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Venedig | Abbazia di San Giorgio Maggiore: Ai Weiwei. La Commedia Umana Memento Mori | 2022

Ai Weiwei, La Commedia Umana, 2017–2021, schwarzes Murano Glas, 240 x ø 185 cm, Foto courtesy of Francesco Allegretto and Berengo Studio, Venice

Ai Weiwei, La Commedia Umana, 2017–2021, schwarzes Murano Glas, 240 x ø 185 cm, Foto courtesy of Francesco Allegretto and Berengo Studio, Venice

Ai Weiwei zeigt im Herbst 2022 eine Reihe neuer Glasskulpturen, die er in Zusammenarbeit mit Abbazia di San Giorgio Maggiore – Benedicti Claustra Onlus, Berengo Studio und Fondazione Berengo geschaffen hat: „La Commedia Umana“ ist eine riesige, hängende Skulptur, die aus über 2.000 schwarzen Glasstücken besteht, handgefertigt von den Meistern des Berengo Studios in Murano.

Die monumentale Skulptur ist das Ergebnis einer dreijährigen Zusammenarbeit zwischen dem chinesischen Künstler und Aktivisten mit dem italienischen Glasstudio Berengo (→ Ai Weiwei: Biografie). Obwohl die Skulptur lange vor dem Ausbruch der COVID-19 Pandemie begonnen wurde, bildet die riesige hängende Installation, die aus handgefertigten, schwarzen Glasknochen und isolierten Organen besteht, ein beeindruckendes Denkmal für die im Verlauf der Pandemie verlorenen Leben.

Mit einer Breite von mehr als sechs Metern und einer Höhe von fast neun Metern ist das verdrehte Denkmal die größte hängende Skulptur, die jemals in der Geschichte der Menschheit aus Muranoglas hergestellt wurde. Die Arbeit sei ein „Versuch, über den Tod zu sprechen, um das Leben zu feiern“, erklärt der Künstler.

„La Commedia Umana“ stand anfangs als Metapher für die Pandemie selbst. Ihre Macher empfanden sie als eine lebendige physische Darstellung des Verlustes, den so viele in den letzten Jahren erlitten haben. Jetzt, angesichts eines neuen Krieges, erhält „La Commedia Umana“ noch beunruhigendere Bedeutungen. Das Denkmal lässt sich als Totem für Verluste aller Art deuten, als Denkmal für die Toten, die aus allen Arten von Konflikten hervorgehen, nicht nur für diejenigen, die an einem Virus sterben, sondern für diejenigen, die durch Gewalt zu Tode kommen.

Für Ai Weiwei ist Glas „ein reines Material, weil es einen Kampf erfordert, damit das Werk Gestalt annimmt“, und es ist dieser innere Kampf, der es zum perfekten Medium macht, um ein so ehrgeiziges Projekt zu verwirklichen. Jedes Fragment wurde im Berengo Studio mit einer Kombination aus traditionellen und modernen Techniken sowohl im Ofen als auch im Gießstudio handgefertigt. Diese Aufteilung zwischen verschiedenen Arten von technischen Arbeiten verleiht dem endgültigen Kunstwerk eine dynamische Energie.

„La Commedia Umana – Memento Mori“

Die Einzelausstellung Ai Weiweis in der Basilica di San Giorgio Maggiore in Venedig präsentiert Werke aus Porzellan, Holz und LEGO. „La Commedia Umana“ (2017–2021) ist das Herzstück der Ausstellung.

Der monumentale „Kronleuchter“ mit einem Gewicht von 2.700 kg wurde erstmals im März 2022 in Rom gezeigt und kehrt nun an seinen Ursprungsort Venedig zurück. In der Basilika schließen acht kaum sichtbare Glasarbeiten an, darunter „Brainless Figure in Glass“ (2022), ein Selbstporträt Weiweis, das durch moderne Technologie und manuelle Bildhauerei konzipiert wurde; „Glass Root“ (2022); und Alltagsgegenstände wie „Glass Takeout Box“, 2022, ein Symbol der Globalisierung (erstmals 2015 in Marmor ausgeführt), und „Glass Toilet Paper“, 2022, das die Zerbrechlichkeit unserer Gesellschaft widerspiegelt.

Zu sehen ist auch eine Auswahl von Werken Ai Weiweis aus LEGO-Steinen, darunter „Illumination“ (2019, Lisson Gallery), ein ikonisches Selfie von Weiwei aus dem Jahr 2009, das zeigt, wie er in Chengdu von der Polizei zu einem Hotellift eskortiert wurde, und „Dropping a Han Dynasty Urn (2016), die der Künstler nun mit LEGO Steinen nachbilden ließ. Die Ausstellung zeigt auch zwei der neuesten LEGO-Arbeiten von Ai Weiwei: „Sleeping Venus (After Giorgione) “ (2022) und „Know Thyself“ (2022, der Galleria Continua in Auftrag gegeben) und „Untitled (After Mondrian) “ (2022, Galerie neugerriemschneider).

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  • Ai Weiwei, La Commedia Umana, 2017–2021, schwarzes Murano Glas, 240 x ø 185 cm, Foto courtesy of Francesco Allegretto and Berengo Studio, Venice

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.