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James Ensor Masken und Japonistisches aus Ostende

James Ensor, Die Intrige, 1890, Öl auf Leinwand, 90 x 150 cm (KMSKA, T308)

James Ensor, Die Intrige, 1890, Öl auf Leinwand, 90 x 150 cm (KMSKA, T308)

James Ensor (1860–1949) gilt als einer der Väter der Moderne. Da das Königliche Museum für Schöne Künste Antwerpen (KMSKA) aufgrund von Renovierungsarbeiten bis Ende 2017 geschlossen ist, darf die weltgrößte Ensor-Sammlung auf Reisen nach Dänemark und in die Schweiz gehen. Die Schweizer Ausstellung wird durch Werke aus Schweizer Sammlungen v.a. im Bereich der Grafik und des malerischen Spätwerks deutlich erweitert. Im Ausstellungskatalog von Hatje Cantz führt der Kurator am KMSKA und Ensor-Experte Herwig Todts in die Kunst von Ensor ein, und Nina Zimmer vom Kunstmuseum Basel beschäftigt sich erstmals mit der spezifischen Ausprägung des Japonismus in Ensors Werk (→ Monet, Gauguin, van Gogh …. Inspiration Japan).

Ensor im Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen

Das Königliche Museum für Schöne Künste Antwerpen begann bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Werke von James Ensor zu kaufen. So konnte die für ihre barocken Meister so berühmte Stadt die größte Sammlung des Malers aus Ostende noch zu dessen Lebzeiten erwerben. Sie beinhaltet Werke aus allen Schaffensperioden, von Ensors Beschäftigung mit Licht und Farbe während seiner Pleinair-Phase (1876/1880–1884/1885), den symbolistisch-fantastisch-grotesken Bildschöpfungen der Jahren zwischen 1885 und 1893/1900 bis zum früh einsetzenden so genannten „Spätwerk“ ab 1900. Eine erste große Retrospektive 1905 und eine weitere 1921 informierten die Antwerpener Sammler über Ensors Werk, die in der Folge auch fleißig kauften. In Summe gewähren heute 37 Gemälde und mehr als 500 Zeichnungen im Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen Einblick in die künstlerische Entwicklung des Belgiers.

Während Ensor lange den Status eines „artist's artist“, also eines Künstlers für Künstler, hatte, gilt er heute als einer der Väter der Moderne, dessen Faszination für das Groteske Künstlerkollegen wie Alfred KubinPaul KleeEmil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner inspirierte. Wenn auch Sammlung und Katalog verlässlich in das Werk von James Ensor einführen, so belassen die Autoren es dennoch bei der Aufzählung der Künstlernamen, für die Ensors Werk fruchtbar wurde. Hier zeigt sich eine Weggabelung, die zugunsten des monografischen Charakters der Wanderausstellung nicht weiter beschritten wurde.

 

 

Strände in Ostende

Der Badeort Ostende, als „Königin der belgischen Seebäder“ Ende des 19. Jahrhunderts apostrophiert, war James Ensors Lebens- und Arbeitsort. Herwig Todts beschreibt Ensor als „Teilzeitkünstler“, verdiente er sich doch seinen ganzen Lebensunterhalt als Ladenbesitzer und war von Verkäufen seiner Kunst nicht abhängig. Nachdem er an der königlichen Akademie in Brüssel in den Jahren von 1877 bis 1880 zu einem realistischen Maler ausgebildet worden war, widmete er sich ganz der Freiluft- oder Pleinairmalerei. Die ausgestellten Werke zeigen unscheinbare Motive wie einen „Badewagen“, den der Sechzehnjährige präzise mit Nachmittag des 29. Juli 1876 datierte, oder Seestücke in leicht abgestuften grau-blau-ockernen Tönen, in denen Himmel und Meer miteinander verschmelzen. Ensors dunkle Figurenbilder ab 1879 sind von einem pastosen Farbauftrag in skizzenhafter Manier geprägt. Manchmal trägt er die Farbe mit der Spachtel auf. Sein Strich lässt die Formen kaum hervortreten, der erste Eindruck ist der von flüchtigen Szenen, zerfallenden Momenten.

Das in der Zwischenzeit berühmte Bild „Die Austeresserin (Im Land der Farben)“, das in seinem Entstehungsjahr 1882 sowohl vom Salon in Brüssel als auch von der Künstlervereinigung „L`Essor“ abgelehnt wurde, erstaunt ob der Menge an durchsichtigen, teils farbigen Gläsern und Flaschen, die die Hauptdarstellerin am Tisch versammelt hat. Es ist Ensors erstes Bild im helleren Kolorit. Zugegeben, es scheint in einigen Bereichen nicht ausreichend gelöst (v.a. die rechte untere Ecke), und die Objekte sind auch nicht hundertprozentig einer homogenen Perspektivkonstruktion unterworfen. Daher warfen Ensors Kritiker ihm Fähigkeiten in der Zeichnung vor. Dass aber gerade ein solches Bild zum Rückzug des Künstlers nach Ostende geführt hat, wirft ein beredtes Licht auf die traditionellen Verhältnisse in Belgiens Kunstestablishment.

 

 

Chinesisch-japanische Inspirationen

Nina Zimmer schließt mit ihrem Beitrag zum Japonismus in James Ensors Werk interessanterweise eine Lücke der Forschung.1 Dass das Thema von Bedeutung ist, zeigen nicht nur die Werke, sondern hat auch mit der Profession seiner Familie als Souvenir- und Kuriositätenhändler zu tun. Zudem fällt die künstlerische Formation Ensors in die Hochphase des europäischen Japonismus, der ab den 1850er Jahren, von Whistler beginnend über die französischen Impressionisten, immer mehr Künstler_innen, Sammler_innen und Ausstellungsbesucher_innen in seinen Bann gezogen hat.

In den Bildern „Chinoiserien, Fächer und Stoffe“ und „Die Dame auf dem Wellenbrecher“ (beide 1880) zeigt sich die Begeisterung von Ensor an allem Fernöstlichen. Der Belgier hatte über die Kuriositätenläden seiner Familie Zugang zu den billigen Waren aus Japan und China (S. 21), die er neben Tuschezeichnungen und ukiyo-e-Holzschnitten – wie Hokusais „Manga“ ab 1885 – kopierte. Ensor widmete sich nie den ganzen Kompositionen, sondern wählte mit Bedacht einzelne Figuren oder bestimmte Aspekte (S. 22). Hier zeigt sich Ensors Japonismus anfangs noch als ein Aufnehmen exotischer Motive in seine Bildwelt, um vor allem in den Interieurbildern Atmosphäre zu erzeugen und „ein bestimmtes kultiviert-bürgerliches Milieu aufzurufen“ (S. 21). Der Kontakt zu chinesisch-japanischen Objekten und Darstellungen kam über den Souvenirladen von Ensors Mutter und Tante zustande. Vor allem Tante Mimi bestellte ihre Ware bei Samuel Bing (1838–1905), der seinerseits 1878 seine Japan-Sammlung auf der Pariser Weltausstellung präsentiert hatte und als Sammler wie als Kunsthändler viel für zur Popularisierung der japanischen Kunst beitrug.2

Erst mit der Hinwendung Ensors zu skurrilen, phantastischen Sujets in grell leuchtenden, bunten Farben sollte sich auch sein Japonismus verwandeln. Ab 1887/1888 nutzte er japanische Kompositionsmethoden, die sich u.a. in der neuen Farbwahl wie auch im Einsatz von großen Farbflächen nachweisen lassen (S. 23). Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen James Tissot und Alfred Émile Léopold Stevens, die Ensor immer wieder heftig angriff (S. 24), interessierte er sich nicht für modische Damen in exotischen Interieurs oder in seidenen Kimonos, die vor goldenen Wandschirmen Grafikalben durchblättern. Ensors Suche nach Ursprünglichkeit führte ihn auch zu japanischen Theatermasken, Gespenster- und Skelettdarstellungen. Ensors Verlebendigung der Masken steht daher nicht nur in einer europäischen (Karnevals-)Tradition und einer Neubewertung des Hässlichen – Zimmer verweist auf Karl Rosekranz' „Ästhetik des Hässlichen“ und Friedrich Theodor Vischers „Ästhetik oder Wissenschaft des Schönen“ – , sondern geht auch auf die Entdeckung japanischen Formenguts zurück, wie schlüssig nachgewiesen werden konnte.

 

 

Masken und Skelette als Markenzeichen

Die ab 1888 auftauchenden Masken und Skelette wurden bald zum Markenzeichen des belgischen Künstlers – und dennoch gibt es zum Leidwesen vieler Kuratoren von 1883 bis 1900 nur etwa 50 Werke, in denen die so charakteristischen Masken auftauchen. Die später entstandenen Masken-Bilder sind Reprisen früherer Werke, meist in helleren Farben gehalten und gelten als weniger einfallsreich als die Erstfassungen. Ensor sah sie als sein Instrument der Demaskierung, sie enthüllen mit ihren grotesken Gesichtszügen die wahren Naturen der Menschen dahinter. In diesem Sinne baut Ensor auf der traditionellen Ikonografie von Trug und Falschheit auf, die beispielsweise in barocken Deckengemälden von strahlenden Helden vertrieben werden und dabei ihre Masken bildlich fallen lassen. Entgegen der alten Auffassung werden die Masken-Fantasien Ensors jedoch nicht bekämpft, keine Heroen retten die Welt, sondern die Masken sind überall. Jede spielt ihre Rolle, sie sind dabei brutal und fratzenhaft, gleichzeitig bleibt alles im Verborgenen und rätselhaft.

Herwig Todts wichtigster Beitrag in diesem Katalog ist die Infragestellung der klassischen Dreiteilung von Ensors Werk sowie der Abwertung des so genannten „Spätwerks“. Den stilistischen und ikonografischen Veränderungen folgend, wird es in drei Phasen geteilt:

  1. 1876/1880–1884/1885 realistisches oder autochton-impressionistisches Frühwerk
  2. 1885–1893/1900 symbolistische, fantastische, groteske Bilder
  3. ab 1900 das so genannte „Spätwerk“, das sehr früh bei dem Vierzigjährigen beginnt und Variationen bzw. Kopien nach früheren Werken beinhaltet.

Todts widerspricht dieser Einteilung und weist darauf hin, dass Ensor auch nach 1900 neue Projekte in Angriff genommen hätte. Vor allem „Die Opaliniden“, zwischen 1905 und 1910 entstandene Zeichnungen und Aquarelle über misslungenen Radierungen, sowie das Ballett „La Gamme d`amour“ (1911), für das er Musik, Dramaturgie, Bühnenbilder und Kostüme schuf, sind für Todts gattungsübergreifende und neuartige Formen eines völlig frei verstandenen Kunstschaffens. Nichtsdestotrotz konzentriert sich die Ausstellung auf das Hauptwerk Ensors und versucht nicht explizit eine Neubewertung des Spätwerks zu unternehmen. Nur zwei überarbeitete Drucke, eine „Ballettszene“ (1905–1915) sowie ein „Von Köpfen umringtes Selbstporträt“ (1900–1910), verweisen auf die recycelten Blätter, und vor allem die Schweizer Leihgaben bringen den späten Ensor in die Ausstellung.

 

 

James Ensor. Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen und Schweizer Sammlungen: Ausstellungskatalog

Nina Zimmer, Anne-Birgitte Fonsmark (Hg.)
Vorwort von B. Mendes Bürgi, A.-B. Fonsmark
Texte von H. Todts, N. Zimmer
Gestaltung von Buero 146, Zürich
136 Seiten, 151 Abb., 21,80 x 32,70 cm
Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-7757-3721-0 (dt.)
Hatje Cantz

Die Ausstellung bringt eine erstaunlich hohe Anzahl von qualitativ hochwertigen Bildern wie „Die Verwunderung der Maske Wouse“ (1889) oder „Skelette im Streit um einen Gehängten“ (1891), d.h. aus der symbolistisch, fantastisch, grotesken Phase zwischen 1885 und 1900, zusammen. Ergänzt wird die Sammlung des KMSKA durch Kupferradierungen aus dem Kunstmuseum Basel sowie 14 Gemälde, die zusätzlich und ausschließlich in der Schweiz ausgestellt werden und die aus der Spätzeit des Künstlers stammen.

Die Zeichnungen der 1880er Jahre weisen Ensor als einen Mittler zwischen Realismus und Japonismus aus, der mit den Grotesken ab Mitte des Jahrzehnts einen völlig eigenständigen Weg gefunden hat. Wie es zu dieser Veränderung kam, wird von Nina Zimmer mit dem kurzen Hinweis auf die Kenntnis von Odilon Redons (1840–1916) Werk beantwortet. Im Februar 1886 wurde der französische Symbolist bei „Les XX“ ausgestellt. Beiden Künstlern gemein ist ihre Faszination für Goya und Poe, in deren Werke das Visionäre, Skurrile und Gespenstische bereits angelegt ist.

Auch die Wiederbelebung des religiösen Historienbildes fernab von möglichst realistischen Rekonstruktionsversuchen in der Historienmalerei (vgl. etwa Mihály Munkácsys riesige Trilogie zur Passion Christi; 1882, 1884, 1896) lässt ihn als Einzelgänger erscheinen. Kein Wunder, dass ein ebensolcher Solipsist wie Emil Nolde im April 1911 extra einen Abstecher zu dem von ihm verehrten Künstler machte. Die Katalogtexte führen prägnant in das Werk Ensors ein, wobei ein kurzer Text über die in der Ausstellung und im Buch reich vorhandenen Druckgrafiken noch wünschenswert gewesen wäre.

 

Literatur

Nina Zimmer, Anne-Birgitte Fonsmark (Hg.): James Ensor. Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen und Schweizer Sammlungen (Ausst.-Kat. Ordrupgaard, Charlottenlund 6.9.2013–19.1.2014; Kunstmuseum Basel 16.2.–25.5.2014), Ostfieldern 2013.
L'Art Nouveau. La Maison Bing (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum Amsterdam; Museum Villa Stuck München; CaixaForum, Barcelona; Musée des Arts décoratifs.Paris 2004-2005), Stuttgart 2004.

 

Biografie von James Ensor (1860–1949)

Am 13. April 1860 wird James Sidney Ensor in Ostende geboren. 1861 kommt seine Schwester Mariette, genannt Mitche, zur Welt.3
1871 besucht das Gymnasium Notre-Dame in Ostende und ist kein guter Schüler. Der Vater erkennt aber sein zeichnerisches Talent.
1873 Zeichenkurse bei den Ostender Aquarellisten Edouard Dubar und Michel van Cuyck. Ensor richtet sich in der Mansarde des elterlichen Hauses ein Atelier ein.
1875 Die Familie zieht in ein Haus an der Ecke Rue de Flandre/Van Iseghemlaan, wo Ensor bis 1917 leben wird.
1876 Besuch der Zeichenkurse an der Akademie in Ostende. Arbeitet nach Antiken und lebenden Modellen, malt v.a. kleine, realistische Seestücke und Landschaften in Pleinair.
1877 Ensor schreibt sich an der Académie des Beaux-Arts in Brüssel ein; Studienkollegen sind Willy Finch, Fernand Khnopff, Guillaume Vogels. 1877–1880 Studium an der Brüsseler Akademie bei Alexandres Robert, Joseph Stallaert und Joseph van Severdonck. Lernt über den Kritiker Theo Hannon dessen Schwester Mariette Hannon-Rousseau kennen, die ihn gastfreundlich in ihrem Haus aufnimmt.
1880 Rückkehr nach Ostende, das er mit der Ausnahme von wenigen Reisen nach Holland, England und Frankreich sowie häufigen Besuchen in Brüssel nie verlässt. Bei Ernest Rousseau, dem Rektor der Université Libre, trifft er den Maler Félicien Rops und den Literaten Eugène Demolder
1881 Mitglied der Künstlergemeinschaft „La Chrysalide“, Ensor stellt erstmals aus. Teilnahme an der „Exposition Générale des Beaux-Arts“ in Brüssel
1882 Ensors „Austernesserin“ wird am Salon in Brüssel abgelehnt. Mitglied von „Cercle Artistique et Littéraire“ sowie „L`Essor“. „L`Essor“ nimmt einige Gemälde von Ensor in ihre Ausstellung auf, weist jedoch die „Austernesserin“ genauso zurück.
1883 Ensor ist auf der Jahresausstellung von „L`Essor“ mit zwei Werken vertreten. Der Brüsseler Salon weist alle seine eingereichten Bilder zurück. Gründung von „Les XX“ („Les Vingtes“, Die Zwanzig) unter der Leitung des Juristen und Schriftstellers Octave Maus; Mitglieder sind neben Ensor William Finch, Fernand Knopff, Jan Toroop, Georges Lemmen, Henry van de Velde und Theo van Rysselberghe.
1884 Erste Jahresausstellung von „Les XX“, Ensor ist mit sechs Bildern vertreten. Reist nach Frankreich und Holland, wo er Werke von Goya, Jordaens, Courbet und Millet sieht. Die Zeitschrift „L´Art Moderne“ publizierte Ensors ersten Artikel mit dem Titel „Trois semaires à l`Académie“.
1885 Jahresausstellung von „Les XX“: Ensors Entwicklung vom Realismus zum Symbolismus und zur Phantastik wird sichtbar. Die Kritik reagiert mit Unverständnis und Ablehnung.
1886 Dritte Jahresausstellung von „Les XX“, auf der die Werke von Impressionisten gezeigt werden (Renoir, Monet, Whistler, Redon). Auf einer Reise nach London bewundert er die Bilder William M. Turners. Erste Radierungen entstehen.
1887 Der Vater stirbt, Ensor verliert die einzige Person aus seinem näheren Umkreis, der seine Kunst verstanden hat und ihn unterstützte. Ensor erkrankt schwer, daraufhin nimmt er die Themen Tod/Skelett, Maske, Satire und Karikatur in sein Werk auf. Zur vierten Jahresausstellung von „Les XX“ schickt Ensor 21 Werke; zudem sind Bilder von Morisot, Pissarro und Seurat zu sehen. Ensor schätzt den Neo-Impressionismus nicht und stuft ihn als inhaltsleer ab.
1888 lernt Augusta Boogaerts, die Tochter eines Hoteliers aus Ostende, kennen und bleibt zeitlebens mit ihr verbunden. Es entsteht Ensors wichtigstes Werk: „Der Einzug Christi in Brüssel“, mit dem die Masken-Bilder beginnen und Ensor seine Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft ausdrückt. Auf er fünften Jahresausstellung von „Les XX“ sind Werke der Pointillisten und Toulouse-Lautrec zu sehen.
1889 Teilnahme an der sechsten Jahresausstellung von „Les XX“, wo auch Bilder von Paul Gauguin gezeigt werden; sein Austritt aus der Gruppe wird erstmals gefordert.
1890 Auf der Jahresausstellung der „Les XX“ sind Bilder von Cézanne, van Gogh (dort wird sein erstes Bild verkauft!) und Renoir zu sehen, worauf sich Ensor als künstlerischer Außenseiter fühlt und gänzlich nach Ostende zurückzieht.
1891 Ensor zeigt grafische Arbeiten in der Galerie Dietrich in Brüssel.
1892 erste Monografie über Ensors Werk von Eugène Demolder. Ensors Schwester Mariette heiratet den Chinesen Taen Hee Tseu, der sie kurz nach der Hochzeit und vor der Geburt der gemeinsamen Tochter Alexandra verlassen wird.
1893 Teilnahme an der letzten Jahresausstellung von „Les XX“, die sich daraufhin auflöst. Künstlerische Krise: Ensor versucht den gesamten Bestand seines Ateliers für 8.500 (alte) BF zu verkaufen, findet jedoch keinen Abnehmer. Gründung von „Cercle des Beaux-Arts“ gemeinsam mit Vogels. Kann bei der ersten Ausstellung eine größere Anzahl von Radierungen an das Kupferstichkabinett Dresden verkaufen.
1895 erste Einzelausstellung am „Comptoir des Arts Industriels La Royale“ in Brüssel.
1898 erste, wenig erfolgreiche Einzelausstellung im Ausland beim „Salon des Cent“ der Kunstzeitschrift „La Plume“ in Paris. „La Plume“ widmet ihm eine Sondernummer.
1899 Der „Cercle Artistique“ in Ostende zeigt 52 Radierungen.
1902 Betritt zur „Libre Académie de Belgique“, die von Edmond Picard gegründet worden war.
1903 Verleihung des Titels „Ritter des Leopoldordens“ als öffentliche Anerkennung durch den belgischen König.
1904 Das Sammlerehepaar Lambotte kauft mehrere frühe Arbeiten und schenkt ihm ein Harmonium. Lernt auch den Sammler und Mäzen François Franck aus Antwerpen kennen.
1905 Mitglied der Antwerpener Vereinigung „L`Art Contemporain“
Ab 1907 nationale und internationale Anerkennung auf zahlreichen Ausstellungen.
1911 Das Ballett „La Gamme d`Amour“ entsteht: Ensor komponiert die Musik und entwirft Bühnenbilder und Kostüme. Im April besucht Emil Nolde James Ensor in Ostende.
1914–1918 Während des Ersten Weltkriegs bleibt James Ensor in Ostende. Inhaftierung durch die Deutschen, da er in einer Karikatur Kaiser Wilhelm II. als Aasgeier dargestellt hat.
1915 Tod der Mutter, 1916 stirbt die Tante.
1917 bezieht das Haus in der Rue de Flandre 27 seines verstorbenen Onkels; gestaltet es zu einem Privatmuseum, wo ihn viele Bewundere wie u.a. Erich Heckel besuchen.
1920 James Ensor befindet sich am Höhepunkt seines Ruhms. Die Galerie Georges Giroux veranstaltet zu seinem 60.Geburtstag eine große monografische Ausstellung.
1921 erscheinen die „Les écrits d`Ensor“
1922 zum Mitglied der Königlichen Akademie der Schönen Künste von Belgien ernannt.
1926 Einladung zur 15. Internationalen Biennale von Venedig, im belgischen Pavillon auszustellen.
1927 Ausstellungen in der Galerie von Paul Cassirer in Berlin, im Kunstverein Leipzig, der Kestner-Gesellschaft in Hannover und in der Kunsthalle Mannheim.
1929 König Albert ernennt James Ensor zum Baron. Besuch von Wassily und Nona Kandinsky.
1932 Ausstellung im Musée du Jeu de Paume in Paris
1933 Aufnahme in die Ehrenlegion
1939–1945 Während des 2. Weltkriegs bleibt Ensor in Ostende.
1945 Präsident der Vereinigung „Junge belgische Kunst“; seine Schwester Mitche stirbt.
1948 Gründung der Gesellschaft „Freunde von James Ensor“ zur Verbreitung des Œuvres.
Am 19. November 1949 Tod von James Ensor nach dreiwöchiger Krankheit in Ostende. Er wird auf dem Friedhof der Kirche Notre Dame des Dunes in Mariakerke bei Ostende begraben.

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  1. Nina Zimmer: „Das Komische in der Form des Wunderbaren“. Japonismus als Weg zum Grotesken, in: Nina Zimmer, Anne-Birgitte Fonsmark (Hg.): James Ensor. Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen und Schweizer Sammlungen (Ausst.-Kat. Ordrupgaard, Charlottenlund 6.9.2013–19.1.2014; Kunstmuseum Basel 16.2.–25.5.2014), Ostfieldern 2013, S. 19-24.
  2. Vor allem ab 1871 wurden die Importe japanischer Kunst und Kunsthandwerks von Samuel Bing forciert. Die japanischen Firmen fertigten auf Bestellung für den europäischen Markt. Bings erste Japan-Reise 1880-1881 brachte eine entscheidende Erweiterung des Sortiments, das sowohl alte Stücke als auch hochqualitative Produkte zeitgenössischer Künstler für den europäischen Markt beinhaltete. Von 1888 bis 1891 gab Samuel Bing 36 Hefte der Monatszeitschrift „Le Japon artistique“ in Französisch, als „Artistic Japan“ auf Englisch und unter dem Titel „Japanischer Formenschatz“ auf Deutsch heraus, in der der Japonismus einen „wichtigen Werbeträger“ gefunden hatte. Ausstellungen in Holland und Dänemark (1888) siehe: Gabriel P. Weisberg: Familienangelegenheiten. Von Hamburg nach Paris und um die ganze Welt, in: L`Art Nouveau. La Maison Bing (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum Amsterdam; Museum Villa Stuck München; CaixaForum, Barcelona; Musée des Arts décoratifs, Paris 2004-2005), Stuttgart 2004, .S. 16-25; Gabriel P. Weisberg: Die Entstehung des Japonismus, ebenda, S. 52-67.
  3. Die Biografie wurde mit Hilfe folgender Literatur zusammengestellt: James Ensor. Belgien um 1900 (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München 31.3.–21.5.1989), München 1989. Gerhard Finckh (Hg.): James Ensor – Schrecken ohne Ende (Ausst.-Kat. Von der Heydt-Museum Wuppertal 12.10.2008-8.2.2009), Wuppertal 2008. Nina Zimmer, Anne-Birgitte Fonsmark (Hg.): James Ensor. Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen und Schweizer Sammlungen (Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel 16.2.–25.5.2014), Ostfieldern 2013.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.