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Friedhof von St. Marx DER Wiener Biedermeier-Friedhof, letzte Ruhestätte von Mozart

Wien, Friedhof von St. Marx, Trauerengel, Foto: Alexandra Matzner.

Wien, Friedhof von St. Marx, Trauerengel, Foto: Alexandra Matzner.

Die im Zuge der Josephinischen-Reformen erlassene Seuchen- und Hygieneverordnung1 führte ab 1782 zur Schließung fast aller Begräbnisstätten innerhalb des damaligen Wiens.2

Stattdessen wurden fünf neue Ruhestätten außerhalb des Linienwalls erbaut, darunter der St. Marxer Friedhof. Das Josephinische Verbot schloss sogar ein, den Leichenwagen über die Stadtmauer hinaus zu begleiten und die Gräber namentlich zu kennzeichnen. Er befindet sich 4.800 Schritte von der Stadt entfernt, ist von unverputzter Mauer umgeben und wurde in v.a. im 20. Jahrhundert mehrfach verkleinert. St. Marx war ein Teil der Vorstadt Landstraße und verdankt seinen Namen dem hl. Markus, dem Patron der Kapelle im Bürgerspital.

 

 

Belegung des St. Marxer Friedhofs

Die Nutzung des St. Marxer Friedhofs fand von der Friedhofsreform Josephs II. bis zur Eröffnung des Wiener Zentralfriedhofs statt: vom 17. Mai 1784 bis ins Jahr 1874; eine Ausnahme wurde nur 1878 für den Praterunternehmer Basilo Calafati und Familiengruften gemacht. Die Zuständigkeit des Friedhofs umfasste Teile der Inneren Stadt, die Vorstädte Landstraße, Erdberg und Weißgerber sowie die heutige Leopoldstadt. Die Gräberprotokolle sind vor 1848 sehr lückenhaft, Schachtgräberprotokolle wurden überhaupt erst nach 1849 angelegt. Daher lässt sich auch nicht mit Sicherheit sagen, wo Wolfgang Amadeus Mozart bestattet wurde.

Ab 1820 konnten auch Angehörige der griechisch-nichtunierten (gr.-orthodoxen) Gemeinde hier bestattet werden. Im Jahr 1837 wurde dafür von der Gemeinde zur Hl. Dreifaltigkeit ein Stück Land, das an den Friedhof grenzte, erworben.

Seit 1835 war es zwar für getaufte, zum Christentum konvertierte Juden möglich, sich auf christlichen Friedhöfen (also auch jenem von St. Marx) bestatten zu lassen, Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden zur damaligen Zeit aber auf dem jüdischen Friedhof Währing beigesetzt.

In den 1880er Jahren wurden zahlreiche Prominente des St. Marxer Friedhofs exhumiert und zur Steigerung der Attraktivität des neuen Standortes am Zentralfriedhof (ab 1. November 1874) in einem Ehrengrab beigesetzt: z.B. Alois Negrelli von Moldelbe, Moritz Daffinger, Karl Agricola, Johann Georg Albrechtsberger und Joseph Drechsler. Heute erinnern schlichte Plaketten am Boden an die einst am St. Marxer Friedhof bestatteten, da auch die Grabsteine transferiert wurden.

Am 10. Februar 1922 erfolgte die beinahe Schließung der Anlage durch einen Beschluss des Wiener Gemeinderates. Nur die Umwidmung in eine Parkanlage durch den Heimatforscher Hans Pemmer, er ließ ihn unter Denkmalschutz stellen, konnte die historische Stätte retten. Nach einer Renovierung und Instandsetzung des gesamten Friedhofs unter Leitung des Architekten Anton Waldhauser wurde dieser am 22. Oktober 1937 der Wiener Bevölkerung als öffentliche Parkanlage übergeben und 1943 unter die Obhut und Pflege des Stadtgartenamtes gestellt.
Heute ist der ehemalige Friedhof als eine der ruhigsten und während der Fliederblüte romantischsten Parkanlagen von Wien bekannt. Nichts deutet darauf hin, dass am hinteren Ende die Trasse der Südosttangente nahezu in den Friedhof hineinschneidet!

 

 

Ikonografie des Todes

Bereits am Eingang des Friedhofs vermitteln zwei Inschriftentafeln mit Trauergenien und verhüllten antikischen Urnen die Todesauffassung des Klassizismus und der Biedermeierzeit: „Auf irdische Trennung folgt seelige Vereinigung.“ - „Trennung ist unser Loos (sic!) Wiedersehen unsere Hoffnung.“ Das Friedhofskreuz trägt die Inschrift „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Johannes 11, 25)., datiert rückseitig MDCCXXXI (1731).

Der Josephinische Tod machte mit seinen Schacht- und Massengräbern alle gleich, was rasch zur Rücknahme des Gesetzes führte. Im Biedermeier findet die Individualisierung der bürgerlichen Grabstätte erneut einen Höhepunkt: Inspiriert durch berühmte Grabdenkmäler wie Antonio Canovas „Grabmal der Marie Christine“ (1805 → Antonio Canova. Grabdenkmal für Erzherzogin Marie Christine) in der Augustinerkirche wurden von anonymen Steinmetzen und Bildhauern antikisierende und romantisierende Formen und Symbole zum Schmuck der Gräber eingesetzt. Es finden sich in den über 6.000 Gräbern am St. Marxer Friedhof Nachbildungen von antiken Grabstelen bzw. –monumenten mit Giebeln und Akroterien, Urnen, trauernde Todesengel (Genien) mit gesenkten Fackeln, manchmal Schmetterlinge oder einem Pfeil samt Schlange, die sich in den Schanz beißt, als Mahnmal der flüchtigen Zeit und der Ewigkeit.

Ein weiterer Typus verbindet einen Kranz mit einem Kreuz und könnte auf einen bekannten Spruch von Franz Grillparzer rekurrieren. Dieser reimte in einem Stammbuch: „Sei immer du und sei es ganz / Früh stirbt die Blume, nie der Kranz!“ Wie verbreitet die Symbolik des Bekränzten Kreuzes als Vergänglichkeit und Erinnerung war, belegt auch folgende Stelle aus Ernst von Feuchterslebens „Zur Diätetik der Seele“ (1838; Kapitel 12):

„Ungewiß und vergänglich ist das Glück; gewiß und ewig bleibt die Pflicht. Die Vorsehung schuf den Schmerz nur, um auch den Trost erschaffen zu können, und gerade der schmerzliche Widerspruch in unserer Natur ist das Siegel ihrer höheren Bestimmung. Schöner ist kein Lächeln, als das, welches mit der noch nicht versiegten Thräne im Auge kämpft; höher und dauernder ist keine Sehnsucht, als die nie zu befriedigende; reiner und wahrer genießt Niemand, als der freiwillig Entbehrende, und so mag und wird das Kreuz, mit Rosen umschlungen, das tiefste Symbol unseres Lebens bleiben.“3 (Ernst von Feuchtersleben)

 

 

Wenn auch viele Gräber heute anonymisiert sind, so lässt sich der bürgerliche Stolz an den aufgezählten Titeln ablesen - u.a. Hausbesitzer werden als solche ausgezeichnet.

Für die Grabsteine wurde feinkörniger Leithakalkstein aus Stotzing verwendet, während die Inschriftenplatten aus Solnhofer Kalkschieferplatten und die Sockel und Aufsätze aus grobkörnigem Leithakalkstein aus St. Margarethen und dem Kaisersteinbruch bestanden.

 

Gebäude

Am Eingang des Friedhofs findet man leider keine originale architektonische Ausstattung mehr vor: Rechts befindet sich ein zweistöckiges Wärterhaus und links eine leere Fläche. Hier befand sich ursprünglich die Leichenkammer, in der die Särge per Verordnung für eine Frist von 48 Stunden bis zur Beisetzung aufbewahrt wurden, um das Risiko der Beerdigung von Scheintoten zu minimieren.

 

 

Einige tote Berühmtheiten

Katharina Waldmüller (1792-1850)

Mezzosopranistin, Gattin von Ferdinand Georg Waldmüller (1814-34), 1817 bis 1846 war sie am Wiener Kärntnertortheater (Hofoper) engagiert, wo sie unter anderem den Sesto in Mozarts Oper „Titus“ sang.

 

 

Peter von Nobile (1774-1854)

spätklassizistischer Architekt und Hofbaumeister, Schüler von Antonio Canova, 1819 Hofbaumeister und Direktor an der Architekturabteilung der Wr. Akademie, wichtige Bauten in Wien: Theseustempel (1819-1823), Äußeres Burgtor (1821), bestattet in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof.

Leopold Ernst (1808-1862)

Schüler Pietro Nobiles, nach Ludwig Hevesi der „Frühgotiker Wiens“, als Hauptwerk gilt der Umbau des Schlosses Grafenegg, gestaltete für die Familie Liechtenstein deren Kapelle in St. Stephan neugotisch um; Dombaumeister von St. Stephan ab 1853: Ausführung der Langhausgiebel mit Maßwerk, von denen bislang nur einer mit Maßwerk versehen war, während die restlichen bemalt waren, Erneuerung der Turmspitze des Südturmes. Gemeinsam mit J. Oescher mit der Herausgabe der „Baudenkmäler des Mittelalters im Erzherzogtum Österreich“ (1846–1848).

 

 

Joseph Kornhäusel (1782-1860)

klassizistischer Architekt, Schlösser in Mähren, vor allem Schloss Eisgrub (als Baudirektor der Fürsten von Liechtenstein), Husarentempel bei Mödling (1813), Theater in der Josefstadt (1822), Stadttempel in Wien (1825–1826).

Louis Joseph Montoyer (um 1749-1811)

klassizistischer Architekt in Brüssel und Wien, ab 1778 Brüssel als Architekt tätig, u.a. Königspalast, den damaligen Sitz des habsburgischen Statthalters erbaute. 1795 mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen nach Wien, der ihn bereits 1780 zu seinem Hofarchitekten ernannt hatte. Hier arbeitet er zunächst am Umbau dessen Palais, der heutigen Albertina. An der Hofburg stellte er mit dem Bau des Zeremoniensaals die Verbindung des Leopoldinischen Trakts mit der alten Hofburg her. Palais Rasumofsky, 1807 Hofarchitekt von Franz I., Gedenkstein.

Therese Krones (1801-1830)

debütierte 1821 am Leopoldstädter Theater, begeisterte in der Rolle der „Jugend“ aus „Der Bauer als Millionär“ von Ferdinand Raimund (1826). War bei der Verhaftung ihres Geliebten, des russischen Adeligen Severin von Jaroszynski, der seinen einstigen Erzieher Abbé Konrad Blank 1827 ermordet hatte, anwesend. Die Krones wurde daraufhin von der besseren Wr. Gesellschaft vorübergehend gemieden. Sie verschwand aus dem gesellschaftlichen Leben Wiens und wollte ins Kloster gehen. Ferdinand Raimund gelang es nach mehreren Monaten des Bittens, sie ins Theater zurückzuholen. Am 28. Dezember 1830 starb Therese Krones nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 29 Jahren in Wien. Ehrengrab am Zentralfriedhof.

 

Grab von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

am 5. Dezember 1791 in seiner Wr. Wohnung verstorben, am Folgetag dort aufgebahrt – Trauerzug endete am Stubentor, im Schachtgrab bestattet, angeblich soll der Komponist Johann Georg Albrechtsberger und dessen Familie den Sarg begleitet haben. Simon Preuschl dürfte den Toten am 8.12. beerdigt haben, später wird Joseph Rothmayer behaupte, er hätte die Stelle gekannt, als er den Schädel des Komponisten verkaufte.
1808 oder 1809 besuchte Constanze das Grab ihres verstorbenen Gatten, konnte nicht mehr lokalisiert werden, Rothmayer war vielleicht bereits verstorben. 1855 gab der Wr. Bürgermeister Johann Kaspar von Seiller den Auftrag, das Grab zu lokalisieren, um die Nachfragen beantworten zu können. Gelang nicht. Es wurde im Bereich der dritten und vierten Schachtgräberreihe „mit größter Wahrscheinlichkeit“ vermutet. Hanns Gasser gestaltete ein Denkmal, das am 6. Dezember 1859 enthüllt und 1891 auf den Wr. Zentralfriedhof überführt wurde. Der Friedhofswärter Alexander Kugler stellte ein schlichtes Grabmal aus nicht mehr benötigten Teilen anderer Gräber zusammen. Im 2. Weltkrieg stark zerstört, wurde es 1950 vom Bildhauer Florian Josephu-Drouot instand gesetzt.

 

 

Josef Madersperger (1768-1850)

stellte 1814 erstmals eine Nähmaschine her, für die er die bronzene Medaille des n.ö. Gewerbevereins sowie ein österr. Privileg bekommt. Da er die erforderlichen Taxen nicht bezahlen konnte, erlosch das Privileg 1818 wieder. Zu seinen Lebzeiten wird sich die Erfindung nicht durchsetzen, da das Überangebot an Arbeitskräften die arbeitssparende Produktion nicht erforderlich machte. Der Erfinder starb völlig verarmt 1850 im Bürgerversorgungshaus auf der Landstraßer Hauptstraße und liegt in einem Schachtgrab. Schmiedeeisenes Kreuz von der Wr. Schneiderinnung 1924 aufgestellt und bis heute gepflegt. Denkmal im Resselpark am Karlsplatz (→ Der Karlsplatz in Wien).

Alexander Fürst Ypsilantis (1792-1828)

griechischer Adeliger in russischem Dienst. Er übernahm 1820 die Verantwortung der bis dahin kopflosen Organisation Philiko Etaireia (etwa „Freundschaftsgesellschaft“) zur Vorbereitung und Planung des Griechischen Freiheitskampfes gegen die Türken. Das griechische Heer aber, das nur aus wenigen Freiwilligen bestand, wurde von den osmanischen Streitkräften geschlagen. Ypsilantis wurde auf seinem Weg nach Griechenland von den österreichischen Behörden festgenommen und in der Kleinen Festung in Theresienstadt inhaftiert. Ein Jahr vor seinem Tod in Wien-Landstraße wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. „Wer von euch, edle Griechen, wird das Vaterland nicht freudig von seinen Banden befreien wollen?“ 1903 nach Schloss Rappoltenkirchen (Mausoleum von Georg Simon Sina) und 1964 nach Thessaloniki überführt. Gedenktafel.

 

 

Basilio Calafati (1800-1878)

Zauberkünstler, Schausteller und Gasthausbesitzer im Wiener Wurstelprater. trat bereits in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts im Prater, vorwiegend als Zauberkünstler und Taschenspieler, auf und war ab etwa 1830 bei Sebastian von Schwanenfeld tätig, dessen Hütte er im Prater am 21. 4. 1834 erwarb. Sein Dampfwagenkarussell "Zum großen Chineser", für das er am 3. 4. 1840 die Betriebsbewilligung erhielt, hatte ab 1854 (bis 1945) als Mittelpunkt die Riesenfigur eines Chinesen. Mit dem Ringelspiel wurde Calafati berühmt. Seit 1905 in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof.

Peter Fendi (1796-1842)

Maler, Kupferstecher, stammte aus ärmlichen Verhältnissen, Rückgratverletzung durch Sturz vom Wickeltisch, kränkliche Konstitution, Schüler an der Akademie von Johann Baptist Lampi, 1818 Zeichner des Münz- und Antikenkabinetts an der Akademie, 1833 Zeichenlehrer bei Hof, Kinderporträts, Aquarelle, 1836 Mitglied der Akademie der bildenden Künste, gefragter Porträtist, seit 1909 in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof.

Carl Klinkosch (1797-14.10.1860)

Vater von Josef Carl (auch: Karl) Klinkosch, Wiener Silberschmied, übernahm 1821 die von einem Vater Josef C.K. 1802 gegründete Silberschmiedewerkstätte, die er in den folgenden zehn Jahren zur angesehensten Wiens machte. Schloss sich 1831 mit St. Mayerhofer zusammen: 1831 Hof-Plattierer, 1837 Hof-Silberarbeiter, 1848 Hauptmann der Bürgergarde, zog sich 1851 aus der Firma zurück.

Anton Edler von Rosas (1791-1855)

Mediziner, Spezialgebiet Auge.

 

 

Anton Diabelli (1781-1858)

Komponist und Musikverleger, von Michael Haydn entdeckt und in Salzburg gefördert, 1800 Eintritt ins Zisterzienserkloster Raitenhaslach, 1830 Säkularisation des Klosters, geht nach Wien zu Joseph Haydn, Klavier- und Gitarrenlehrer, befreundet mit Ludwig van Beethoven, Diabelli-Variationen von 51 Komponisten, verlegte Schubert, Mozart u.a., Altersdemenz.

Ida Pfeiffer (1797-1858)

erste Welt- und Forschungsreisende des Biedermeier, Reiseschriftstellerin, kam bis Island und Afrika, 1861 erschien posthum ihr Bericht „Reise nach Madagaskar“, seit 1892 in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof.
Alois Negrelli, Ritter von Moldelbe (1799-1858)

Eisenbahn- und Wasserbauingenieur, Pionier des Eisenbahnwesens, ab 1856 Generalinspektor der österr. Bahnen, 1846-56 Pläne für Suezkanal, 1848 Bau der Semmeringbahn durchgesetzt. 1929 Ehrengrab am Wr. Zentralfriedhof.

Michael Thonet (1796-1871)

verbesserte die Technik der Bugholzmöbel, ab 1842 auf Einladung von Fürst Metternich in Wien, 1843 bis 1846 Parkettboden im Stadtpalais Liechtenstein (→ Stadtpalais des Fürsten von und zu Liechtenstein), ab 1849 selbständige Arbeit mit seinen Söhnen, 1850 Ausstellung eines gebogenen Sessels Nr. 4 im nö. Gewerbeverein – erster Auftrag für das Café Daum am Kohlmarkt (bis 1876 in Verwendung), 1856 Eröffnung der Möbelfirma im mährischen Koritschan, 1859 Thonet Sessel Nr. 14 – 40 Mio. Stück verkauft (→ Thonet Stuhl Nr. 14). 1888 umgebettet in die Familiengruft am Wr. Zentralfriedhof.

 

  1. 1771 wurde ein Gutachten über die Verlegung der innerstädtischen Friedhöfe vor den Linienwall in Auftrag gegeben. Seit 1772 durften keine neuen Begräbnisstätten innerhalb des Linienwalls neu angelegt werden. Am 9. Oktober 1783 wurde die Errichtung von fünf Friedhöfen außerhalb der Stadt verordnet („Direktivregeln zur Errichtung einiger Friedhöfe außer den Linien“); am 23. August und am 13. September 1784 erließ der Kaiser Hofdekrete zur neuen Begräbnisordnung, um die Bevölkerung vor den „schädlichen Ausdünstungen“ zu schützen. Damit wurde die barocke Tradition, einen Friedhof immer mit einer Kirche zu verbinden (und vice versa) deutlich unterbrochen. Darüber hinaus wurde ab Ende des Jahre 1784 die Nutzung von Holzsärgen verboten, die Leichen sollten nur mehr in Leinensäcke eingenäht werden. Massen- und Schachtgräber sollen die rationale Nutzung des Bodens ermöglichen.
  2. Ausnahmen waren die Kapuzinergruft, die Stephansgruft: bis 1783 werden die Katakomben unter dem Stephansplatz genutzt, und die Gruft im Salesianerkloster.
  3. Ernst von Feuchtersleben, Zur Diätethik des Lebens, Kapitel 12, 1838, zit. nach: http://gutenberg.spiegel.de/buch/2442/12 (10.5.2013).
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.