0

München | Lenbachhaus: Charlotte Salomon Leben? oder Theater? | 2023

Charlotte Salomon, M004925 & M004196, Gouache aus Leben oder Theater, 1940–1942 (Sammlung Jüdisches Historisches Museum Amsterdam © Charlotte Salomon Foundation)

Charlotte Salomon, M004925 & M004196, Gouache aus Leben oder Theater, 1940–1942 (Sammlung Jüdisches Historisches Museum Amsterdam © Charlotte Salomon Foundation)

„Leben? oder Theater?“ ist das Lebenswerk der Künstlerin Charlotte Salomon (1917–1943), das innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Flucht 1939 aus Berlin nach Südfrankreich entstanden ist. Dieses von ihr so genannte „Singspiel“ besteht aus 1325 Blättern, die in drei Akte eingeteilt sind und Zeichnungen, Textzeilen sowie szenische Anmerkungen in Gouache umfassen.

Charlotte Salomon im Lenbachhaus

Das reichhaltige Konvolut, welches seit 1971 vom Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam aufgearbeitet und verwaltet wird, ist nicht nur ein herausragendes künstlerisches Werk des 20. Jahrhunderts, sondern gibt gleichzeitig auf einzigartige Weise Aufschluss über Salomons wendungsreiches und selbstbestimmtes Leben. Es besticht durch die Vielfalt von Salomons Bildern sowie durch die reichen Bezüge zu Kunst, Film, Musik und Philosophie ihrer Zeit.

Die Erzählform von „Leben? oder Theater?“ ist bis heute aktuell geblieben. Die Illustrationen und Texte fügen sich wie Szenenbilder einer Theaterinszenierung oder eines Drehbuchs zusammen und nehmen gleichzeitig den hybriden Charakter aus Text- und Bildebene von Graphic Novels vorweg. Die Figuren des Werks beruhen auf Salomons persönlichem Umfeld, sind von ihr jedoch subjektiv herausgearbeitet und somit zu fiktiven Charakteren abstrahiert.

Auch die Erzählung selbst ist nicht als autobiographischer Tatsachenbericht zu verstehen, sondern bringt unterschiedliche Situationen und Lebensumstände in einen freien Sinnzusammenhang. So gibt Salomon in ihrem „Singspiel“ vor allem den zwischenmenschlichen Begebenheiten ihres Lebens Bedeutung; die Bedrohungen der NS-Zeit bilden den Hintergrund, vor dem sich ihre Erzählung entfaltet.

„Leben? oder Theater?“ zeugt durch innovative und kraftvolle Bildfindungen sowie feine ironische Nuancen von einer selbstbewussten künstlerischen Praxis. Auch außerhalb ihrer Kunst tritt Salomon – trotz familiärer Schicksalsschläge und antisemitischer Verfolgung – als souveräne Protagonistin ihres Handelns in Erscheinung. Ihr Lebenswerk bietet so einen einmaligen Einblick in das komplexe und gewaltsam verkürzte Leben einer jungen Künstlerin.

Eine Ausstellung des Lenbachhaus München in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Historischen Museum, Amsterdam
Kuratiert von Irene Faber, Sammlungskuratorin Jüdisches Historisches Museum Amsterdam, am Lenbachhaus betreut von Dierk Höhne und Stephanie Weber.
Quelle: Lenbachhaus, München

Weitere Beiträge zu Künstlerinnen

18. Juni 2024
Tarsila do Amaral, Detail (© Tarsila do Amaral Licenciamento e Empreendimentos S.A. / Foto Museu Nacional de Belas Artes/Ibram, Rio de Janeiro / Jaime Acioli)

Bilbao | Guggenheim Museum: Tarsila do Amaral Malerin des modernen Brasilien | 2025

Erste Ausstellung in Spanien zu Tarsila do Amaral zeichnet die Entwicklung ihres Werks seit den 1920er Jahren nach.
18. Juni 2024
Tarsila do Amaral, Detail (© Tarsila do Amaral Licenciamento e Empreendimentos S.A. / Foto Museu Nacional de Belas Artes/Ibram, Rio de Janeiro / Jaime Acioli)

Paris | Musée du Luxembourg: Tarsila do Amaral Malerin des modernen Brasilien | 2024/25

Die Malerin des modernen Brasilien wird erstmals groß in Paris ausgestellt. Die Überblicksschau stellt ihre Malerei zwischen Anti-Kolonialismus und Besinnung auf eigene Werte.
17. Juni 2024
Ben Enwonwu, The Dancer (Agbogho Mmuo - Maiden Spirit Mask), Detail, 1962 (Ben Uri Gallery & Museum. © The Ben Enwonwu Foundation)

London | Tate Modern: Nigerianische Moderne Unabhängigkeit und Kunst in Nigeria | 2025/26

„Nigerian Modernism“ erzählt die Geschichte künstlerischer Netzwerke, die Zaria, Ibadan, Lagos und Enugu sowie London, München und Paris umspannten. Mit über 50 Künstler:innen, darunter Uzo Egonu, El Anatsui, Ladi Kwali und Ben Enwonwu.