Georg Baselitz

Wer ist Gerog Baselitz?

Der 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz bei Kamenz (Sachsen, DDR) geborene und aufgewachsene Maler und Bildhauer studierte in Ost- und West-Berlin Malerei, u.a. bei dem abstrakten Maler Hann Trier. Seine Liebe zur Malerei hatte er als Jugendlicher in den Dresdner Kunstsammlungen, vor allem in Auseinandersetzung mit den Bildern von Ferdinand von Rayski (1806–1890) wie auch den Hauptwerken der Alten Meister, entdeckt.

Nach Baselitz‘ Emigration in die BRD wurde er neben – Gerhard Richter, Jörg Immendorff, Sigmar PolkeAnselm Kiefer – zu einem der bedeutendsten Protagonisten der deutschen Malerei seit den 60er Jahren. 1965 erhielt er ein Stipendium für die Villa Romana in Florenz; dort entstanden die sogenannten „Helden“-Bilder. Sein neoexpressiver Stil und seine unkonformistische Haltung dem Konsum und der deutschen Geschichte gegenüber ließen ihn rasch zu einem skandalumwitterten Künstler werden. Sein Bestehen auf einer äußerst expressiven und realistischen Figurenmalerei musste im Kontext der westdeutschen Nachkriegskunst, die ganz auf Abstraktion fokussiert war, als Provokation verstanden werden. Heute so berühmte Bilder wie „Nackter Mann“ (1963, Privatbesitz USA) und „Die große Nacht im Eimer“ (1962/63, Museum Ludwig, Köln) wurden aus einer Ausstellung entfernt.

 

Helden

Mitte der 1960er Jahre begann Baselitz‘ rasante Karriere mit skandalisierten Bildern und halluzinierenden „pandämonischen Manifesten“. Er setzte sich selbst in Szene und ließ neue „Helden“ auftreten.

Mit „Helden“ schafft Georg Baselitz zwischen 1965 und 1966 zuerst in Florenz während seines Aufenthalts als Stipendiat in der Villa Romana und später in Westberlin eine in sich geschlossene Werkgruppe aus Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken. Sie umfasst rätselhafte Porträts, die über die Bildtitel als junge Helden, Rebellen, Partisanen, Hirten und Aufständische aber auch als junge Maler auszumachen sind. Trotz ihrer überzeichneten, massiven Körperlichkeit und ihrer zur Schau gestellten Virilität wirken sie inmitten apokalyptischer Landschaften geschunden und versehrt und alles andere als heroisch. In Melancholie versunken, kommen sie daher wie aus der Zeit gefallene, märchenhafte Riesen, für die es in der Realität keinen Platz gibt – so nah sie uns auch in ihrer Wesenheit bis heute sind.

Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wurden sie als reinste Provokation empfunden, zeigten sie doch einen „Neuen Typ“ von „Helden“, der zum deutschen Wirtschaftswunder der 1960er Jahre einen Anachronismus darstellt, wiewohl diese Jahre uns heute als eine Zeit des Vergessens und Verschweigens immer bewusster werden. Mit Sicherheit geht der „Neue Typ“ des „Helden“ – Alter Ego einer ganzen jüngeren Künstlergeneration – seiner Zeit voraus, nimmt er doch in allen Widersprüchen der Bildsprache das politische Aufbegehren der 68er-Bewegung vorweg.

 

Warum stellt Baselitz seine Bilder auf den Kopf?

Dieser Prozess gipfelte darin, dass Georg Baselitz ab 1969 seine Bilder auf den Kopf stellt. Nach Rayskis Landschaftsstudie „Wermsdorfer Wald“ malte Baselitz 1969 „Der Wald auf dem Kopf“ ‒ sein erstes Bild, bei dem das Motiv auf dem Kopf steht. Damit nahm er ihm den erkennbar konventionellen Inhalt. Durch das Umdrehen der Werke ist der Betrachter unmittelbar mit Farbe und Form konfrontiert, ohne durch Bildinhalte abgelenkt zu werden, aber auch ohne auf figürliche Motive verzichten zu müssen. Diese Entwicklung lässt sich besonders eindrücklich anhand von Baselitz‘ Zeichnungen nachvollziehen. Auf ihnen tritt deutlich hervor, wie Baselitz seine Ideen intuitiv und ungehemmt entwickelt. Für den Maler stellte dieses Stürzen der Bildmotive einen gangbaren, dritten Weg zwischen Figuration und Abstraktion dar, wie er nicht müde wird zu betonen.

 

Baselitz und die deutsche Vergangenheit

1980  vertrat Georg Baselitz gemeinsam mit Anselm Kiefer die BRD auf der Biennale von Venedig. Beide schöpften aus der Nationalgeschichte, allen voran der NS-Verbrechen, und öffneten damit die Büchse der Pandora. Der Einblick in seine Stasiakte 1995 löste bei ihm eine intensive Auseinandersetzung mit seiner Kindheit und Jugend in Deutschbaselitz aus, die in den „Russenbildern“ wie auch der „Remix“-Serie (2005-2010) gipfelte: Er lässt Lenin und Stalin, aber auch Marx und Engels auftreten und verwendete einen dem französischen Pointillismus entlehnten Stil.

Er lehrte als Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und an der Hochschule der Künste Berlin.

 

Baselitz und die Bühne

Als Bühnenbildner gab Geor Baselitz sein Operndebüt 1993 mit Harrison Birtwistles Oper „Punch and Judy“ an De Nederlandse Opera in Amsterdam unter der Regie von Pierre Audi. Zudem stattete er u. a. György Ligetis Oper „Le Grand Macabre“ am Theater Chemnitz aus. 2018 wird er den „Parsifal“ in der Bayerischen Staatsoper ausstatten.

Beiträge zu Georg Baselitz

10. April 2019
Georg Baselitz, Ein Grüner zerrissen, Detail, 1967, Öl/Lw, 131,5 x 162 cm (Staatsgalerie Stuttgart © Georg Baselitz 2018)

Baselitz – Richter – Polke – Kiefer Die jungen Jahre der Alten Meister

Die Ausstellung zum Frühwerk von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Anselm Kiefer in der Staatsgalerie Stuttgart und den Deichtorhallen in Hamburg zeigt die Auseinandersetzung der vier aufstrebenden Künstler mit ihrer Gegenwart und der NS-Zeit. Dies - wie auch die „Marke Made in Germany“ - interessiert Kurator Götz Adriani.
6. April 2019
Deichtorhallen Hamburg: Baselitz, Richter, Polke, Kiefer

Deichtorhallen Hamburg: Baselitz – Richter – Polke – Kiefer Die jungen Jahre der Alten Meister

Die Ausstellung zum Frühwerk von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Anselm Kiefer in den Deichtorhallen in Hamburg zeigt die Auseinandersetzung der vier aufstrebenden Künstler mit ihrer Gegenwart und der NS-Zeit. Die Beschäftigung mit dem schwierigen Erbe, das Aufbrechen des Schweigens - wie auch die „Marke Made in Germany“ - interessieren Kurator Götz Adriani.
6. Juni 2018
Georg Baselitz, Dystopische Glocken, Detail, 2015, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS

Corpus Baselitz in Colmar Aktuelle Arbeiten aus den Jahren 2014–2017

Seinen eigenen Körper und seinen Platz in der Kunstgeschichte hinterfragt Georg Baselitz (* 1938) in seinen aktuellen Werken. Bereits 2017 fiel der knapp 80-Jährige mit schonungslosen Bildern seiner Selbst auf. In den Jahren 2014 bis 2017 widmete er sich in Malerei, Zeichnung und Skulptur den ihn drängenden Fragen. Das Musée Unterlinden in Colmar zeigt erstmals eine bedeutende Werkauswahl dieser bisher noch nicht öffentlich gezeigte Arbeiten.
23. Januar 2018
Georg Baselitz, Kopf, 1961, Aquarell, 46 x 31,4 cm (Staatliche Graphische Sammlung München, Dauerleihgabe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, Sammlung Herzog Franz von Bayern, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München, © Georg Baselitz 2017)

Georg Baselitz: gezeichnete „Helden“ und „Malelade“ Zeichnungen und Probedrucke in der Pinakothek der Moderne

Mehr als 1.100 grafische Arbeiten von Georg Baselitz liegen in der Staatliche Graphische Sammlung München. „Helden“ (1965/66) sowie ausgewählte Probedrucke für das Künstlerbuch „Malelade“ (1990) stehen im Zentrum dieser konzentrierten Werkschau.
21. Januar 2018
Georg Baselitz, Schlafzimmer, Detail, 1975, Öl und Kohle/Lw, 250 x 200 cm (Privatbesitz, © Georg Baselitz, 2018, Foto: Jochen Littkemann, Berlin)

Georg Baselitz Werke wider die Ordnung Retrospektive zum 80. Geburtstag in der Fondation Beyeler

Die wichtigsten Gemälde und Skulpturen aus Georg Baselitz‘ (* 1938) rund sechzigjährigem Schaffen zwischen 1959 und 2017sind in der Fondation Beyeler wiedervereint. Exemplarische Schlüsselwerke der 1960er Jahre wie die „Helden“- und die Fraktur Bilder (1965/66) sind genauso vertreten wie die auf dem Kopf stehenden Motive, mit denen Baselitz in den 1970er und 1980er Jahren berühmt wurde.
20. Januar 2018
Georg Baselitz, Trauerhunde, 2010, Aquarell und Tusche, 66 x 51,2 cm (© Georg Baselitz, 2018 / Foto: Jochen Littkerman)

Georg Baselitz als Zeichner: Enthemmt und expressiv Kunstmuseum Basel zeigt Zeichnungen und Aquarelle

Georg Baselitz (* 23. Januar 1938) ist dem Kunstmuseum Basel bereits seit 1970 verbunden und wird zum 80. Geburtstag mit einem repräsentativen Überblick über die Zeichnungen und farbigen Blätter aus dem Kupferstichkabinett geehrt. 152 Zeichnungen und Aquarelle nennt das Museum sein Eigen, 100 Arbeiten auf Papier machen den Werdegang des Künstlers anschaulich.
14. Januar 2018
Handshake zwischen Georg Baselitz und Karlheinz Essl bei der Pressekonferenz 2013 im Essl Museum, Foto: Alexandra Matzner.

Georg Baselitz Biografie Leben und Werk des deutschen Malers und Bildhauers

Biografie des deutschen Malers, Grafikers und Bildhauers Georg Baselitz (* 1938): Ausbildung, Werdegang, Ausstellungen, wichtigste Werke.
13. Januar 2018
Georg Baselitz, Weg vom Fenster, 1982, Öl/Lw, 250 x 250 cm (Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, © Georg Baselitz, 2018)

Georg Baselitz‘ Ausstellungen 2018 Ehrungen zum 80. Geburtstag

Ausstellungen des deutschen Malers ehren sein Lebenswerk, in der Bayerischen Staatsoper stattet er „Parsifal“ aus.
13. Januar 2018
Georg Baselitz, Der Hirte, Detail, 1965, Radierung, Kaltnadel, Aquatinta auf Zink (Stiftung G. und A. Gercken © Georg Baselitz 2017, Foto: Andreas Diesend)

Maniera Baselitz – Georg Baselitz als Künstler und Sammler Das Nonkonforme als Quelle der Phantasie

Georg Baselitz (* 1938) ist ein ausgewiesener Kenner und Sammler manieristischer Druckgrafik, genauer des Claire-obscure-Holzschnitts des 16. Jahrhunderts. Die Ausstellung in Dresden bringt grafische Arbeiten von Baselitz in einen spannungsreichen Dialog mit bedeutenden Werken des Manierismus.
17. Januar 2013
Georg Baselitz 2013 im Essl Museum, Georg Baselitz 2013, bis 20.5.2013.

Georg Baselitz in der Sammlung Essl Werke von 1968 bis 2012

Zum 75. Geburtstag widmet Karlheinz Essl dem deutschen Künstler Georg Baselitz (* 1938) eine Werkschau, die 44 Arbeiten der letzten 44 Jahre aus der hauseigenen Kollektion zusammenbringt. Die Zahlen wären reiner Zufall, wie der Sammler betont.