Pierre Soulages

Wer ist Pierre Soulages?

Pierre Soulages (* 1919) ist ein französischer Maler und Grafiker, der seit den späten 1940er Jahren abstrakte Gemälde aus schwarzen Balken aufbaut. Er bezeichnet seine charakteristischen, kräftigen Pinselstriche vor hellem Hintergrund als Outrenoir, als „jenseits von Schwarz“.

 

Kindheit und Ausbildung

Pierre Soulages wurde am 24. Dezember 1919 in der südfranzösischen Stadt Rodez als Sohn eines Kutschenbauers geboren. Im Alter von fünf Jahren verstarb Soulages‘ Vater. Während des Zweiten Weltkriegs entzog er sich mit gefälschten Papieren der Zwangsarbeit in Deutschland und lebte als Weinbauer bei Montpellier. 1946 übersiedelte Pierre Soulages nach Paris, wo er sich der Malerei zuwandte.

 

Pierre Soulages und die Abstraktion

Gemeinsam mit Jean Fautrier und Hans Hartung näherte sich Pierre Soulages in Paris der Abstraktion an. Etwa gleichzeitig entwickelten New Yorker Künstler den Abstrakten Expressionismus (z. B. Franz Kline, Jackson Pollock), diese ungegenständliche Form der Abstraktion wird in Frankreich und Deutschland als Informel bezeichnet (→ Abstrakter Expressionismus | Informel). Zu den Einflüssen auf die Kunst Pierre Soulages‘ zählen vorgeschichtliche, keltische und romanische Kunstwerke in der Nähe seines Elternhauses. Charakteristische Elemente von Pierre Soulages‘ Malerei sind der Einsatz der Farben Weiß und Schwarz, vor allem die schwarzen, kalligrafischen Formen.

Das Ziel von Pierre Soulage war eine Malerei, die autonom ist und nichts abbildet. So sollen seine Gemälde auch nicht Soulages‘ Gefühlszustände widerspiegeln, sondern sind überlegt aufgebaute Kompositionen. Vor allem das Strukturieren der Farbe Schwarz auf dem Bildträger zählt zu den Methoden in Soulages‘ Werkprozess. Dafür setzt er teils ungewöhnliche Werkzeuge ein, darunter grobe Bürsten, Besen und Holzstangen. Mit Hilfe von sogenannten lames, das sind Gummistücke zwischen zwei Holzscheiben, streicht er die Farbe über die Oberfläche und kann auch Rillen entstehen lassen. Die unter dem Schwarz aufgetragene Buntfarbe wird durch diesen Prozess wieder freigelegt und hebt sich kontrastreich vom flächigen Dunkel ab. Inspiration für diese gestische Abstraktion waren mythologische Zeichen (Runen) auf Denkmälern aus keltischer Zeit.

1948 entdeckten Hans Hartung und Francis Picabia den Künstler in Paris. Zwischen 1949 und 1952 arbeitete er als Bühnenbildner für das Théâtre de l’Athénée. Seinen Durchbruch feierte Pierre Soulages, als er auf den ersten drei Ausstellungen der documenta vertreten war: documenta I (1955), documenta II (1959) und documenta III (1964).

 

Outrenoir

In den späten 1970er Jahren entwickelte Pierre Soulage seine Outrenoir-Bilder. Farbe wird von Soulages nicht mehr wegen ihres Farbwerts eingesetzt, sondern als pastoses Material, das in der Lage ist, Licht zu reflektieren. Je nach Betrachterstandpunkt und Lichteinfall wirken die strukturierten Oberflächen unterschiedlich. Innerhalb der extremen Beschränkung der Mittel – Flächigkeit, Farbe, Materialität, Strich, Licht – lotet Pierre Soulages die grundlegenden Elemente der Malerei aus.

 

Ausstellungen, Preise, Musée Soulages

  • 1975: Großer Preis für Malerei der Stadt Paris
  • 1976: Rembrandt-Preis, Deutschland
  • 1979: Foreign Honorary Member of the American Academy of Arts and Letters
  • 1986: Grand prix national de peinture, Frankreich
  • 1994: Praemium Imperiale für Malerei in Japan
  • 2005: Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
  • 2015: Großkreuz der Ehrenlegion

Als erster lebender Künstler stellte Pierre Soulages 2001 in der Eremitage in St. Petersburg aus.

Im Februar 2014 überließ der Künstler 500 seiner Werke dem Musée Soulages, einem in seiner Geburtsstadt Rodez eröffneten und seinem Werk gewidmeten Museum. Das Musée Soulages wurde am 30. Mai 2014 der Öffentlichkeit übergeben.

Soulages lebt und arbeitet in Paris und Sète.

Beiträge zu Pierre Soulages