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Paris | Centre Pompidou: Georgia O’Keeffe

Georgia O'Keeffe, Red, Yellow and Black Streak, 1924

Georgia O'Keeffe, Red, Yellow and Black Streak, 1924

Das Centre Pompidou präsentiert im Herbst/Winter 2021 eine große Retrospektive von Georgia O’Keeffe (1887–1986), der bekanntesten und berühmtesten amerikanischen Malerin. Die Ausstellung zeichnet die künstlerische Reise einer Künstlerin nach, die in ihrem langen Leben von der Protagonistin der amerikanischen Moderne, der Suche nach Identität in den 1930er Jahren und der „harten“ Abstraktion der 1950er Jahre machte.

Georgia O’Keeffe befreite sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts von allen Zwängen und Konventionen im Zusammenhang mit dem weiblichen Geschlecht. In den 1920er Jahren, als sie zum ersten Mal in der Kunstwelt auffiel, lehnte O'Keeffe das ihr von Kritikern zugeschriebene Label „Künstlerin“ weitgehend ab (wie auch die Behauptung, dass ihre berühmten Blumen-Bilder sublimierte erotische Darstellungen wären!). O‘Keeffe präsentierte sich als absolut unabhängig und folgte ihren Vorstellungen mit eiserner Disziplin. Sie lehnte zeitlebens geschlechtsspezifische Einschränkungen ab, was sie u.a. durch ihren selbst entworfenen, strengen Kleidungsstil zum Ausdruck bringen wollte. Mithilfe von Porträtfotografien berühmter Freunde formte sie eine öffentliche Person, die mittlerweile zum Rollenvorbild geworden ist.

Ursprünglich aus den Great Plains von Wisconsin stammend, war Georgia O‘Keeffe sehr früh davon überzeugt, dass sie berufen wäre, Malerin zu werden. Als junge Künstlerin lernte sie den einflussreichen Fotografen und Galeriebesitzer Alfred Stieglitz kennen. In seiner New Yorker Galerie 291 stellte er die wichtigsten Künstler der Moderne aus Frankreich und den USA aus. Stieglitz war es, der ihre ersten abstrakten Werke ausstellte, die von einer Schrift Kandinskys und der darin beschriebenen Spiritualität geprägt waren. Diese Ausstellung markierte sowohl den Beginn von O'Keeffes Karriere als auch die Geburt einer der medienreichsten Romanzen der modernen Kunstgeschichte.

Georgia O'Keeffe wurde bald von den renommiertesten amerikanischen Institutionen für moderne Kunst anerkannt und stellte ihre Werke 1928 im MOMA aus. Nach einer Zeit in New York hielt sich O'Keeffe mehrmals in New Mexico auf, wo sie ein gleißendes Licht entdeckte und Muster, die ihren Vorlieben für klare und synthetische Formen entgegenkam. Die Malerin ließ sich 1949 endgültig in New Mexico nieder, malte Landschaften, die sie geschickt anthropomorphisierte, und Formen, die von Metamorphosen des Lebens und der Natur-Zyklen zeugen.

Abstraktion und Repräsentation waren für O’Keeffe weder Zwillinge noch Gegensätze. Die Amerikanerin bewegte sich frei von einer zum anderen Ausdrucksweise und wusste, dass jede Kunst in einer ihr zugrundeliegenden abstrakten formalen Erfindung verwurzelt ist. Für O'Keeffe bot die Abstraktion eine Möglichkeit, unbeschreibliche Gedanken und Empfindungen zu kommunizieren. Wie sie 1976 sagte: „Die Abstraktion ist oft die eindeutigste Form für das Immaterielle in mir, die ich nur in Farbe klären kann.“ Durch ihre persönliche Sprache der Abstraktion versuchte sie, (wie sie in einem Brief von 1916 an Alfred Stieglitz anvertraute) „Dingen, die ich fühle und sagen möchte – [aber] keine Worte dafür habe“, visuelle Form zu geben. Die Abstraktion ermöglichte es ihr, immaterielle Erfahrungen auszudrücken – sei es eine Qualität von Licht, Farbe, Ton oder Reaktion auf eine Person oder einen Ort. Wie O'Keeffe es 1923 definierte, war es ihr Ziel als Malerin,

„das Unbekannte bekannt zu machen. Mit unbekannt meine ich das, was der Person so viel bedeutet, dass sie es ablegen möchte – etwas klären, das sie fühlt, aber nicht klar versteht.“

Quelle: Centre Pompidou, Paris

Georgia O’Keeffe im Centre Pompidou: Bilder

  • Georgia O’Keeffe, Red, Yellow and Black Streak, 1924, Öl/Lw, 101,3 x 81,3 cm (Centre Pompidou, Paris)

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