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Mantegna und Bellini Frührenaissance in Venedig und Mantua

Giovanni Bellini, Christus im Garten Gethsemane, um 1465, Tempera/Holz, 81.3 x 127 cm (© The National Gallery, London)

Giovanni Bellini, Christus im Garten Gethsemane, um 1465, Tempera/Holz, 81.3 x 127 cm (© The National Gallery, London)

Die künstlerische wie private Beziehung zwischen den beiden Malern der oberitalienischen Renaissance, Giovanni Bellini (tätig um 1459–1516) und Andrea Mantegna (1430/1–1506). Wichtige Leihgaben, darunter Gemälde, Zeichnungen und vor allem Skulpturen, die beide Künstler im Laufe ihrer Karriere maßgeblich beeinflussten, ermöglichen einen Vergleich zwischen den Œuvres dieser beiden bedeutenden – und miteinander verschwägerten – Maler.

Den Kern der Ausstellung bilden zwei Gegenüberstellungen von Werken Mantegnas und Bellinis: zum einen die beiden Darstellungen des „Gebets Christi im Garten Gethsemane“, die seit dem späten 19. Jahrhundert in der National Gallery London nebeneinander hängen, zum anderen zwei Gemälde der „Darbringung im Tempel“ (Mantegnas Version aus der Gemäldegalerie Berlin, Bellinis aus der Fondazione Querini Stampalia in Venedig).
Beide Arbeiten entstanden nach der Hochzeit Mantegnas mit Bellinis Halbschwester Niccolosa. Zu jenem Zeitpunkt müssen sich die beiden Künstler bereits gut gekannt haben. Die Gemälde weisen kompositorische Ähnlichkeiten auf, lassen aber auch die beiden unterschiedlichen Zugänge erkennen. Im Jahr 1460 zog Mantegna nach Mantua, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1506 als Hofmaler für die Herrscherfamilie der Gonzaga innehatte. Bellini, der zehn Jahre später starb, verbrachte seine gesamte Laufbahn in der Republik Venedig. Das Werk der beiden Maler legt einen künstlerischen Austausch nahe, der trotz der räumlichen Entfernung Zeit ihres langen Lebens nicht abriss.

Die Ausstellung wird organisiert von der National Gallery London und den Staatlichen Museen zu Berlin.

Quelle: Pressetext

 

Mantegna und Bellini: Bilder

  • Giovanni Bellini, Doge Leonardo Loredan, 1501–1502, Öl/Pappel, 61.6 x 45.1 cm (© The National Gallery, London)
  • Giovanni Bellini, Christus im Garten Gethsemane, um 1465, Tempera/Holz, 81.3 x 127 cm (© The National Gallery, London)
  • Giovanni Bellini, Toter Christus, 1475-80, Öl/Pappel, 82.9 x 66.9 cm (Gemäldegalerie, Berlin, © Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz)
  • Giovanni Bellini, Auferstehung Christi, 1475-79, Öl/Pappel, übertragen auf Lw, 148 x 128 cm (Gemäldegalerie, Berlin © Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin)
  • Andrea Mantegna, Kardinal Lodovico Trevisano, 1459–1560, Öl/Pappel, 45.5 x 34.8 cm (Gemäldegalerie, Berlin © Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz)
  • Andrea Mantegna, Christus im Garten Gethsemane, um 1458–1460, Tempera on wood, 62.9 x 80 cm (© The National Gallery, London)
  • Andrea Mantegna, Die Einführung des Kultes der Kybele in Rom, 1505–6, Kleisterfarbe auf Leinen, 76.5 x 273 cm (© The National Gallery, London)
  • Andrea Mantegna, Darbringung im Tempel, 1465–1466, Öl/Lw, auf Holz, 77.1 x 94.4 cm (Gemäldegalerie, Berlin © Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz)

 

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Der aus Deutschland stammende Hans Memling (um 1440–1494) ist ab 1465 nachweislich in Brügge wohnhaft, wo er bald zu den anerkanntesten Malern der Stadt zählte. Memling malte Altarbilder und Porträts für die Bürger, die Gilden und die Klöster der Stadt. Das Johannesspital (Sint-Janshospitaals), wo bis heute sein berühmter Ursula-Schrein aufbewahrt wird, war sein wichtigster Auftraggeber.
5. August 2017
Leonardo, Landschaft von Arno und Flusstal, datiert 5. August 1473, Beschriftung: „di dì s[an]ta maria della neve / addj 5 daghossto 1473“ [Am Tag von Santa Maria della Neve / am 5. August 1473], Feder und zwei Farben brauner Tinte, 19,5 x 28,6 cm (Gabinetto Disegni e Stampe, Gallerie degli Uffizi, Florenz, 8 P recto)

Leonardo, Landschaft von Arno und Flusstal, datiert 5. August 1473 Erste „realistische“ Landschaftszeichnung der mitteleuropäischen Kunst?

Am 5. August 1473 datierte der 21-jährige Leonardo da Vinci (1452–1519) diese berühmte Landschaftszeichnung aus den Uffizien. Sie zeigt das Arno-Tal, jener Flusslauf, an dem Leonardo in Vinci zur Welt gekommen war. Das Dorf Vinci befindet sich im unteren Arno-Tal, nördlich von Empoli. Leonardo wurde am 15. April 1452 auf einem Bauernhof in Anchiano geboren. Bis heute prägen sanfte Hügel, Weinberge und Olivenhaine die Umgebung am Fuße des Monte Albano, und es scheint sich der Maler wenig von der Landschaft seiner Kindheit für seine späteren Gemälde abgeschaut zu haben.
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Jan van Scorel Niederländischer Maler der Hochrenaissance

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.