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KHM: Jan van Eycks Madonna am Springbrunnen und die Kasel vom Goldenen Vlies Preziose Malerei trifft auf goldgewirktes Messgewand

Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, Detail, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, Detail, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

Jan van Eycks (um 1390–1441) „Madonna am Springbrunnen“ (1439) aus dem Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen (KMSKA) wird im Rahmen der Reihe „Flandern zu Gast“ als Leihgabe zu sehen sein. Darüber hinaus ist ein äußerst prominentes Objekt aus der Kunstkammer Teil der Schau: ein etwa um dieselbe Zeit entstandenes liturgisches Gewand, die Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies.

Aufgrund seines virtuosen Umgangs mit Ölmalerei und der Verbindung von Realismus mit brillanten Farben galt Jan van Eyck als bahnbrechender Meister und stieg rasch zum bevorzugten Hofmaler Herzog Philipps des Guten von Burgund (1396–1467) auf. Bereits zu Lebzeiten zu höchstem Ruhm gelangt, wurde er bald in ganz Europa als Begründer der niederländischen Malerei gefeiert.

Jan van Eyck gilt als der erste Künstler nördlich der Alpen, der seine Werke signierte und datierte. Besonders beachtlich ist sein Motto. Jan van Eyck wählte für seinen Wahlspruch AΛΣ · IXH · XAN pseudo-griechische Lettern. Die Aussprache des Mottos jedoch niederländisch, bedeutet so viel wie „so gut ich kann (aber nicht so gut, wie ich möchte)“ und ist als Understatement des Künstlers zu verstehen. Im frühen 15. Jahrhundert war es ganz und gar nicht üblich für einen Maler, dessen Tätigkeit als Handwerk galt, eine Devise zu führen. Dies war eher ein Privileg der burgundischen Herzöge und des Adels.

 

 

Madonna am Brunnen

Jan van Eycks „Madonna am Brunnen“ entstand 1439, also zwei Jahre vor dem Tod des Meisters. Die höchste technische Brillanz der perfektionierten Ölmalerei und das Raffinement der Feinmalerei machen das Andachtsbild zu einem vollkommenen Meisterwerk seines späten Werks.

Diese herausragende Leihgabe aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen bietet den Anlass zur Ausstellung, in der beide Tafelbilder Jan van Eycks zusammen mit Hauptwerken der Altniederländer-Sammlung der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums präsentiert werden. Die Ausstellung präsentiert drei von den rund zwanzig erhaltenen Werken Jan van Eycks und bietet dem Besucher einen Einblick in die Kunst zur Zeit Herzog Philipps des Guten, als die Burgundischen Niederlande im 15. Jahrhundert eine einmalige Blütezeit der höfischen und städtischen Kultur erlebten.

 

 

Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies

Medial erweitert wird die Schau durch die Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies, des von Philipp dem Guten 1430 gegründeten einflussreichen Ritterordens. Das Parament aus der Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums steht exemplarisch für die exquisite Textilkunst, die zum Ruhm und zur legendären Prachtentfaltung am Hof der burgundischen Herzöge maßgeblich beigetragen hat. Kaum an Pracht zu übertreffen ist die Ausführung des liturgischen Gewandes in feinster Lasurstickerei mit Gold- und Seidenfäden, deren Aufwand und Materialwert die Kosten für Gemälde damals bei weitem überstieg.

Quelle: Pressetext

 

KHM: Van Eyck und die Kasel vom Goldenen Vlies: Bilder

  • Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)
  • Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, Detail, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)
  • Kasel des Meßornats des Ordens vom Goldenen Vlies, Vorderseite, um 1430/40, burgundisch-niederländisch, 149,5 x 135,5 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer)
  • Kasel des Meßornats des Ordens vom Goldenen Vlies, Rückseite, um 1430/40, burgundisch-niederländisch, 149,5 x 135,5 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer)

Beiträge zu Jan van Eyck

10. Mai 2019
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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.