Albertina
Albertina im Überblick
| Gründung | 1776, Venedig/Preßburg (Prozess über mehrere Jahre, kein einzelner Gründungsakt überliefert) |
| Gründerpaar | Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738–1822) und Erzherzogin Marie Christine von Habsburg-Lothringen (1742–1798) |
| Berater des Aufbaus | Graf Giacomo Durazzo (1717–1794), kaiserlicher Gesandter in Venedig |
| Namensgebung | Erstmals dokumentiert 1864 als „Albertina“; nach Herzog Albert von Sachsen-Teschen |
| Eingliederung als Staatseigentum | 1919, im Zuge des Habsburgergesetzes |
| Standorte heute | Haupthaus (Augustinerbastei, Wien I), Albertina Modern (Karlsplatz), Albertina Klosterneuburg |
| Sammlungsumfang | rund 1,2 Millionen Werke aus sieben Jahrhunderten (Gotik bis Gegenwart) |
| Wichtigstes Einzelwerk | Albrecht Dürer, Feldhase, 1502 |
| Generaldirektor | Ralph Gleis (seit 2025) |
| Aktuelles Jubiläum | 250 Jahre Albertina, Ausstellung in der Albertina Wien, 4.7.–11.10.2026 |
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die Albertina?
- Schwerpunkte der grafischen Sammlung
- Weitere Sammlungen an der Albertina
- Aktuelle Ausstellungen in der Albertina
- Zukünftige Ausstellungen in der Albertina
- Geschichte der Albertina
- Eine Sammlung entsteht: Venedig, 1776
- Literatur zur Geschichte der Albertina
- Ausstellungen in der Albertina | Archiv
Was ist die Albertina?
Die Albertina ist ein Museum in Wien, das eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen für Arbeiten auf Papier - Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografie, Ojekte - beherbergt. Sie befindet sich im Palais Erzherzog Albrecht im ersten Wiener Gemeindebezirk.
„In Wien gab es nichts Schöneres, Vornehmeres und Königlicheres als das Palais des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. […] Die Wachen, die es auch nach seinem Tod hüten, behaupten, sie hätten sein Gespenst umherirren und in den weiten Sälen spazieren gehen gesehen. Es freut mich, wenn solche Traditionen nicht verloren gehen. Berühmten Toten stehen sie im Jenseits zu!“ (Alexandrine Prévost, Baronne du Montet,
1822)
Schwerpunkte der grafischen Sammlung
- Deutsche Renaissance: Albrecht Dürer → Albrecht Dürer: Feldhase, 1502
- Italienische Renaissance: Michelangelo, Raffael
- Niederländische Zeichnung und Druckgrafik des Barock: Rembrandt van Rijn
- Flämische Zeichnung des Barock: Peter Paul Rubens
- Italienischer Barock und Spätbarock
- Französische Zeichnungen des Rokoko
- Österreichische Aquarellmalerei des 19. Jahrhunderts
- Wien um 1900: Gustav Klimt, Egon Schiele
- Klassische Moderne und Gegenwartskunst
Weitere Sammlungen an der Albertina
Zusätzlich zu den historischen Sammlungen konnte Direktor Klaus-Albrecht Schröder einige Privatsammlungen als Stiftungen an die Albertina binden.
Sammlung Batliner: Monet bis Picasso
2007 erhielt die Albertina unter der Leitung von Prof. Klaus Albrecht Schröder Privatsammlung von Rita und Herbert Batliner als unbefristete Dauerleihgabe. Seitdem ist im Museum ein Teil der Ausstellungsfläche eine Dauerausstellung zur Klassischen Moderne zu sehen. Diese reicht vom französischen Impressionismus (Claude Monet, Edgar Degas) über die Schule von Paris, zum deutschen Expressionismus und zur russischen Avantgarde.
Sammlung Essl
→ Sammlung Essl in der ALBERTINA
Am 16. Februar 2017 gaben Kulturminister Thomas Drozda, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, Karlheinz Essl und Hans Peter Haselsteiner die Übergabe der Sammlung Essl an die ALBERTINA bekannt. Für 27 Jahre übernimmt die Albertina die Dauerleihgabe für die konservatorische Verwahrung, wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliche Präsentation. Der Bund fördert die digitale Aufarbeitung, Konservierung und Präsentation der Sammlung Essl mit 1,1 Millionen Euro jährlich.
Seit 1970 sammelt das Ehepaar Essl Kunst. Anfangs begeisterte es sich für die österreichische Kunst, ab 1990 wandte es sich auch der internationalen Gegenwartskunst zu. In fast fünfzig Jahren stellte das Ehepaar Essl eine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst zusammen, die in den Jahren vor der Schließung des Essl Museums von 1999 bis Juli 2016 in vielbeachteten Ausstellungen präsentiert wurden.
Mehr als 6.000 Einzelwerke gelangen über die Sammlung Essl bis zumindest 2044 in den Besitz der Albertina. Zwei Drittel der Arbeiten stammen von mehr als 250 österreichischen sowie ein Drittel von internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Durch die Erweiterung vertieft die Albertina ihren Bestand im Bereich Kunst nach 1945 erheblich. Ab Beginn 2019 werden die Werke im adaptierten Künstlerhaus zu sehen sein.
Sammlung Jablonka
2019 entschied sich der ehemalige Galerist und Sammler Rafael Jablonka, seine Sammlung von etwa 400 Werken zur amerikanischen und deutschen Kunst der achtziger Jahre als Rafael und Teresa Jablonka Stiftung der Albertina anzugliedern. Die Sammlung umfasst Werke von Mike Kelley, Sherrie Levine, Michael Heizer, Eric Fischl, Philip Taaffe, Roni Horn, Francesco Clemente, Richard Deacon, Damien Hirst, Richard Avedon, Andreas Slominski, Nobuyoshi Araki.
Aktuelle Ausstellungen in der Albertina
Zukünftige Ausstellungen in der Albertina
Geschichte der Albertina
Herzog Albert von Sachsen-Teschen und die Sammlung der Albertina
Eine Sammlung entsteht: Venedig, 1776
Anders als bei vielen anderen großen Museumsgründungen lässt sich der Beginn der Albertina nicht auf einen einzigen, genau datierten Akt zurückführen. Das historische Sammlungsarchiv ging nach dem Ersten Weltkrieg größtenteils verloren,1 und was an Quellen bleibt, deutet eher auf einen langjährigen Prozess als auf ein einzelnes Gründungsereignis hin: Herzog Albert von Sachsen-Teschen, seine Gemahlin Erzherzogin Marie Christine von Habsburg-Lothringen und der genuesische Graf Giacomo Durazzo (1717–1794), kaiserlicher Gesandter in Venedig und eine anerkannte Autorität für Arbeiten auf Papier, bereiteten über Jahre systematisch den Aufbau einer repräsentativen grafischen Sammlung vor.2
Als im adeligen Sinne mittellos, weil weder über Geldeinkünfte noch Landbesitz verfügend, kam der junge Albert 1760 zu einem Verwandtenbesuch nach Wien. Seine Mutter war Maria Josepha von Habsburg und eine Cousine von Maria Theresia. Sie war seit 1719 mit Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, als polnischer König August III., verheiratet.
Die Liebesbeziehung zwischen Erzherzogin Marie Christine und Prinz Albert begann 1764. Nachdem Marie Christine ihr Herz für Prinz Albert entdeckt hatte, weihte sie ihre Mutter ein. Als Lieblingstochter war Marie Christine als einzigem Kind eine Liebesheirat vergönnt. Doch erst der überraschende Tod von Franz I. Stephan am 18. August 1765 in Innsbruck machte den Weg für die Hochzeit frei. Kaiser Joseph II. willigte in die Ehe ein, da er Prinz Albert sehr schätzte. Um den sächsischen Prinzen für die Trauung in eine zumindest standesgemäße Position zu erheben, wurde Prinz Albert noch im Dezember 1765 zum Feldmarschall und zum Statthalter in Ungarn ernannt. Ebenso erhält das Paar den Titel und das Kronlehen Teschen in Böhmen als „Mitgift“. Maria Theresia sorgte zudem für eine reiche Ausstattung der Mitgift, was unter den Geschwistern für Unmut sorgte.
Ihre Heirat verschaffte dem als Spätgeborenem politisch chancenlosen sächsischen Prinzen über die ungarische Statthalterschaft eine standesgemäße Position.3 Vermutlich war es Erzherzogin Marie Christine, die ihren Gemahl zum Sammeln von Kunst animierte, indem sie ihm bereits 1766 eine erste Druckgrafik schenkte. Erste eigene Kunstankäufe gelangen dem Paar dank seiner beträchtlichen Finanzmittel bereits in den 1760er Jahren, vermittelt unter anderem durch den in Paris ansässigen Kupferstecher Johann Georg Wille.4
Den entscheidenden Auftrag erteilte Albert aber 1773 an Giacomo Conte Durazzo, der als österreichischer Botschafter in Venedig amtierte: Durazzo sollte die bestehende, „reich an den kostbarsten künstlerischen Hervorbringungen Frankreichs und Englands“, aber lückenhafte Sammlung systematisch um deutsche und italienische Schulen erweitern und ihr damit ein klares Profil verleihen.5
Im Hochsommer 1776 konnte Durazzo, der als kaiserlicher Gesandter ohnehin in Venedig amtierte, dem auf Grand Tour reisenden Fürstenpaar die Früchte seiner mehrjährigen Arbeit präsentieren – allerdings unter denkbar ungünstigen Bedingungen: Das zu dicht geplante Besuchsprogramm in der Lagunenstadt ließ kaum Zeit für eine ausführliche Begutachtung der „Raccolta di Stampe [Druckgrafik-Sammlung]“.6 Am 4 Juli 1776 übergab Durazzo dem Herzog den Grundstein der Sammlung und verfasste die Gründungsurkunde. Durazzo selbst beschrieb sein Konzept in einem eigens verfassten Discorso preliminare als eine repräsentative, chronologisch und nach Schulen geordnete Galerie der „berühmtesten Maler vom Wiederauferstehen der Schönen Künste bis zum heutigen Tage“. Die Albertinische Sammlung sollte nicht vollständige Künstlerœuvres abilden, sondern als sorgfältig kuratierte Werkauswahl zugleich als Vorbildersammlung für angehende Künstler und Akademien dienen7:
„Durch sie [die grafischen Techniken] werden die vergänglichen Erzeugnisse des Pinsels in getreuen Abbildern bewahrt und durch ihre Vervielfältigung und Verbreitung gleichermaßen dem Vergnügen der Liebhaber leicht verfügbar.“8
Anders als oft kolportiert, umfasste die übergebene Sammlung nicht „über tausend“ Blätter, sondern – richtig verstanden aus Durazzos eigenen Angaben – mehrere Tausend Einzelblätter, aufbewahrt in 60 nach Schulen geordneten Kassetten mit jeweils 150 bis 200 Blättern.9 Allein der Bestand der römischen Schule belief sich auf rund 2.000 Stiche.10 Geliefert wurde das Konvolut nicht – wie man angesichts der heutigen Verbindung von Sammlung und Wiener Palais vermuten könnte – nach Wien, sondern zunächst nach Preßburg, wo es in der fürstlichen Residenzbibliothek Aufstellung fand.11 Erst über den Umweg von Brüssel, Laeken und – nach der erzwungenen Flucht vor den napoleonischen Truppen 1792 – Dresden gelangte die Sammlung 1794 endgültig nach Wien.12
Anstelle einer Kunstgeschichte in Druckgrafiken begann der Herzog bald bildmäßig ausformulierte Handzeichnungen zu erwerben. Diese neue Ausrichtung wurde von ihm mit größtem Engagement verfolgt, wollte er doch v.a. aus der italienischen und der deutschen Schule, ergänzt durch die niederländisch-flämische und deutlich weniger der englischen und französischen, herausragende Werke der wichtigsten Künstler ihrer Zeit gewinnen. Was 1776 als kuratierte Auswahlsammlung begonnen hatte, wandelte sich unter Albert in den folgenden Jahrzehnten in ein Projekt enzyklopädischer Vollständigkeit: Mit dem Erwerb der Sammlungen des Prince de Ligne (1794) und des Leipziger Sammlers Gottfried Winckler (1795) sowie einem folgenreichen Tausch mit der kaiserlichen Hofbibliothek (1796), der unter anderem die berühmten Dürer-Zeichnungen mit dem Feldhasen einbrachte,13 wurde aus Durazzos Konzept einer repräsentativen Werkschau eine der umfangreichsten Grafiksammlungen Europas. Bis zu Alberts Tod 1822 hatte sich der Bestand auf rund 160.000 Druckgrafiken und etwa 14.000 Zeichnungen mehr als verdoppelt (und etwa 25.000 Bücher).14
Wie die Albertina nach Wien kam
Die Französische Revolution und das fehlende Schlachtenglück erzwangen die Flucht des Herzogs und der Erzherzogin aus Brüssel, wo sie seit 1780 als Statthalter der Österreichischen Niederlande auf Lebenszeit lebten und sich Schloss Laeken in Schoonenberg gebaut hatten. Erst nachdem Marie Christine am Wiener Hof durch Kaiser Franz II. zugesichert worden war, dass sie als Prinzessin des Hauses Habsburg Aufnahme fände, konnte sie 1792 mit ihrem Gemahl nach Wien zurückkommen. Hier wurde ihnen das Palais auf der Augustinerbastei überlassen, das 1744 auf Geheiß von Maria Theresia für ihren engen Freund und Berater Don Emanuel Teles da Silva Conde Tarouca vom Architekten Mauro Ignazio Valmaggini erbaut worden war. Herzog Albert ließ nach den Koalitionskriegen das Palais im Stil des Klassizismus für seine Bibliothek und Grafiksammlung adaptieren.
Das kinderlose Paar widmete sich nun gänzlich seinen privaten Vergnügungen, unter denen das Sammeln von grafischen Blättern die wichtigste war. Sie kauften nun nicht mehr einzelne Blätter, sondern gingen dazu über, ganze Sammlung – wie jene des Leipziger Bankiers Gottfried Winkler (Porträt von Johann Friedrich August Tischbein, 1757) oder des Wiener Adeligen Moritz Graf Fries (Porträt von Anton Graff, 1796) – zu erwerben. Ein Tausch von Kunstwerken mit Kaiser Franz II. brachte Herzog Albert 1796 in den Besitz der Dürer-Zeichnungen eines „Feldhasen“, der „Betenden Hände“ und des „Rasenstücks“. Ziel war offensichtlich ab diesem Zeitpunkt, eine enzyklopädische Vollständigkeit an Meisterzeichnungen zu erreichen. Herzog Albert und Erzherzogin Marie Christine verfolgten das Ziel, nichts weniger als das Wissen resp. die Kunst bis zu ihrer Zeit zusammenzutragen. So verwundert nicht, dass sich der Herzog auch der zeitgenössischen Kunst zuwandte und er Werke auch der neuesten Strömungen – Klassizismus, Romantik, Biedermeier – erwarb.
Albertina als Museum
Herzog Albert baute die Albertina aus, organisierte seine Sammlung und verfügte 1816 , dass sie als unteilbares und unveräußerbares Gut [Fideicomiss] an die nachfolgenden Herzöge von Teschen fallen würde. Mit Erzherzog Karl (Adoptivsohn) wurde der wichtige Feldherr und Sieger von Aspern zum Nachfolger als Statthalter der Österreichischen Niederlande und dem Erben der Sammlungen. Dieser wiederum vererbte sie an die Erzherzöge Albrecht und Friedrich. Da zu Lebzeiten von Herzog Albert nur einem kleinen Kreis zugänglich, so erfüllt die Albertina erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts den aufklärerischen Wunsch nach Bildung der Bevölkerung.
Im April 1919 fielen die Sammlung des Herzogs wie auch das Albertina Palais als habsburgischer Fideikommiss unter das Habsburgergesetz und wurden daher zum österreichischen Staatseigentum. Im folgenden Jahr wurde die Sammlung mit dem Bestand der Druckgrafiken der ehemaligen kaiserlichen Hofbibliothek vereinigt und sämtliche Prunkräume für die Öffentlichkeit gesperrt. Stattdesen nutzte man die Räumlichkeiten als Büros, Bibliothek oder zur Lagerung der Sammlung. Zwischen 1923 und 1934 konnte der Direktor der Albertina, Alfred Stix, die internationale Sammlungstätigkeit des Gründers fortgesetzen, nach 1934 wurde, nun unter den Direktoren Josef Brick (1934–1938) und Anton Reichel (1938–Februar 1945), verstärkt der deutschsprachige Raum gesammelt. Stix gelang anfangs, die Bestände durch den Erwerb von französischen und deutschen Zeichnungen des 19. Jahrhunderts zu komplettieren. Von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs widmeten sich Brick und Reichel dem Ausbau der österreichischen und deutschen Grafik des 19. und 20. Jahrhunderts. Am 12. März 1945 wurde die Albertina bei einem amerikanischen Bombenangriff schwer beschädigt.
1952 wurde das Museum unter dem Namen „Graphische Sammlung Albertina“ wiedereröffnet. Jahrzehntelang stand für die Verantwortlichen vor allem der Sammlungscharakter im Vordergrund. Daher waren die Ausstellungen nur wenige Stunden pro Tag öffentlich zugänglich, was geringe Besucherzahlen zur Folge hatte.
Direktor Walter Koschkatzky brachte in den 60er Jahren die Wende: Der zwischen 1962 und 1986 amtierende Direktor organisierte über 200 Ausstellungen und war selbst intensiv in der Forschung und als Publizist tätig. Bis heute sind seine einführenden Bände zu den Techniken der Grafik Basisliteratur.
Ära Schröder
Von 1999 bis 2024 leitete Klaus Albrecht Schröder die Geschicke der Albertina. Unter seiner Direktion erfolgte der Abschluss der Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten. Das seit 1. Januar 2000 als wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts geführte Unternehmen wird seither Albertina genannt. Die Sammlung ist in vier Hauptkategorien - Grafische Sammlung, Fotosammlung, Gemäldesammlung, Architektursammlung - aufgeteilt worden.
Nach mehr als einem Jahrzehnt Schließung eröffnete die Albertina 2003 und präsentiert sich seither als klassizistisches Palais (mit zurückgekauften Möbeln des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts), in dem allerdings nicht mehr nur Grafikausstellungen präsentiert werden. Direktor Schröder fühlt sich der Verbindung von Zeichnungn und Malerei verpflichtet, weshalb das Ausstellungsprogramm der Albertina auch Präsentationen von malerischen Positionen - wie etwa Claude Monet (2018) - beinhaltet.
Albertina aktuell
Anfang des Jahres 2025 trat Ralph Gleis an die Spitze der Albertina. Der neue Generaldirektor hat am Wien Museum und der Neuen Nationalgalerie in den Staatlichen Sammlungen zu Berlin gewirkt. Wie er die Albertina in die Zukunft führt, ist noch nicht ganz ersichtlich. Zumindest stellt er die Kinder - u.a. mit Kindereröffnungen - in den Mittelpunkt.
Anlässlich des 250-jährigen Jubiläums im Jahr 2026 richtet Generaldirektor Ralph Gleis den Blick nicht nur zurück auf die Sammlungsgeschichte, sondern formuliert programmatisch, wohin sich die Albertina als Institution entwickeln soll.15 Im Zentrum steht dabei das Prinzip „Kunst plus“: Ausstellungen sollen nicht allein die ästhetische Qualität der Werke vermitteln, sondern auch deren politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und psychologische Dimensionen sowie ihre oft komplexe Provenienzgeschichte sichtbar machen. Gattungs- und epochenübergreifende Themenausstellungen wie Gothic Modern oder KAWS. Art and Comix gelten Gleis als Modellfälle für diesen Ansatz.16
„Die heutige Aufgabe besteht in der Zusammenführung und Verbindung des großen historischen Erbes als Grafiksammlung von Weltrang und der neuen Rolle als führendes internationales Ausstellungshaus in einem zeitgemäßen Kunstmuseum.“17
Ein zentrales Anliegen der kommenden Jahre ist die Neuinterpretation und Erforschung der eigenen Sammlung. Diese Annäherung soll jenseits etablierter Kanonbildung – insbesondere mit Blick auf lange vernachlässigte weibliche Positionen - erfolgen.18 Im Jubiläumsjahr 2026 wird erstmals auch die Rolle der Mitgründerin Marie Christine von Österreich eigenständig gewürdigt, die in der bisherigen Erzählung meist hinter ihrem Gemahl Albert von Sachsen-Teschen zurücktrat. Parallel dazu präsentiert die Ausstellung Wiederentdeckt! die Ergebnisse eines neuen internen Forschungsprojekts zu den Künstlerinnen der Sammlung19. Bereits 2025 zeigte sich diese Schwerpunktsetzung in sieben Einzelausstellungen von Künstlerinnen so unterschiedlicher Generationen und Gattungen wie Marina Abramović, Jenny Saville, Leiko Ikemura, Jitka Hanzlová, Francesca Woodman, Brigitte Kowanz und Lisette Model20. Diese programmatische Ausrichtung soll sich auch in der künftigen Sammlungspolitik niederschlagen, mit gezielten Neuerwerbungen weiblicher Positionen in Gegenwarts- wie historischer Kunst21.
Auch die Forschung wird strategisch ausgebaut: Seit 2025 untersucht ein internationales Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berlin sowie der Klassik Stiftung Weimar die rund 140 der Albertina zugeordneten Dürer-Zeichnungen mit material- und kunsttechnologischen Methoden – mit dem Ziel, 2028 zu Dürers 500. Todestag neue Forschungsergebnisse zu präsentieren.22 Die Albertina positioniert sich damit bewusst in einem internationalen Exzellenzcluster grafischer Sammlungen neben dem Metropolitan Museum, dem Louvre und dem British Museum.23
Digital denkt Gleis die Albertina als „Museum ohne Wände“: Zu den bereits 280.000 digital erschlossenen Objekten sollen in den kommenden acht bis zehn Jahren weitere 300.000 hinzukommen.24 Hausintern trainierte Chatbots beantworten schon heute niederschwellig Besucherfragen, während die Bearbeitung objektbezogener Daten zunehmend KI-gestützt erfolgen soll.25
„Mit Weitblick könnte formuliert werden, dass das Museum der Zukunft nicht mehr nur ein Gebäude ist, sondern ein offenes und globales gesellschaftliches System.“26
Trotz dieser digitalen Öffnung betont Gleis ausdrücklich den Wert des physischen Orts: Die Albertina als sozialer, emotionaler Raum der Begegnung – für Ausstellungsbesuche ebenso wie für gemeinsames Essen, Konzerte oder private Feste27. Für das Jubiläumswochenende selbst sind 250 unterschiedliche Vermittlungsformate für ein möglichst diverses Publikum geplant.28 Als künstlerische Stimme für den institutionellen Ausblick wurde Rosa Barba gewählt, deren filmisch-skulpturale Installation die Albertina explizit nicht als abgeschlossene, sondern als „lebendiges, sich wandelndes Gefüge“ inszeniert.29
Literatur zur Geschichte der Albertina
- Ralph Gleis: Gegenwart und Ausblick. Perspektiven der Albertina, in: 250 Jahre Albertina, Ausst.-Kat. Albertina, Wien 2026, S. 289–305.
- Christof Metzger: Blick zurück nach vorn. Eine Sammlung entsteht, in: 250 Jahre Albertina, Ausst.-Kat. Albertina, Wien 2026, S. 91–123.
- Barbara Dossi: Albertina. Sammlungsgeschichte und Meisterwerke, München und New York 1998.
- Eva Michel: „Vielleicht die schönste und erlesenste in Europa". Die Sammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen, in: Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ausst.-Kat. Albertina, Wien, Ostfildern 2014, S. 13–33.
- Eva Michel: Collecting in the Age of Enlightenment. The Collection of Duke Albert of Saxe-Teschen, in: Andrea Gáldy, Sylvia Heudecker (Hg.): Collecting Prints and Drawings, Newcastle upon Tyne 2018, S. 190–202.
- Eva Michel: Correspondance inédite du duc Albert de Saxe-Teschen sur les origines de sa collection d'estampes. „Un prégout très satisfaisant de la magnificence de l'ensemble", in: Marianne Grivel, Estelle Leutrat, Véronique Meyer, Pierre Wachenheim (Hg.): Curieux d'estampes. Collections et collectionneurs de gravures en Europe (1500–1815), Rennes 2022, S. 79–90.
- Walter Koschatzky: Albert Herzog von Sachsen-Teschen 1738–1822 zum 250. Geburtstag, Wien 1988.
- Hans Rudolph Fueßli: Annalen der bildenden Kunst für die österreichischen Staaten, Teil 1, Wien 1801.







![Honoré Daumier, Nadar élevant la photographie à la hauteur de l'art [Nadar erhebt die Fotografie auf die Höhe der Kunst], 1862, Kreidelithografie, sehr wenig geschabt, sur chine, 445 × 310 mm (© Privatsammlung)](https://artinwords.de/wp-content/uploads/Honore-Daumier-Nadar-erhebt-die-Fotografie-auf-die-Höhe-der-Kunst-778x500.jpg)




























































