Impressionismus in Deutschland

Was ist der deutsche Impressionismus?

Der deutsche Impressionismus (auch: Deutscher Impressionismus) ist eine Kunstrichtung des ausgehenden 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhunderts. Er entstand als Reaktion auf die staatlich geförderte, akademische Malerei und steht im Austausch mit dem französischen Impressionismus, der Malerei der Haager Schule und entwickelte sich aus dem Naturalismus. Die Malerei des deutschen Impressionismus hatte ihre Blüte von den 1890er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Es handelt sich nicht um einen einheitlichen Stil, sondern sie zeichnet sich durch eine breite Pinselführung, skizzenhafte Wiedergabe des Gesehenen und die Wahl moderner Themen aus. Es handelt sich um die erste Kunstströmung der Klassischen Moderne in Deutschland (→ Klassische Moderne). Abgelöst als Avantgarde wurde der deutsche Impressionismus vom Expressionismus.

Die Trias des deutschen Impressionismus sind die Maler Max LiebermannLovis Corinth und Max Slevogt. Die Suche nach der „künstlerisch adäquaten Form für das beim Sehen Gefühlte“ sei, nach Max Slevogt, die Quelle des deutschen Impressionismus.1 Damit stellt er sich in die romantische Tradition seit Caspar David Friedrich. So wie dieser bevorzugte Slevogt panoramatische Blicke auf seine Umgebung. Wie Max Liebermann und Lovis Corinth war Slevogt der Ansicht, dass der deutsche Impressionismus nicht das Sichtbare wiedergebe, sondern die innere Welt des Schöpfers. So lassen sich Slevogts Landschaftsbilder auch als Impressionismus mit „romantischem Impetus“, als weder träumerisch noch sentimental, beschreiben.

Landschaftsauffassung und Maltechnik des Dreigestirns Liebermann, Lovis Corinth und Slevogt verbinden sich mit spät einsetzenden und heterogenen Impressionismus-Theorien. Auffallend dabei ist, dass Max Liebermann die „Klassik“ des Impressionismus über Bezüge zu Diego Velázquez und Frans Hals begründet und sich partout nicht als Revolutionär sehen möchte. Für Slevogt war die Weiterentwicklung des Impressionismus zumindest „aus sich selbst drängend“, wenn sich auch die Einleitung zu seinem Ausstellungskatalog streckenweise als Verteidigungsschrift gegen den Expressionismus liest und dieser Haltung wohl auch viel verdanken.

München als Wiege des deutschen Impressionismus

Als Ursprungsort des Impressionismus in Deutschland gilt München, wo sich neben Düsseldorf eine der beiden führenden Kunstakademien Deutschlands befand. Im Fall der Akademien in Karlsruhe und Stuttgart spricht man vom „Schwäbischen Impressionismus“, mit Vertretern wie Hermann Pleuer, Otto Reiniger und Gustav Schönleber, wobei letzterer auch als Vorläufer betrachtet wird.

Die Deutsch-Französischen Beziehungen befanden sich seit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 auf einem Tiefpunkt, sodass nationalistische Kräfte künstlerischen Austausch mit dem Nachbarland verhindern wollten. Deutschen Künstlern wurde in Paris das Ausstellen verweigert, und umgekehrt führte das Ausstellen französischer Impressionisten zu Protesten, weniger der Malweise wegen als vielmehr aus nationalistischen Gründen. Nur Gustave Courbet lebte einige Zeit im liberalen Frankfurt, auf Einladung des dortigen Kunstvereins. Vor allem der Münchner Naturalist Wilhelm Leibl zählte zu den Anhängern Courbets in den 1870er Jahren.

Vor allem die Vertreter der Schule von Barbizon regten zur Etablierung einiger Künstlerkolonien in Deutschland – in der Umgebung von München, Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe, Stuttgart oder Weimar – an. Zwischen 1880 und weit nach 1900 entstanden private Kunstschulen, in denen sich eine alternative Ausbildungsmöglichkeit mit der Abkehr von den idealistischen Traditionen etablierte.

Vorläufer des deutschen Impressionismus

1893 wurden erstmals in Deutschland Werke aus Frankreich auf der Münchener Ausstellung gezeigt. Aber auch das nahmen die deutschen Impressionisten nicht zum Anlass, das Geschehen in Frankreich als Vorbild zu nehmen. Vorläufer und Vorbilder des deutschen Impressionismus sind Maler wie Wilhelm Leibl, Franz von Lenbach und Hans Thoma und der Naturalismus.

Die „Jahrhundertausstellung deutscher Kunst“ zeigte 1906 zwar vornehmlich Kunst des 19. Jahrhunderts, die Auswahl jedoch wurde von den Vorlieben der Impressionisten geprägt. Seit 1900 hatte sich Eugen Bracht dem Impressionismus zugewandt, diese neue Orientierung eines berühmten Malers wurde vom Publikum gefeiert, von der offiziellen Kulturpolitik jedoch gerügt. Bracht reagierte umgehend mit der Ablehnung eines lukrativen öffentlichen Auftrags. In Frankfurt wurde der Frankfurt-Cronberger-Künstler-Bund gegründet, der sich von den akademischen Künstlern abgrenzte.

In Stuttgart bildete sich der Hölzel-Kreis, aber erst mit dem Umzug einiger Protagonisten des Impressionismus nach Berlin festigte sich die Bewegung. In Berlin lockten zu jener Zeit große Galerien wie Eduard Schulte, Fritz Gurlitt und Paul Cassirer, die künstlerischen Gruppen wie „Vereinigung der XI“ und „Freie Vereinigung der XXIV“ stellten dort aus.

In den 1930er Jahren war der Impressionismus Geschichte und viele seiner Protagonisten bereits verstorben. Dies hinderte die Nationalsozialisten nicht, diese Kunstrichtung als „entartet“ zu brandmarken, einige Werke fanden sich auch in der Ausstellung „Entartete Kunst“. Allein vom 1925 verstorbenen Lovis Corinth wurden 295 Kunstwerke beschlagnahmt.

Stilistische Merkmale und Protagonisten

Andere Lichtverhältnisse und Maltraditionen geben dem deutschen Impressionismus einen anderen Charakter, der sich durch mildere Farben und eine stärkere zeichnerische Präzision auszeichnet. Beispielsweise treten an Stelle sonnendurchfluteter Himmel bewölkte.

Der deutsche Impressionismus entwickelt sich innerhalb weniger Jahre aus dem Naturalismus durch „eine allmähliche Verfeinerung derselben stilistischen Mittel, und zwar nach der Seite des Sensualistischen hin, wodurch alle ideellen Faktoren [...] hinfällig werden“ und man sich stattdessen auf den Seheindruck beschränkt. So werde Max Liebermann durch die „Auflockerung seiner malerischen Technik und eine Vorliebe für lichtdurchrieselte Blätterdächer langsam zum Impressionisten [...], ohne dabei seine naturalistischen Errungenschaften aufzugeben.“ Das wirke bei unimpresionistischen Themen oft aufgesetzt. Anders als in Frankreich entstehen „Mischprodukte“, denen es an Strahlkraft fehlt.

Die Farben sind durch das Beimischen von Grau- und Brauntönen gedämpft, eine knallig bunte Farbgebung wird geächtet. Max Liebermann bezeichnet die Natur als „einfach und grau“, das Werk von August von Brandis wird wie folgt beschrieben: „geht das Licht in Werken von Brandis von einem Fleck aus, und strahlt auf Gegenstände im Interieur, dabei wird die Wirkung gemildert, durch die Auflösung in die Spektralfarben“.

Anders als im Naturalismus aber auch im französischen Impressionismus tritt das subjektive Empfinden des Malers in den Vordergrund: „nicht die Wirklichkeit selbst, die sich im Bild widerspiegelt, sondern der Mensch, welcher das Bild gemacht hat“, so notiert Corinth in seinem Lehrbuch.

1912 charakterisierte die Kunst und Künstler die Maler des deutschen Impressionismus wie folgt:

„Der neue Malstil, klug begriffen und angewandt von Malern, die intelligente Bürger der Großstadt sind und nichts anderes sein wollen. Dieser Gruppe gehören Konrad von Kardorff, Ernst Oppler, Fritz Rhein, E. Gabler und mit einer mehr altbürgerlichen Note Ulrich und Heinrich Hübner.“ Künstliches Licht im Leben der Großstadt und die Technik spielen eine größere Rolle, beispielsweise bei Lesser Ury, Franz Skarbina und Robert Sterl. Paul Klimsch, Heinrich von Zügel und Max Slevogt bereicherten den Impressionismus um die Tiermalerei.

Zu den bedeutenden Interieurmalern des deutschen Impressionismus gehörte August von Brandis, der historische Innenarchitektur malerisch dokumentierte. An die Stelle royalen Glanzes trat das private Leben; die bürgerliche Wohnidylle mit Garten- und Studierzimmer, ja selbst die intime Morgentoilette und der Toilettentisch wurden zu bevorzugten Themen der Künstler., schreibt Jutta Hülsewig-Johnen.

Die Maler des deutschen Impressionismus wie Paul Baum, Lovis Corinth, Max Liebermann und Ernst Oppler entdeckten weniger die Landschaften Frankreichs als Motiv für sich, als vielmehr die sommerlichen Küsten und Städte der Niederlande. Hier zählten die Vertreter der Haager Schule und Maler wie Jozef Israëls und Johan Barthold Jongkind zu den künstlerischen Vorbildern.

Abgelehnt wurde die Malerei von etablierten Malern des Historismus wie Adolph von Menzel und Anton von Werner, dies zeigte sich auch lange Zeit in der Ankaufspolitik der Museen und Ausstellungen. Nach der Berufung von Lovis Corinth um die Jahrhundertwende zum Professor und Max Liebermann zum Leiter der Preußischen Akademie der Künste 1920 etablierte sich der Impressionismus als Kunst des Großbürgertums.

Als traumatisches Erlebnis kann der Erste Weltkrieg gelten, so ist die späte Malerei von Carl Geist durch eine Traumatisierung geprägt. Während des Kriegs bildete sich in Berlin ein Stammtisch der Secession in einer kleinen Bierkneipe am Wittenbergplatz, der von Oppler, Corinth und Eugen Spiro besucht wurde.

In der Weimarer Republik endete der deutsche Impressionismus und wurde durch den Expressionismus und die Neue Sachlichkeit abgelöst. Max Liebermann und Ernst Oppler lehnten den Expressionismus ab und distanzierten sich durch Rückzug aus der Secession. Das Werk Max Beckmanns hingegen lässt sich beiden Stilrichtungen zuordnen. Der Österreicher Oskar Kokoschka wandte sich vom Impressionismus dem Expressionismus zu.

Bis zum Ende trug der deutsche Impressionismus biedermeierliche Züge, beispielsweise bei Paul Eduard Crodel.

Literatur zum Impressionismus in Deutschland

  • Der deutsche Impressionismus, hg. v. Jutta Hülsewig-Johnen und Thomas Kellein (Ausst.-Kat. Bielefeld), Köln 2009.

Wichtige Maler und Malerinnen des Impressionismus in Deutschland

Max Liebermann

Lovis Corinth

Max Slevogt

Paul Baum

Max Beckmann

Robert Breyer

Ferdinand Brütt

Ferdinand Dorsch

Hens Peter Feddersen

Ludwig von Gleichen-Rußwurm

Carlos Grothe

Karl Hagemeister

Karl Hagemeister

Karl Hagemeister (Werder (Havel) 12.3.1848 – 5.8.1933 ebenda) war ein deutscher Maler des Impressionismus. Sein Spätwerk weist auch Elemente des Expressionismus auf. Er zählt zu den Wegbereitern der modernen Landschaftsmalerei in Deutschland.

Theodor Hagen

Thomas Herbst

Curt Herrmann

Friedrich Kallmorgen

Konrad von Kardorff

Konrad von Kardorff

Konrad von Kardorff (Gut Nieder-Wabnitz 13.1.1877–11.1.1945 Rostock) war ein deutscher Maler des Impressionismus, Radierer und Lehrer an der Akademie für bildende Künste in Breslau. Der heute wenig bekannte Künstler zählte zu den einflussreichsten Impressionisten norddeutscher Prägung mit einer Spezialisierung auf atmosphärische Landschaft und repräsentative Porträt.

Gotthardt Kuehl

Gotthardt Kuehl

Gotthardt Kuehl (Lübeck 28.11.1850–10.1.1915 Dresden) war ein deutscher Maler des Impressionismus. Nach Abschluss seiner Ausbildung in Dresden und München zog Gotthardt Kuehl 1889 nach Paris, wo er während seines zehnjährigen Aufenthalts zur Pleinairmalerei fand. Kuehl spezialisierte sich auf Interieurs und Landschaften, mit denen er ab den frühen 1890er Jahren den deutschen Impressionismus prägte. Von 1895 bis 1915 lehrte Gotthardt Kuehl an der Dresdner Kunstakademie.

Christian Landenberger

Walter Leistikow

Walter Leistikow

Walter Leistikow (Bromberg/Posen 25.10.1865–24.7.1908 Schlachtensee/Berlin) war ein deutscher Maler und Grafiker des deutschen Impressionismus. Leistikow entdeckte die Märkische Landschaft und wandelte sich Mitte der 1890er Jahre vom Realismus ab. Beeinflusst von Symbolismus und Impressionismus hellte er nach 1900 seine Palette auf und nutzte zunehmend breite Pinsel. Neben seinem malerischen Werk war Leistikows kulturpolitisches Agieren für die Berliner und deutsche Kunstszene höchst bedeutsam. Er gehörte zu den Mitbegründern der Ausstellungs- und Künstlergemeinschaften „Die XI“, „Berliner Secession“ und „Deutscher Werkbund“.

Jacob Nussbaum

Hans Olde

Paul Paeschke

Hermann Pleuer

Otto Reininger

Christian Rohlfs

Otto Scholderer

Franz Skarbina

Maria Slavona

Robert Sterl

Wilhelm Trübner

Wilhelm Trübner

Wilhelm Trübner (Heidelberg 3.2.1851–21.12.1917 Karlsruhe) war ein deutscher Maler, der dem so genannten „Leibl-Kreis“ um Wilhelm Leibl angehörte und stilistisch dem Realismus, Naturalismus und im Spätwerk dem Impressionismus in Deutschland zuzurechnen ist. Trübner entwickelte den Realismus Leibls zu einer atmosphärischen, naturalistischen Malweise in gedämpften Tönen weiter. Mit dem für ihn charakteristischen breiten Pinselstrich und der Freiluftmalerei näherte er sich sowohl Landschaften wie auch repräsentativen Porträts.

Fritz von Uhde

Lesser Ury

Albert Weisgerber

Heinrich von Zügel

  1. Max Slevogt in einem handschriftlichen Entwurf zu einem Katalogvorwort von 1928, zit. nach Miriam-Esther Owesle: „Das Auge ist kein Instrument, kein Spiegel…“ Zum Impressionismus Max Slevogts, in: Max Slevogt Neue Wege des Impressionismus (Ausst.-Kat. Landesmuseum Mainz 4.5.-12.10.2014), München 2014, S. 42.