Per Kirkeby

Per Kirkeby (1938–2018) war vor allem als abstrakter Maler bekannt. Darüber hinaus schuf er ein multimediales Gesamtwerk, das auch Collagen, Plakate, Radierungen, Wandmalereien, Skulpturen, Filme und Bücher (Künstlermonografien) umfasste. Von den 1980er Jahren bis zu seinem Tod war Kirkeby der bekannteste dänische Künstler. Vor allem zu Deutschland pflegte der studierte Geologe eine enge Beziehung lehrte er doch an der Kunstakademie in Karlsruhe (1978–1989) und an der Frankfurter Städelschule (1989–2000).

In der ersten Hälfte der 1960er Jahre entschied sich Per Kirkeby gegen die Wissenschaft und für die Kunst. Dennoch blieb die Beobachtung von Formen in der Natur der Ausgangspunkt seiner Malerei. Diese übersetzte er in künstlerische Strukturen. Häufig wurde bereits festgehalten, dass sich deshalb seine abstrakten Gemälde, die sich wie Erd- oder Gesteinsschichten übereinander auftürmten. „Geologische Landkarten“, so beobachtete Lars Morell Kirkebys Gemälde treffend, „zeichnen Strukturen der Landschaften in Form von Verwerfungen, Faltungen, Bruchlinien, Erhebungen und Senkungen“ nach. Diese naturwissenschaftliche Erkenntnis setzte Per Kirkeby in den 12960er Jahren noch mit Hilfe von Collagen, 8-mm-Filmen und Installationen um. Erst 1974 wandte sich der Däne der Malerei zu.

 

„Die Welt ist Material, aus dem man Kunst macht, vermittels eines kunsthistorischen Prozesses…eines Prozesses, der sich im tiefsten Inneren nicht kontrollieren lässt.“ (Per Kirkeby über den Schaffensprozess)

 

Von 1976/77 bis 2015 schuf Per Kirkeby abstrakte Kompositionen, für die er Farben in Schichten aufträgt. Dadurch erhalten die Leinwände eine reliefierte Oberfläche. Für den dänischen Künstler bot die Welt Inspirationsquelle, wobei er deren Transformation, die „Katastrophe“ der abrupten Veränderung als chaotischer, antiintellektueller Moment beschrieb. Ausgehend von Motiven, die Per Kirkeby bei Spaziergängen oder Expeditionen skizzierte, schuf der Maler seine Werke in jahrelanger Arbeit. Das langsame Arbeiten entspricht dem Werden der Erdoberfläche, die durch Auftürmen (von Farbe) und Abtragen, Aufschichten und Einstürzen geformt wird. Transformation in einem langwierigen, erst spät abgeschlossenen Prozess kennzeichnet daher Per Kirkebys Kunstauffassung. Per Kirkeby bezeichnete seine Gemälde als „zusammenbrechende Strukturen“, eine Metapher, die er sich aus der Geologie entlehnte.

Kirkebys Bronze Skulpturen zeigen fragmentierte Körper – meist nur Arme, Beine oder Köpfe, häufig miteinander verschmolzen – Reminiszenzen an Auguste Rodins radikale Lösungen von Torsi. Per Kirkeby verbindet seine Skulpturen mit der Natur. Indem er die fragmentierten Extremitäten zu Formen überarbeitet, die kaum eine Figur erahnen lassen, vermeidet er Erzählung oder gar Anekdote.

 

„Ich denke, dass jedes Bild ein Bild an sich ist“, erläutert der Künstler. „Natürlich gibt es manchmal Elemente von früher, aber die Wiederholung darf nur ein Anlass sein und muss zu einem neuen gültigen Bild führen. Die Wiederholungssache wird für alte Maler oft ein Problem. Wann ist Wiederholung brauchbar und wann einfach nur eine Routine, weil man müde wird? Das Problem kann man in verschiedener Art und Weise attackieren. Meine Wiederholung ist Anlass und wird im Laufe der Entstehungszeit eines Bildes total transformiert.“ (Per Kirkeby über Wiederholungen im Spätwerk)