Raffael

Wer war Raffael?

Raffaello Sanzio da Urbino, genannt Raffael (1483–1520, auch: Raphael, Raffaello Santi, Raffaello Sanzio) gehört zu den wichtigsten Künstlern der europäischen Kunstgeschichte. Der 1483 in Urbino als Sohn eines Malers geborene Künstler, dürfte in Perugia bei Pietro Perugino ausgebildet worden sein. Er machte sich ab 1504 in Florenz einen Namen als Schöpfer von schönen Madonnen, der die ältere Generation – Leonardo, Michelangelo, Fra Bartolommeo, Donatello – beerbte. Ab der zweiten Jahreshälfte 1508 in Rom stieg Raffael schnell zum wichtigsten Künstlers des Kirchenstaates auf. Sein Fresko „Disputa“ in der Stanza della Segnatura entstand im Wettbewerb mit Michelangelos Deckenfresken der Sixtina – und wurde aufgrund seiner Farbigkeit gepriesen. Spätestens ab 1513 hatte Raffael eine alles bestimmende Position als Maler, Architekt, Kunstsachverständiger für Antiken, Denkmalpfleger inne. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit dem Ausmalen der päpstlichen Gemächer (Stanzen und Loggia) und er freskierte für Agostino Chigi sowohl die Villa Farnesina wie auch zwei Familienkapellen in Rom (S. Maria del Popolo, S. Maria della Pace). Auch als Porträtist und immer wieder als Maler von Madonnen erarbeitete er sich internationalen Ruf. Mit nur 37 Jahren verstarb Raffael 1520 an einem Fieber. Sein letztes Gemälde, die „Transfiguration“, wurde kurz über seinem Grab im Pantheon aufgestellt.

 

 

Raffael - Leonardo und Michelangelo

Der italienische Maler, Zeichner und Architekt bildet gemeinsam mit Leonardo da Vinci (1452–1519) und Michelangelo Buonarroti (1475–1564) das Dreigestirn der mittelitalienischen Hochrenaissance. Von den beiden älteren Künstlern lernte er viel: Von Leonardo übernahm Raffael ab etwa 1504 die Dreieckskomposition, die emotionale Verlebendigung der Madonna mit Kind sowie das typische Chiaroscuro. Michelangelo lehrte ihn körperliche Figuren im Kontrapost zu entwerfen, vor allem die Zeichnungen zu den Sixtina Fresken, zu denen sich Raffael mit Hilfe von Bramante unerlaubt zutritt verschaffte, lösten eine wahre Dynamisierung seiner Figuren aus. Raffael ging über Leonardo und Michelangelo hinaus, indem er einen neuen Figurentyp schuf, dessen rundes, sanftes Gesicht zwar die wichtigsten Affekte darstellen kann, in der Regel jedoch eine sublime Perfektion und Ernsthaftigkeit ausstrahlt. Während Michelangelo als das furchterregende Genie galt, war Raffael der sozial angepasste und ansehnliche Höfling mit perfekten Manieren und vorbildlich liebenswürdigen Umgangsformen.

 

Raffael in den Stanzen

Neben Porträts, Altarbildern und den unzähligen Madonna-mit-Kind-Variationen sind die Freskenausstattungen in Rom die bedeutendsten Werke Raffaels. Ab Ende 1508 hielt sich der in Urbino als Sohn eines Malers geborene Raffael am päpstlichen Hof auf und arbeitete in der Stanza della Segnatura, genauer am Fresko der „Disputa“. Während der Ausmalung der Stanzen konnte sich Raffael nicht nur als erfindungsreicher Entwerfer von Historienbildern und Allegorien etablieren, sondern auch als Organisator souverän einen großen Mitarbeiterstab lenken. Diese Leichtigkeit der Erfindung ist in den Zeichnungen Raffaels spürbar, die gleichzeitig eine große Ernsthaftigkeit in der Durchdringung der Figurengruppen und ein detailgenaues Arbeiten verraten. Dennoch scheint sich der hochintelligente Maler nicht von seinen Kartons einschränken lassen zu haben, denn technische Untersuchungen zeigen, dass er auch noch im Prozess des Malens Veränderungen vornahm.

Nach der Stanza della Segnatura wurde ihm die Stanza d’Eliodoro und die Stanza dell’Incendio überantwortet, gefolgt vom Auftrag, die Loggien mit 52 Szenen aus der Heiligen Schrift auszustatten. Daneben porträtierte er seine Freunde und reiche Auftraggeber, schuf Altarbilder und arbeitete für Agostino Chigi in der Villa Farnesina, dekorierte aber auch die Familienkapellen in der Kirche S. Maria della Pace sowie S. Maria del Popolo. Über vier Jahrhunderte hinweg blieb Raffael und seine Kunst vorbildhaft für Generationen von Kunstschaffenden. An den Akademien gelehrt, und vor allem im 19. Jahrhundert von Johann Wolfgang von Goethe oder Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867) propagiert, galt Raffaels Kunst als Inbegriff der „Klassik“.

Beiträge zu Raffael

8. August 2019
Raffael, Die Propheten Hosea und Jonas, Detail, um 1510, Feder, braune Tinte, Kohle, Stylus, 26,2 x 20 cm (The Armand Hammer Collection, National Gallery of Art, Washington, Inv.-Nr. 1991.217.4)

USA | Washington, National Gallery of Art: Raffael “Raffael und sein Umkreis” sowie alle fünf Gemälde 2020 zu sehen

Die Ausstellung kreist um vier authentische Zeichnungen von Raffael sowie Werke von Künstlern aus seinem Umkreis: Giulio Romano, Polidoro da Caravaggio und Perino del Vaga, Marcantonio Raimondi und seine Anhänger Agostino Veneziano und Marco Dente da Ravenna sowie Ugo da Carpi (Frühjahr 2020).
24. Juli 2019
Raffael, Platon und Aristoteles aus dem Karton der Schule von Athen (Pinacoteca Ambrosiana, Mailand © Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mondadori Portfolio)

Mailand | Pinacoteca Ambrosiana: Raffaels Karton der Schule von Athen Werkzeichnung des berühmten Freskos restauriert

Raffaels „Schule von Athen“ (1508–1511) gehört zu seinen berühmtesten Werken – der Karton zu dem Werk in der Stanza della Segnatura im Vatikan befindet sich seit dem Jahr 1610 in der Mailänder Pinacoteca Ambrosiana.
24. Juli 2019
Raffael, Selbstporträt, Detail, um 1506, Öl-Holz, 47,5 x 33 cm (Uffizien, Florenz)

Rom | Scuderie del Quirinale: Raffael Größte Raffael-Ausstellung 2020

Die Raffael-Ausstellung in den Scuderie in Rom wird vermutlich die wichtigste Ausstellung des Raffael-Jahrs 2020. Die Scuderie und arbeiten für die Raffael-Ausstellung mit den Gallerie degli Uffizi und dem Palazzo Pitti in Florenz zusammen.
24. Juli 2019
Raffael, Madonna Aldobrandini (auch: Madonna Garvagh), Detail, um 1510/11, Öl/Lw, 38,9 x 32,9 cm (The National Gallery, London)

Raffael und seine Freunde in Urbino Künstlerisches Netzwerk Raffaels in den Marken

Das Netzwerk Raffaels in und aus Urbino ist Thema der Raffael-Ausstellung in Urbino. Wie entwickelte er sich zu einem Hauptvertreter der Renaissance? Welche Einflüss übte er selbst mit seinen Werken in Rom auf urbinatische Künstler wie Giulio Romano aus?
3. Juli 2019
Raffael, Madonna mit den Nelken, Detail, 1506–1508, Öl-Eibe, 27,9 × 22,4 cm (The National Gallery, London)

Berlin | Gemäldegalerie: Raffael in Berlin. Die Madonnen „Madonna mit den Nelken“ auf Besuch bei ihren Berliner Kolleginnen

Die Gemäldegalerie Berlin vereint in einer Kabinettausstellung fünf Madonnenbilder aus ihrem Bestand mit der „Madonna mit den Nelken [Madonna die Garofani]“ (1506–1508, National Gallery, London) und Zeichnungen des Berliner Kupferstichkabinetts.
1. Juli 2019
Andrea Mantegna, Christus als Schmerzensmann, Detail, Kopenhagen

Berlin | Gemäldegalerie: 190.000 kamen zu Mantegna & Bellini weitere Ausstellungshighlights mit Raffael, deutsche Spätgotik und Hugo van der Goes

14. Dezember 2017
Anonym, Bethlehemitischer Kindermord, nach Raffael und Marcantonio Raimondi, Detail, Urbino 1535 bis 1555, Schale (MAK, Glas und Keramik, Inv.-Nr. KE 3597)

Bethlehemitischer Kindermord nach Raffael – eine Majolika-Schale aus dem MAK Raffaels erste Zusammenarbeit mit Marcantonio Raimondi als glasierte Keramik

Diese Schale mit der Darstellung des Bethlehemitischen Kindermord befindet sich in der Glas und Keramik-Sammlung des MAK. Die glasierte und mit charakteristischen Gelb- und Blautönen bemalte Keramik stammt aus der Frühzeit der italienischen Majolika, der Renaissance. Nach dem Tod von Raffael ließ Guidobaldo II. della Rovere (1514–1574), Herzog von Urbino (reg. 1538–1574), Keramiken nach Druckgrafiken des Meisters bemalen.
23. Oktober 2017
Raffael, Die Madonna mit dem Granatapfel, Detail, um 1504 (© Albertina, Wien)

Raffaels Zeichnungen zum Sprechen bringen: international besetztes Symposium in der Albertina Neue Thesen der Raffael-Forschung live erleben

Anlässlich der Raffael Ausstellung lädt die Albertina zu einem internationalen Symposium zu Zeichnungen: 24 international renommierte Spezialistinnen und Spezialisten aus Österreich, Deutschland, England, Italien und den USA stellen Thesen und Forschungsergebnisse zur Diskussion. Die Themen sind weit gespannt und reichen von Analysen einzelner Werke bzw. Themen in Raffaels Zeichnungen zur Wechselwirkung mit anderen Künstlern (v.a. Albrecht Dürer).
28. September 2017
Raffael, Selbstporträt, Detail, um 1506, Öl-Holz, 47,5 x 33 cm (Uffizien, Florenz)

Raffael: Biografie (Lebenslauf) Leben des Malerstars aus Umbrien, Studien in Florenz, Erfolg in Rom

Raffael (1483–1520) gehört zu den bedeutendsten Malern und Grafikern der italienischen Hochrenaissance: 1483 in Urbino als Sohn eines Hofmalers geboren, orientierte er sich erst an Pietro Perugino, ab 1504 an Leonardo und Raffael. Kurz nach 1500 wurde er als Porträtist sowie Maler von Altären und vor allem Madonnen zu einem äußerst geachteten Künstler. In der zweiten Jahreshälfte 1508 übersiedelte er auf Einladung von Papst Julius II. nach Rom, wo er dessen Gemächer mit Fresken ausstattete. Der frühe Tod mit nur 37 Jahren ließ den "Göttlichen" noch berühmter werden.
27. September 2017
Raffael, Porträt des Bindo Altoviti, Detail, um 1514/15 (National Gallery of Art, Washington)

Raffael in der Albertina „Doppelnatur der Zeichnung“ zwischen Reflexion, Vorbereitung und autonomem Kunstwerk

Raffael in der Albertina ist ein chronologischer Rundgang durch ein facettenreiches Werk, das in nur zwanzig Jahren entwickelt wurde. Der 1483 im Herzogtum Urbin geborene Maler absolvierte seine Lehre in der Werkstatt von Pietro Perugino und fand in Leonardo und Michelangelo seine Lehrmeister in Florenz. Der kunstsinnige Papst Julius II. (reg. 1503–1513) berief ihn Ende 1508 an seinen Hof in Rom. Hier brillierte der gerade knapp Dreißigjährige mit den Fresken der Stanza della Segnatura und stellte sogar den „göttlichen“ Michelangelo in den Schatten. Weitere Freskenausstattungen, unzählige feinfühlige Madonnenbilder und Porträts, Aufgaben wie Dombaumeister und Antikenbeauftragter folgten.
14. März 2014
Anonym, Herzog Albert von Sachsen-Teschen mit dem Plan der Schlacht von Maxen, 1777, Albertina, Wien (Dauerleihgabe des Kunsthistorischen Museums Wien, Gemäldegalerie).

Die Gründung der Albertina Zwischen Dürer und Napoleon

Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738–1822) stieg am Wiener Hof vom Offizier zum Ehemann von Erzherzogin Marie Christine (1742–1798), der Lieblingstochter von Maria Theresia, auf. Gemeinsam gründeten sie die Albertina mit Werken von Leonardo, Michelangelo und Raffael, Pieter Bruegel d. Ä., Rubens und Rembrandt, Füger, David und Caspar David Friedrich.