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Von Reynolds bis Turner. Das Goldene Zeitalter der englischen Malerei Hauptwerke der Tate Britain im Musée du Luxembourg

Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, Detail, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, Detail, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

Die 1760er Jahre sind ein Wendepunkt für die britische Kunst. Kurz nach Mitte des 18. Jahrhunderts begann der Siegeszug von Joshua Reynolds (1723–1792) und Thomas Gainsborough (1727–1788). Mit der Gründung der Royal Academy of Arts 1768, deren erster Präsident Reynolds war, hatte London eine führende Ausbildungsstätte und Ausstellungsinstitution. Die als Porträtisten bekannten Maler Reynolds und Gainsborough bemühten sich darum, das Genre auf ein neues Niveau visueller und intellektueller Innovationen zu heben. Auf Basis der Alten Meister bewiesen sie eine tiefe psychologische Einsicht, gepaart mit virtueller Meisterschaft in ihrer Malerei. Die Ausstellung zeigt Meisterwerke der englischen Malerei vom Rokoko bis zur Romantik, als William Turner die Landschaftsmalerei einmal mehr zu ungeahnten Ufern führte.

Joshua Reynolds und Thomas Gainsborough

Die Ausstellung „Das goldene Zeitalter der englischen Malerei“ beginnt mit der Gegenüberstellung der beiden Maler durch ganzfigurige Portraits und intime Studien, die sich auffallend ähnlich sind. Beide porträtierten bemerkenswerte Mitglieder der königlichen Familie oder von bekannten Persönlichkeiten. Joshua Reynolds intellektuelle Ambitionen und historische Bezüge stehen allerdings im Kontrast zu Gainsboroughs Momenthaftigkeit und malerische Leichtigkeit. Der künstlerische Diskurs zwischen Reynolds und Gainsborough prägte die britische Kunst und ermöglichte der folgenden Generation, sich zu neuen Höhen zu erheben.

Bereits John Constable feierte Thomas Gainsborough als Begründer der englischen Landschaftsmalerei. In seiner Vorlesung an der Royal Institution 1836 beschrieb er die wichtigsten Beiträge für die Entwicklung der Gattung:

„Landschaftsmalerei wurde [zur Mitte des 18. Jahrhunderts] weiter durch [Claude-Joseph] Vernet, Hackert, Jacob More und den Engländer [John] Wootton verdorben […], bis Hogarth und Reynolds die Phantasie unserer Landleute erweckten und sie durch ihre eigenen herrlichen Beispiele auf die Natur hin lenkten; dann erschienen mit Wilson und Gainsborough die hohen und ursprünglichen Qualitäten der Landschaftsmalerei in England, die zu dieser Zeit in anderen Teilen der Welt gänzlich unbekannt waren.“1

 

The Royal Academy

Am 2. Januar 1769 traf sich die Royal Academy unter der Schirmherrschaft von König George III. zu ihrer ersten Sitzung. Der offizielle Titel dieser elitären Einrichtung lautet „Royal Academy in London for the Purpose of Cultivating and Improving the Arts of Painting, Sculpture, and Architecture [Königliche Akademie in London zur Kultivierung und Verbesserung der Malerei, Skulptur und Architektur]“, aber Künstler nennen sie damals und heute einfach „The R.A.“. Die Maler unter den Gründungsmitgliedern der Royal Academy waren ihr erster Präsident, Sir Joshua Reynolds, der Porträtist Thomas Gainsborough, der Landschaftsmaler Richard Wilson und Benjamin West, ein Amerikaner, der nach Reynolds Tod 1792 der zweite Präsident der Royal Academy wurde.

 

Schüler von Reynolds und Gainsborough

Der bleibende Einfluss von Reynolds und Gainsborough wird anhand einer Auswahl wichtiger Porträts untersucht, die von ihren direkten Konkurrenten oder Anhängern geschaffen wurden. Die meisten davon waren an der neu gegründeten Royal Academy ausgebildet worden, darunter John Hopper, William Beechey und Thomas Lawrence. Die britische Malerei, die vom König, aber auch und vor allem von Schauspielern, Händlern und Industriellen unterstützt wurde, gedieh in verschiedenen Stilen, die von Zeitgenossen als Zeichen eines künstlerischen Goldenen Zeitalters wahrgenommen wurden.

 

Neue Porträts, neue Landschaft

Die damals beliebten Themen wie Ahnen, Familie und Interieurs in Porträt und Genremalerei werden diskutiert. In dieser Ära entstand ein neuer Blick auf die Kindheit, die durch intime Akzente und entspannte Haltungen charakterisiert ist. Darstellungen von Familien und kindlicher Unschuld zeigen zudem ein neues Verständnis von Natur und Emotion. Dies ist besonders in Gemälden nachzuvollziehen, die den Alltag, insbesondere das ländliche Leben, darstellen. Wichtige Arbeiten von Thomas Gainsborough (in seiner Lieblingsrolle als Landschaftsmaler), George Stubbs und George Morland zeigen die neue Bedeutung des Malerischen, während im außergewöhnlichen Porträt „Colonel Acland and Lord Sydney: The Archers“ (1769) von Joshua Reynolds die Wildnis im Dienst eines neuen heroischen Bildes der britischen Oberschicht steht.

 

 

Joshua Reynolds „The Archers“

Joshua Reynolds malte das Doppelporträt, kurz nachdem er als erster Präsident der Royal Academy die erste seiner so berühmten „Diskurse“ über Kunst referiert hatte. Es zeigt Dudley Alexander Sydney Cosby, Lord Sydney (1732–1774) und Colonel John Dyke Acland (1746–1778). Lord Syndey lehnt sich links zurück und spannt den Bogen, während Colonet Acland nach rechts springt. Sie sind in fantasievolle-historische Kostümen gekleidet, die Reynolds allerdings erfunden hat. Zudem ahmen sie eine Jagd aus dem Mittelalter oder der Renaissance nach. Das Gemälde zelebriert die Freundschaft der Männer, die mit einer imaginären ritterlichen Vergangenheit verbunden wird. Die jungen Adeligen üben vor dem Hintergrund eines uralten Waldes gemeinsam „männliche“ Aktivitäten aus. Die beiden laufen und zielen in perfektem Rhythmus, wodurch sie auch als gemeinsame Meister über die Natur erscheinen.

Das große Format, seine dramatische Komposition und das freie Reagieren auf Tizians mythologische Szenen sprechen dafür, dass Reynolds sein Profil und den Status der britischen Kunst heben wollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Maler noch kein so ambitioniertes Bildnis geschaffen. Hinter dem Werk steht der Wunsch, die Porträtmalerei auf die Ebene der Historienmalerei zu erheben, die traditionellerweise als dem Bildnis übergeordnet beschrieben wurde. „The Archers“ wurde auf der zweiten Jahresausstellung der Royal Academy im Jahr 1770 präsentiert und verblieb im Atelier des Künstlers, was – wie der Hinweis in seinem Malerbuch, dass es im August entstanden wäre – darauf hindeutet, dass Reynolds es ohne Auftrag gemalt hatte.

 

John Constable und William Turner: englische Landschaften

Die beiden Protagonisten der englischen Lanschaft im frühen 19. Jahrhundert - John Constable und William Turner - hatten höchst unterschiedliche Zugänge zu den Landschaften von Thomas Gainsborough. Während ihn Constable in seinen privaten Briefen lobend erwähnte und vor allem den Stimmungsgehalt der Naturausschnitte für wichtig erachtete, spielten diese Landschaften für William Turner kaum eine Rolle. Turner orientierte sich eher an der Ideallandschaft des 17. Jahrhunderts, allen voran des Lothringers Lorrain und der Holländer.

 

Von Reynolds bis Turner. Das Goldene Zeitalter der englischen Malerei: Bilder

  • Joshua Reynolds, The Archers, 1769, Öl/Lw, 236 x 180 cm (Tate Britain, London)
  • Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

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  1. Zit. n. Christoph Martin Vogtherr, Thomas Gainsborough. Die moderne Landschaft, in: Thomas Gainsborough. Die moderne Landschaft (Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, 2.3.-27.5.2018), München 2018, S. 12.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.