0

Hamburg | Kunsthalle: Femme Fatale Blick – Macht – Gender | 2022/23

Max Liebermann, Simson und Delila, Detail, 1902, Öl/Lw, 151,2 x 212 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main)

Max Liebermann, Simson und Delila, Detail, 1902, Öl/Lw, 151,2 x 212 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main)

Ende des 19. Jahrhunderts etabliert sich in bildender Kunst und Literatur mit der Femme fatale das Vorstellungsbild eines bestimmten Frauentypus, der die männliche Imagination einer verführerischen, aber letztlich fatalen – weil oftmals tödlichen – Weiblichkeit verkörpert. Ausgehend von den ätherischen Frauenbildern der englischen Präraffaeliten über die Salonmalerei des Fin de Siecle beleuchtet die Ausstellung, wie im Laufe des 20. Jahrhunderts das Vorstellungsbild der Femme fatale in Theater und Film auf reale Frauenfiguren projiziert wird.

Die Femme fatale ist ein Mythos, eine Projektion, eine Konstruktion. Sie steht für ein bildlich fest codiertes weibliches Stereotyp: Die sinnlich-erotische und begehrenswerte Frau, deren vermeintlich dämonisches Wesen sich darin offenbart, dass sie Männer so in ihren Bann zieht, dass diese ihr verfallen – mit oftmals fatalem Ausgang. Diesem schillernden wie klischeebehafteten und lange von männlichen und binär geprägten Blickordnungen dominierten Vorstellungsbild widmet sich die Hamburger Kunsthalle mit der Ausstellung »FEMME FATALE. Blick – Macht – Gender«. Die Schau geht nicht nur den künstlerischen Erscheinungsformen des Themas vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach, sondern möchte zugleich den Mythos der Femme fatale in seiner Genese und historischen Transformation kritisch beleuchten.

Das ‚klassische‘ Bild der Femme fatale speist sich vor allem aus biblischen und mythologischen Frauenfiguren wie Judith, Salome, Medusa oder den Sirenen, die in Kunst und Literatur zwischen 1860 und 1920 als verhängnisvolle Frauen vielfältig rezipiert wurden. Die mit diesen Erzählungen einhergehende Dämonisierung weiblicher Sexualität ist prägend für die Femme fatale-Figur. Um 1900 wurde das Femme fatale-Bild oftmals auch auf reale Personen, häufig Schauspieler:innen, Tänzer:innen oder Künstler:innen wie Sarah Bernhardt (→ Paris | Petit Palais: Sarah Bernhardt), Alma Mahler oder Anita Berber projiziert. Auffallend ist die Gleichzeitigkeit von wichtigen Errungenschaften der Frauenemanzipation und dem verstärkten Auftreten dieses männlich geprägten Frauenbildes. Als ein Gegenbild, das Aspekte der Femme fatale-Figur spielerisch aufgreift, wird daher für die Ausstellung auch die in den 1920er Jahren aufkommende Neue Frau wichtig. Eine entscheidende Zäsur wurde ab den 1960er Jahren von feministischen Künstler:innen gesetzt, die den Mythos um die Femme fatale – und damit auch die entsprechenden Blickweisen und Bildtraditionen – dekonstruierten. Aktuelle künstlerische Positionen wiederum verhandeln Spuren und Anverwandlungen des Bildes oder etablieren explizite Gegenerzählungen – häufig mit Bezug auf die #MeToo-Bewegung, Fragen nach Genderidentitäten, weiblicher Körperlichkeit und Sexualität sowie in Auseinandersetzung mit dem male gaze.

Um den Blick-, Macht- und Gender-Konstellationen, die für das Bild der Femme fatale konstitutiv sind, und ihren Wandlungen nachzuspüren, versammelt die Ausstellung medien- und epochenübergreifend etwa 140 Exponate. Zu sehen sein werden Gemälde von:

Femme Fatale in der Kunsthalle Hamburg: Bilder

  • Max Liebermann, Simson und Delila, 1902, Öl/Lw, 151,2 x 212 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main)

Aktuelle Ausstellungen

18. Oktober 2023
Mark Rothko, No. 9 (White and Black on Wine), 1958, Öl/Lw, 267 x 429 cm (Glenstone Museum, Potomac, Maryland © 1998 Kate Rothko Prizel & Christopher Rothko - Adagp, Paris, 2023 © Tim NighswanderImaging4Art.com)

Paris | Fondation Louis Vuitton: Mark Rothko Rothko Räume | 2023/24

Etwa 115 Werke zeichnen die Entwicklung Mark Rothkos von frühen, intimen Szenen und Stadtlandschaften zu Multiforms und seinem koloristisch subtilen Hauptwerk nach. Die Fondation Louis Vuitton erhält die Abstraktionen für das Restaurant Four Seasons aus der Tate modern bis zum letzten, unvollendeten roten Gemälde.
15. Oktober 2023
Rembrandt, Juno, Detail (Armand Hammer Collection, Los Angeles)

Houston | MFA: Rembrandt bis Van Gogh aus der Armand Hammer Collection

Bedeutende Kunstwerke aus vier Jahrhunderten - von Tizian über Rembrandt, die Impressionisten bis Vincent van Gogh - spiegeln die Sammelinteressen von Armand Hammer (1898–1990), dem Museumsgründer in Los Angeles, wider.
14. Oktober 2023
Hans Purrmann, Stillleben mit roter Decke, um 1909 (Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Wolfgang Fuhrmannek © VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Wiesbaden | Museum Wiesbaden: Die Molls und die Purrmanns Zwei Künstlerpaare der Moderne | 2023/24

Die Ausstellung zeigt die vier Künstler:innen mit jeweils 25 Werken und spürt damit ihren Gemeinsamkeiten und Eigenständigkeiten nach. Ergänzt um ausgewählten Arbeiten von Lovis Corinth und Henri Matisse.
14. Oktober 2023
John Akomfrah, Five Mumurations (Auge), 2021, Installationsansicht Lisson Gallery

Washington | Smithsonian NMAfA: John Akomfrah Five Murmurations | 2023

John Akomfrah verarbetet in "Five Murmurations" multiple Krisen von COVID-19-Pandemie, die Black Lives Matter Bewegung, den zunehmend spürbaren Klimawandel.
14. Oktober 2023
Catharina van Hemessen, Selbstbildnis an der Staffelei, 1548 (Kunstmuseum Basel, Schenkung der Prof. J.J. Bachofen-Burckhardt-Stiftung 2015)

Hamburg | Bucerius Kunst Forum: Malerinnen und ihre Familien Geniale Malerinnen vom 16. bis 18. Jahrhundert | 2023/24

Die Ausstellung präsentiert rund 100 Werke herausragender Künstlerinnen dreier Jahrhunderte: Erstmals wird der familiäre Kontext, in dem die Künstlerinnen ihre Karriere entwickelten, thematisiert und durch die Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen sichtbar gemacht.
13. Oktober 2023
Pablo Picasso, Violon, Detail, 1915, geschnittenes, gefaltetes und bemaltes Blech, Eisendraht, 100 x 63,7 x 18 cm (Musée national Picasso, Paris)

Hamburg | Hamburger Kunsthalle: Das Relief von Rodin bis Picasso Herausragend! | 2023/24

Mit rund 130 Exponaten – Reliefs, Skulpturen, Plastiken und Gemälden – von über 100 Künstler:innen aus Europa und den USA nimmt die Ausstellung die Ausprägungen des Reliefs von 1800 bis in die 1960er Jahre in den Blick.