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Leonardos „Dame mit dem Hermelin“ bleibt in Polen

Leonardo da Vinci, Dame mit dem Hermelin, 1489/1490, Öl und Tempera auf Holz, 54,7 x 40,3 cm (Czartoryski-Museum, Krakau)

Leonardo da Vinci, Dame mit dem Hermelin, 1489/1490, Öl und Tempera auf Holz, 54,7 x 40,3 cm (Czartoryski-Museum, Krakau)

Polen kauft die Czartoryski Stiftung, deren Star zweifellos Leonardos „Dame mit dem Hermelin“ ist, für erschwingliche € 100 Millionen ($ 105 Millionen) von dem in Madrid lebenden Adam Fürst Jerzy Czartoryski. Der Kauf sichert den weiteren Verbleib des ikonischen Frauenporträts der italienischen Renaissance in Polen, wie Premierminister und Kulturminister Piotr Glinski beteuerte. Doch auch der „Rest“ ist sehenswert: 250.000 historische Manuskripte und Dokumente, Antiken, Militaria, Erinnerungsstücke. In der prestigeträchtigen Adelssammlung befinden sich Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren, Rembrandts „Landschaft mit dem Samariter“ (1638), Luca Giordano, Zeichnungen von Albrecht Dürer, Pierre-Auguste Renoir. Der marktübliche Schätzwert der Sammlung dürfte sich bei zwei Billiarden Dollar bewegen. Was für Polen ein „Schnäppchen“, ist dem Fürsten eine „Schenkung“.

 

„Die Dame mit dem Hermelin“ (1489/90)

Leonardo da Vinci malte die „Dame mit dem Hermelin“ 1489/90 für den Mailänder Herzog Ludovico Sforza, genannt „Ludovico il Moro“ (1452–1508). Es zeigt die etwa 16 oder 17 Jahre alte Mätresse des lombardischen Herzogs, Cecilia Gallerani (1473–1536), die einen weißen Hermelin, Symbol für Reinheit oder Zurückhaltung. In der Fabel würde das Hermelin lieber sterben, als sich zu beschmutzen. Die Liebesbeziehung zwischen der jungen Dame und dem Herzog begann 1489 und führte zur Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Cesare Sforza im Jänner 1491. Im Mai 1491 ehelichte der Herzog Beatrice d’Este. Die Datierung mit 1489/90 anzunehmen, erscheint insofern treffend, als die Beifügung des Hermelins nach der Geburt ein wenig passendes Attribut wäre. Da Wiesel auf Altgriechisch γαλέη (galée) heißt, darf auch von einer Anspielung auf den Namen Cecilia Galleranis ausgegangen werden.

Leonardo revolutionierte mit der „Dame mit dem Hermelin“ die Gattung des Porträts. Er gab die traditionelle Profildarstellung zugunsten einer Drehbewegung auf und führte die Darstellung von „Gemütsbewegungen“ ein. Leonardos Studium „nach der Natur“ war stilistisch beeinflusst von Bildnissen von Antonello da Messina (1430–1479), der flämischen Malerei seit Jan van Eyck (1390–1441), des französischen Malers und Buchillustrators Jean Fouquet (1420–1481). Die „Dame mit dem Hermelin“ dreht sich effektvoll nach rechts, von wo ihr Gesicht erhellt wird und wo sich etwas außerhalb des Blickfeldes befindet, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieser Kunstgriff ist so überzeugend umgesetzt, dass in der Forschung immer wieder die Hypothese laut wird, dass es sich um eine Hälfte eines Diptychons handeln würde – auch wenn die zeitgenössischen Quellen immer nur von einem Einzelwerk berichten. Ein Gedicht 1493 veröffentlichtes Gedicht des Hofdichters Bernardo Bellincioni (1452–1492) berichtet über die Qualitäten des Malers und den Neid des Auftraggebers. Der gleiche Autor bezeichnete Ludovico il Moro auch als „Italico Morel, weißer Hermelin“, da er 1488 den gleichnamigen Orden vom neapolitanischen König verliehen bekommen hatte. Leonardo verstand es mit dem weißen Hermelin, Ludovico symbolisch und heimlich in das Porträt einzubinden.

Die „Dame mit dem Hermelin“ wurde 1800 von Fürst Adam Jerzy Czartoryski erworben, der es seiner Mutter Izabela Czartoryska schenkte. Es wurde im „Gotischen Häuschen“ in der Czartoryski-Residenz in Puławy ausgestellt. Während des Novemberaufstands 1831 wurde das Bild wie der Rest der Sammlung nach Paris gebracht und 1876 wieder nach Krakau zuück. Um 1880 wurde es im Czartoryski-Museum in Krakau ausgestellt, wo es sich bis heute befindet. Der polnische Staat erwarb das Porträt im Rahmen der 1991 gegründeten Czartoryski Stiftung im Nationalmuseum in Krakau am 29. Dezember 2016.

 

Bild

  • Leonardo da Vinci, Dame mit dem Hermelin, 1489/1490, Öl und Tempera auf Holz, 54,7 x 40,3 cm (Czartoryski-Museum, Krakau)

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Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.