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Max Beckmann: Biografie

Max Beckmann und Berlin, 2015 (Kerber Verlag).

Max Beckmann und Berlin, 2015 (Kerber Verlag).

Max Beckmann (1884–1950) gehört zu den bedeutenden deutschen Malern der Zwischenkriegszeit. Die Chronologie führt alle wichtigen Ereignisse, Ausstellungen, Werke (Bilder) und Beziehungen an.

Ehefrauen

  • Minna Beckmann-Tube (5.6.1881–30.7.1964): 1. ⚭ September 1906–Juli 1925. Minna Beckmann-Tube studierte auch an der Großherzoglich–Sächsischen Kunstschule Weimar. Auf Bitten ihres Mannes gab sie die Malerei auf und wurde Opernsängerin (Sopran). Auch nach ihrer Scheidung blieben Minna Tube und Beckmann einander lebenslang verbunden.
  • Mathilde von Kaulbach, genannt Quappi (5.2.1904–30.3.1986): 2. ⚭ Juli 1925 Quappi war die jüngste Tochter des Münchner Malers Friedrich August von Kaulbach und der dänischen Konzertviolinistin Frida Schytte. Sie studierte in Wien Gesang, nachdem sie von ihrer Mutter bereits zur Geigerin ausgebildet worden war. Auf Wunsch von Max Beckmann lehnte sie ein Engagement an der Dresdner Staatsoper ab.

Kinder

Max Beckmann hatte einen ehelichen Sohn.

  • Peter Beckmann (31.8.1908–1990): Arzt (Kardiologen, Gerontologe) und Kunstsachverständiger, Sohn von Max Beckmann und Minna Beckmann-Tube.

Weitere Beiträge zu Max Beckmann

  • 1884

    Am 12. Februar 1884 wurde Max Carl Friedrich Beckmann als jüngstes von drei Kindern in Leipzig geboren. Die Eltern waren Antoinette Henriette Bertha und Carl Heinrich Christian Beckmann, ein Getreidegroßhändler und Inhaber einer Mühlenagentur. Seine frühe Kindheit verbrachte Beckmann in Leipzig.
  • 1894

    Nach dem Tod des Vaters zog die Familie Beckmann nach Braunschweig. Beckmanns Mutter und die ältere Schwester Margarethe blieben wichtige Bezugspersonen. Max Beckmann besuchte die Höhere Lehranstalt des Dr. Jahn, danach eine Schule in Königslutter.
  • 1898/99

    Internat in Ahlshausen bei Gandersheim. Im Alter von 14 Jahren entstand Beckmanns erstes druckgrafisches Blatt „Der Stehkragen“ und sein erstes Stelbstbildnis.
  • 1900

    Gegen den Willen der Familie setzte der sechzehnjährige Max Beckmann seinen Wunsch durch, Künstler zu werden. Da er die Aufnahmeprüfung an der Dresdner Akademie nicht bestanden hatte, fand er Aufnahme an der Großherzoglich–Sächsischen Kunstschule Weimar. Zur Ausbildung gehörten Antiken– und Naturstudium. Freundschaft mit Ugi Battenberg und Caesar Kunwald. Schuf vermutlich in diesem Jahr das „Selbstbildnis mit Seifenblasen“.
  • 1901

    Beckmann wechselte von der Antikenklasse in die Naturklasse von Carl Frithjof Smith. Erste Selbstbildnisse entstanden.
  • 1902

    Er begegnete seiner zukünftigen Ehefrau Minna Tube auf einem Faschingsfest an der Kunstschule; sie war dort eine der ersten Schülerinnen zum Studium zugelassen worden.
  • 1903

    Beckmann und Minna Tube verließen die Weimarer Kunstschule ohne Abschluss. Ab September erster Aufenthalt in Paris, wo Beckmann sein Studium an der Académie Colarossi fortsetzte.
  • 1904

    Bis April in in Paris, Minna Tube hielt sich in Amsterdam auf. In Paris zeigte sich Beckmann beeindruckt von den Werken Paul Cézannes.
  • 1905

    Max Beckmann reiste nach Burgund und Genf, kehrte im April nach Berlin zurück, wo er nach einem Sommeraufenthalt am Meer ein Atelier in Berlin-Schöneberg bezog. Der Künstler signierte die meisten seiner Bilder mit dem Kürzel „MBSL“ oder „HBSL, das für „Max Beckmann seiner Liebsten“ beziehungsweise „Herr Beckmann seiner Liebsten“ steht. Erste Stillleben entstanden, darunter „Hyazinthen“. Malte sein erstes großformatiges Gemälde „Junge Männer am Meer“.
  • 1906: erste Teilnahme an Ausstellungen

    Beteiligungen an Ausstellungen der Berliner Secession. Minna drängte Max Beckmann an der 3. Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Weimar teilzunehmen. Max Beckmann erhielt für „Junge Männer am Meer“ den Ehrenpreis des Deutschen Künstlerbundes und ein Stipendium für die Villa Romana in Florenz. Im August starb Beckmanns Mutter nach schwerer Krankheit, was den Künstler erschütterte. Max Beckmann heiratete Minna Tube im September, die ihm zuliebe die Malerei aufgab. Hochzeitsreise nach Paris. Im November Abreise nach Florenz, wo sie sechs Monate bis zum Frühjahr 1907 lebten. Auf Bitten ihres Verlobten hatte Minna die Malerei aufgegeben und nahm nun Gesangsstunden.
  • 1907

    Max Beckmann schuf das „Selbstbildnis Florenz“ (Hamburger Kunsthalle, 98 x 90 cm, Öl auf Leinwand, Dauerleihgabe aus einer Privatsammlung;). Im Frühjahr Rückkehr nach Berlin in ein von Minna Tube im Stil des Neuen Bauens entworfenes Wohn- und Atelierhaus in Berlin-Hermsdorf.
  • 1908

    Max Beckmann wurde Ordentliches Mitglied der Berliner Secession. Geburt des Sohnes Peter (31.8.), für dessen Erziehung größtenteils die Schwiegermutter Ida Tube, geb. Römpler, sorgte.
  • 1909

    Erneute Reise nach Paris. Erste Beteiligung Beckmanns an einer Ausstellung im Pariser Salon d’Automne. Beckmann widmete sich fortan verstärkt dem grafischen Arbeiten und malte sein erstes Doppelbildnis mit Ehefrau.
  • 1911

    Max Beckmann nahm Kontakt mit dem Berliner Galeristen Israel Ber Neumann auf, der ab 1912 seine Druckgrafik verlegte und insgesamt ein Drittel davon herausbrachte. Verließ den Vorstand der Berliner Secession.
  • 1912

    Beginn der Zusammenarbeit mit dem Münchner Verleger Reinhard Piper. In der Zeitschrift „PAN“ trugen Max Beckmann und Franz Marc eine Kontroverse darüber aus, wie eine zeitgemäße Malerei auszusehen hätte in Bezug auf Inhalte und Absichten. Erste Einzelausstellungen im Magdeburger Kunstverein und im Großherzoglichen Museum Weimar. Begegnung mit dem Hamburger Kaufmann Henry B. Simms, der in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg die umfangreichste Sammlung an Werken Beckmanns aufbaute. Minna Beckmann–Tube begann eine erfolgreiche Karriere als Opernsängerin.
  • 1913

    Austritt aus der Berliner Secession. Erste große Einzelausstellung Beckmanns mit 47 Gemälden im Kunstsalon Paul Cassirer in Berlin. Im Verlag Cassirers erschien im selben Jahr die erste, von Hans Kaiser verfasste Beckmann–Monografie.
  • 1914

    Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Freien Secession in Berlin unter der Leitung von Max Liebermann. Beckmann arbeitete zwei Monate lang als freiwilliger Krankenpfleger in Ostpreußen, vermittelt über seine Mäzenin Gräfin von Hagen. Zurück in Berlin, meldet er sich als freiwilliger Sanitätssoldat zum Kriegsdienst. Beckmann wurde nach Flandern (Belgien) versetzt. Der Künstler verarbeitete die Erlebnisse in Selbstbildnissen als Krankenpfleger. Minna Beckmann–Tube hat als Sopranistin Engagements an den Opernhäusern in Elberfeld, Dessau und Chemnitz. Sie veröffentlichte eine Auswahl der Kriegsbriefe von Beckmann in der Zeitschrift „Kunst und Künstler“.
  • 1915 Sanitätssoldat & Zusammenbruch

    Max Beckmann wurde in Belgien in verschiedenen Lazaretten als Sanitätssoldat eingesetzt; eine Vielzahl an Zeichnungen entstand. Wohl im August erlitt er einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch. Bis 1917 war Beckmann in Straßburg stationiert: Ab September arbeitete er als Zeichner im Kaiserlichen Institut für Hygiene. Im Laufe des Septembers kam Beckmann zur Erholung nach Frankfurt am Main, lebte und arbeitete bei Ugi Battenberg und dessen Frau Fridel. In Berlin hielt er sich nur noch gelegentlich auf.
  • 1916: Frankfurt

    Während seines ersten Frankfurt-Aufenthalts knüpfte Max Beckmann wichtige Kontakte, u.a. zu Heinrich Simon (Verleger der Frankfurter Zeitung), zum Schriftsteller Benno Reifenberg, der Kunstsammlerin Lilly von Schnitzler und dem Kunsthistoriker Georg Swarzenski (Direktor des Städelschen Kunstinstituts). In dieser Zeit widmete er sich intensiv christlichen Motiven, darunter „Adam und Eva“. Regelmäßige Besuche bei Minna und Peter. Minna Beckmann-Tube begann ihrer Laufbahn als Opernsängerin. Sie erhielt Engagements in Elberfeld (Wuppertal), Dessau udn Chemnitz.
  • 1917

    Offizielle Entlassung aus dem Militärdienst. Regelmäßige Reisen nach Berlin, um Minna und Peter zu besuchen sowie Projekte mit den Verlegern Neumann und Cassirer abzustimmen. Große Einzelausstellung bei I. B. Neumann in Berlin.
  • 1918

    Max Beckmann schuf sechs Radierungen zur Novellensammlung „Die Fürstin“ vón Kasimir Edschmid. Im Sommer erhielt Minna Beckmann–Tube ein mehrjähriges Engagement in Graz, wo Beckmann sie und den Sohn Peter mehrere Male besuchte (bis 1925).
  • 1918–1923: Beckmanns berühmte Mappenwerke

    Die Mappenwerke „Gesichter“ (1918/19 bei Reinhard Piper in München), „Die Hölle“ (1919 bei J. B. Neumann in Berlin), „Jahrmarkt“ (1921) und „Berliner Reise“ (1922) entstanden.
  • 1919: Anerkennung

    Erste Museumsankäufe nach dem Krieg. Sozialer Aufstieg. Beckmann lehnte die Berufung an die Weimarer Kunstschule als Leiter der Aktklasse ab.
  • 1921: Dramenautor

    Beckmann verfasste die Dramen „Ebbi“ und „Das Hotel“. Reinhard Piper in München gab die grafische Suite „Der Jahrmarkt“ heraus.
  • 1922

    Bekanntschaft mit der wohlhabenden Modejournalistin Käthe von Porada, die Beckmann Kontakte zur Pariser Kunstwelt vermittelte, als seine Assistentin fungirtzr und eine wichtige Mäzenin wurde. Beckmann verfasste das Theaterstück „Der Damenfreund“ und veröffentlichte bei J. B. Neumann in Berlin „Berliner Reise 1922“.
  • 1923

    Beginn einer Liaison mit der promovierten Nationalökonomin Hildegard Melms (genannt Naïla). J. B. Neumann ging nach New York und übertrug Günther Franke die Leitung seiner Filiale in München. In den USA gründete Neumann die Galerie New Art Circle, der der er auch Beckmann auf dem amerikanischen Kunstmarkt positionieren wollte. Beckmann schloss Verträge mit Paul Cassirer, Berlin, und Peter Zingler, Frankfurt am Main.
  • 1924: Begegnung mit Mathilde von Kaulbach, genannt Quappi

    Im Frühjahr lernte Max Beckmann in Wien im Haus der Familie von Motesiczky die um 20 Jahre jüngere Mathilde von Kaulbach, genannt Quappi, kennen. Die jüngste Tochter des Münchner Malers Friedrich August von Kaulbach und der dänischen Konzertviolinistin Frida Schytte, studierte in Wien Gesang, nachdem sie von ihrer Mutter bereits zur Geigerin ausgebildet worden war. Eine umfangreiche Beckmann–Monografie erschien bei Piper in München, herausgegeben von Curt Glaser, Julius Meier-Graefe, Wilhelm Fraenger und Wilhelm Hausenstein.
  • 1925: Scheidung und 2. Heirat

    Zu Beginn des Jahres Verlobung mit Mathilde von Kaulbach. Scheidung von Minna Beckmann–Tube (Juli) und Heirat mit Mathilde von Kaulbach, genannt Quappi (September). Hochzeitsreise nach Rom, Neapel und Viareggio, danach Paris. Max Beckmann vereinbarte mit J. B. Neumann einen Dreijahresvertrag über ein festes Einkommen. Beckmanns Werke werden in der Mannheimer Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ präsentiert (14.6.-13.9.).
  • Herbst 1925: Berufung an die Frankfurter Kunstschule

    Max Beckmann wurde im Oktober zum Leiter der Meisterklasse für freie Malerei an die Frankfurter Kunstschule (Städel Schule). Marie-Louise von Motesiczky wurde eine seiner Schülerinnen. Beckmann beschäftigte sich verstärkt mit gnostischen, altindischen und theosophischen Lehren.
  • 1926

    Max und Mathilde Beckmann bezogen im Juli eine Wohnung am Sachsenhäuser Berg in Frankfurt. Hier malte Beckmann das erste der von ihm selbst so bezeichneten „großen“ Stillleben, das „Große Stillleben mit Musikinstrumenten“. Erste Einzelausstellung in den USA in Israel B. Neumanns New Art Circle in New York. Der Berliner Galerist Alfred Flechtheim wurde in die Vereinbarung mit I. B. Neumann einbezogen. Regelmäßige Reisen nach Berlin, Paris und Italien.
  • 1927

    Beginn der dreijährigen Zusammenarbeit von Max Beckmann mit Alfred Flechtheim. Zwei weitere großformatige Stillleben entstanden: „Großes Stillleben mit Fernrohr“ und „Großes Fisch–Stillleben“. Beckmanns Aufsatz „Der Künstler im Staat“ erschien in der „Europäischen Revue“. Beckmann malte das „Selbstbildnis im Smoking“.
  • 1928

    Höhepunkt von Beckmanns Ruhm in Deutschland: Umfassende Ausstellung in der Städtischen Kunsthalle Mannheim, unter anderem mit den Bildern „Großes Fisch–Stillleben“, „Stillleben mit brennender Kerze“ und „Stillleben mit Katzen“, die Beckmann positives Presseecho einbrachte. Für das „Große Stillleben mit Fernrohr“ erhielt er die „Goldene Medaille der Stadt Düsseldorf ohne Geldpreis“. Weiteres wurde er mit dem Reichsehrenpreis Deutscher Kunst ausgeszeichnet. Beginn der Freundschaft mit Rudolf von Simolin, einem entfernten Cousin Mathildes, der eine bedeutende Sammlung an Werken Beckmanns anlegte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt intensive Lektüre der Schriften Carl Gustav Jungs. Der Maler traf sich weiterhin mit seiner geschiedenen Frau Minna, die inzwischen wieder in Berlin-Hermsdorf lebte.
  • 1929

    Ausstellung im Frankfurter Kunstverein. Verleihung des Großen Ehrenpreises der Stadt Frankfurt. Beckmann mietete eine Wohnung und ein Atelier in Paris, die er bis 1932 behielt und wo er immer wieder mehrere Wochen verbrachte. Von Paris erhoffte sich Beckmann den Karrieresprung auf die Bühne der internationalen Kunst und maß sich mit seinen Kollegen, allen voran Pablo Picasso und Henri Matisse. Als eines der ersten Bilder in Paris entstand „Stillleben mit Weingläsern und Katze“. Die Städelschule verlieh Beckmann die Amtsbezeichnung Professor.
  • 1930

    Reise der Beckmanns an die Côte d'Azur, Aufenthalte in Cap Martin und Nizza. Erste Angriffe gegen den Künstler in der nationalsozialistischen Presse. Retrospektiven in der Kunsthalle Basel und im Kunsthaus Zürich. In Zürich wurden unter anderem „Stillleben mit rosa Muschel“, „Stillleben mit Weingläsern und Katze“ und „Stillleben mit Tulpen“ zum Verkauf angeboten. Beckmann war mit sechs Gemälden im deutschen Pavillon der Biennale in Venedig vertreten. Der Vertrag mit der Städelschule wurde um fünf Jahre verlängert, die Vereinbarung mit J. B. Neumann und Alfred Flechtheim um sieben Jahre. Es entstand ein weiteres großes Stillleben, das „Große Stillleben mit Kerzen und Spiegel“.
  • 1931

    Erste Einzelausstellung in Paris in der von Marie-Paule Pomaret geführten Galerie de la Renaissance, wohl auf Vermittlung von Käthe von Porada und Lilly von Schnitzler (März). In der Ausstellung „German Painting and Sculpture“ im Museum of Modern Art, New York, wurden sechs Gemälde gezeigt (12.3.-22.4.). Beckmann las und kommentierte Otto Weiningers Buch „Geschlecht und Charakter“.
  • 1932

    Im Februar wurde ein Beckmann–Saal im Kronprinzenpalais der Nationalgalerie mit zehn Gemälden (darunter „Orchester“, 1932) in Berlin eröffnet, der 1933 wieder geschlossen wurde. Alfred Flechtheim kündigte wegen finanzieller Schwierigkeiten die Vereinbarung mit Beckmann auf; dieser ging einen neuen Vertrag mit I. B. Neumann und Günther Franke ein. In Frankfurt wurde in der nationalsozialistischen Presse eine Hetzkampagne gegen ihn betrieben. Beginn des ersten Triptychons „Departure [Abfahrt]“. Im Dezember 1932 musste das Ehepaar Beckmann seine Frankfurter Wohnung aufgeben und in das Atelier übersiedeln.
  • 1933

    Im Januar, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, zog das Ehepaar Beckmann nach Berlin in eine Wohnung nahe des Tiergartens. Der Beckmann-Saal im Kronprinzenpalais wurde aufgelöst. Im Oberstock des Museums wurden bis 1936 noch einige Gemälde Beckmanns präsentiert. Die Eröffnung einer Ausstellung in Erfurt, die zuvor im Hamburger Kunstverein gezeigt worden war, wurde verboten. Beckmann erhielt die fristlose Kündigung der Städelschule. Am 28. Mai zogen Max und Mathilde Beckmann endülgtig nach Berlin; das Wohnatelier in Paris mussten sie aufgegeben. Bekanntschaft mit dem Dichter Stephan Lackner (eigentlich Ernest Gustave Morgenroth), der den Maler lebenslang förderte und eine bedeutende Sammlung mit Werken des Künstlers aufbaute. In ersten die Künstler der Moderne diffamierenden Ausstellungen in Stuttgart, Chemnitz, Karlsruhe und Mannheim waren auch Werke Beckmanns zu sehen.
  • 1934

    Zu Beckmanns 50. Geburtstag erschien in der Presse nur eine einzige Würdigung (von Erhard Göpel in den Leipziger Neuesten Nachrichten). Der Direktor der Berliner National–Galerie, Eberhard Hanfstaengl, tauschte unter dem Druck der nationalsozialistischen Kulturpolitik Beckmanns Gemälde „Die Barke“ gegen „Stillleben mit großer Glaskugel und Kornähren“ aus. Beckmann dachte erstmals an Emigration. Weitere Ausstellungsbeteiligungen in den USA.
  • 1935

    Erster Kontakt mit Curt Valentin, der seit 1934 die Galerie Buchholz in Berlin leitete. Die Gemälde „Großes Frauenbild (Fünf Frauen)“ (190 × 110 cm, Privatsammlung, Los Angeles) und „Departure“ (1932–1935, 215,3 × 314,6 cm, Museum of Modern Art, New York) entstanden. Über Weihnachten reiste Max Beckmann in die Schweiz, um sich mit dem Journalisten Friedrich Gubler (Winterthur) und dem Kunsthistoriker Curt Glaser (Ascona) in punkto seiner Zukunft zu besprechen.
  • 1936

    Teilnahme an der Ausstellung „Berliner Kunst in München“ (März); die Reaktion nationalsozialistischer Künstler provozierte eine Nachschärfung der Kulturpolitik. Kuraufenthalt wegen Herzbeschwerden. Bei Hildebrand Gurlitt in Hamburg fand die letzte Ausstellung Beckmanns in Deutschland bis 1946 statt. „Stillleben mit Plastik“ mit einem in Bronze ausgeführten Selbstbildnis. Im Oktober reiste Max Beckmann nach Paris, wo er sich mit Stephan Lackner erstmals bezüglich er Emigration in die USA besprach.
  • 1937: „Entartete Kunst“

    In deutschen Museen beschlagnahmen die Nationalsozialisten 28 Gemälde und über 500 grafische Werke Beckmanns Auf der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ in München waren zehn Gemälde und zwölf Grafiken Beckmanns ausgestellt.
  • 19.7.1937: Emigration nach Amsterdam

    Am Tag nach Hitlers Eröffnungsrede, am 19. Juli 1937, begaben sich Beckmann und seine Frau ins Exil nach Amsterdam. Es gelang, die in der Berliner Wohnung verbliebenen Gemälde über die Grenze nach Amsterdam zu schaffen. Mathildes Schwester, Hedda Schoonderbeek, lebte dort und arbeitete als Musikerin. Freundschaften mit dem Dichter Wolfgang Frommel, den Malern Friedrich Vordemberge-Gildewart und Otto Herbert Fiedler sowie dem Regisseur Ludwig Berger. Wichtige Kontakte waren auch Helmuth Lütjens, Leiter der Niederlassung Paul Cassirers, und die Glasmalerin Gisèle van Waterschoot van der Graacht.Wenige Monate nach seiner Emigration malte Beckmann das Gemälde „Türkenbundlilien“.
  • 1938

    Bern und Winterthur realisierten eine Ausstellung mit Beckmanns jüngsten Werken (März). Anlässlich der Ausstellung „20th Century German Art“ in den New Burlington Galleries in London hält Beckmann die Rede „Über meine Malerei“ (Juli).
  • Oktober 1938-Mai/Juni 1939

    Beckmann mietete erneut eine kleine Wohnung in Paris, allerdings realisierte sich eine Übersiedlung wegen des beginnenden Zweiten Weltkriegs nicht. Käthe von Porada organisierte und finanzierte zahlreiche Ausstellungen in der Schweiz und 1939 in ihrer Pariser Wohnung. Letzte Aufenthalte in Südfrankreich und Norditalien. Ein Teil der in Deutschland beschlagnahmten Bilder wurde für Kunsthändler zum Verkauf freigegeben. Im Einvernehmen mit Beckmann erwarben Karl Buchholz und Günther Franke mehrere Gemälde des Künstlers. Einige wurden an Curt Valentin geschickt, der inzwischen in die USA emigriert war und in New York die Buchholz Gallery gegründet hat. Dort fand im selben Jahr eine Einzelausstellung Beckmanns statt.
  • 1940

    Beckmann wurde auf Betreiben von Ludwig Mies van der Rohe von der Kunstschule des Chicago Art Institute eingeladen, dort zu lehren, erhielt jedoch kein Visum. Stark eingeschränkte Reisetätigkeit an die niederländische Küste (Zandvoort, Hilvesum). Aus der Erinnerung und mithilfe von Postkarten malte Beckmann in seinem Amsterdamer Atelier eine Reihe von Landschafts- und Meeresbilder, welche die südfranzösischen Reiseeindrücke einfangen. Peter Beckmann war als Stabsarzt beim Militär tätig und ermöglichte bis 1944 die Überführung von Beckmanns Werken aus den Niederlanden nach Deutschland und Frankreich - teilweise als Offiziersgepäck getarnt.
  • 15.5.1940: Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande

    Als am 15. Mai deutsche Truppen in Amsterdam einmarschierten, verbrannten die Beckmanns ihre seit 1925 geführten Tagebücher. Sie begannen aber neue zu schreiben. Weitere Einzelausstellung in der Buchholz Gallery Curt Valentin, New York. Beckmann malte das „Stillleben mit Toilettentisch“. Stephan Lackner musste seine regelmäßigen Zahlungen einstellen; ab demselben Jahr leistete die Tante von Marie-Louise von Motesiczky, Ilse Leembruggen, finanzielle Unterstützung. Peter Beckmann, der als Stabsarzt beim Militär tätig war, organisierte bis 1944 Bilderverkäufe nach Deutschland.
  • 1941

    Beckmanns Sohn Peter, der als Arzt arbeitete, konnte gelegentlich Bilder aus Amsterdam nach Deutschland bringen und verkaufen, ebenso Beckmanns Händler Günther Franke. Dritte Einzelausstellung in der Buchholz Gallery Curt Valentin, New York. Max Beckmann schuf das „Doppelbildnis (Max und Quappi Beckmann)“ (1945 aus einer Einzelausstellung im Stedelijk Museum angekauft). Beckmann begann mit den Illustrationen zur „Apokalypse“.
  • 1942

    Nach einem Musterungsbefehl der deutschen Wehrmacht wurde Beckmann als dienstuntauglich eingestuft. Einzelausstellung in The Arts Club of Chicago. Das Museum of Modern Art erwarb durch Vermittlung von Carl Valentin Beckmanns Triptychon „Departure“.
  • 1943 - 1945

    Verschärfung des Luftkriegs. Im Juni 1944 landeten die Alliierten in der Normandie; die deutschen Besatzungstruppen verließen Holland. Beckmann verspürte zunehmend Herzbeschwerden. Die Verbindungen nach Deutschland brachen 1944 ab. Die Beckmanns waren in Amsterdam weitestgehend isoliert. Lebensmittelknappheit und Ausfälle des elektrischen Lichts prägten den Hungerwinter 1944/45. Der Maler zeigte sich im „Selbstbildnis in Schwarz“ und schuf die Illustrationen zu „Faust II“.
  • 1945

    Einen Monat vor Kriegsende vollendete er am 10. April das Gemälde „Totenkopfstillleben“. Am 8. Mai zogen die englischen und kanadischen Truppen in Amsterdam ein. Einzelausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam. Wiederaufnahme der Kontakte nach Deutschland und in die USA. In Carepaketen erhielt er dringend benötigte Maluntensilien, da er bereits die letzten „Bett-Tücher vermalt“ hatte.
  • 1946

    Ausstellungen der während der Kriegszeit entstandenen Werke in New York, Boston und San Francisco sowie in München. Beckmann lehnte Berufungen nach München und Darmstadt ab und konnte aufgrund eines Non–Enemy–Papiers in den Niederlanden bleiben. In New York organisierte Curt Valentin eine Beckmann–Ausstellung in der Buchholz Gallery, für die die Mappe „Day and Dream“ entstand. Große mediale Beachtung. Die Berufung als Professor an die Kunsthochschulen in München und Darmstadt lehnte er ab.
  • Herbst 1947: Ausreise in die USA

    Nachdem Max Beckmann auch die Berufungen an die Kunsthochschulen in Frankfurt und Berlin abgelehnt hatte, reiste er mit Quappi für drei Wochen nach Nizza. Beckmann nahm das Angebot für die Vertretungsprofessur für den Maler Philip Guston an der School of Fine Arts an der Washington University in Saint Louis an (Mai). Am 29. August bestiegen die Beckmanns in Rotterdam die „Westerdam“ in Richtung New York. Dort verbrachten sie zehn Tage, bevor sie nach Saint Louis (Missouri) weiterreisten, wo Beckmann im September seine Lehrtätigkeit aufnahm. Einzelausstellungen in Frankfurt am Main, Hamburg, New York, Buffalo und Philadelphia. Zahlreiche Kontakte in verschiedenen Städten, darunter zu der Kunsthistorikerin Jane Sabersky in New York, dem Museumsdirektor Perry Rathbone in Saint Louis und dem mittlerweile als Kurator in Boston arbeitenden Georg Swarzenski.
  • 1948

    Im Mai fand eine umfassende Beckmann–Retrospektive im City Art Museum in Saint Louis statt; sie wurde anschließend in Baltimore, Cambridge, Detroit, Los Angeles, San Francisco und Minneapolis gezeigt. Damit festigte Beckmann seinen Ruf in den USA. Im Sommer kurze Rückkehr nach Amsterdam, um die Wohnung aufzulösen und ein Visum zur Einwanderung in die USA zu beantragen („Immigration Visa“). Beckmann lehnte die Einladung, die Leitung der Landeskunstschule in Hamburg zu übernehmen, ab. In Saint Louis malte er drei Stillleben, darunter das „Stillleben mit grünem Buch und Rettichen“. Mathilde trug Beckmanns „Drei Briefe an eine Malerin“ in englischer Sprache am Stephens College in Columbia sowie im Radio vor. Beckmann galt in den USA als der bedeutendste lebende deutsche Künstler.
  • August 1949: New York

    Im Januar hielt sich das Ehepaa Beckmann in New York auf. Nach einem Sommerkurs an der Kunstschule der Universität in Boulder, Colorado reisten sie quer durch die USA nach Saint Louis, Carmel, Oakland, Los Angeles und San Francisco. Im August zogen Beckmann und seine Frau 1949 nach New York, wo er an der Brooklyn Museum Art School unterrichtete. Er erhielt erneut das Angebot, den Direktorenposten an der Landeskunstschule in Hamburg zu übernehmen. In New York entstanden 1949 und 1950 die letzten Stillleben, unter anderem „Großes Stillleben mit schwarzer Plastik“ und „Großes Stillleben Interieur (blau)“. Curta Vaentin stellte aktuelle Werke von Beckmann aus (Oktober). In diesem Jahr war Max Beckmann in Europa und den USA in 23 Ausstellungen vertreten.
  • 1950

    Im Mai Übersiedlung in eine Atelierwohnung in unmittelbarer Nähe des Central Park. Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Philosophische Fakultät der Washington University in Saint Louis. Der Vertrag mit der Brooklyn Museum Art School wurde um sechs Jahre verlängert. Beckmann war mit 14 Gemälden im deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig vertreten, wo er den Conte Volpi-Preis erhielt. In Deutschland und Amerika fanden mehrere Einzelausstellungen statt. Sein letztes vollendetes, neuntes Triptychon ist den "Argonauten" (1949/50, National Gallery of Art, Washington D. C.) gewidmet und wurde am 267. Dezember vollendet.
  • 27.12.1950: Tod

    Am 27. Dezember 1950 erlitt Max Beckmann bei einem Spaziergang einen Herzinfarkt. Er brach an der Ecke 61st Street und Central Park tot zusammen.
  • Beckmanns Nachlass & die Max Beckmann Gesellschaft

    Mathilde Beckmann betreute Beckmanns Nachlass und gab 1955 seine Tagebücher der Jahre 1940 bis 1950 heraus. 1951 wurde unter Mitwirkung von Peter und Minna Beckmann die Max Beckmann Gesellschaft gegründet.

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.