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New York | The Metropolitan Museum of Art: Félix Vallotton „Maler der Unruhe” bringt Spannung in die Met Fifth Avenue

Félix Vallotton, Der Besuch, Detail, 1899, Gouache/Karton, 55.5 x 87 cm (Kunsthaus Zürich. erworben 1909. © Kunsthaus Zürich)

Félix Vallotton, Der Besuch, Detail, 1899, Gouache/Karton, 55.5 x 87 cm (Kunsthaus Zürich. erworben 1909. © Kunsthaus Zürich)

Félix Vallotton (1865–1925) ist berühmt für seine Bilder des Pariser Fin de Siècle. Der gebürtige Schweizer Künstler schuf gemalten Porträts und erzählungsreiche Interieurs, die vor psychischer Spannung pulsieren. Der in Paris lebende Vallotton ist ein Hauptvertreter der radikalen Ästhetik, die im Paris des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ausgeprägt wurde, und gilt heute als herausragender Künstler seiner Generation (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus). Das Metropolitan Museum of Art zeigt unter dem Titel „Félix Vallotton: Maler der Unruhe“ rund 70 Kunstwerken von mehr als zwei Dutzend Leihgebern. Mit ihnen werden entscheidende Momente in der Karriere des Künstlers als Maler und Grafiker beleuchtet.

Félix Vallotton in der Met

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen Vallottons scharfsinnige Holzschnitte aus den 1890er Jahren. Diese schwarz-weiß Drucke begründeten seinen Ruf als Grafiker ersten Ranges und präsentieren auf kühne Weise Vallottons politisch linke Einstellung. Zum ersten Mal wird Vallottons Porträt der legendären amerikanischen Sammlerin Gertrude Stein zusammen mit Pablo Picassos Gemälde dieser beeindruckenden Frau in der Sammlung The Met ausgestellt.

 

Wer war Félix Vallotton?

Félix Vallotton kam im Alter von 16 Jahren nach Paris, besuchte die Académie Julian und besuchte die Klassen der Maler Jules Lefèbvre und Gustave Boulanger. Vallottons frühe Werke sind voller witziger und oft beunruhigender Beobachtungen des häuslichen und politischen Lebens. Der Künstler tauchte in das Pariser Leben sowohl als Teilnehmer wie als scharfer Beobachter ein. Er erkannte früh sein Talent als Druckgrafiker; Vallottons Illustrationen verbreiteten sich in den 1890er Jahren in Literaturzeitschriften und in sozialistischen Zeitschriften. Während er keine Möglichkeit ausließ, die französische Bourgeoisie zu verspotten, heiratete Félix Vallotton 1899 in ihre Reihen ein: seine Frau war Mitglied der berühmten Bernheim-Jeune-Kunsthändlerfamilie.

Félix Vallotton bewegte sich kurz innerhalb der Künstlergruppe „Nabis“, zu der auch Pierre Bonnard, Edouard Vuillard und Maurice Denis gehörten. Bonnard und Vuillard blieben noch miteinander befreundet, nachdem sich die „Nabis“ aufgelöst hatten. Vallottons Ehe brachte finanzielle Sicherheit und ein Ende der Druckgrafik als wesentliche Einnahmequelle. Danach widmete sich der Künstler ausschließlich der Malerei und lebte zwischen dem bürgerlichen Paris und der Normandie, wo er seine Sommer verbrachte.

Kuratiert von Dita Amory, Kuratorin der Robert Lehman Collection.

Die Ausstellung wird vom Metropolitan Museum of Art, New York und der Royal Academy of Arts, London, in Zusammenarbeit mit der Fondation Félix Vallotton, Lausanne, organisiert. Vor der Ausstellung im The Met ist die Ausstellung in der Royal Academy of Arts in London (30.6. – 29.9.2019) zu sehen.

 

 

Félix Vallotton in New York: ausgestellte Bilder

  • Félix Vallotton, Selbstporträt im Alter von 20 Jahren, 1885, Öl/Lw, 70 x 55.2 cm (Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne. Ankauf, 1896. Inv.-Nr. 620)
  • Félix Vallotton, Baden an einem Sommerabend, 1892/93, Öl/Lw, 97 x 131 cm (Kunsthaus Zürich. Gottfried Keller Foundation, Federal Office of Culture, Bern. Ankauf 1965)
  • Félix Vallotton, Die Lüge, 1897, Öl/Karton, 24 x 33.4 cm (The Baltimore Museum of Art. The Cone Collection, formed by Dr. Claribel Cone and Miss Etta Cone of Baltimore, Maryland, BMA 1950.298)
  • Félix Vallotton, Intimitäten V: Das Geld, 1898, Holzschnitt, 25 x 32.3 cm (Ville de Genéve, Musées d‘art et d‘histoire, Don Lucien Archinard)
  • Félix Vallotton, Der Besuch, 1899, Gouache/Karton, 55.5 x 87 cm (Kunsthaus Zürich. erworben 1909)
  • Félix Vallotton, Gabrielle Vallotton, 1905, Öl/Lw, 89 x 116.5 cm (Musée des Beaux-Arts, Bordeaux)
  • Félix Vallotton, Rote Paprika, 1915, Öl/Lw, 46 x 55 cm (Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller Foundation)
  • Félix Vallotton, Sandbänke an der Loire, 1923, Öl/Lw, 73 x 100 cm (Kunsthaus Zürich. Akauf 1938)

Beiträge zum Postimpressionismus

7. August 2019
Vincent van Gogh, Le Café de nuit à Arles, 1888 (Hahnloser-Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur, Foto: Reto Pedrini, Zürich)

Wien | Albertina: Sammlung Hahnloser Cézanne, Matisse, Hodler - und die Künstler des Postimpressionismus, Fauvismus und Klassischen Moderne

Die Albertina präsentiert im Frühjahr 2020 eine repräsentative Auswahl an Werken der Schweizer Sammlung Hahnloser. Die Sammlung Hahnloser, zwischen 1905 und 1936 zusammengetragen von Arthur Hahnloser und dessen Ehefrau Hedy Hahnloser-Bühler, umfasst Werke des Postimpressionismus, Fauvismus und der Klassischen Moderne - von Van Gogh, Cézanne über die Nabis bis zu Matisse und Ferdinand Hodler.
15. Juli 2019
Vincent van Gogh, Selbstporträt, Detai, 1887, Öl/Karton, 32,8 x 24 cm (Kröller-Müller Museum, Otterlo © Indien van Toepassing, Amsterdam)

Frankfurt | Städel: Vincent van Gogh „Making Van Gogh“ beleuchtet Rezeption von Van Goghs Kunst in Deutschland

Vincent van Gogh (1853–1890) verkaufte während seines kurzen Künstlerlebens nur ein einziges Bild. Doch 15 Jahre nach seiner Selbsttötung hatten die Kunstwelt und erste Sammler den immensen Wert seines Schaffens erkannt. Das Städel Museum in Frankfurt a.M. zeigt erstmals in einer Ausstellung, welche Rolle die deutschen Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte seiner Malerei spielten.
12. Juli 2019
Vincent van Gogh, Der Sämann, 1888 (Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Winterthur, Schenkung Elisabeth Lasserre-Jäggli, 1983)

Albertina zeigt Sammlung Hahnloser im Frühjahr 2020 Entdeckung des Postimpressionismus in der Schweiz

Klaus-Albrecht Schröder kündigt für 2020 Ausstellung mit Meisterwerken der Sammlung Hahnloser an: Bonnard, Matisse, Redon, Vallotton, van Gogh, Vuillard uvm.

Aktuelle Ausstellungen

14. August 2019
Georg Baselitz-Saal mit den Werken der Schenkung zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern in der Pinakothek der Moderne, München, 2019, Foto: Johannes Haslinger, Bayerische Staatsgemäldesammlungen © Georg Baselitz 2019

München | Pinakothek der Moderne: Georg Baselitz. Die Schenkung Pinakothek der Moderne besitzt nun über 31 Werke des Künstlers – von 1962 bis in die Gegenwart

Georg Baselitz schenkte den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern sechs Gemälde und eine Skulptur aus den Jahren 2008 bis 2017. Der Baselitz-Saal in der Pinakothek der Moderne zeigt bis auf Weiteres diese Arbeiten in unterschiedlicher Zusammenstellung.
24. Juli 2019
Raffael, Platon und Aristoteles aus dem Karton der Schule von Athen (Pinacoteca Ambrosiana, Mailand © Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mondadori Portfolio)

Mailand | Pinacoteca Ambrosiana: Raffaels Karton der Schule von Athen Werkzeichnung des berühmten Freskos restauriert

Raffaels „Schule von Athen“ (1508–1511) gehört zu seinen berühmtesten Werken – der Karton zu dem Werk in der Stanza della Segnatura im Vatikan befindet sich seit dem Jahr 1610 in der Mailänder Pinacoteca Ambrosiana.
15. Juli 2019
Olafur Eliasson, Stardust particle, 2014, Ø 1760 mm (Tate, Foto: Jens Ziehe, 2017)

London | Tate Modern: Olafur Eliasson Retrospektive zu Natur, Wissenschaft und Teilhabe unter dem Titel „In real life“

Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson (* 1967) war bereits 2003 für seine Installation „The weater project“ in der Tate Modern international gewürdigt worden. Im Juli 2019 kehrt er für eine großangelegte Ausstellung und ein Kunstwerk im öffentlichen Raum nach London zurück.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.