falten ihres Gewandes auf wundersame Weise in Blumen. Der hohe Gerad an Realismus - vor allem was die Stoffe und die Juwelen anlangt - verliehen dieser Figur eine starke Präsenz und Monumentalität. Nach seiner Reise nach Madrid im Jahr 1634 verfeinerte Zurbarán den Umgang mit Farbe noch mehr, wie auch die „Heilige Apollonia“ (um 1636-1640, Louvre) zeigt.

 

 

Juan de Zurbarán – eine Neuentdeckung

Zurbaráns Sohn Juan starb mit nur 29 Jahren vermutlich an der Beulenpest (1649). In der Ausstellung werden seine höchst seltenen Stillleben mit jenen seines Vaters verglichen. Im Jahr 1938 wurde im Kiewer Khanenko Museum ein Stillleben gereinigt, die Signatur von Juan de Zurbarán (1620–1649) und die Datierung 1640 gefunden. Seither wurde ein kleines Œuvre des jung verstorbenen Künstlers gefunden, nur drei Stillleben sind signiert und datiert. Mit Ausnahme von zwei großen Altären für die Rosenkranz-Bruderschaft in Carmona in der Nähe von Sevilla schuf Juan de Zurbarán ausschließlich Stillleben. Erst jüngst erzielten sie hohe Preise am internationalen Kunstmarkt.

Schon das früheste datierte „Traubenstillleben“ (1639, Privatsammlung) des Neunzehnjährigen zeigt die malerischen Fähigkeiten. Im Gegensatz zu seinem Vater orientierte sich Juan de Zurbarán deutlich an flämischen und italienischen Vorbildern. Dramatische Beleuchtung und extremes Chiaro-scuro setzen die „barockeren“, weil prunkvolleren Inszenierungen von Juan de Zurbarán von den „einfachen“ Stillleben seines Vaters ab. Das 1985 erstmals präsentierte „Stillleben mit Apfelkorb und Quitten“ (um 1645, Museu Nacional d’Arte de Catalunya) zeigt eine Beeinflussung des Künstlers durch den Madrider Stilllebenmaler Juan van der Hamen y León (1596–1631). Die aus wenigen, genau beobachteten Früchten bestehenden Kompositionen wirken dennoch monumental und machten ihren Schöpfer einst berühmt. Ein Werk signierte er sogar mit dem vornehmen „Don“ und heiratete 1641 Mariana de Quadros, die Tochter eines Rechtsanwalts in der Real Audiencia von Sevilla. Die Pestepidemie 1649 beendete frühzeitig die kurze Karriere des talentierten Malers.

Auch Juans Vater Francisco schuf nur wenige Stillleben, das einzige signierte befindet sich im Norton Simon Museum in Pasadena. In den Ausstellungen in Madrid und Düsseldorf ist das späte „Stillleben mit Keramik und Schale“ (1650–1655, Museu Nacional d’Arte de Catalunya) zu sehen. Vater und Sohn konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf Details und qualitätsvolle Ausführung, die stilistisch an neapolitanische Stillleben, deren realistische Texturen und dramatische Licht-Schatten-Wirkungen anschließen. Thema und Motive kamen den lebensechten Darstellungsweisen der beiden Künstler entgegen.

 


 

Zurbarán's südamerikanisches Abenteuer

Die in den Jahren 1638 und 1639 entstandenen Zyklen für Klöster gelten als die Höhepunkte von Zurbaráns Werk. Dazu gehört der Zyklus für die Hieronymiten von Guadalupe in Caceres, der sich noch vor Ort befindet, und jener für die Kartäuser in Jerez de la Frontera, der im 19. Jahrhundert zerteilt wurde. Nach 1640 konzentrierte sich Zurbarán auf Serien von stehenden Figuren, beginnend mit den Aposteln von Lissabon (1633) und gefolgt von Arbeiten für den südamerikanischen Kunstmarkt. Letztere führten fast zum Ruin des Künstlers, da er kein Geld für die nach Amerika geschickten Gemälde erhielt.

Wie andere Kaufleute auch musste Zurbarán seine Waren dem Kapitän eines Handelsschiffs übergeben, der es an einen Meistbietenden verkaufen sollte. Das Risiko blieb beim Maler, da er die Bezahlung erst nach der Rückkehr dieses Schiffes aus der Neuen Welt erhielt. Ob der wirtschaftliche Niedergang Sevillas oder die Konkurrenz durch den jungen Sevillaner Maler Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682) - oder auch beide Gründe - für den Export der Gemälde verantwortlich waren, muss offen bleiben. Während der 1640er-Jahre arbeitete die Zurbarán-Werkstatt immer öfter für den amerikanischen Markt. Im Jahr 1647 bestellte beispielsweise die Schwester Oberin des Klosters La Encarnacion in Lima Gemälde für die Kirche, die sie mit 2.000 Pesos (16.000 Reales) auch bezahlte. „Zwölf reitenden Caesaren“ hatte er nach Peru geschickt, und 1649 sandte Zurbarán eigene Gemälde, flämische Landschaften und Malutensilien nach Buenos Aires. Die Hinwendung zu den spanischen Kolonien begann nachweislich 1636, da sich Zurbarán 1640 in einem Rechtsstreit mit Kapitän Diego de Mirafuentes befand. Dieser hatte vier Jahre zuvor einige erstklassige Gemälde von Zurbarán in Kommission genommen, um sie in den amerikanischen Kolonien zu veräußern. Da der Kapitän diese Werke wohl zur Dekoration seines Schiffes verwendete, waren sie beschädigt und unverkäuflich. Wenn auch das Geschäft mit Mittel- und Südamerika lukrativ war, so waren die Risiken kaum abzuschätzen. Da die großen Aufträge für Klöster zurückgingen, beschäftigte sich Francisco de Zurbarán in seinen letzten Jahren zunehmend mit Andachtsbildern für eine gehobene Klientel.
 

Der Spätstil Zurbarán's mit kindlichem Charme und weichen Formen

Der Spätstil des Sevillaner Künstlers ist von einer Hinwendung zu einem süßeren und feineren Ausdruck gekennzeichnet. Einerseits ist er vom Geist der Gegenreformation getragen und andererseits mit der Entwicklung von Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682) vergleichbar. Erst mit der internationalen Ausstellung zum 400. Geburtstag des Künstlers 1987/88 in Sevilla wurde diese Phase der künstlerischen Produktion einem weiteren Publikum bekannt.

 

 

Seither wird die weichere, hellere Erscheinung von Zurbaráns späten Werken geschätzt und, wie bereits oben erwähnt, mit der Auseinandersetzung mit dem jungen Malerstar Murillo erklärt. In seinen letzten Lebensjahren führte Zurbarán auch kleinformatigere Andachtsbilder für eine neue aristokratische Klientel aus. Die lebensnahe Darstellung erscheint noch mehr gesteigert, die dunklen Farben verdrängt, Formen und Licht weicher. Zu den außergewöhnlichsten Werken der Ausstellung zählt zweifellos der späte „Johannes der Täufer“ (um 1659, Privatsammlung). Das querformatige Bild zeigt hinter der Hauptfigur eine tiefe, verblauende Flusslandschaft, in der rechts die Taufe stattfindet. In diesem Gemälde scheint sich der Spanier mit den Werke von Joachim Patinier (um 1480—1524) am Madrider Hof auseinandergesetzt zu haben. Das Spätwerk des seit Ende Mai 1658 in Madrid lebenden Künstlers ist von nahsichtigen Darstellungen heiliger Figuren, allen voran die Madonna mit Kind sowie die Kindheitsgeschichten von Maria und Jesus, bestimmt. Zu den Neuentdeckungen zählt „Die mystische Vermählung der hl. Katharina“ (1660—1662, Privatsammlung Schweiz), die 2001 erstmals wieder Zurbarán zugeschrieben wurde. Das Werk dürfte identisch sein mit der „Mystischen Vermählung“, die sich noch nach Francisco de Zurbaráns Tod in dessen Werkstatt befand. Das wenige Jahre vor seinem Ableben entstandene Werk spiegelt die Hinwendung des Künstlers zu einer lichtvollen Palette, einer poetischen Atmosphäre und weichen Modellierung wider.

Kuratoren Madrid: Odile Delenda, Mar Borobia
Kurator Düsseldorf: Beat Wismer

 

Zurbarán in Madrid und Düsseldorf

Das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid und das Museum Kunstpalast in Düsseldorf widmen dem spanischen Barockmaler Francisco de Zurbarán eine Retrospektive mit 47 Werken — die erste in Deutschland. Ergänzt wird die Schau durch sieben Stillleben seines jung verstorbenen Sohnes Juan, dessen Eigenständigkeit in den letzten Jahrzehnten zunehmend entdeckt wurde. Aktuelle Restaurierungen und neue Zuschreibungen an die beiden Spanier lassen einen frischen Blick auf deren Werke zu. Darüber hinaus werden auch Zurbaráns Werkstattmitarbeiter erstmals vorgestellt: Juan Luis Zambrano, die Brüder Francisco und Miguel Polanco, Ignacio de Ries, Bernabe de Ayala und der unbekannte Meister von Besançon

 

Biografie von Francisco de Zurbarán (1598–1664)

Am 7. November 1598 wurde Francisco de Zurbarán, Sohn von Luis de Zurbarán und Isabel Marquez, in Fuente de Cantos in der Extremadura getauft. Sein Vater Luis de Zurbarán (1548–1629/1634) war ein baskischer Händler, der 1582 gemeinsam mit seinen Eltern ein Geschäft in Fuente de Cantos eröffnet hatte. Damit wurde Francisco de Zurbaráns Familie so wohlhabend, dass sie mehrere Häuser besaß und auch Sklaven.
1599 Francisco de Zurbarán und seine fünf Geschwister Maria, Andres, Agustin und Cristobal wurden in der Pfarrkirche von Nuestra Señora de la Granada in Fuente de Cantos konfirmiert.
Nachdem Francisco de Zurbarán in der Werkstatt eines lokalen Künstlers seine Ausbildung begonnen hatte, schickte ihn sein Vater zur weiteren Fortbildung nach Sevilla.
1614—1617 Ausbildung in Sevilla bei Pedro Diaz de Villanueva. Ohne die Meisterprüfung in Sevilla abzulegen, kehrte er in die Extremadura zurück. Er arbeitete als Maler in Llerna, der Hauptstadt der Priorei von San Marcos de Leon (= Diözese unter der Führung des Ordens von Santiago mit zwei Pfarrkirchen, sieben Klöstern und einen Inquisitionshof).
1617 Heirat mit Maria Paez Jimenez, die um neun Jahr älter war.
1618 Geburt der Tochter María (22.2. getauft)
1619 Zurbarán wurde vom Rat von Llerena beauftragt, ein Gemälde für die Tür der der Kirche Nuestra Señora de Villagarcia (verloren) zu malen.
1620 Geburt des Sohnes Juan (19.7. getauft)
1622 Zurbaran dekorierte ein Floß für die Osterprozession in Fuente de Cantos und malte und vergoldete einen Altar mit der Darstellung der „Mysterien des Rosenkranzes“ für den Altar von Unsere Rosenkranzmadonna in der Pfarrkirche seiner Heimatstadt.
1623 Geburt der Tochter Isabel Paula (13.7. getauft). Tod von Maria Paez (7.9. begraben).
1624 Zurbarán wurde beauftragt, die Skulptur eines gekreuzigten Christus für das Kloster der Mercedarier in Azuaga (Badajoz) für 700 Reales auszuführen.
1625 Heirat mit Beatriz de Morales, ihre gemeinsame Tochter Jeronima starb als Kleinkind. Im Dezember Umzug in ein Haus der Morales am Hauptplatz von Llerma.
1626 Erster Auftrag für Sevilla: Am 17. Januar trafen Zurbarán und Vater Diego de Bordas, Prior von San Pablo el Real (Dominikaner) die Vereinbarung über 14 Gemälde aus dem Leben des Heiligen Dominikus sowie sieben Väter und Doktoren der Lateinischen Kirche. Innerhalb von acht Monaten sollen die Bilder ausgeführt sein, Zurbarán verdiente die überschaubare Summe von 4.000 Real. Von diesem Auftrag haben sich fünf Gemälde erhalten.
1627 Zurbarán malte die „Kreuzigung“ für die Sakristei des Klosters San Pablo el Real (Art Institute of Chicago). Das ist sein frühestes erhaltenes, signiertes und datiertes Werk auf der Basis von Pacheco‘s Ikonografie.
1628 Am 29. August unterzeichnete Zurbarán einen Vertrag mit Vater Juan de Herrera, dem Oberer der Beschuhten Mercedarier in Sevilla, 22 Gemälde über das Leben des Gründers des Ordens zu malen. Wenn auch dieser Zyklus wohl nie ausgeführt worden ist, so gehört der „Heilige Serapion“ für die Sala de Profundis (Totenkapelle), „Die Erscheinung der Madonna vor dem hl. Petrus Nolascus“ (beide Prado) und seine Vision (Pariser Privatsammlung) zu den wichtigen Werken dieser Phase.
1629 Am 29. August bat der Rat der Vierundzwanzig, der Stadtrat von Sevilla, Zurbarán in die Stadt zu übersiedeln, um hier als Maler zu wirken. Am 26. September unterzeichnete der Maler einen Vertrag für die Vergoldung und das Malen eines Altares zu Ehren des Hl. Joseph für die Kirche des Klosters der Trinidad Calzada in Sevilla. Weiterer Auftrag über vier Gemälde für die Kirche des Franziskaner-Collegiums von San Buenaventura in Sevilla mit Szenen aus dem Leben des Hl. Bonaventura (heute: Louvre, Dresden) vervollständigten den Auftrag an Herrera den Älteren.
1630 Zurbarán wurde der Titel „Meistermaler der Stadt Sevilla“ verliehen, obwohl er die Prüfungen der Zunft nie abgelegt hatte. Auf Initiative des Herzogs von Olivares wurde der Bau des Buen Retiro in Madrid als Lustschloss für den Hof begonnen.
1631 „Die Apotheose des hl. Thomas von Aquin“ (Museo de Bellas Artes, Sevilla) ist Zurbarán‘s größtes bekanntes Gemälde und wurde als Hochaltarbild der Kirche des Dominikaner-Collegiums von Santo Tomás de Aquino genutzt.
1633 Von seinen Mitarbeitern unterstützt malte Zurbarán seine einzige bekannte „Apostelserie“ (Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon), vielleicht für das Kloster von Sao Vicente de Fora in Lissabon. Bis 1635 stellte Zurbarán vier kleine Leinwände für die Kapelle des Collegiums von San Alberto der Unbeschuhten Karmeliter von Sevilla fertig.
1634 Zurbarán reiste an den Hof in Madrid, wo er beauftragt wurde, eine Reihe von Werke an Dekoration für die „Reichshalle“, darunter die zehn „Arbeiten des Herkules“ (Museo Nacional del Prado). Für den gleichen Saal malte Velázquez die „Übergabe von Breda“ (Prado).
1635 „Porträt von Don Alonso Verdugo de Albornoz im Alter von zwölf Jahren“ (Gemäldegalerie, Berlin). In diesen Jahren entstanden einige, meisterhaft gemalte Porträts von Frauen als heilige Jungfrauen, die - elegant gekleidet und mit Schmuck behängt - sich großen Erfolgs erfreuten: z. B. „Heilige Casilda“. Aus dem gleichen Jahr datiert auch das „Tuch der heiligen Veronika“.
1636 Am 19. August erhielt Zurbarán den Auftrag, gemeinsam mit dem Bildhauer und Bruder seines Lehrmeisters Jeronimo Velazquez, einen neuen Altar für die Kirche von Nuestra Señora de la Granada in Llerena zu machen. Der „Heilige Antonius Abbas“, die „Heilige Apolonia“ (Louvre) und der „Heilige Lorenz“ (Eremitage) wurden für den Querschiffaltar der Klosterkirche von San Jose de la Merced Descalza in Sevilla gemalt.
1637 Am 26. Mai unterschrieb Zurbarán einen Vertrag über den Hochaltar der Klosterkirche der Encarnacion in Arcos de la Frontera (Cadiz) (verschollen).
1638–1639 Serie für das Kapitelhaus von Nuestra Señora de la Defension in Jerez de la Frontera (Cadiz).
1639 Am 2. März unterschrieb Zurbarán einen Vertrag mit Vater Felipe de Alcala über sieben Gemälde für die Sakristei des Klosters von Guadalupe (Caceres) mit Mönchen des Klosters, die sich als einzige noch in situ befindet. Tod der zweiten Frau ( 28.5. bestattet in der Kirche St. Magdalena in Sevilla). Zwei wichtige Werke aus diesem Jahr sind „Hl. Franziscus in Meditation“ und das „Agnus Dei“.
1640 Zurbarán‘s Werkstatt ist extrem beschäftigt. Zwischen 1640 und 1650 produzierte sie eine große Anzahl von Werken für den Lateinamerikanischen Markt, vor allem Apostelserien und Mönchsdarstellungen. Bis 1645 fertigte Zurbarán eine Serie der Sieben Infanten von Lara an.
1641 Am 18. August heiratete Juan de Zurbaran Mariana de Quadros in der Pfarrkirche von Santa Cruz in Sevilla. Dieser Ehe entsprangen zwei Kinder.
1644 Hochzeit mit Leonor de Tordera (7.2.), die Francisco de Zurbarán weitere sechs Kinder schenkte. Zwischen 1644 und 1645 malte Zurbarán verschiedene Versionen des „Haus von Nazareth“, da sich Bilder mit der Kindheit Jesu großen Zuspruchs erfreuen.
1645 Geburt der Tochter Micaela Francisca (24.5. getauft). Zurbarán und seine Frau zogen in ein Haus neben der Kathedrale. Die Kirche von Nuestra Señora de la Candelaria in Zafra (Badajoz) beauftragte Zurbarán mit einem Porträt von „Alonso de Salas Parra“ und „Heiliger Ildefons erhält die Kasel“ (1644–1645).
1646 Geburt des Sohnes Jose Antonio (2.4. getauft).
1647 Am 22. Mai untereschrieb Zurbarán einen Vertrag mit Kapitän Juan de Valverde über zehn Szenen aus dem Leben der Jungfrau und 24 Darstellungen von weiblichen Heiligen für das Konvent der Inkarnation in Lima, Peru (verloren).
1648 Geburt der Tochter Juana Micaela (9.2. getauft)
1649 Tod des Sohnes und Mitarbeiters Juan de Zurbarán am 8. Juni, vielleicht an der Pest.
1650 Geburt der Tochter Maria Manuela (9.4. getauft), die der Vater vielleicht als Modell für seine Kindheit Mariae Szenen einsetzte. Um 1650 arbeitete Zurbarán am Altar für die St. Peter-Kapelle in der Kathedrale von Sevilla (in situ).
1653 Geburt des Sohnes Eusebio (8.11.).
1655 Geburt der Tochter Agustina Florencia (2.11.). Um 1655 malte Zurbarán drei große, horizontale Leinwände für die Sakristei der Kirche im Kapitelhaus von Santa Maria de las Cuevas in Sevilla mit Szenen aus der Kartäuser-Doktrin (Museo de Bellas Artes, Sevilla).
1658 Ende Mai Übersiedelung nach Madrid, dem Sitz des Hofes, wo er hauptsächlich Werke für die private Andacht der Aristokratie malte. Velázquez wurde ein Mitglied des Ordens von Santiago. Zurbaran, Murillo, Cano und Juan Carreno de Miranda sagten für ihn aus. Murillo reiste nach Madrid, wo er die Gesellschaft von anderen Sevillaner Künstlern wie Velázquez und Zurbaran suchte.
1660 Velázquez starb am 6. August in Madrid. Murillo gründete mit anderen Künstlern die Akademie für Zeichnung in Sevilla. Zwischen 1659 und 1660 wurde Zurbarán mit seiner letzten Kloster-Serie beauftragt: die Gemälde für die Kapelle des hl. Diego im Franziskanerkloster Santa Maria de Jesus in Alcala de Henares, Madrid (Museo Nacional del Prado).
1662 Das letzte Werk des Meisters, eine „Jungfrau und Kind mit dem Johannesknaben“ (Museo de Bellas Artes, Bilbao), datiert aus diesem Jahr.
1664 Der kranke Künstler setzte sein Testament auf. Er möchte im nicht mehr existierenden Kloster der Unbeschuhten Augustiner-Rekollekten in Madrid, an der Stelle der heutigen Biblioteca Nacional und dem Museo Arqueologico. Am 27. August starb Francisco de Zurbarán in Madrid.

  1. Zitiert nach Xavier Bray, The Sacred Made Real. Spanish Painting and Sculpture 1600–1700, in: The Sacred Made Real. Spanish Painting and Sculpture 1600–1700 (Ausst.-Kat. The National Gallery, London 21.10.2009–24.1.2010; National Gallery of Art, Washington, 28.2.–31.5.2010), London 2010, S. 14–43, hier S. 15.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.