Peter Paul Rubens

Peter Paul Rubens (1577–1640) zählt zu den bedeutendsten  Malern des Barock. Sein Werk umfasst sämtliche Gattungen und besteht etwa aus 3.000 Leinwänden. Davon sind jedoch nicht alle eigenhändig, denn die überaus hohe Produktivität der RUbens Werkstatt ist in deren Organisation begründet. Der Maler beschäftigte unzählige Schüler und Spezialisten, die bei der Ausführung behilflich waren. Dazu kommen noch Ölskizzen und Modelli sowie Zeichnungen. In der hohen Produktivität ist Peter Paul Rubens mit Pablo Picasso vergleichbar .

Rubens wurde am 28. Juni 1577 geboren und nach den Heiligen Petrus und Paulus benannt, die an diesem Tag ihren Festtag haben. Sein Vater Jan Rubens (1530–1587) war ein Rechtsanwalt und Beamter der Stadt Antwerpen. Aufgrund seines calvinistischen Glaubens war er vor der spanischen Besatzung der Stadt geflohen und 1568 mit seiner Frau, Maria Pypelinckx (1538– 1608), nach Köln übersiedelt. 1577 wurde Jan Rubens nach Siegen verbannt, da ihm eine Affäre mit Anna von Sachsen, der Ehefrau von Willem von Oranien, dem Anführer der holländischen Revolte gegen Spanien, nachgesagt wurde. Rubens‘ Mutter hielt ihrem Ehemann die Treue und kehrte nach dessen Tod 1587 mit Rubens und dessen älteren Bruder Philip (1574–1611) nach Antwerpen zurück.

 

Ausbildung in Antwerpen

Rubens konvertiert zum Katholizismus und besuchte die Lateinschule von Rombout Verdonck, wo er eine klassische Ausbildung erhielt. Er arbeitete auch als Page eines Adeligen. Während dieser Erfahrung dürfte Rubens jene höfischen Verhaltensweisen gelernt haben, die ihm für seine spätere Karriere so hilfreich geworden sind. Peter Paul Rubens wurde 1598 als Meister ihn der Kukasgilde von Antwerpen aufgenommen, zuvor hatte er drei Jahre in den Werkstätten von Tobias Verhaecht (1561–1631), Adam van Noort (1562–1641), and Otto van Veen (um 1556–1629) gelernt. Vor allem Otto van Veen, mit dem er entfernt verwandt war, prägte Rubens mit seinem klassischen Stil und seinem Interesse in Emblematik (Lehre von komplexen Text-Bild-Kombinationen).

 

Rubens in Italien

Rubens verließ Antwerpen in Richtung Italien im Jahr 1600, wo er sich bis 1609 aufhielt. Rasch erhielt er die Möglichkeit, für Vincenzo I. Gonzaga (1562–1612), dem Herzog von Mantua, zu arbeiten. Es ist nicht geklärt, wie es den Posten des Hofmalers erhielt, denkbar ist, dass ihn Otto van Veen empfohlen hatte. Veen könnte als Hofmaler von Erzherzog Albert und dessen Frau Isabella den Herzog 1599 in Antwerpen getroffen haben, als dieser die Stadt besuchte. In Mantua malte Rubens einige Porträts der herzoglichen Familie. Wichtiger für den jungen Maler waren jedoch die Studienmöglichkeiten. Peter Paul Rubens bereiste Italien (Florenz, Rom, Umkreis von Venedig) und machte Kopien der Schätze der Gonzaga Sammlung. Darunter Fresken von Andrea Mantegna (Camera degli Sposi, 1465–1474) und Giulio Romano (um 1495–1546) im Palazzo Ducale, weiters Raffaels Kartons für die Tapisserien der Sixtinischen Kapelle mit der Apostelgeschichte. Im Veneto bzw. in Venedig konnte er Werke von Tizian, Tintoretto und Veronese sehen.

Obwohl Peter Paul Rubens zum Gonzaga Hofstaat gehörte, wurde ihm erlaubt, auf der italienischen Halbinsel zu reisen. Er besuchte 1602 Rom, wo er für die Kirche Santa Croce in Jerusalemme drei Altarbilder im Auftrag von Erzherzog Albert schuf. In der päpstlichen Metropole studierte Rubens klassische Skulpturen (z.B. den Apoll vom Belvedere) sowie Werke von Raffael und Michelangelo (im Papstpalast).

1603 diente Peter Paul Rubens dem Herzog von Mantua als diplomatischer Vertreter in Kunstfragen. Vincenzo Gonzaga schickte den flämischen Maler an den Hof von Philipp III. von Spanien. Im Auftrag seines Patrons überbrachte Rubens eine Reihe von offiziellen Geschenken, darunter einige Gemälde, und hielt sich achte Monate in Madrid auf. Sein künstlerisches Talent wurde schnell vom mächtigen Herzog von Lerma (1553–1625) erkannt, den er in einem beeindruckenden Reiterporträt verewigte (Prado).

Nach seiner Rückkehr erhielt Peter Paul Rubens einen wichtigen Auftrag von Vincenzo Gonzaga: drei Gemälde zu Ehren der Heiligen Trinität für den Chor der Jesuitenkirche in Mantua. An dem monumentalen Bild arbeitete Rubens zwischen 1604 und 1605. Kurz darauf ist er 1606 in Genua dokumentiert, wo er die „Beschneidung“ für die Jesuitenkirche sowie einige repräsentative Porträts der Genueser Aristokratie ausführte. Zu den berühmtesten Bildnissen dieser Phase zählt „Marchesa Brigida Spinola Doria“ (National Gallery of Art, Washington).

1606 bis 1608 hielt sich Peter Paul Rubens ein zweites Mal in Rom auf; hier wohnt er einige Zeit gemeinsam mit seinem Bruder Philipp, der als Jurist und Forscher (Antiquar) einer bedeutenden Karriere entgegensah. Philipp war ein Lieblingsschüler von Justus Lipsius (1547–1606) und Anhänger der neostoischen Philosophie seines Mentors. Ihm darf zugeschrieben werden, seinen Bruder Peter Paul Rubens in die Kreise der Intellektuellen eingeführt zu haben. Im Oktober 1608 erreichte Rubens die Nachricht vom Tod seiner Mutter, worauf er sofort nach Antwerpen zurückreiste und im Dezember 1608 ankam.

 

Rückkehr nach Antwerpen

Peter Paul Rubens kehrte zu einer Zeit nach Antwerpen zurück, als die Stadt einer Friedensphase entgegensah (1609–1621). Sowohl sein Talent als auch seine Ambitionen wurden rasch erkannt und gefördert. Peter Paul Rubens konnte sich schnell eingewöhnen, obwohl er anfangs noch daran gedacht haben dürfte, nach Italien zurückzukehren. In der großen Werkstatt etablierte Rubens einen genau durchgeplanten Werkprozess: Seine Kompositionen in Kreide führte der Meister in Ölskizzen aus, die wiederum von Assistenten auf die großformatigen Leinwände übertragen wurden. So konnte er auch große Aufträge – beispielsweise für Kirchen- oder Palastausstattungen – rechtzeitig und zur Zufriedenheit der Auftraggeber ausführen. Gleichzeitig entwickelte er enge Arbeitsbeziehungen mit anderen flämischen Barockmeistern, darunter mit Jan Brueghel dem Älteren, Frans Snyders und Jacob Jordaens (1593–1678). Der begabteste Schüler von Rubens war Anthonis van Dyck. 1620 assistierte Van Dyck Rubens bei der Ausführung der Deckengemälde für die Jesuitenkirche in Antwerpen, kurz zuvor bei den Tapisserieentwürfen für den Decius-Mus-Zyklus (Liechtenstein Princely Collections).

 

Rubens‘ Auftraggeber

Viele von Peter Paul Rubens‘ bedeutendsten Werken sind große Altarbilder, in denen theologische Konzepte der Gegenreformation visuell umgesetzt sind. Weiters zählte er zu den profiliertesten Erfindern von Historien und Mythologien. Zu den wichtigsten Auftraggebern nach seiner Rückkehr aus Rom zählten die Statthalter der südlichen Niederlande, Erzherzog Albert und Infantin Isabella Clara Eugenia. 1609 wurde Peter Paul Rubens der Hofmaler des Paares, das ihm erlaubte auch weiterhin in Antwerpen (anstelle von Brüssel) zu wohnen. Gleichzeitig war er dadurch von allen Steuern und bürgerlichen Lasten befreit.

Während der 1610er Jahre erhielt Rubens auch wichtige Aufträge für Altarbilder von Cornelis van der Geest und Nicolaas Rockox. Aber auch der Herzog von Lerma und Reichsfürst Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Während der 1620er Jahre wuchs Rubens‘ Ruf auch im Ausland, wodurch er die französisch Königin Maria de‘ Medici sowie George Villiers, den Herzog von Buckingham, als Auftraggeber gewinnen konnte.

 

Hochzeit mit Isabella Brant

Die Hochzeit mit Isabella Brant 1609 begründete Rubens‘ Karriere in Amsterdam, war sie doch die Tochter des Stadtsekretärs Jan Brant und die Schwester seiner Schwägerin. Im folgenden Jahr erwarb Rubens ein großes Grundstück am Wapper, in der Nähe der Promenade, das er ab 1611 mit einem Haus bebaute. Während der 17 Jahre, in denen Rubens mit Isabella Brant verheiratet war, wuchs das Haus zu einem der vornehmsten Residenzen der Stadt (Rubens‘ Kunstsammlung, riesiges Atelier, Garten mit Loggia). Das Paar hatte drei Kinder, eine Tochter namens Clara Serena und zwei Söhne. 1626 starb Isabella Brant an einem Fieber (Pest?).

 

Fortbildung und Sammeltätigkeit

Zu den herausragendsten Eigenschaften des Künstlers zählte seine unstillbare Wissbegierde. Obwohl sein Bruder Philipp 1611 tragisch verstarb, verlor Peter Paul Rubens nie den Kontakt zu den humanistischen Zirkeln in ganz Europa. Er schrieb in Latein, Englisch, Französisch, Italienisch und Holländisch und führt Korrespondenzen mit einigen der bekanntesten Antiquare seiner Zeit wie Nicolas-Claude Fabri de Peiresc (1580–1637).

Rubens begeisterte sich auch für die Werke der Antike und seiner Zeitgenossen. Er schätzte die Grafiken von Holbein („Totentanz“), besaß Gemälde von Jan Brueghel u.v.m. 1618 tqauschte er einige seiner Gemälde, darunter „Daniel in der Löwengrube“ (National Gallery of Arts, Washington), gegen eine Sammlung antiker Marmorskulpturen von Sir Dudley Carleton.

 

Diplomatische Missionen und Tizian-Studien

In den 1620er Jahren war Peter Paul Rubens als ein bedeutender Maler an allen Höfen Westeuropas anerkannt. Nach dem Tod von Erzherzog Albert 1621 stieg er zum engen Berater von Erzherzogin Isabella auf und half ihr eine stabile politische Umgebung nach dem Ende des Zwölfjährigen Friedens mit den Nördlichen Niederlanden zu etablieren. Aus diesem Grund unternahm Rubens einige Reisen, darunter 1627 in die Republik Holland und 1628 nach Spanien. Während er sich in Madrid aufhielt, wurde er von Diego Vélazquez durch die königliche Sammlung im Prado und im El Escorial geführt. Dort konnte der flämische Barockmaler einmal mehr die Gemälde von Tizian studieren und kopieren, was Ende der 1620er Jahre noch einmal einen tiefen künstlerischen Eindruck hinterließ.

Es wäre möglich, das König Philipp IV. Rubens damit beauftragte, als Friedensunterhändler nach England zu reisen. Jedenfalls adelte König Charles I. Rubens sowohl für seine politischen Aktivitäten und künstlerischen Leistungen. Während sich Rubens 1629 bis 1630 in London bei Balthasar Gerbier aufhielt, malte er auch eine Reihe von bedeutenden Gemälden für die königliche Familie.

 

Hélène Fourment und der Landsitz Het Steen

Kurz nachdem Rubens nach Antwerpen zurückgekehrt war, heiratete er Hélène Fourment, die fünfzehnjährige Tochter eines wohlhabenden Stoffhändlers. Auch wenn er bis zum Tod der Erzherzogin 1633 deren wichtiger Berater war, nahm er keine diplomatischen Missionen mehr an. 1635 erwarb der nunmehr geadelte Rubens den Landsitz Het Stehen, wo er die letzten Jahre seines Lebens mit Hélène Fourment und ihren gemeinsamen Kindern verbrachte. Während der 1630er Jahre malte Rubens auch erstmals Landschaften, in denen die Liebe zur Natur und seine Bewunderung des Arkadischen, so wie es von Vergil beschrieben wurde, zum Ausdruck kommt.

Peter Paul Rubens starb Ende Mai 1640 und wurde in der Kirche von Saint Jacques in Antwerpen beerdigt. Auf dem steinernen Epitaph steht geschrieben: „Peter Paul Rubens […] der, brillierte unter all den anderen Talenten wunderbar in der Kenntnis der antiken Geschichte und alle anderen nützlichen und eleganten Künste, verdiente es, auch der Apelles genannt zu werden – nicht nur seines eigenen Zeitalters, sondern für immer.“ (Jan Caspar Gevaerts)

17. Oktober 2017
Peter Paul Rubens und Jan Brueghel d. Ä., Infantin Isabella Clara Eugenia, um 1615 (oder um 1618–1620?), Öl/Lw, 113 x 178,5 cm (Madrid, Museo Nacional del Prado © Museo Nacional del Prado, Dist. RMN-GP / image du Prado)

Peter Paul Rubens. Fürstliche Porträts Rubens als Porträtist der Eliten

Peter Paul Rubens (1577–1640) zählte zu den gefragtesten Malern des 17. Jahrhunderts – auch als Porträtist von Mitgliedern der europäischen Höfe. Anhand von 89 Werken gelingt es dem Musée du Luxembourg, die Leistungen Rubens‘ auf diesem Gebiet vorzustellen. Beispiele aus der Werkstatt, druckgraphische Blätter und Tapisserien begleiten die 21 eigenhändigen Arbeiten, unter welchen sich auch Rubens Selbstporträt aus der Sammlung von Queen Elizabeth II. befindet.
15. Oktober 2017
Peter Paul Rubens, Ecce homo, Detail, 1612, Öl auf Holz, 125,7 x 96,5 cm (Eremitage, St. Petersburg)

Peter Paul Rubens. Kraft der Verwandlung Inspiration und kreative Metamorphose in der Bildwelt des flämischen Barockmalers

Peter Paul Rubens (1577–1640) zog auf mannigfaltige Weise Inspirationen aus Kunstwerken der Antike, der Renaissance aber auch aus Bildern seiner Zeitgenossen. Während Rubens‘ 50jähriger Schaffenszeit beschäftigte er sich aber auch kontinuierlich mit seinem eigenen Werk und wandelte Kompositionen immer wieder ab.
9. Oktober 2017
Peter Paul Rubens, Helena Fourment („Das Pelzchen“), um 1636/1638, Öl auf Eichenholz, 176 x 83 cm und Selbstbildnis, um 1638, Öl auf Leinwand, 110 cm x 85,5 cm x 2,4 cm (© KHM - Museumsverband)

Peter Paul Rubens Biografie Leben und Werk des flämischen Barockmalers

Peter Paul Rubens zählt zu den bedeutendsten Barockmalern im 17. Jhdt.: Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zu Leben und Werk; Rubens' Reisen, Ehefrauen & Kinder, sein Aufstieg vom Handwerker zum habsburgischen Diplomaten in Friedensmission.
16. März 2013
Pieter Bruegel der Ältere, Die großen Fische fressen die kleinen, Detail, 1556, Feder und Pinsel, Foto: Alexandra Matzner.

Bosch Bruegel Rubens Rembrandt Meisterwerke der Albertina

„Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt“, sind für Dir. Klaus-Albrecht Schröder „vier Namen, die wohl jeder kennt“ und symbolisieren für ihn auch die ältere und jüngere Geschichte der Albertina. Neben den wichtigen Dürer-Beständen, die derzeit in der National Gallery in Washington ausgestellt werden, bilden diese Zeichnungen eine Basis der größten Grafiksammlung der Welt.
7. Mai 2011
Frans Snyders (1579–1657), Stillleben mit Früchten, Wild und Gemüse sowie ein lebender Affe, ein Eichhörnchen und eine Katze, um 1635-40, Öl auf Leinwand; 81 x 118 cm, Sign. unten rechts: F. Snyders fecit, Hohenbuchau Collection, Inv.-Nr. HB 87.

Brueghel, Rubens, Jordaens… Meisterwerke europäischer Malerei aus der Hohenbuchau Collection

Die letzte Sonderausstellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM stellt die bereits seit Dezember 2007 als Dauerleihgabe vom Museum verwaltete HOHENBUCHAU COLLECTION vor. Schwerpunkt der Sammlung des Ehepaars Faßbender ist die Malerei des 17. Jahrhunderts – vor allem das holländische und flämische Barock.