0

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: Hans Baldung Grien Große Landesausstellung Baden-Württemberg zeigt den Maler als „heilig | unheilig“

Hans Baldung Grien, Zwei Hexen, Detail, 1523 (© Städel Museum – ARTOTHEK)

Hans Baldung Grien, Zwei Hexen, Detail, 1523 (© Städel Museum – ARTOTHEK)

Er war einer der außergewöhnlichsten Künstler des 16. Jahrhunderts: Hans Baldung, genannt Grien (1484/85–1545). Den tiefgreifenden Umwälzungen seines Zeitalters, geprägt durch Reformation, Bildersturm und Bauernkrieg, setzte er ein individuelles, oftmals exzentrisches Werk entgegen. Dabei faszinieren seine ausdrucksstarken Gemälde, virtuosen Zeichnungen und kraftvollen Holzschnitte bis heute. Nie gab sich Baldung mit dem Herkömmlichen zufrieden, vielmehr suchte er nach neuen und packenden Formulierungen, die ihn zu einem der interessantesten Künstler der Renaissance in Deutschland machen.

Zwei Pole bestimmten Hans Baldung Griens Schaffen: Zum einen das Religiöse, das er in imposanten Altarwerken, leuchtenden Glasgemälden und intimen Andachtsbildern gestaltete; zum anderen das Weltliche. Er interpretierte Geschichten aus Antike und Gegenwart, malte charaktervolle Porträts, schuf verrätselte Denkbilder, die seine humanistischen Auftraggeber zum Gespräch anregten, und sinnliche Akte, zu denen auch die berühmten Sündenfalldarstellungen und die drastischen Hexenszenen zählen.

Baldung, der vermutlich in Schwäbisch Gmünd geboren wurde, verbrachte den Großteil seines Lebens in Straßburg. Einige Jahre war er Mitarbeiter Albrecht Dürers in Nürnberg, in Freiburg schuf er den grandiosen Hochaltar des Münsters. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe widmet ihm eine Große Landesausstellung Baden-Württemberg, die das Werk in seiner ganzen Vielfalt präsentiert.

 

 

Hans Baldung Grien in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

60 Jahre nach der Retrospektive von 1959, die ebenfalls in der Kunsthalle stattfand, wird dieser herausragende Künstler nun neu entdeckt und bewertet. Dabei wird neben der Werkchronologie und thematischen Schwerpunkten auch die stilistische Entwicklung anschaulich – von den spätgotischen Anfängen über die Einflüsse der Hochrenaissance bis hin zu einem persönlichen, unverwechselbaren Manierismus. Die Gegenüberstellung mit ausgewählten Arbeiten von Zeitgenossen, darunter Albrecht Dürer und Lucas Cranach, macht die Brisanz von Baldungs Schaffen auch für die Gegenwart deutlich.

In der Ausstellung treffen die bedeutenden Karlsruher Bestände auf rund 200 hochkarätige Leihgaben, unter anderem aus London, Madrid, Wien, Prag, Basel, Kopenhagen, Paris, Warschau, Florenz und New York. Die Junge Kunsthalle zeigt gleichzeitig „Der Fall im Stall“, eine spannende Baldung-Spurensuche für Kinder und Jugendliche. Eine Präsentation im Chor des Freiburger Münsters, die einen Satelliten der Karlsruher Schau bildet, sowie Ausstellungen im Augustinermuseum in Freiburg und im Musée de l´Œuvre Notre-Dame in Straßburg ergänzen das Projekt.

 

 

Hans Baldung Grien: Bilder

  • Hans Baldung Grien, Markgraf Christoph I. von Baden mit seiner Familie in Anbetung vor der Heiligen Anna Selbdritt, um 1510 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)
  • Hans Baldung Grien, Der Tod und die Frau, um 1520/25 (Kunstmuseum Basel)
  • Hans Baldung Grien, Zwei Hexen, 1523 (© Städel Museum – ARTOTHEK)
  • Hans Baldung Grien, Maria mit Kind und Papageien, 1533 (© Germanisches Nationalmuseum, Foto: Dirk Meßberger)

Weitere Beiträge zur Kunst der Renaissance

9. Juli 2019
Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, Detail, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

KHM: Jan van Eycks Madonna am Springbrunnen und die Kasel vom Goldenen Vlies Preziose Malerei trifft auf goldgewirktes Messgewand

Jan van Eycks (um 1390–1441) „Madonna am Springbrunnen“ (1439, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen) trifft ein liturgisches Gewand, die Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies.
3. Juli 2019
Raffael, Madonna mit den Nelken, Detail, 1506–1508, Öl-Eibe, 27,9 × 22,4 cm (The National Gallery, London)

Berlin | Gemäldegalerie: Raffael in Berlin. Die Madonnen „Madonna mit den Nelken“ auf Besuch bei ihren Berliner Kolleginnen

Die Gemäldegalerie Berlin vereint in einer Kabinettausstellung fünf Madonnenbilder aus ihrem Bestand mit der „Madonna mit den Nelken [Madonna die Garofani]“ (1506–1508, National Gallery, London) und Zeichnungen des Berliner Kupferstichkabinetts.
10. Mai 2019
Jan van Eyck, Der Genter Altar, Außentafeln: Verkündigung, Verkündigungsengel, Detail, um 1430–1431 (©www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

Gent: Jan van Eyck. Eine optische Revolution Pionier der Renaissance in Burgund

Gent bereitet 2020 die größte Ausstellung zu Jan van Eyck (um 1390-1441) vor. Van Eycks unvergleichliche Technik und Beobachtungsgabe revolutionierten die Ölmalerei, die einer optischen Revolution gleichkam. Rund um die Restaurierung der Außentafeln des Genter Altars - „Der Anbetung des Lamm Gottes“ - werden Werke seiner begabtesten Zeitgenossen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gezeigt.

Aktuelle Ausstellungen

15. Juli 2019
Olafur Eliasson, Stardust particle, 2014, Ø 1760 mm (Tate, Foto: Jens Ziehe, 2017)

London | Tate Modern: Olafur Eliasson Retrospektive zu Natur, Wissenschaft und Teilhabe unter dem Titel „In real life“

Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson (* 1967) war bereits 2003 für seine Installation „The weater project“ in der Tate Modern international gewürdigt worden. Im Juli 2019 kehrt er für eine großangelegte Ausstellung und ein Kunstwerk im öffentlichen Raum nach London zurück.
9. Juli 2019
Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, Detail, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

KHM: Jan van Eycks Madonna am Springbrunnen und die Kasel vom Goldenen Vlies Preziose Malerei trifft auf goldgewirktes Messgewand

Jan van Eycks (um 1390–1441) „Madonna am Springbrunnen“ (1439, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen) trifft ein liturgisches Gewand, die Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies.
28. Juni 2019
Monica Bonvicini, Hy$teria, 2019, Aluminium, gewachst 73,5 x 200 x 2 cm, Foto: Roman März, © Monica Bonvicini und Bildrecht Wien

Wien | Belvedere 21: Monica Bonvicini „I Cannot Hide My Anger” ortsspezifische und raumgreifende Installation

Monica Bonvicini zeigt im Belvedere 21 eine ortsspezifische und raumgreifende Installation über Kontrollmechanismen und Machtdispositive.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.