Was ist Kunstgeschichte?

Kunstgeschichte gibt einen Überblick über Epochen und Kunststile, beschreibt formale, ikonografische wie kompositionelle Veränderungen in Malerei, Bildhauerei und Architektur. Sie beobachtet Entwicklungslinien, beschreibt das Verhältnis von Mensch und Umwelt anhand von künstlerischen (oder kreativen) Gestaltungen. Der Kanon der westlichen Kunstgeschichte wurde bereits in der Renaissance angelegt und im 18. Jahrhundert weiter verfeinert. Mit der Erfindung des wissenschaftlichen Faches Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte die Kunstkennerschaft von ausübenden Künstlern zu Gelehrten und Kritikern.

Antike

Antike Kunst entstand in Ägypten, China, Mesopotamien, Griechenland und Rom zwischen ca. 4.500 v.u.Z. und 300 n.u.Z., d.h. sie ist eng mit der Erfindung der Schrift, dem Mehrgottglauben, dem Totenkult verbunden. Vergleiche zwischen den Kulturen des Alten Ägypten und China haben ergeben, dass dies beiden frühen Hochkulturen einander durchaus ähnlich waren, oder zumindest für ähnliche Fragestellungen Lösungen suchten.

Die Kunst des Alten Ägypten beeinflusste die griechische und römische Antike zutiefst, griffen Künstler aus diesen beiden Kulturräumen doch auf künstlerische Errungenschaften zurück, die im Land am Nil entwickelt worden waren. Zu den bekanntesten Artefakten antiker Kunst zählen die ägyptischen Pyramiden, die Mumienmasken aus spätägyptischer-römischer Zeit, die Jade-Gewänder und Tonfiguren als Grabbeigaben im Alten China, die Kuroi (männliche Akte) und Tempelbauten der griechischen Klassik, die Monumentalskulptur der Römer.
Antike Kunst

 

Ägyptische Kunst (2700-323 v.u.Z.)

  • Pyramiden als Grabmäler der Pharaonen in der 3. Dynastie, Mumien
  • Tempelbauten (1570–715): Amuntempel in Karnak, Luxor, Medinet Habu, Felsentempel von Abu Simbel
  • Altägyptische Malerei: schematisierte Darstellung und Verbindung einer Profil- oder Frontalansicht
  • Wandgemälde bewahrten das „Leben auf zur Verfügung des Toten“
  • Amarna-Kult unter Echnatons Vater
  • Ptolemäische Zeit: realistischer Stil für Totenporträts
  • Atägyptische Skulptur: Stilisierung und Idealisierung, wenige Altersporträts, „Würfelhocker“ (12. Dynastie)

 

Griechische Kunst (1100-300 v.u.Z.)

  • Geometrischer Stil um 900-700 v.u.Z.
  • Archaik: 700-479 v.u.Z.
  • Klassik: 479-323 v.u.Z.
  • Hellenismus. 323 v.u.Z.

 

  • Skulptur: männlicher Akt zentrales Thema, Polychrom (vielfarbig), Bronzeguss und kostbare Materialien
  • Monumentalplastik ab dem 8. Jh. v.u.Z.
  • Malerei: v.a. als Vasenmalerei erhalten
  • Architektur: Tempelanlagen, Entwicklung der Säulenordnungen

 

Römische Kunst

Mittelalter

Romanik (Frühmittelalter)

Die Kunst der Romanik gilt als die erste, ganz Europa umfassende Epoche mittelalterlicher Kunst. Sie ist zwischen 1000 und 1250 zu datieren und löste die karolingische bzw. ottonische Kunst ab. Charakteristisch für romanische Architektur, meist Kirchen oder Klosterkirchen, ist der Rundbogen und die Ausrichtung der Kunstproduktion auf christliche Inhalte. Dies führte dazu, auch von Ars Sacra zu sprechen.

Romanische Kunst ist eng mit Klöstern verbunden, denn die Orden genossen um 11. und 12. Jahrhundert besonders den Schutz der Landesfürsten. Die skulturale Ausstattung von Portalen und Tympana sowie die Entwicklung des Altarretabels zeigen ab 1000 Tendenzen zur Monumantalität. Hölzerne Kruzifixe und Madonnen mit Kind, bronzene Taufbecken und Türbeschläge, vor allem aber die Schatzkunst in Elfenbein, Email und vergoldetem Metall faszinieren bis heute.

Die romanische Malerei ist als Wandmalerei und natürlich auch als Buchmalerei bedeutend. Der Übergang zur Gotik ist mit der Entwicklung der Glasmalerei verbunden. Zu den außergewöhnlichsten Werken der Romanik zählt zweifellos der Teppich von Bayeux (1077).

Romanik

 

Gotik (Hoch- und Spätmittelalter)

Gotik ist ein Begriff, der seit der Renaissance abwertend für die Kunst zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert verwendet wurde. Abgeleitet wurde er von der Bezeichnung für die Goten. Erst im frühen 19. Jahrhundert entdeckten Kunstschriftsteller (Goethe) und Künstler der Romantik die Qualitäten gotischer Werke neu. Dies führte zu großangelegten Bauprojekten wie der Fertigstellung des Kölner Domes nach den originalen Plänen aus der Gotik.

Die gotische Kunst des Hoch- und Spätmittelalters wurde mit der Entwicklung der französischen Kathedrale eingeläutet. Mit ihren hohen Proportionen und Strukturen wie Licht (farbige Glasfenster!) betonenden Bauweise wurde sie zur Leitgattung dieser Epoche. Die zugehörige Bauplastik, vor allem der figürliche Schmuck an den Portalen, schöpfte einerseits aus dem Erbe der Antike und andererseits aus einem neuen Naturalismus (z.B. Naumburger Stifterfiguren, Bamberger Reiter). In der Malerei begründete Giotto zu Beginn des 14. Jahrhunderts die abendländische Malerei.

Um 1400 breitete sich der Internationale Stil (auch: Weicher Stil, Internationale Gotik) über ganz Europa aus. In der Folge entwickelte sich die Kunst der Spätgotik und Frührenaissance gleichzeitig, wenn auch in unterschiedlichen Zentren. Zu den wichtigen neuen Kunstgattungen zählt das Porträt, da bürgerliches Mäzenatentum in bislang unerhörtem Ausmaß auftrat. Zur selben Zeit setzte das Retabel, in dem sich Skulptur, architektonisches Rahmenwerk und zunehmend Malerei verbanden, zu seinem Siegeszug an. Plastik und Malerei hatten sich von der Architektur gelöst, ja, die Malerei rückte immer deutlicher ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Als Tafelmalerei bzw. Tafelbild erlangte sie Beweglichkeit, Öffentlichkeit und Bedeutung, wobei zunehmend auch die Fähigkeiten der ausführenden Handwerker geschätzt und ihre Namen bekannt wurden.

Gotik

 

Internationaler Stil

→ Siehe Gotik

Frühe Neuzeit

Renaissance

Die Wiederentdeckung der Antike ist nur ein wichtiger Aspekt für die Kunst der Renaissance, weiters spielt auch die veränderte Auseinandersetzung mit der Natur und dem Menschenbild eine gewichtige Rolle. Nicht zuletzt bestimmten italienische Künstler ab 1500 ihre Position als intellektuelle Tätigkeit. Die „Erfindung“ der Renaissance in Florenz vollzog sich im frühen 15. Jahrhundert in Bildhauerei (Donatello) und Architektur (Alberti, Brunelleschi). Über Rom breitete sich der neue Stil nach Mittel- und Norditalien (Venedig) aus. Drei der berühmtesten Maler der Epoche - Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarroti, Raffael- lebten 1505 in Florenz und Rom, wo sie im künstlerischen Wettstreit in öffentlichen Aufträgen gegeneinander antrat. Venedig war das dritte Zentrum der Renaissance-Kunst in Italien, gefolgt von den Höfen von König Alfons von Aragon in Neapel, Federico da Montefeltro in Urbino, Ludovico „Il Moro“ in Mailand, der Este in Ferrara sowie der Gonzaga in Mantua.

Die Renaissance in Flandern entwickelte sich völlig eigenständig in der Nachfolge von Melchior Broederlam: Jan van Eyck, Robert Campin (vielleicht identisch mit dem „Meister von Flémalle“), Rogier van der Weyden sowie Hans Memling erforschten die Perspektive aus eigener Anschauung (nicht theoretisch) und widmeten jedem noch so feinen Detail ihre Aufmerksamkeit. Als Begründer der Ölmalerei auf Leinwand gehören die altniederländischen Maler zu den Realisten des 15. Jahrhunderts. Diese Tradition führte im frühen 16. Jahrhundert zur „Erfindung“ der Landschaftsmalerei durch Joachim Patinier.

Das neue Medium der Druckgrafik wurde zu einem wichtigen Verbreitungsmotor neuer Errungenschaften in der Kunst und zusätzliche Einnahmequelle. Der Nürnberger  rel="nofollow" war schon mit 13 Jahren vom Verismus begeistert. Nachdem er zwei Mal Venedig bereist hatte, führte er, unterstützt von Humanisten, die Malerei in Süddeutschland auf eine wirklichkeitsbezogene Darstellungsform. Seine „Meisterstiche“ sind die ersten bildhaften Darstellungen in diesem Medium.

Renaissance

 

Manierismus

→ Siehe Renaissance

 

Barock

Der Stil des Barock wurde kurz vor 1700 in Rom aus der Taufe gehoben und international verbreitet: In Architektur und Skulptur setzte Gian Lorenzo Bernini neue Maßstäbe, so wie es Caravaggio in der Malerei tat. Das dramatische Hell-Dunkel und die Verletzung des decorum (Schicklichkeit) des ungestümen Malerstars wurde richtungsweisend und namensgebend für realistische Schilderungen von Martyrien und Genreszenen der so genannten Caravaggisten. Das Goldene Zeitalter (17. Jahrhundert) der holländischen Malerei ist nicht nur von Rembrandt geprägt, sondern brachte aufgrund des enorm angewachsenen Wohlstandes des Bürgertums mit Genre, Landschaft und Stillleben drei neue Kunstgattungen hervor. In Spanien und den Kolonien prägten hingegen sakrale und höfische Aufträge die Kunstproduktion, da die Kunst des Barock mit ihrer Emotionalität als Mittel der Gegenreformation eingesetzt wurde. Mit rel="nofollow" gelang einem Flamen eine europäische Karriere, da er in seiner Malerei größte Prachtentfaltung, Dynamik und emotionale Ergriffenheit geschickt verbinden konnte.

Im Vergleich zu Italien, Spanien und Süddeutschland setzte sich der bewegte Stil des Barock in Frankreich und England nicht durch: In beiden Ländern dominierte eine klassische Auffassung, die auch als Barockklassizismus (Frankreich) und Palladianismus (Architektur in England) bezeichnet wird.

Barock

 

Rokoko

Antoine Watteaus Bilder von der utopischen Liebesinsel Kythera sind charakteristisch für die französische Malerei des Rokoko. Atmosphäreische Landschaften, zarte Figuren, poetisch-elegische Stimmungen und subtiles Kolorit prägen die Genremalerei, während im Porträt hochrepräsentative und intime Bildnisse gleichermaßen geschätzt wurden. Der Stil des Rokoko breitete sich von Frankreich über Mitteleuropa aus und wurde vor allem für Möbel und Innenausstattungen geschätzt.

→ Rokoko

 

Klassizismus

Mit der Klassischen Kunst im "Rucksack" strebten Künstler um 1800 nach "stiller Einfalt und edler Größe" (J.J. Winkelmann), inspiriert von den jüngsten Funden in Pompeij. Der italienische Bildhauer Antonio Canova und der französische Maler Jacques-Louis David prägten eine ganze Generation, indem sie in ihren Werken heroische Männlichkeitsideale sowie tugendhaft zurückhaltende Frauen beschworen. In Skulptur, Malerei und vor allem Architektur lösten bildparallele Kompositionen, geradlinige Formen und die Orientierung an den klassischen Kanon (Maßverhältnisse) die bewegten, barocken Schwünge ab.

Klassizismus

Moderne

Romantik

Romantik ist kein Stil, sondern eine Geisteshaltung, die das Geheimnisvolle, Obskure und Sublime dem Glatten und Schönen vorzieht. Um 1810 organisierte sich in Wien der Lukasbund, der Dürer und Raffael miteinander vereinen wollte. Gleizeitig, als Caspar David Friedrich seine ersten Erfolge als Landschaftsmaler errang, schuf der alternde Francisco de Goya seine schwärzesten Bilder. Von mittelalterlichen Märchen zu Dr. Faustus, von atemberaubenden Berglandschaften zu nebelverhangenen Gegenden - immer ist es das Innerste, die Gefühlsebene, die romantische Künstlerinnen und Künstler zu neuen Schöpfungen antrieben.

Romantik

 

Realismus

Realismus (von lat. res für Ding) ist ein hochkomplexer Begriff, mit dem eine bestimmte Haltung und Weltanschauung, wie auch Methode der Kunstproduktion beschrieben wird. Im Jahr 1855 verwendete ihn Gustave Courbet, um seine von der Jury der Weltausstellung abgewiesenen, anti-akademischen, anti-idealistischen Gemälde im „Le Réalisme“ auszustellen. Er sah in seinen großformatigen Werken, in denen er die regionale Landschaft und die Bevölkerung realistisch, d.h. getreu im monumentalen Format schilderte, einen neuen, von vielen als brutal und „hässlich“ empfundenen Stil. Dahinter stand eine politische, sozialistische Aussage, der Realismus ist daher auch eine Art „Kampfbegriff“ in der französischen Kunsttheorie. Zwischen etwa 1830 und 1880 widmeten sich einige Künstler einzig der sichtbaren Welt, berührbaren Dingen und lehnten akademische Historienmalerei (Salonmalerei) entschieden ab. Mit den „Steineklopfern“ und dem „Begräbnis von Ornans“ (1850) setzte Arbeitern und der zeitgenössischen Gesellschaft monumentale Denkmäler.

Realismus

 

Historismus / Salonmalerei

Der Historismus wird meist mit Architektur in Verbindung gebracht, die in der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jahrhundert im Stilzitat wichtige Anregungen fand. Industrialisierung und verbesserte Infrastruktur führten zu Verstädterung, dem Abbruch von Befestigungsringen und grundlegenden Eingriffen in die Stadtplanung. Paris und Wien sind hierfür die besten Beispiele.

Nach dem Schleifen der Stadtmauer in Wien wurde das Glacis mit der Ringstraße verbaut. Das Areal wurde in Parzellen eingeteilt, wo bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs sowohl öffentliche wie private Gebäude, Parks und Denkmäler errichtet wurden. Staatsoper (vormals Hofoper), Votivkirche, Rathaus, Parlament, Universität, Burgtheater (vormals Hofburgtheater) zeigen Stilelemente der griechischen Klassik, Gotik, italienischen Renaissance, Barock, die in inhaltlichem Zusammenhang mit den Funktionen der Bauten stehen. Der Boulevard diente dem wirtschaftlichen erstarkten Großbürgertum als Flaniermeile, Reitallee sowie dem Militär.

Skulptur und Malerei des Historismus sind akademisch und anti-modern. Mit großer technischer Finesse und nach historischen Recherchen führten Maler wie Hans Makart, Franz Xaver Winterhalter, Léon Gêrome, Lawrence Alma-Tadema u.v.m. meist großformatige Gemälde mit historischen Szenen aus. Da ihre Werke vornehmlich am Pariser Salon der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, wird auch der Begriff Salonmalerei verwendet.

Historismus | → Salonmalerei

 

Impressionismus

Impressionismus (von franz. impression, dt. Eindruck) beschreibt eine Stilrichtung der Malerei, die durch eine helle Palette, lockeren, skizzenhaften Farbauftrag mit sichtbaren Pinselstrichen, Malen vor dem Motiv und meist Pleinairmalerei gekennzeichnet ist. Selten erzählen impressionistische Maler in ihren Werken Geschichten, stattdessen fokussieren vor allem die Maler auf die sinnliche Wahrnehmung. Impression meint ein rasches, intuitives und (scheinbar) improvisiertes Festhalten eines flüchtigen Augenblicks. Die Beobachtung von Lichteffekten und der sich verändernden Farbstimmungen über das ganze Jahr nahm einen höheren Stellenwert ein als die Bedeutung des Dargestellten, weshalb die Impressionistinnen und Impressionisten es vorzogen, im Freien (franz. en-plain-air) und in Serien zu arbeiten.Diese Definition lässt sich besonders gut auf die Landschaftsmalerei des Impressionismus anwenden, während die Figurenmaler unter der Führung von Edgar Degas sich stärker in der Tradition der Akademie sahen und die Bezeichnung Impressionismus für ihre Werke ablehnten. Der führende Maler des Impressionismus ist Claude Monet, der während der 1860er Jahre gemeinsam mit Kollegen den Realismus weitertrieb, um dem neuen Lebensgefühl von Modernität und Schnelligkeit Rechnung tragen zu können.

Impressionismus in der Bildhauerei wird von Auguste Rodin geprägt, in der Fotografie ist er besser unter dem Begriff Piktorialismus bekannt. Die Piktorialisten nutzten erstmals und experimentell Farbfotografie und schätzten unscharfe Aufnahmen. Zu den wichtigsten Fotografen des Impressionismus um 1900 zählt der in Wien ansässige Heinrich Kühn (1866–1944).

Impressionismus

 

Postimpressionismus, Pointillismus, Divisionismus

Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus

 

Symbolismus

Am 18. September 1886 veröffentlichte der Dichter Jean Moréas das Symbolistische Manifest im „Figaro“. Darin verswuchte er die junge Generation von Schriftstellern vom Vorwurf der „Dekadenz“ zu befreien. Das Feld des Symbolismus war von Literaten und Künstlern aufbereitet worden.

Der Symbolismus ist international und schwer zu definieren. Leichter fällt eine Aufzählung, was er nicht ist: Der Symbolismus ist anti-realistisch, anti-naturalistisch, anti-impressionistisch, anti-akademisch, anti-klassisch, aber auch anti-romantisch. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich von etwa 1848 bis zum Ersten Weltkrieg, wobei berühmte Vorläufer wie William Blake, Caspar David Friedrich, Johann Heinrich Füssli im frühen 19. Jahrhundert zur Romantik (zu Schwarzen Romantik) gehörten. Insofern beerbten die Symbolisten die Romantiker und die Naturphilosophen, um eine Gegenposition zum Positivismus zu bilden.

Die Symbolisten suchten nach Ideen und Begriffen, die außerhalb der sichtbaren Welt liegen. Sie fanden sie im Inneren des (auch psychisch erkrankten) Individuums oder in Grenzzuständen des Bewusstseins (Jean Starobinski), was sie in entsprechender Form (Symbolen) sichtbar zu machen versuchten. Maler wie Ferdinand Hodler oder Edvard Munch zeigten den leidenden, kranken Körper. Henri Edmond Cross notierte einen Satz von Pierre Puvis de Chavannes in sein Skizzenbuch: „Jede klare Idee lässt sich in einen formalen Gedanken übersetzen.“

Symbolismus

 

Jugendstil

Der Jugendstil (auch: Art Nouveau, Modern Style, Nieuwe Kunst, Arte Liberty) hatte seine wichtigste Phase zwischen 1890 und 1910 und breitete sich nach der Weltausstellung in Paris 1900 rasant aus. Die wichtigsten Stilmittel des Jugendstils sind Raumlosigkeit und Flächigkeit, abstrahierte Formen und außergewöhnliche Bildausschnitte, Einsatz von Mustern und die schwingende, arabeskenhafte Linie.

Die Künstlerinnen und Künstler des Jugendstils wurden meist in den 1860er Jahren geboren und wollten der Rationalisierung der Welt eine traumversunkene Gegenwelt entgegenhalten. Obschon sie eine funktionelle Arbeitsumgebung anstrebten, suchten sie doch eine betonte Intimatmosphäre im Privaten. Inspiriert durch die englische Arts and Crafts Bewegung verwirklichten Jugendstil-Künstler eine Symbiose von Seelenleben, Technik, Handwerkskunst (traditionellen Techniken) und Natur. Mittelalterliche und japanische Vorbilder ermutigten sie, Formen zu „deformieren“, d.h. einem Stilwollen zu unterwerfen. Pflanzenornamente und abstrakte Linienformationen sind nicht nur als Dekoration gedacht, sondern versinnbildlichen das Konzept des Jugendstils.

Die Stilpluralität des Jugendstils reich von der Schule von Pont-Aven (Bretagne), die als Gruppe 1889 erstmals gemeinsam ausstellte, zu Henri de Toulouse-Lautrecs Plakaten, vom Wiener Jugendstil rund um Gustav Klimt, Josef Hoffmann, der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte zum Belgier Henry van de Velde bzw. dem Münchner Franz von Stuck. Diese Künstler und wenigen Künstlerinnen opponierten gegen die Überzeugungen der älteren Generation, ohne sich gänzlich von der Tradition abzuwenden. Secessionsgründungen und Gruppenzusammenschlüsse ab den frühen 1890er Jahren sind sichtbarer Ausdruck des neuen Lebensgefühls. Dem Ästhetizismus opferten sie jedoch den Realismus und die Gesellschaftskritik.

Jugendstil

Klassische Moderne

Die Klassische Moderne fasst unterschiedliche Stile und Personalstile von ca. 1900/05 bis 1930/40 zusammen. Verbindenes Element ist der Fortschrittsglaube und die Utopie einer gesellschaftsverändernen Kraft der Kunst. Paris hatte sich bereits im 19. Jahrhundert als Zenrum der zeitgenössischen Kunst etabliert und blieb auch noch bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bestimmend. Weitere bedeutende Metropolen waren Wien (Jugendstil, WienerWerkstätte, Expressionismus), München und Berlin ab den 1910er Jahren genauso wie Mailand, wo die Futuristen die Abkehr von der Tradition vehement einforderten.

Wenn auch Künstlerinnen und Künstler sich auf höchst unterschiedliche Weise ausdrückten, so verband sie der Wunsch, über die Grenzen tarditioneller Kunstproduktion hinwegzusetzen. Dies geschah durch Ablehnung der Zentralperspektive, Inspiration durch „primitive Kunst“ (Primitivismus), gesteigerte Farbigkeit (Fauvismus), Reduktion auf kubische Qualitäten (Analytischer Kubismus), Bewegungsphasen kompiliert (Futurismus), Abstraktion (Kandinsky, Mondrian, Brancusi), emotionale Einfühlung und „Visionen“ (Wiener und deutscher Expressionismus), Collage (Synthetischer Kubismus), Traumwelten und Ängste (Surrealismus), Rückkehr zu Ordnung (Neue Sachlichkeit).

Für die Entwicklung von Impressionismus und Kubismus waren Kunstwerke aus Japan und Subsahara-Afrika von größter Bedeutung. Wenn auch die Traditionen in beiden Regionen weit über das 19. Jahrhundert hinausgehen, so sammelten und studierten europäische Künstlerinnen und Künstler vor allem die durch die Entdecker und Händler mitgebrachten Werke. Vor allem japanische Druckgrafiken und Katagami (Färberschablonen) sowie afrikanische Holzskulpturen des späten 19. Jahrhunderts führten vor, welche Möglichkeiten kreatives Schaffen fernab akademischer Regeln noch gelten können.
Gleichzeitig setzte die Erforschung der Kunstgeschichte von Subsahara-Afrika ein. Heute ist bekannt, dass die scheinbar rohen Werke der Kunst aus Zentral- und Südafrika, die landläufig bekannt sind, eine Entwicklungsstufe darstellt, die von höchst realistischen Werken des euroäischen Hochmittelalters zu einer immer reduzierteren, stilistierend Ausdrucksweise führte (→ Afrikanische Kunst).
Da die japanische Kunst strengen Regeln unterworfen war, gelten die in Europa so geschätzten Druckgrafiken streng genommen in ihrem Entstehungsland nicht als Kunstwerke, sondern als Massenprodukt, das in Arbeitsteilung entstand. Die bunten Bilder aus Fernost begeisterten über ihre exoitische Wirkung hinaus und brachten europäischen Künstlerinnen und Künstlern neue Kompositionsstrategien und Raumdarstellungen näher (→ Japanische Kunst).

 

Fauvismus

→ Fauvismus

 

Kubismus

 

Futurismus

 

Abstraktion

Abstrakte Kunst

 

Expressionismus

Expressionismus

 

Dadaismus

Dadaismus

 

Surrealismus

Surrealismus

 

Konstruktivismus

Konstruktivismus

 

Neue Sachlichkeit

Neue Sachlichkeit

Kunst nach 1945

Die Kunst nach 1945 ist vor allem in Westeuropa geprägt, von einer Abkehr von der totalitären Kunstdoktrin und einem Wiedergewinnen der Vorkriegsavantgarde. Gleichzeitig machte sich bereits kurz nach dem Krieg die ideologische Auseinandersetzung zwischen den Großmächten USA und UDSSR bemerkbar, was sich in der Diskussion Abstraktion versus Figuration (Sozialistischer Realismus) äußerte.

 

Abstrakter Epxressionismus, Informel

Abstrakter Expressionismus bzw. Informel galten als Garant für Subjektivität und Demokratie. Gleichzeitig wurde das surrealistische Erbe - in Österreich in Form des Phantastischen Realismus - weitergetragen. Pop Art und Fotorealismus lösten diese beiden Haltungen ab den frühen 1960er Jahren mit ihrer Hinwendung zum Sichtbaren ab. Konsumkultur und Kommerz beherrschte die Bildwelt und setzte der Ästhetik der Abstraktion eine wirklichkeitsverbundene Auseinandersetzung mit der Umwelt entgegen.

Abstrakter Expressionismus | Informel

 

Phantastischer Realismus (Österreich)

 

Pop Art

Pop Art

 

Fotorealismus

Fotorealismus

 

Revolutionen in der Bildhauerei: Happening, Performance, Land Art, Installation

Die Bildhauerei erfuhr nach dem Zweiten Weltkrieg vermutlich die wichtigste Erweiterung überhaupt, war seit der Antike doch der Mensch und sein Körper das nahezu alleinige Sujet von Bildhauern und Plastikern. Der Etablierung der abstrakten Skulptur folgten Land Art, Performance, Hapening und Body Art, erweitert zur orts- und zeitgebundenen Installation, in denen mit Hilfe der Neuen Medien auch die Gattungsgrenzen zur performativen Kunst überschritten wurden.

Skulptur seit 1946

 

Feministische Avantgarde

Die Feministische Avantgarde der 1960er Jahre thematisierte die Rolle der Frau in der Gesellschaft - und der Kunst. Jahrhundertelang war es Frauen nur schwer oder meist kaum möglich, den Beruf der Künstlerin zu erlernen und/oder auszuüben. Diese gläserne Decke wollte die Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebildeten Frauen nicht mehr hinnehmen und brachten ihre eigenen Körper, ihr Geschlecht, ihre Rolle in der Gesellschaft als Themen in die Kunst ein. In Form von Performances, Fotoserien und Video stellten sich Künstlerinnen häufig selbst als "Material" ihrer Kunst dem Publikum vor.

 

Konzeptkunst

Diesen körperbetonten Arbeiten stand in den 1970ern die geistbezogene Konzeptkunst gegenüber. Die Realisation eines Kunstwerks, so zeigten sich Künstlerinnen und Künstler überzeugt, wäre nur die materielle Ebene im Schöpfungsprozess. Stattdessen erklärten die Anhänger der Konzeptkunst, dass die Idee bereits den kreativen Akt darstellt. Das Konzept in Form von Zeichnungen, Berechnungen, Modellen konnte nun zum Kunstwerk erklärt werden. Die Malerei wurde in diesem Zusammenhang als "tot" erklärt.

 

Neue Wilde

In den 1980er Jahren feierte die totgeglaubte Malerei ihre Rückkehr - und zwar nicht nur am Kunstmarkt, wie häufig spekuliert wurde. Das gemalte Bild in Form eines expressiven Malvorgangs (Neue Wilde) oder kontrollierter Ungegenständlichkeit (Neo-Geo) kehrte in die Ausstellungshallen zurück.

Neue Wilde | Junge Wilde

 

Neo-Geo

Kunst der Gegenwart

Die Kunst der Gegenwart definieren zu wollen, ist ein unmögliches Unterfangen. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989, den radikalen politischen Umwälzungen der 1990er Jahre und der Öffnung der westlich dominierten Kunstwelt dem aktuellen Kunstschaffen in Afrika und Asien (vor allem China und Indien) im Zuge der Aufarbeitung des Kolonialismus geben unzählige Biennalen weltweit Einblicke. Inzwischen auch global agierende Kunsthandlungen und Galerien bedienen verschiedene Märkte, so wie Museen im weltweiten Austausch Ausstellungen verschicken.

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich das Wort "Position" für die Marke einer Künstlerin oder eines Künstlers eingebürgert. Im internationalen Austausch stehend (Residencys wurden extrem wichtig in der Künstler*innen-Ausbildung), geht es im aktuellen Kunstdiskurs weniger um Ästhetik oder Stil, als um Fragestellung, Methodik, Wahl des Mediums, Ausstellungsdisplay.

Zeitgenössische Kunst