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Walton Ford. Bestiarium Die symbolbeladene Tierwelt des amerikanischen Künstlers

Walton Ford, Chingado, 1998, Aquarell, Gouache, Bleistift und Tinte auf Papier © Walton Ford, Courtesy Paul Kasmin Gallery.

Walton Ford, Chingado, 1998, Aquarell, Gouache, Bleistift und Tinte auf Papier © Walton Ford, Courtesy Paul Kasmin Gallery.

Erstmals in Österreich ist dem amerikanischen Künstler Walton Ford (* 1960) eine Ausstellung in der Albertina gewidmet. 25 großformatige Aquarelle führen in die höchst individuelle Bildsprache Fords ein. Im Stile naturwissenschaftlicher Zeichnungen vergangener Jahrhunderte und mit dem Impetus eines Fabelerzählers widmet er sich literarischen Texten, untersucht diese nach tierischen Protagonisten und setzt sie wörtlich in Bilder um.

Auf dem ersten Blick wirken die Tierdarstellungen wie der Tradition entlehnt: Die Schilderung einer jeden Tierart ist in eine kleine Geschichte eingebunden. Erst auf den zweiten Blick wird dabei die Grausamkeit der Welt aber auch die Unerbitterlichkeit menschlichen Umgangs mit Tieren deutlich. Ford kommentiert gesellschaftliches Verhalten wie die Folgen der Kolonialisierung mit Hilfe seiner animalischen Helden. Die altmeisterlichen Aquarelle verwundern und irritieren, sie sind moralisch ohne Fingerzeig. Die Textquelle am unteren Rand der Bilder klärt bei vielen Darstellungen erst den Zusammenhang und öffnet gleichsam die Augen.

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.