0

Frans Hals und die Moderne Hals trifft Manet, Singer Sargent, Van Gogh

Hals und die Modernen, Hals - Manet

Hals und die Modernen, Hals - Manet

Der Einfluss des niederländischen Barockmalers Frans Hals (1580–1666) auf die Maler der Moderne war enorm! Die Ausstellung im Frans Hals Museum in Haarlem thematisiert die Wiederentdeckung des lange vergessenen Künstlers durch die französischen Impressionisten vor 150 Jahren. Seither schätzten Maler wie Manet, Liebermann, Singer Sargent und Van Gogh den Holländer für seine gestische Malerei, in der Unschärfe genauso einen Stellenwert hat wie präzise herausgearbeitete Partien.

Die Modernität des Frans Hals

Genau vor 150 Jahren – 1868 – schrieb der einflussreiche, französische Kunstkritiker Théophile Thoré-Bürger über Frans Hals – und machte ihn über Nacht zu einem gefeierten Vorbild für die sich gerade herausbildenden Moderne rund um die Maler des 1874 als Impressionismus getauften Stils. Eineinhalb Jahrhunderte hatte die offene Malweise des Holländers den akademischen Vorstellungen nicht entsprochen, weshalb seine Kunst wenig geschätzt wurde. Stattdessen wurde der Malstil mit Hals‘ angeblich liederlichem Lebensstil in Verbindung gebracht und der Künstler so doppelt diffamiert. Am Kunstmarkt waren die Gemälde Frans Hals‘ daher nur wenig wert und auch in den Erzählungen zum Goldenen Jahrhundert der holländischen Malerei schienen sie genauso wenig hineinzupassen wie das Spätwerk von Rembrandt van Rijn (→ Der späte Rembrandt: Maltechnik, Radierungen und Bankrott).

Thoré-Bürger war ein Experte für die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts und wagte, einen neuen Blick auf die Werke zu werfen. So war der Kunstkritiker maßgeblich an der Wiederentdeckung von Jan Vermeer verantwortlich. Zwei Artikel in der Gazette des Beaux-Arts erwiesen sich als besonders einflussreich. Darin strich er Hals‘ mutige Pinselarbeit und Virtuosität heraus und stellte ihn als ein Vorbild für die moderne Malerei hin. In der Folge stiegen die Preise für Gemälde des Haarlemer Meisters exorbitant an. Viele Maler reisten eigens nach Haarlem, um die Werke im 1862 eröffneten Gemeentemuseum zu studieren.

 

 

Frans Hals und die Moderne in Haarlem

Der berühmte Porträtist aus Haarlem wird seine Bedeutung in der Geschichte des Porträts genauso herausstreichen wie sie seinen Einfluss auf die Entwicklung der Moderne beleuchtet. Maler wie Edouard Manet, Max Liebermann, John Singer Sargent, James Ensor, Mary Cassatt, Gustave Courbet, McNeill Whistler, William Merrit Chase, Henri Fantin-Latour und Vincent van Gogh werden Hals gegenübergestellt werden. Erstmals stellt das Frans Hals Museum in Haarlem diesen Dialog direkt an den Wänden vor.

 

 

Frans Hals und die Modernen: Bilder

  • Frans Hals, Der Fischerknabe, 1632/33, Öl/Lw, 74 x 61 cm (Königliches Museum der Schönen Künste Antwerpen, Foto: Hugo Maertens)
  • Frans Hals, Porträt Maritge Claesdr. Vooght, 1639, Öl/Lw, 128 x 94,5 cm (Rijksmuseum Amsterdam, Leihgabe der Stadt Amsterdam)
  • Frans Hals, Zwei lachende Knaben mit einem Krug Bier, um 1628, Öl/Lw, 68 x 56,5 cm (Hofje van Aerden, Leerdam)
  • Frans Hals, Malle Babbe, 1633–1635, Öl/Lw, 75 x 64 cm (Gemäldegalerie Berlin, SMB, Foto: Jörg P. Anders)
  • Vincent van Gogh, Postmeister Joseph Roulin, 1888, Öl/Lw, 81,3 x 65,4 cm (Museum of Fine Arts, Boston, Gift of Robert Treat Paine, 2nd)
  • Edouard Manet, Knabe mit Krug [La Régalade], 1862/1872, Öl/Lw, 61,8 x 54,3 cm (The Art Institute of Chicago)

 

Weitere Beiträge zum Barock

14. August 2018
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Nathan ermahnt David, Detail, um 1660–1663, Feder in Braun, stellenweise gewischt, graubraun laviert, auf Papier (© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders)

Aus Rembrandts Werkstatt Kupferstichkabinett Berlin zeigt Zeichnungen der Rembrandtschule

Rembrandt oder nicht Rembrandt? Zeichnungen des holländischen Meisters wurden schon von Beginn an mit Zeichnungen seiner Schüler und Mitarbeiter verwechselt. Die Ausstellung zeigt rund 100 der besten Zeichnungen aus Rembrandts Umfeld sowie einige Originale aus der eigenen Sammlung und anderen Museen.
16. Juli 2018
Caravaggio, Hl. Johannes der Täufer (Knabe mit Widder), Detail, 1602, Öl/Lw, 129 × 94 cm (Musei Capitolini, Pinacoteca Capitolina, Rom – Archivio Fotografico dei Musei Capitolini © Roma, Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali)

Caravaggio in Rom. Freunde und Feinde Musée Jacquemart-André zeigt Caravaggios künstlerische und private Beziehungen

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610), kurz Caravaggio genannt, revolutionierte die italienische Malerei des 17. Jahrhunderts durch einen neuartigen Einsatz von Licht und Schatten. Die Ausstellung im Musée Jacquemart André in Paris ist Caravaggios Leben und Wirken in Rom gewidmet, dem Milieu, dem er künstlerisch und intellektuell entstammt. Bereits kurz nach 1600 reagieren offensichtlich römische Maler auf die Neuerungen Caravaggios, wie die Schau belegt. Über kunsthistorische Vergleiche hinaus, stehen aber auch die Beziehungen des unangepassten Malers mit Sammlern, Mäzenen wie Giustiniani und Kardinal Francesco Maria Del Monte, aber auch mit Künstlern, Dichtern und Intellektuellen seiner Zeit.
12. Juni 2018
Gerard van Honthorst, Die Kupplerin, Detail, 1625, Öl/Lw, 71 x 104 cm (Centraal Museum Utrecht, aankoop met steun van de Vereniging Rembrandt 1951, Foto: Tom Haartsen)

Utrechter Caravaggismus: Honthorst, Baburen und Ter Brugghen Niederländische Maler im Lichte Caravaggios

Gerrit van Honthorst, Dirck van Baburen, Hendrik ter Brugghen lebten in den 1610ern in Rom, wo sie den Utrechter Caravaggismus als typisch niederländischen Barockstil prägten.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.