Was ist die Neue Sachlichkeit?

Die Mannheimer Kunsthalle präsentierte 1925 die Ausstellung „Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“. Der vom Direktor Gustav Friedrich Hartlaub gewähte Titel war von ihm bereits 1923 eingeführt worden und setzte sich als Stilbegriff einer Epoche durch, der bis heute Verwendung findet. Zu sehen waren unter anderem Werke von den wichtigsten Künstlern dieser Stilrichtung - Otto Dix, Rudolf Schlichter und George Grosz. Deren Gemälde zeichneten sich durch eine sachliche und wirklichkeitsnahe Darstellung des Bildgegenstands aus.

Die Erfahrung des Ersten Weltkriegs veränderte die Sicht auf die Welt und den Menschen radikal. Zutiefst erschüttert, distanzierten sich viele Künstler von den formalen Experimenten der Avantgarde wie KubismusExpressionismus und den verschiedenen Richtungen der Abstraktion (→ Abstrakte Kunst) und konzentrierten sich auf eine nüchtern-realistische Wiedergabe der Wirklichkeit. Gemeinsam ist ihnen eine figurative Malerei; sie zeugt von einer mannigfaltigen und kritischen Auseinandersetzung mit dieser von Brüchen geprägten Zeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

 

Neuklassizismus und Verismus vs. Magischer Realismus

Wie bei allen Stilbegriffen erweist sich auch die Neue Sachlichkeit als nur bedingt tauglich, suggeriert sie doch nur eine vermeintliche Stileinheit. Das Spektrum künstlerischer Ausdrucksformen ist bei näherer Betrachtung deutlich vielgestaltiger. Was von diesen frühen Definitionsversuchen bis heute die Diskussion um die Neue Sachlichkeit prägt, ist die Einteilung der Stile und Künstler in einen rechten und einen linken Flügel. Dies ist durchaus politisch gemeint: Unterschieden wird zwischen sozialkritischen und aufklärerischen Tendenzen, die konservativen, restaurativen oder gar reaktionären Positionen gegenüberstehen. Gustav Hartlaub sprach von einem „rechten“ Flügel, dem er die konservativen „Neuklassizisten“ Georg Schrimpf, Alexander Kanoldt oder Carlo Mense zurechnete. Zum „linken“ Flügel zählten Otto Dix, Georg Scholz, Karl Hubbuch, George Grosz oder Rudolf Schlichter, d.h. die Vertreter eines sozialkritischen Verismus. Betrachtet man jedoch die individuelle Entwicklung einzelner Künstler genauer, so wird klar, dass die gewählte Bildsprache nichts über deren politische Haltung aussagt und noch weniger über die spätere kunstpolitische Einordnung der Werke durch die Nationalsozialisten.

Der Begriff Neue Sachlichkeit vermittelt den Eindruck, dass der künstlerische Blick sachlich, ja kühl ist. Der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen spricht von „Verhaltenslehren der Kälte“, die die Lebensversuche zwischen den Kriegen prägten. Betrachtet man die Kunst der Zeit jedoch genauer, wird deutlich, dass sie selten nüchtern oder neutral ist. Die Bilder zeigen uns die Menschen der Zeit kritisch oder hoffnungsvoll, sie enthüllen Schwächen und Schönheiten.

Der Kunsthistoriker Franz Roh machte in der Publikation „Nach-Expressionismus. Magischer Realismus“ auf metaphysische Tendenzen innerhalb der neuen Strömungen in der Malerei aufmerksam. Zudem finden sich Zeit- und Sozialkritik, Zukunftsangst, Desillusionierung oder Verlorenheit, aber auch Lebensfreude, Hedonismus und Optimismus oder utopische Weltentwürfe.

„Nüchterne Gegenstände / […] / Objekt verdeutlichend / Darstellend / Vertiefend / […] / Vorder- und hintergründig (Nahbild + Fernbild) / Auch zurückfliehend / […] / Kühl, bis kalt / Dünne Farbschicht / Glättend, vertrieben / Wie blank gemachtes Metall / Arbeitsprozess austilgend (reine Objektivation) / Harmonische Reinigung der Gegenstände.“1 (Franz Roh)

 

Merkmale der Neuen Sachlichkeit

Das Erscheinungsbild der Neuen Sachlichkeit ist allerdings so vielfältig wie ihre Protagonisten. So reicht das Spektrum der Neuen Sachlichkeit in Deutschland von einer unterkühlten, nüchternen Bildsprache von klassizistischer Strenge (Christian Schad, Alexander Kanoldt) über den magischen Realismus (Franz Radziwill, Georg Schrimpf) bis hin zu einer karikierend überzeichneten Malweise, welche die soziale Misere der Weimarer Republik anprangert (Otto Dix, Jeanne Mammen, Elfriede Lohse-Wächtler). In Österreich nutzte Franz Sedlacek zusätzlich zur überzeichnenden Sozialkritik auch phantastische Elemente zur Bilderzählung. Parallel zur Neuen Sachlichkeit entwickelte sich in der Fotografie eine objektiv-dokumentierende Haltung mit ungewohnten Perspktiven, Neues Sehen genannt.

 

Wie „deutsch“ ist die Neue Sachlichkeit?

Die Neue Sachlichkeit gilt gemeinhin als „deutsch“, da 1925 zwei einflussreiche Kunsthistoriker die von ihnen beobachtete Tendenz zu einer „kühlen“ Auffassung und altmeisterlichen Malweise als Charakteristikum der post-expressionistischen Malerei definierten. Gustav Friedrich Hartlaub erfand dafür den Begriff Neue Sachlichkeit und wollte in der von ihm organisierten Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle zwischen Veristen und Klassizisten unterscheiden. Franz Roh hingegen empfand den Nach-Expressionismus als einen Magischen Realismus2, der sich u. a. durch „Arbeitsprozess austilgend (reine Objektivation)“ oder „harmonische Reinigung der Gegenstände“ diametral vom Expressionismus unterscheiden würde.3

Die Rückkehr einiger Malerinnen und Maler zur „Gegenständlichkeit“4, wie es Hartlaub nannte, und ihre Reaktionen auf die sozio-kulturelle Disposition der Weimarer Republik in Deutschland und der Ersten Republik in Österreich sind nur zwei mögliche Kriterien ihrer Beurteilung. Das Erstaunen der Zeitgenossen vor dem scheinbaren Rückschritt zur altmeisterlichen Malerei hat niemand geringerer als Hans Tietze in einen Aphorismus gegossen:

„Da das Moderne unmodern ist, soll das Unmoderne wieder modern sein.“5

Denn nicht nur in Deutschland, auch in Österreich, der Tschechoslowakei und Italien finden sich Werke mit ähnlichen Stilelementen, die u. a. bereits 1929 gemeinsam in der Ausstellung „Neuromantik und Neue Sachlichkeit in Oberösterreich“ im Gebäude der heutigen Landesgalerie Linz präsentiert wurden. Nach den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs und angesichts der folgenden Instabilität der politischen Systeme setzte in ganz Europa eine Rückbesinnung auf klassische Kompositionen und
künstlerisches Handwerk ein, die mit dem Schlachtruf „retour à l’ordre [Rückkehr zur Ordnung]“ auf fruchtbaren Boden fiel.

 

Neue Sachlichkeit in Berlin

Die wichtigsten Künstler in Berlin der Weimarer Republik - gerne als Hotspot der Roaring Twenties gefeiert - geißelten mit ihrem Überrealismus den Fortschrittsglauben ihrer Zeitgenossen. Der nüchterne Blick auf ihr Umfeld offenbart zerstörte Beziehungen, Identitätssuche und Geschäftsmacherei. Zu den wichtigsten Protagonisten und Protagonistinnen zählen George Grosz, Rudolf Schlichter, Christian Schad und die fast schon klassisch-akademisch zu nennende Lotte Laserstein. Jeanne Mammen karikierte ihre Mitmenschen aus weiblicher Perspektive.

 

Neue Sachlichkeit an den Akademien in Dresden und Breslau

Rund um die zentrale Figur von Otto Dix (1891–1969 → Otto Dix – Der böse Blick), der zwischen 1927 und 1933 eine Professur an der renommierten Akademie in Dresden innehatte6, formierte sich eine Gruppe von Studierenden, die sowohl die psychologische Durchdringung der Porträtierten, die Abkehr vom traditionellen Schönheitsideal und teils skurrile Bildschöpfungen anstrebten. Erika Streit (1910–2011), Hainz Hamisch (1908–1997), Kurt Sillack (1911–2003) gehören zu den international kaum bekannten Dix-Schülerinnen und Schülern, die um 1930 vom radikalen, sozialkritischen Ansatz ihres Lehrers ausgingen. Aber auch ältere Künstler wie der Magische Realist Franz Radziwill (1895–1983), die Sozialkritiker Rudolf Schlichter (1890–1955) und Erich Drechsler (1903–1979) sowie der karikierende Porträtist Albert Birkle (1900–1986) prägten das Kunstschaffen zwischen Berlin und der Stadt an der Elbe entscheidend.

Breslau war während der Weimarer Republik die Hauptstadt von Niederschlesien und besaß mit der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe unter Direktor Oskar Moll eine hervorragende Ausbildungsstätte für Künstlerinnen und Künstler. Neben dem Expressionisten Otto Mueller unterrichteten Oskar Schlemmer (1929–1932), Hans Scharoun (1925-1932) und vor allem Carlo Mense (1925–1932) und Alexander Kanoldt (1925–1931). Mense und Kanoldt vertraten eine zurückhaltende, poetische Form der Gegenständlichkeit – im Gegensatz zum „Bürgerfresser“7 Dix und dem aus Breslau stammenden, aber in Berlin lebenden Sozialkritiker Hans Baluschek (1870–1935). Zeitgenössische Kunstkritiker klassifizierten sie als „linken“ bzw. „rechten“ Flügel der Neuen Sachlichkeit. Heute ist vor allem Alexander Kanoldt für seine geheimnisvollen Stadtansichten und unprätentiösen Stillleben bekannt.

 

Christian Schad: Anfänge der Neuen Sachlichkeit in Rom, Wien und Berlin

Als  Christian Schad 1920 aus dem Schweizer Exil in seine Heimatstadt München zurückgekehrt war, wollte er diesen eingeschlagenen Weg mit dadaistischen Wort-Bild-Experimenten fortsetzen. Doch angesichts von bürgerkriegsähnlichen Zuständen und der Not der Bevölkerung erschienen ihm diese unsinnig. Sein Vater empfahl eine Reise nach Italien, zu den Wurzeln der Kunst. In Rom entdeckte Christian Schad die Gemälde der Hochrenaissance: Raffael, Leonardo da Vinci, Carpaccio wie Sandro Botticelli und Pietro Perugino. In ihren Porträts fand er jenen Menschentyp – unabhängig und würdevoll, den er sich nach den Kriegswirren ersehnte. Christian Schad begann wieder zu malen, die altmeisterliche Technik übte er in Zeichen- und Malkursen an der Akademie in Neapel.

In den Gemälden dieser Jahre lässt sich eine zunehmende Verhärtung der Form und Nüchternheit der Porträtauffassung feststellen. Die Skizzen und Zeichnungen in Kohle leben von der Qualität des Materials: dunkelste Schwärze neben unberührtem Weiß, fein abgestufte Graunuancen neben farbigen Akzenten. Seit seiner Ankunft in Italien kreiste das Schaffen von Christian Schad ausschließlich um den Menschen, meist die neapolitanische Frau, die für ihn Sinnbild von Erotik und Lebensfreude war

Als Papst-Porträtist bekannt geworden, nahm die Wiener Gesellschaft Christian Schad und seine Familie im Sommer 1925 freundlich auf. Hier entstanden Porträts der besseren Gesellschaft aber auch exzentrischer Persönlichkeiten des Wiener Parketts. Der schonungslose Umgang mit dem Material „Mensch“, die Offenlegung von Brüchen und Dissonanzen sind die neuen Ingredienzien seiner Gesellschaftsporträts. Unter diesem Aspekt muss auch das gefühlskalt wirkende „Selbstbildnis mit Modell“ von 1927 gesehen werden. Der Maler sitzt auf einem Bett mit seiner Muse, sie würdigen sich keines Blickes. Die Narzisse zwischen den beiden symbolisiert ihre Selbstverliebtheit (Narzismus), die jegliche Verbindung aussichtslos erscheinen lässt. Nach der Trennung von seiner Frau Marcella, die nur wenige Jahre später bei einem Badeunfall ums Leben kommen wird (1930), zog Schad nach Berlin.

In Berlin entstanden Porträts von Künstlern und Bohémiens wie der Sekretärin „Sonja“ (1928) und den Schaustellern „Agosta, der Flügelmensch und Rasha, die schwarze Taube“ (1929). Hatte Christian Schad in den vergangenen Jahren kaum finanziellen Druck verspürt und sich seine Modelle immer selbst ausgesucht, so führte die Weltwirtschaftskrise zu einer deutlichen Veränderung. Gegen 1930 sah sich der Maler gezwungen, seine Porträts idealisierter, blonder Mädchen Modezeitschriften anzubieten, um sich so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Heute gelten gerade die Werke der späten 1920er Jahre als Innbegriff der Neuen Sachlichkeit.

Durch seine Herkunft begünstigt, musste sich der Künstler bis in die frühen 1930er Jahre weder um Auftragsarbeiten kümmern noch für den Kunstmarkt arbeiten. So hätte sich wohl auch Sonja keines seiner meisterhaft ausgeführten Werke leisten können, denn sie war weder reich noch berühmt. Sie arbeitete tagsüber als Sekretärin, aber nachts wurde sie zu einer der berüchtigten, unabhängigen Berlinerinnen, die sich ungeniert in Cafés und Varietés amüsierten. Accessoires wie die Packung amerikanischer, also „guter“ Zigaretten, ihre lackierte Puderdose und das metallene Gehäuse ihres Lippenstiftes am Tisch sind genauso wie Kleidung und Haarschnitt Belege für ihren Lebensstil. Sonja gilt heute als Idealtyp der unverheirateten, selbst bestimmten Frau der 20er Jahre. Sie fühlte sich in Nachtlokalen zu Hause, weshalb sie Schad mitten in das „Romanische Café“, inmitten von Literaturstars wie Max Hermann-Neisse links hinter ihr, setzte. Und dennoch scheint die Verkörperung der modernen Frau, Sonja, nicht glücklich; ihre großen Augen starren ins Leere, sie wirkt erschöpft.

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Neue Sachlichkeit in Österreich und der Tschechoslowakei

Der österreichische Beitrag zur Neuen Sachlichkeit umfasst Viktor Planckh (1904–1941), Ernst Nepo (1895–1971), Herbert Ploberger (1902–1977) und Franz Sedlacek (1891–1945). Böhmen resp. die Tschechoslowakei sind durch Vaclav Vojtěch Novák (1901–1969), Vlasta Vostřebalová Fischerová (1898–1963) und vor allem Milada Marešová (1901–1987) vertreten. Während die Österreicher stärker die geheimnisvoll-fantastischen Zugänge erkundeten, zeigt sich Marešová als Chronistin der „Roaring Twenties“. Gemälde wie „Pariser Metro“ (1923) und „Wohltätigkeitsbasar“ (1927) strömen ein Lebensgefühl von Pariser bzw. Prager Eleganz und modernem Lebensstil aus, das bis heute die Vorstellung der Zwischenkriegszeit prägt.

 

Berühmte Maler der Neuen Sachlichkeit in Deutschland

  • Christian Schad
  • Otto Dix - gemeinsam mit George Grosz einer der wichtigsten Vertreter des Verismus
  • George Grosz - gemeinsam mit Otto Dix einer der wichtigsten Vertreter des Verismus
  • Rudolf Schlichter
  • Josef Scharl
  • Georg Schrimpf
  • Wilhelm Heise
  • Heinrich Maria Davringhausen
  • Franz Radziwill
  • Erna Dinklage
  • Helmut Kolle
  • Karl Hubbuch
  • Alfred Hawel

 

Berühmte Maler der Neuen Sachlichkeit in Österreich

  • Viktor Planckh (1904–1941)
  • Ernst Nepo (1895–1971)
  • Herbert Ploberger (1902–1977): 1927 übersiedelte er nach Berlin, ab 1950 lebte er in München
  • Franz Sedlacek (1891–1945)
  • Carry Hauser (1895–1985): Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser
  • Otto Rudof Schatz (1900–1961)
  • Paul Kirning (1891–1955)
  • Wilhelm Träger (1907–1980)
  • Albert Paris Gütersloh (1887–1973)
  • Marie-Louise Motesiczky (1906–1922)
  • Franz Lerch (1895–1977)
  • Sergius Pauser (1896–1970)
  • Eduard Bäumer (1892–1977)
  • Lois Pregartbauer (1899–1915)
  • Franz Silberbauer (1883–1974)
  • Georg Jung (1899–1918)
  • Albin Egger-Lienz (1868–1926)
  • Rudolf Wacker (1893–1909)
  • Rudolf Lehntert (1893–1932)
  • Alfons Walde (1891–1958)
  • Oswald Baer (1906–1925)
  • Herbert Reyl-Hanisch (1898–1937)

 

Quellen

Franz Roh, Nach-Expressionismus. Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei, Leipzig 1925.

Literatur

Kathrin Baumstark, Andreas Hoffmann, Franz Wilhelm Kaiser und Ulrich Pohlmann (Hg.), Die Welt im Umbruch. Kunst der 20er Jahre (Ausst.-Kat. Bucerius Kunstforum, Hamburg, 9.2.–19.5.2019), München 2019. → Äußerst empfehlenswert für die Wechselwirkungen zwischen Fotografie und Malerei während der 1920er Jahre.

Beiträge zur Kunst der Neuen Sachlichkeit

20. Februar 2019
Aenne Biermann, Blick aus meinem Atelierfenster, Detail, vor 1930 (Foto: Sibylle Forster, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München)

Pinakothek der Moderne: Aenne Biermann. Vertrautheit mit den Dingen München zeigt Hauptvertreterin des Neuen Sehens

Für die Autodidaktin Aenne Biermann (1898–1933) war die Kamera ein Mittel sich den Dingen und Situationen ihrer Lebensumwelt anzunähern. Das in nur wenigen Jahren entstandene Werk zählt heute zu den Hauptwerken der Fotografie des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit. Die Pinakothek der Moderne zeigt Werk und Werdegang der Künstlerin.
5. Februar 2019
Gert H. Wollheim, Abschied von Düsseldorf, Detail, 1924, Öl auf Leinwand, 160 × 185 cm (Kunstpalast, Düsseldorf, © Jutta Osterhof / Nachlass des Künstlers, Foto: Kunstpalast - Horst Kolberg – ARTOTHEK)

Düsseldorf Kunstpalast: Das Junge Rheinland „Zu schön, um wahr zu sein“ der Düsseldorfer Kunstszene bis 1933

Ausstellung im Kunstpalast 2019: Das Junge Rheinland, Künstlervereinigung 1919-1933 in Düsseldorf: Künstler und Künstlerinnen, Kunstrichtungen, Auflösung.
4. Februar 2019
Christian Schad, Halbakt, Detail, 1924 (Von der Heydt-Museum, Wuppertal, © Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Bucerius Kunstforum zeigt Kunst von Otto Dix bis August Sander Neues Sehen – Neue Sachlichkeit: Wechselwirkung von Fotografie und Malerei der Weimarer Republik in Hamburg

Nach 1918 etablierte sich mit der Neuen Sachlichkeit in der Malerei sowie dem Neuen Sehen in der Fotografie eine moderne Stilrichtung, die eine sachliche und realistisch-veristische Wiedergabe anstrebte und sich so vom Expressionismus bzw. Piktorialismus abgrenzte. In der Gegenüberstellung von Gemälden und Fotografien aus dieser Epoche spürt die Ausstellung den Wechselbeziehungen zwischen den Medien nach. Sie untersucht die Themenkomplexe Porträt, Stadtansichten, Stillleben, Industrie und Technik sowie politische Fotomontage, in der sich die gesellschaftlichen Spannungen dieser turbulenten Epoche exemplarisch verdichten.
22. Oktober 2018
Max Beckmann, Cabins [Kajüten], Detail, 1948, Öl/Lw, 139,5 x 190 cm (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf)

Max Beckmann. Figuren im Exil Flucht und Exil im Werk des deutschen Malers

„Max Beckmann. Figuren im Exil“ versammelt Arbeiten, in denen Exil – auch in wörtlichem Sinne sein eigenes Exil – und Figur im Zentrum stehen. Die Figur hatte zeitlebens größte Bedeutung für Max Beckmann, stand sie doch in seinem Werk und Denken für die conditio humana, die Existenz des modernen Menschen.
2. September 2018
Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, Detail, 1930, Öl auf Holz, 111 x 205,7 cm (Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Roman März © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht Porträtistin Berlins der Weimarer Zeit im Städel Museum und der Berlinischen Galerie

Das Werk der deutschen Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) zeichnet sich durch ebenso sensibel wie eindringlich gestaltete Porträts aus den späten Jahren der Weimarer Republik aus. Anhand von rund 40 Gemälden und Zeichnungen nimmt die Ausstellung im Städel sowie 2019 in der Berlinischen Galerie Lasersteins künstlerische Entwicklung in den Blick.
21. August 2018
Ubaldo Oppi, Die Frau des Künstlers vor venezianischer Kulisse, Detail, 1921, Öl/Lw (Privatsammlung, Rom, Foto: Carlo Baroni, Rovereto)

Unheimlich real. Italienische Malerei der 1920er Jahre Magischer Realismus auf der Appeninhalbinsel

Im Laufe der 1920er Jahre entfaltet sich in Italien der Realismo Magico [Magischer Realismus], eine Kunstströmung, die lange mit der Neuen Sachlichkeit gleichgesetzt wurde. Rund 80 Gemälde dieser Bewegung sind im Herbst 2018 in der Ausstellung „Unheimlich real. Italienische Malerei der 1920er Jahre“ im Museum Folkwang zu sehen.
8. März 2018
Klemens Brosch, Am Strande, 1913, Feder in Tusche, laviert, 34,5 x 41 cm (Oberösterreichisches Landesmuseum Inv. Nr. Ha II 1445)

Klemens Brosch Zeichnungen zwischen Hyperrealismus und Morphiumsucht

Klemens Brosch (1894–1926), der geniale Zeichner, Druckgrafiker und Maler aus Oberösterreich, ist (leider) noch immer ein Geheimtipp. Seine Zeichnungen sind höchst kontrollierte Produkte eines gesellschaftskritischen Beobachters, angesiedelt zwischen Symbolismus, Naturalismus und Neuer Sachlichkeit, verwandt mit Fantastischer Kunst und Karikatur, während des Ersten Weltkriegs Barbarei und Menschenverachtung anklagend. Vergessen konnte der Künstler das einmal Gesehene nicht, eine Morphiumsucht trieb ihn 1926 mit nur 32 Jahren in den Selbstmord.
23. September 2017
Anita Rée, Selbstbildnis, Detail, 1912/13, Kohle und Aquarell, 44,5 x 32 cm (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Christoph Irrgang)

Anita Rée: Werk und Leben Hamburger Malerin der Weimarer Republik wiederentdeckt

Anita Rée (1885–1933), Hamburger Malerin und Grafikerin, war ein erfolgreiches Gründungsmitglied der Hamburgischen Sezession (1919). Ihr umfangreiches Œuvre reicht von Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden, Wandmalereien im öffentlichen Raum bis zu gestalteten Objekten.
8. Februar 2017
Otto Dix. Der böse Blick (Düsseldorf/London)

Otto Dix – Der böse Blick Ausstellung im K20, Düsseldorf

Otto Dix (1891–1969) hat Düsseldorf viel zu verdanken: Der talentierte Maler mit Vorliebe für entwaffnend radikale Themen verbrachte von Oktober 1921 bis 1925 sehr erfolgreiche Jahre in der Stadt, traf hier auf eine einflussreiche Künstlerszene und entwickelte in dieser Zeit seinen unverkennbaren kritischen Stil, einen expressiven Verismus.
6. Dezember 2016
Georgia O’Keeffe, From the Faraway, Nearby [Aus der Ferne, nah)], 1937, Öl auf Leinwand 91,4 x 101,9 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Foto: © BKP/ The Metropolitan Museum of Art / Malcolm Varon)

Georgia O’Keeffe Leben & Bilder zwischen Abstraktion und Figuration

Georgia O’Keeffe (1887–1986) ist berühmt für ihre frühen Abstraktionen, „vulvaförmigen Blumen“ (dieser Deutung widersprach die Künstlerin genauso vehement wie erfolglos). Sie ist eine Ikone der Frauenbewegung und weltweit anerkannte Malerin von Stillleben und Landschaften aus der Wüste von New Mexico.
5. Mai 2016
Alexander Kanoldt, Stilleben II/27,1927, Öl auf Leinwand, 61 × 50 cm, Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität Marburg, Foto: © Bildarchiv Foto Marburg

Wie deutsch ist die Neue Sachlichkeit?

Agnes Tieze, Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg und Kuratorin von „Messerscharf und detailverliebt“, stellt 2015/16 weder Fragen nach stilistischen Gruppierungen noch Themenkreisen der Neuen Sachlichkeit, sondern möchte den Blick von den zentralen Kunstorten Berlin und Dresden weg und in den Osten der Weimarer Republik (heute: Polen), nach Österreich und in die Tschechoslowakei richten. Neben Dresden, wo Otto Dix an der Akademie unterrichtete, wird ein besonderes Augenmerk auf die Akademie in Breslau (heute: Wroclaw, Polen) gelegt, ergänzt durch österreichische und tschechoslowakische Künstlerinnen und Künstler.
6. Februar 2016
Otto Rudolf Schatz, Carry Hauser (Residenz Verlag).

Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser Sozialistische Kunst in Wien im Zeitalter der Extreme

Otto Rudolf Schatz (1900–1961) und Carry Hauser (1895–1985) in einer Doppelausstellung gemeinsam zu beleuchten, dafür gibt es keinen äußeren Grund. Weder waren die beiden befreundet, noch haben sie in ihren bekanntesten Werken ähnliche Zugänge vertreten. Warum also zwei Künstler einander gegenüberstellen, die in Wien ab etwa 1920 tätig waren und stilistisch zwischen der Neuen Sachlichkeit, dem Magischen Realismus anzusiedeln sind, der eine ein Madonnenmaler (Hauser) und der andere Holzschnitt-Künstler mit sozialistischer Botschaft (Schatz)? Die Antwort von Kurator Ralph Gleis: Beide beschäftigten sich mehr oder weniger direkt mit Politik!
5. November 2014
Max Beckmann, Stillleben (Prestel Verlag).

Max Beckmann. Die Stillleben Magie der Realität

Für Städte, Landschaften, Porträts und fast 200 Selbstbildnisse ist Max Beckmann (1884–1950) berühmt. Er rang mit seiner Malerei, um kraftvoll, expressiv, schonungslos, manchmal auch brutal das menschliche Leben, seine Verstrickungen und Abhängigkeiten in Symbolen zu fassen. Vor allem sein Umgang mit Schwarz ist schon vor der Erfindung dieses Wortes existentialistisch. Zu einem solchen Werk scheint die Gattung Stillleben einfach nicht zu passen. Dennoch hat sich Beckmann dieses Themas sein ganzes Leben lang bedient. Umso erstaunlicher ist, dass die Kunsthalle Hamburg und Kuratorin Karin Schick die erste umfassende Stillleben-Schau ausrichten.
24. Februar 2014
Franz Lerch, Mädchen mit Hut, 1929, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm © Belvedere, Wien.

Kunst in Wien und Berlin (1900-1935) Kunst zweier Metropolen

Gemeinsam mit der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur erarbeitete das Belvedere die reiche Schau „Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen“. Der zeitliche Horizont spannt sich hierbei von den Secessionsbildungen 1897 in Wien und 1898 in Berlin bis in die frühen 30er-Jahre, d.h. stilistisch vom Jugendstil über den Expressionismus, hin zu Dada, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit.
1. Februar 2014
Franz Sedlacek, Bibliothek, 1926, Öl auf Sperrholz, 60,5 x 75,5 cm (Oberösterreichisches Landesmuseum, Landesgalerie Linz, WV 25)

Franz Sedlacek Chemiker der Phantasie

Die Gemälde von Franz Sedlacek zählen zu den Höhepunkten der grotesk-phantastischen Kunst Österreichs in der Zwischenkriegszeit. In knapp 20 Jahren entstand ein malerisches Werk, das stilistisch der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden kann, sich jedoch in seiner Figurenauffassung aus der Karikatur und der Groteske speist. In den verblauenden Weltlandschaften führte Sedlacek die Tradition der niederländischen Renaissance mit der Malerei der Romantik zusammen. Als studierter Chemiker widmete er sich dem altmeisterlichen Farbauftrag auch mit so manchem Experiment, das die Oberflächen der Bilder spiegelglatt erscheinen lässt, und deren Farbwirkungen das Geheimnisvolle und Unheimliche der Darstellungen noch weiter hervorstreichen.
26. September 2008
Christian Schad, Sonja, Detail, 1928, Öl auf Leinwand, 90 x 60 cm (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. Eigentum Verein d. Freunde d. Nationalgalerie. Erworben aus den Mitteln der „Stiftung von Ingeborg und Günter Milich“, Berlin © Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg)

Christian Schad Der kühle Blick der Neuen Sachlichkeit

Einer der bedeutendsten Künstler der Neuen Sachlichkeit ist in der großen Herbstausstellung des Leopold Museum zu entdecken: Christian Schad (1894–1982), ein geachteter Porträtist, einfühlsamer Psychologisierer, experimentierfreudiger Ismenverwerter. Wenigen ist bekannt, dass der Maler des „unterkühlten Blickes“ zwischen 1925 und 1927 in Wien wohnte, und dass er hier seinen realistischen Porträts jene geschliffene Eleganz und dekadente Erotik verlieh, die seinen Ruhm begründeten. Gleichzeitig überrascht die Vielfalt des Œuvres: beginnend mit kubo-futuristischen Experimenten über dadaistische Schadographien, dann die bekannten Porträts der 20er Jahre über die innere Emigration zu einem neuen Werkblock der Nachkriegszeit. Dem Leopold Museum, so die Kuratoren Prof. Rudolf Leopold und Dr. Michael Fuhr, wäre es ein besonderes Anliegen, den gesamten Schad zu präsentieren, den Blick auf sein Schaffen zu weiten, ergänzt durch einen Vergleich mit Porträts seiner Zeitgenossen wie u. a. Karl Hubbuch, Otto Dix, George Grosz.
17. März 2006
Alfons Walde, Katalog des Leopoldmuseums

Alfons Walde Winter und Schnee aus Kitzbühl

Berühmt ist Alfons Walde für seine Darstellungen tief verschneiter Gebirgshöhen der Tiroler Alpen, sonntäglichem Dorfleben und Wintersport - weniger bekannt ist, dass er ein Frühwerk stark beeinflusst vom Expressionismus des Egon Schiele, sowie Stillleben und Akte schuf. 1924 – Walde war, nachdem er sein Architekturstudium nach dem Krieg in Wien abgeschlossen hatte, bereits seit drei Jahren wieder in Kitzbühel ansässig – gewinnt der nun schon bekannte Tiroler den ersten Wettbewerb, den das Tiroler Landesverkehrsamt unter dem Titel „Winterbilder“ ausgeschrieben hatte. Alfons Walde konnte den ersten und zweiten Preis erringen! Das Wintermärchen Tirol war geboren. In den Bildern des mondänen Wintersports verewigt er die Bedeutung des Bergdorfes Kitzbühel für die Entwicklung von Schilauf und Schisprung. Die Farbkombination von weißem, leuchtendem Schnee und tiefblauem Himmel fasziniert bis heute sein Publikum.
  1. Franz Roh, Nach-Expressionismus. Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei, Leipzig 1925, S. 19–20. Zit. n. Katharina Sykora, Das Spiel mit der ikonischen Differenz. Zeigegesten in der Malerei und Fotografie des Nachexpressionismus, in: Baumstark/ Hoffmann/ Kaiser/ Pohlmann (Hg.), Die Welt im Umbruch. Kunst der 20er Jahre (Ausst.-Kat. Bucerius Kunstforum; Münchner Stadtmuseum), München 2019, hier S. 25.
  2. Franz Roh, Nach-Expressionismus: Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei, Leipzig 1925.
  3. Siehe die schematisierte Gegenüberstellung von Expressionismus und Nachexpressionismus anhand von 22 Begriffspaaren aus Rohs Buch auf (letzter Aufruf 11.1.2016). Franz Roh war Schüler von Heinrich Wölfflin, dessen „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe“ (1915) vorbildhaft für die Arbeit mit Gegensatzpaaren war.
  4. Zitiert nach Dennis Crockett, German Post-Expressionism. The Art oft he Great Disorder 1918-1924, Pennsylvania 1999, S. 147.
  5. Zitiert nach Crockett, S. 145.
  6. Dix folgte auf Oskar Kokoschka, der sich 1926 von seinen Lehrverpflichtungen freistellen ließ.
  7. Das Kunstblatt, Bd. 7 (1923) S. 254.