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Houston | The Museum of Fine Arts: Kehinde Wiley An Archaeology of Silence | 2023/24

Kehinde Wiley, The Death of Hyacinth (Ndey Buri Mboup), 2022, oil on canvas, courtesy of the artist and Galerie Templon. © 2022 Kehinde Wiley

Kehinde Wiley, The Death of Hyacinth (Ndey Buri Mboup), 2022, oil on canvas, courtesy of the artist and Galerie Templon. © 2022 Kehinde Wiley

Kehinde Wiley (*1977), einer der berühmtesten zeitgenössischen Künstler der USA, schuf dieses Werk vor dem Hintergrund der Pandemie und dem weltweiten Aufstieg der Black Lives Matter-Bewegung. Die Werke in An Archaeology of Silence sind Elegien und Denkmäler und unterstreichen die Art und Weise, wie schwarze Menschen gesehen und gehört werden.

Kehinde Wiley in Houston

„Kehinde Wiley: An Archaeology of Silence“ präsentiert Kehinde Wileys neues Werk mit großformatigen Gemälden und Skulpturen ruhender Männer und Frauen. Durch seine Arbeit mit detaillierten Darstellungen schwarzer und brauner Personen stellt sich der Künstler dem Schweigen rund um systemische Gewalt und Ungerechtigkeit.

„Das ist die Archäologie, die ich ans Tageslicht bringe: Das Gespenst von Polizeigewalt und staatlicher Kontrolle über die Körper junger Schwarzer und Brauner auf der ganzen Welt.“ (Kehinde Wiley)

„An Archaeology of Silence“ zeigt schwarze Menschen, die niedergeschlagen oder verwundet wurden, die ruhend oder tot sind. Kehinde Wiley meditiert in dieser Serie über den Tod junger Schwarzer weltweit. Diese 26 Werke fungieren als Elegien und Denkmäler und unterstreichen die schwierigen Bedingungen, mit denen Schwarze Menschen sichtbar gemacht werden, insbesondere wenn sie systemischer Gewalt ausgesetzt sind. In diesem Werkkomplex verwendet Wiley die visuelle Sprache von Held:innen, Märtyrer:innen und Heiligen, Bilder gefallender Figuren, wie sie in der westeuropäischen historischen Kunst geprägt wurden. Damit sind diese jüngsten Arbeiten eine Weiterentwicklung von Wileys „Down“-Serie aus dem Jahr 2008, die von dem Gemälde „Der tote Christus im Grab“ von Hans Holbein der Jüngere aus dem 16. Jahrhundert inspiriert wurde. Für Wiley löste Holbeins Gemälde eine fortlaufende Untersuchung der Ikonografie von Ruhe und Opfer in der westlichen Kunst aus.

„Kehinde Wiley: An Archaeology of Silence“ zeigt einige der größten Gemälde und Skulpturen, die Wiley bisher geschaffen hat, sowie einige der kleinsten. Die Serie nutzt Maßstäbe, um die dargestellten Personen in den Status von Helden zu erheben, was in der westlichen Kunst in der Regel nicht in den Darstellungen liegender oder gefallener Figuren vorkommt (einschließlich derjenigen, auf denen Wileys Werke basieren). „An Archaeology of Silence“ markiert einen wichtigen Aufbruch in der Arbeit des Künstlers, der sich sonst hauptsächlich mit Vertikalität und Höhe beschäftigt und schwarze Jugendliche in Positionen von Macht und Anmut projiziert. Westlichen Porträts wie unter anderem Anthonis van Dycks „Karl I. auf der Jagd“ (1636) oder Jacques-Louis Davids „Napoleon über die Alpen“ (1801) inspirierten ihn zu einem Diskurs über Macht in der bildenden Kunst - und wie er diesen Status weitergeben könne.

Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie musste Kehinde Wiley auf seine übliche Praxis des „Street Castings“ verzichten; Stattdessen arbeitete er mit Bewohner:innen, Mitarbeitern und Freunden von Black Rock zusammen, einem Artist-in-Residence-Programm, das er 2019 in Dakar, Senegal, gegründet hatte. Dort lebte er während des internationalen Lockdowns. Mit dem Aufstieg der Black Lives Matter-Bewegung sah Wiley eine Gelegenheit, das Gespräch über nationale Belange hinaus auszuweiten. Die persönlichen Merkmale der Modelle sowie die Zeichen senegalesischen und westafrikanischen Kultur, insbesondere in Bezug auf die Haare, dienten ihm als Metapher für die vielen Orte, an denen es auf der ganzen Welt systematisch unterdrückte Gemeinschaften schwarzer und brauner Menschen gibt.

„Diese Ausstellung in Houston ist eine Gelegenheit, meine Gemälde und Skulpturen in einer völlig neuen Dynamik zu sehen, sie in einem anderen Teil Amerikas zu sehen und auch ein großartiges Kuratorenteam zu sehen, das sie auf eine neue, frische und aufregende Weise präsentiert.“ (Kehinde Wiley)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.