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Intuition

Italien / Venedig: Palazzo Fortuny
13.5. – 26.11.2017

Inhaltsverzeichnis

Intuition in der Kunst – über Kulturen, Zeiten und Regionen hinweg. Axel Vervoordt stellt einmal mehr für den Palazzo Fortuny eine atmosphärische Schau über das Unbewusste in der Kunst zusammen. Ob japanische Wabi-Sabi-Ästhetik, anthropomorphe Menhire aus dem 4. oder 3. Jahrtausend v.u.Z., Werke von Jean-Michel Basquiat, Ensor, Twombly, Kapoor, de Chirico, Miró, Klee, Marina Abramović, traditionelle Kunst aus Afrika oder Matteo Nasinis „Spakling Matter“ – die Präsentation führt die Bedeutung des Gefühlt-Gewussten in beeindruckender Qualität vor Augen.

 

 

Intuitive Hängung reagiert auf die Wandmalerei, meditative Räume in dunkler Stimmung wechselt mit partizipativem Tonklumpenrollen für die Gemeinschaftsarbeit von Kimsooja. Einerseits schwingt die Idee des Meisterwerks permanent durch den Palazzo, andererseits fügen sich wunderkammerartig Objekte längst vergangener Epochen an zeitgenössische Arbeiten. Ein vorhangartiges Werk von El Anatsui zitiert Recycling, Draperie und Faltenwurf, während die unregelmäßig hellere und dunklere Beleuchtung Skulpturen von Giacometti erhellt. Reinweiß und Dunkelschwarz können genauso faszinieren wie Erdtöne und ein blaues Monochrom von Yves Klein.

Wie immer schaffen es Vervoordt und Ferretti, die „Schwingung“ des Raumes mit ihrer kuratorischen Praxis zu verschmelzen: Der Lebens- und Arbeitsort des spanischstämmigen Malers und Designers Mariano Fortuny (1871–1949) scheint noch immer erfüllt von der Kreativität des Universalkünstlers. Neben dem Theatermodell lässt Matteo Nasini einen 3D-Drucker Porzellanvasen reproduzieren: „Spakling Matter“. El Anatsui – Gewinner des Goldenen Löwen für das Lebenswerk der letzten Biennale – ist mit einem dunklen Gewebe aus Metallkappen und Streifen vertreten: wie ein überdimensionales Kettenhemd, nur in Form eines Raumteilers, effektvoll drapiert. Davor und dahinter Kunstwerke, die so manches Sammlerherz höherschlagen lässt. Und hier zeigt sich die Qualität Axel Vervoordts als Galerist, als Inneneinrichter, als Liebhaber japanischer Zen-Philosophie und Ästhetik, französischer Surrealisten, amerikanischer Abstrakten Expressionisten, zeitgenössischer Kunst mit einem Touch Melancholie und viel Reduktion. Im Getöse der Biennale wirkt „Intuition“ als „leise“ Ausstellung erholsam. Auch wenn die Auswahl dem Kanon folgt, gelingt ihr doch erfolgreich der Brückenschlag über Kulturen und Zeiten hinweg.

Kuratiert von Axel Vervoordt, Daniela Ferretti (Direktorin des Palazzo Fortuny), unterstützt durch Dario Dalla Lana, Davide Daninos und Anne-Sophie Dusselier

 

Intuition im Palazzo Fortuny: Bilder

  • Afrikanische Maske, Ausstellungsansicht „Intuition“ im Palazzo Fortuny 2017, Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.
  • Anish Kapoor, White Dark VIII, 2000, Fiberglas und Farbe, 160 x 160 x 64 cm (Privatbesitz), Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.
  • Ann Veronica Janssens, Volute, 2006/07, Installation, Wasser, Ausstellungsansicht „Intuition“ im Palazzo Fortuny 2017, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS.
  • Palazzo Fortuny, Atelier, Ausstellungsansicht „Intuition“, 2017, Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.
  • Kimiko Ohara, Ohne Titel, 1958, Öl auf Leinwand, Ausstellungsansicht „Intuition“ im Palazzo Fortuny 2017, Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.
  • Ausstellungsansicht „Intuition“, Palazzo Fortuny, 3. Stock, Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.
  • Alberto Giacometti, Ausstellungsansicht „Intuition“ im Palazzo Fortuny, 3. Stock, Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.
  • Jean-Michel Basquiat und steinzeitliche Menhire, Ausstellungsansicht „Intuition“ im Palazzo Fortuny 2017, Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.

 

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