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München | Lenbachhaus: Der Blaue Reiter. Gruppendynamik

Lenbachhaus, Der Blaue Reiter Gruppendynamik

Lenbachhaus, Der Blaue Reiter Gruppendynamik

„Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit.“

So formulierten es Franz Marc und Wassily Kandinsky für ihren Almanach „Der Blaue Reiter“ 1912. Das programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter (ca. 1911–1914) als einen der ersten transnationalen Künstler*innenkreise. Und dieses Credo inspiriert das Lenbachhaus, das Werk der beteiligten Künstler*innen – unter ihnen Gabriele Münter, August Macke, Alfred Kubin, Maria Marc und Elisabeth Epstein – nicht nur ästhetisch und historisch, sondern in seinen geistigen, sozialen sowie politischen Zusammenhängen zu betrachten.

Denn nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern und Taten setzte sich der Kreis des Blauen Reiter für ein globales, gleichberechtigtes Kunstverständnis ein. Gefangen in der Zeit der kolonialen Weltordnung vor dem Ersten Weltkrieg gelang es allerdings auch dieser Gruppe nicht, eine emanzipatorische Praxis von Kunst jenseits nationaler Zugehörigkeit sowie tradierter Hierarchien und Gattungen umzusetzen.

Für die Ausstellung ist der im Almanach verfolgte Gedanke einer Gleichberechtigung jedweder Kulturproduktion grundlegend. Die praktische Umsetzung dieser Ideen finden wir in der Bildauswahl des Almanachs: Kunst aus unterschiedlichen Weltgegenden und Epochen steht weitgehend gleichberechtigt nebeneinander. Im Pluralismus der Formen und Ideen liegt das moderne Moment des Blauen Reiter, das bis heute aktuell ist. Für die Konzeption der Neupräsentation der Sammlung bedeutet dies, dass das Schaffen der Künstler*innen des Blauen Reiter in den Kontext einer möglichst weltumspannenden kunst- und kulturhistorischen Erzählung eingebettet wird. Erstmals werden die vielfältigen Verbindungen, die der Blaue Reiter etwa zu japanischen Holzschnitten, bayerischer und russischer Volkskunst, Kinderzeichnungen, zeitgenössischer Musik sowie Kunst aus Bali, Gabun, Polynesien, Neukaledonien, Sri Lanka und Mexiko zog, in ihrer Gesamtheit und mit präzise ausgewählten, hochkarätigen Leihgaben präsentiert. Darüber hinaus wird die auch am Lenbachhaus bislang geläufige Rezeption des Blauen Reiter, in der „Hauptfiguren“ wie Münter, Kandinsky, Macke und Marc weitere bedeutende Mitglieder der Gruppe (Elisabeth Epstein, Maria Marc und viele andere) überschatten, neu gedacht und erzählt.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Museum Global. Sammlungen des 20. Jahrhunderts in globaler Perspektive“ von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Der neuen Sammlungspräsentation des Blauen Reiter folgt vom 19. Oktober 2021 bis 24. April 2022 eine zweite Ausstellung „Gruppendynamik – Kollektive der Moderne“, die weltweit tätigen Künstler*innengruppen gewidmet ist: München | Lenbachhaus: Kollektive der Moderne. Gruppendynamik

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
Quelle: Lenbachhaus München

Ausstellungen zum Blauen Reiter

4. November 2019
Andy Warhol, The Three Gentlemen, 1982 . Acryl/Siebdruck/Leinwand, 101,8 x 203,4 cm (Museum Frieder Burda, Baden-Baden © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York)

Baden-Baden | Museum Frieder Burda: Sammlungen der Burda-Brüder „Die Bilder der Brüder“ vom deutschen Expressionismus zur Pop Art

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda spürt den Wurzeln der Sammlungstätigkeit der drei Brüder nach und zeigt zugleich die individuellen Entwicklungslinien ihrer persönlichen Begeisterung für Kunst auf. Ausgehend von der Sammlungstätigkeit der Eltern, die dem deutschen Expressionismus verbunden waren, schufen alle drei Brüder eigenständige Kunstsammlungen bis zur Pop Art und Andy Warhol.
25. April 2019
Franz Marc, Schlafender blauer Hund auf roter Matte, 1912/13, Aquarell, Deckfarben, auf Papier, aus Skizzenbuch XXIV, S. 103 (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Inv.-Nr. HZ 6381)

Franz Marc: Skizzenbücher – Der Weg zum Blauen Reiter Stilentwicklung, Werkabfolge, Werkgenese

Das Germanische Nationalmuseum erwarb 1982 aus dem Nachlass des Künstlers 26 von ursprünglich 32 Skizzenbücher. Die Hefte datieren von 1904 bis 1913/1914 und enthalten 603 Zeichnungen auf 523 Blättern. Die Ausstellung zeigt Motivreichtum und die vielfältigen Werkbezüge der Skizzen und Zeichnungen zu den Gemälden von Franz Marc.
16. Oktober 2018
Alfred Kubin, Eindringlinge, 1914 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Lenbachhaus)

Alfred Kubin und der Blaue Reiter Düstere Visionen im Umfeld der Münchner Expressionisten

Häufig wird der österreichische Zeichner Alfred Kubin (1877–1959) als ein Gründungsmitglied des Blauen Reiter genannt, seine konkreten Beziehungen zu diesem Künstlerkreis sind jedoch so gut wie unbekannt. Die Ausstellung zeichnet erstmals mit einer Fülle von Werken, Dokumenten und Fotografien die komplexen persönlichen und künstlerischen Verflechtungen nach.