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Köln | Museum Ludwig: Der geteilte Picasso Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR

Pablo Picasso, Massaker in Korea, 1951 (Musée Picasso Paris)

Pablo Picasso, Massaker in Korea, 1951 (Musée Picasso Paris)

Pablo Picasso scheint zwei Persönlichkeiten zu haben, die einander völlig widersprechen. Für die einen ist er ein einsames Genie, ein Macho und Mythologe, für die anderen ein Pazifist, Kommunist und Menschenfreund. Was verbinden wir heute mit dem berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts? Und was haben unsere Eltern und Großeltern mit ihm verbunden, in der Nachkriegszeit, als sein Ruhm auf dem Höhepunkt war?

Picasso in BRD und DDR

Die Welt war in zwei Lager geteilt, und Picasso eignete sich als Galions- und Projektionsfigur für beide Systeme und in beiden deutschen Staaten. Der Kommunistischen Partei Frankreichs, in die er 1944 eingetreten war, hielt er zeit seines Lebens die Treue. Er unterstützte Friedenskongresse und soziale Bewegungen auf der ganzen Welt (→ Picasso: die Erfindung der Friedenstaube). Aber er lebte im Westen und ließ es zu, dass die bürgerliche Kritik ihn zum unpolitischen Genie, zum „Geheimnis Picasso“ stilisierte. Picasso war auf beiden Seiten der Mauer der Größte. Derselbe war er hier und dort nicht.

Welche Werke wurden im Sozialismus, welche im Kapitalismus gezeigt? Wie wurde Picasso vermittelt? Sah der Westen die Kunst, der Osten die Politik? Was sah der Künstler selbst? Die Ausstellung untersucht das Bild, das sich hüben und drüben aus Picassos Bildern machen ließ. Sie rekonstruiert die Ausstellungen der Nachkriegszeit und dekonstruiert die Mythen. Einen Schwerpunkt bildet die Picasso-Sammlung von Peter und Irene Ludwig, noch heute eine der umfangreichsten. Teile davon wurden mehrfach in der DDR ausgestellt.

Der geteilte Picasso im Museum Ludwig Köln

Die Ausstellung ist nicht bloß historisch. Sie möchte einen Picasso zeigen, der in unserer Zeit des globalen Umbruchs, unserer noch immer geteilten Welt etwas zu sagen hat. Die politische Dimension der Werke und die Frage nach der sozialen Rolle von Kunst werden breiten Raum einnehmen. Zudem wurden zwei Werke in Auftrag gegeben: ein Film von Peter Nestler, der Picassos Wirken in Südfrankreich nach dem Zweiten Weltkrieg in die postmigrantische Gegenwart der Gemeinde Vallauris einbettet. Und eine Architektur von Eran Schaerf, die die Komplexität der Bezüge aufgreift. So wie Picasso Gegenstände multiperspektivisch gefasst hat, soll die Ausstellung erlauben, sein Werk und seine Wirkung von mehreren Seiten zugleich zu betrachten.

Kuratiert von Julia Friedrich.
Quelle: Museum Ludwig, Köln

Picasso in BRD und DDR: Bilder

  • Pablo Picasso, Kopf einer lesenden Frau [Tête de femme lisant], 1953, Öl auf Sperrholz, 45,8 x 38 cm (Museum Ludwig, Köln)
  • Pablo Picasso, Massaker in Korea, 1951 (Musée Picasso Paris)
  • Plakat für H.G. Clouzots Film Le Mystère Picasso, 1956 (HAStK, Best. 1475, Pl)
  • Pablo Picasso, Die Tauben, Cannes, 7 September 1957, Öl auf Leinwand, 100 x 80.5 cm (Museu Picasso, Barcelona, Geschenk von Pablo Picasso, 1968, MPB 70.453)

Beiträge zu Pablo Picasso

21. Mai 2021
Pablo Picasso, Die Frauen von Algier (Version L), Detail, 1955, Öl auf Leinwand (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jens Ziehe, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

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Das Museum Berggruen ist das einzige öffentliche Museum in Europa, in dem ein Gemälde der Serie „Les Femmes d’Alger [Die Frauen von Algier]“ (Winter 1954/55) zu sehen ist. Rund um das Bild „Die Frauen von Algier (Verision L)“ (1955) werden Gemälde und Arbeiten auf Papier Picassos Umgang mit Delacroix' Komposition und die Nachfolge aufzeigen.
10. Mai 2021
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3. Mai 2021
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30. Dezember 2020
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