Josefa de Óbidos

Wer war Josefa de Óbidos?

Josefa de Óbidos (geb. Josefa de Ayala Figueira, Sevilla 20.2.1630–22.7.1684 Óbidos) war eine portugiesische Malerin des Barock. Sie gilt als eine der bedeutendsten portugiesischen Malerinnen aller Zeiten und singierte mit „Josefa em Óbidos” oder „Josefa de Ayalla“. Etwa 150 Werke wurden in den letzten Jahren Josefa de Óbidos zugeschrieben.

Kindheit

Josefa de Óbidos wurde am 20. Februar 1630 in Sevilla, Spanien, getauft.1 Ihr Taufpate war der bekannte sevillanische Maler Francisco de Herrera der Ältere; da ihr Vater der portugiesische Maler Baltazar Gomes Figueira (1604–1674) war. Gomes Figueira war in den 1620er Jahren nach Sevilla gegangen, um seine Maltechnik zu verbessern. Dort heiratete er Catarina de Ayala y Cabrera, eine gebürtige Andalusierin, die die Mutter von Josefa wurde. In Sevilla pflegte Gomes Figueira Kontakte zu den Künstlern Herrera der Ältere, Francisco de Zurbarán (1598–1664 → Francisco de Zurbarán und Juan de Zurbarán) und Juan del Castillo (1595–1628).

Bis zum 3. Mai 1634 übersiedelte die Familie Figueiras in die Heimatstadt des Vaters, Óbidos, dort fand die Taufe ihres ersten Sohnes Francisco statt.
Baltazar Gomes Figueira war Angestellter der Casa de Bragança am Hof von Don João IV und Don Afonso VI. Dort hatte er die Funktionen eines Malers und Bewerters von Kunstwerken inne.

Ausbildung

Im Jahr 1644 war Josefa als Kostgängerin im Augustinerkloster Santa Ana in Coimbra dokumentiert, während ihr Vater im nahe gelegenen Santa Cruz an einem Altarbild für die Kirche Nossa Senhora da Graça arbeitete. Während ihres Aufenthalts in diesem Kloster im Jahr 1646 schuf Josefa Stiche von St. Katharina und St. Peter, ihren frühesten signierten, erhaltenen Werken.

Josefa in Óbidos

Irgendwann vor 1653 verließen Josefa und ihre Familie Coimbra und ließ sich in Óbidos nieder, wo sie eine „Allegorie der Weisheit“ zu den Novos estatutos da Universidade de Coimbra beisteuerte, dem Regelbuch der Universität von Coimbra, dessen Frontispiz von ihrem Vater dekoriert wurde.

Werke

Josefas erstes signiertes Gemälde stammt aus dem Jahr 1647, eine kleinformatige „Mystische Hochzeit der heiligen Katharina“ auf Kupfer (Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon), die sie für das Augustinerkloster Santa Cruz in Coimbra malte. Im selben Jahr schuf sie weitere kleine Gemälde auf Kupfer, darunter eine „Anbetung mit dem hl. Franziskus und der hl. Klara“ (Privatsammlung).

In den folgenden Jahrzehnten malte Josefa viele Altarbilder für Kirchen und Klöster in Zentralportugal, darunter die Kirche Igreja Matriz de Santa Maria in Óbidos, sowie Porträts und Stillleben für private Auftraggeber:innen. zudem gehören Stillleben zum Œuvre dieser ungewöhnlichen Künstlerin, sie malte aber auch Porträts und Miniaturen. Ihr bekanntestes Porträt ist jenes von Faustino de Neve, datiert 1670 (Stadtmuseum von Óbidos).

Im Laufe ihrer Karriere erhielt Josefa de Óbidos viele wichtige öffentliche Aufträge für Altarbilder und andere Gemälde, die in Kirchen und Klöstern in ganz Zentralportugal aufgestellt wurden. So malte sie sechs Bilder für den Altar der Heiligen Katharina für die Kirche Santa Maria de Óbidos im Jahr 1661, sechs Gemälde zum Leben der Heiligen Theresa von Ávila (1672–1673) für das Karmeliterkloster von Cascais, eine „Anbetung der Hirten“ für das Kloster von Santa Madalena in Alcobaça (1669) und vier Gemälde für die Casa de Misericórdia von Peniche (1679).

Viele von Josefa de Óbidos‘ Stillleben, die als ihre Spezialität gelten, werden heute im Museu Nacional de Arte Antiga in Lissabon aufbewahrt. Zu ihren berühmtesten Werken gehört eine Reihe von Gemälden, welche die Monate des Jahres darstellen, und die in Zusammenarbeit mit ihrem Vater entstanden sein (verschiedene Privatsammlungen). Jedes dieser Gemälde verbindet eine Landschaft im Hintergrund mit einem Stillleben im Vordergrund. Letzteres besteht aus den in diesem Monat verzehrten Tieren, Früchten und Gemüsen. Während diese Gemälde, oberflächlich betrachtet, wie weltliche Stillleben erscheinen, haben sie auch religiöse Bedeutung und können mit der franziskanischen Religiosität verbunden sein. Ein Beispiel für eines ihrer religiösen Gemälde wäre „Das Opferlamm“ (auch: „Agnus Dei“, „Das Lamm Gottes“), das Vorstellungen von Frömmigkeit und Opferbereitschaft vermittelt.

Tod

Josefas Testament datiert vom 13. Juni 1684. Darin wird die Künstlerin als „emanzipiert mit Zustimmung ihrer Eltern“ und „Jungfrau, die nie geheiratet hat“ beschrieben.

Josefa de Óbidos starb am 22. Juli 1684 im Alter von vierundfünfzig Jahren in Óbidos und ist in der dortigen Igreja Sao Pedro beigesetzt.

Nachruhm

Josefa de Óbidos wurde in mehrere Abhandlungen und Sammlungen von Künstler:innen-Biografien aufgenommen, die zwischen dem 17. bis zum 19. Jahrhundert verfasst wurden. Vitor Serrão merkte an, dass „Josefa de Ayala in vielen dieser Schriften mythische Ausmaße annahm, weil die Autoren beeindruckt waren, dass die Künstlerin weiblich war“.

In seiner Abhandlung über die Malerei von 1696 zählte Félix da Costa Meesen Josefa zu ihnen die wichtigsten portugiesischen Künstler:innen und schrieb, dass sie „weit und breit gefeiert wurde, besonders in den Nachbarländern“. 1736 lobte Damião de Froes Perym ihr „Talent, ihre Schönheit und Ehrlichkeit“ sowie ihre „Attraktivität“. In dem unveröffentlichten Text „Memorias historicalas e diferentes apontamentos acerca das antiguidades de Óbidos“ aus dem 19. Jahrhundert von einem anonymen Autor wird Josefa beschrieben als

„im und außerhalb des Königreichs bekannt für ihre Gemälde, in der sie während ihrer Blütezeit einzigartig war, als jemand, der die Perfektion der Kunst unter bemerkenswertem Beifall und ehrlichem Lob praktizierte und ihr ganzes Leben in keuschem Zölibat lebte Königin von Portugal, D. Mari eine Franziska von Savoyen“.

In vielen dieser Quellen schreiben die Autoren Josefa verschiedene Gemälde zu, von denen heute jedoch bekannt ist, dass sie von unterschiedlichen Künstler:innen stammen. Ab 1949 begannen Kunsthistoriker, ihr Werk kritischer zu bewerten; in einer Ausstellung im Museu Nacional de Arte Antiga (Lissabon) stellten Kuratoren eine Liste von 53 Werken zusammen, die definitiv als authentisch deklariert werden könnten. 1957 schrieb Luis Reis-Santo die erste Monografie über Josefas Werk und erweiterte damit ihr bekanntes Œuvre.

Literatur zu Josefa de Óbidos

  • Josefa de Óbidos e a invenção do Barroco Português (Ausst.-Kat. Museu Nacional de Arte Antiga), Lisbon 2015.
  • The Sacred and the Profane: Josefa de Óbidos of Portugal (Ausst.-Kat. The National Museum of Women in the Arts) Washington, DC, 1997.
  • Josefa de Obidos; National Museum of Women in the Arts (U.S.) (1.1.1997). The sacred and the profane: Josefa de Obidos of Portugal. [Lisboa]; Washington, D.C.: Ministério da Cultura, Gabinete das Relações Internacionais; National Museum of Women in the Arts.
  • Josefa de Óbidos e o tempo barroco (Ausst.-Kat. Galeria de Pintura do Rei D. Luis), Lissabon 1991.
  • Josefa de Obidos (Ausst.-Kat. Museu Nacional de Arte Antiga, Portugal; Estremadura, Portugal; Junta de Provincia, 1.1.1949).

Beiträge zu Josefa de Óbidos

  1. Die Biografie basiert auf folgender Quelle: Josefa de Obidos; National Museum of Women in the Arts (U.S.) (1.1.1997). The sacred and the profane: Josefa de Obidos of Portugal. [Lisboa]; Washington, D.C.: Ministério da Cultura, Gabinete das Relações Internacionais; National Museum of Women in the Arts.