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Wien | Belvedere: Kunst der Dürerzeit in Österreich

Urban Görtschacher, Ecce Homo, Detail, 1508 (Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien)

Urban Görtschacher, Ecce Homo, Detail, 1508 (Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien)

Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Altdorfer, Jacopo de’ Barbari – große Namen wie diese finden sich unter den Zeitgenossen von Albrecht Dürer (1471–1528), die um 1500 und in den folgenden Jahrzehnten in Österreich tätig waren. Ihre Werke, die in der Übergangszeit von der Spätgotik zur Renaissance entstanden, zeugen vielfach von einem neuen künstlerischen Selbstverständnis. Das Belvedere widmet dieser bislang wenig beachteten Epoche der österreichischen Kunst eine umfassende Ausstellung.

Die Wende zum 16. Jahrhundert war geprägt von gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen, die sich auch in der Kunst jener Zeit widerspiegeln. Deutlich waren noch Reminiszenzen der ausklingenden Gotik spürbar, als die Errungenschaften der italienischen Renaissancekunst auf dem Gebiet des heutigen Österreich Einzug hielten. In diesem Spannungsfeld wurden Kunstwerke zunehmend von Funktionen befreit, die ihnen im Mittelalter zugedacht waren: etwa die Bewahrung eines Andenkens, die Belehrung der Gläubigen oder die Förderung der Andachtsübung. Das künstlerische Selbstbewusstsein der Meister begann sich zu festigen. Die ästhetische Wirkung der Objekte trat in den Vordergrund, und ihre Schöpfer etablierten sich mehr und mehr als Künstler in einem modernen Sinne. Ihre Werke legen Zeugnis von einem neuartigen Interesse an der Wirklichkeit ab. So entstanden auch auf dem Gebiet des heutigen Österreich mathematische Perspektivkonstruktionen, minutiöse Naturschilderungen und psychologisierende Porträts.

Dürerzeit im Belvedere

Präsentiert werden Werke aus dem eigenen Bestand, die teilweise aufwändig für die Ausstellung restauriert wurden, aber auch zahlreiche Leihgaben aus nationalen und internationalen Sammlungen, darunter Bilder von Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Altdorfer, Jörg Breu oder Jacopo de’ Barbari. Darüber hinaus werden Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Medaillen von weniger bekannten Meistern gezeigt, die das hohe Niveau der Produktion in den österreichischen Werkstätten jener Zeit erfahrbar machen.

Kuratiert von Björn Blauensteiner.
Quelle: Belvedere, Wien

Kunst der Dürerzeit in Österreich: Bilder

  • Lucas Cranach d. Ä., Stigmatisation des hl. Franziskus, um 1502/1503 (Foto: Erich Hussmann © Image Industry, Belvedere, Wien)
  • Marx Reichlich, Heimsuchung, 1502 (© Belvedere, Wien)
  • Urban Görtschacher, Ecce Homo, 1508 (Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien)
  • Urban Görtschacher, Susannenlegende, um 1520 (Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien)
  • Meister I. P., Sündenfall, 1521 (© Belvedere, Wien)
  • Wiener Bildschnitzer, Bildnis der Anna Fronleitner, 1533 (Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien)

Beiträge zur Kunst der Renaissance

27. Oktober 2020
Paolo di Giovanni Fei, Anbetung der hl. Drei Könige, Detail, um 1395–1400 (Lindenau-Museum Altenburg, Foto Bernd Sinterhaus © Lindenau-Museum Altenburg)

Chemnitz | Kunstsammlungen am Theaterplatz: Lorenzetti, Perugino, Botticelli aus Altenburg Italienische Meister aus dem Lindenau-Museum Altenburg

Die Ausstellung in Chemnitz zeigt mit einer erstklassigen Auswahl der besten Tafeln aus der herausragenden Sammlung Bernhard von Lindenaus diesen Wandel und die ganze Breite der geistigen und irdischen Schönheit der mittelitalienischen Malerei dieser Zeit mit Tafeln u. a. von Sandro Botticelli, Perugino, Lippo Memmi, Pietro Lorenzetti, Marco Zoppo, Lorenzo Monaco und Luca Signorelli.
22. Oktober 2020
Michelangelo Buonarroti, Sterbender Sklave, Detail (Paris, Musée du Louvre department des Sculptures Musee du Louvre Musee du Louvre, dist RMN Grand Palais Raphael Chipault)

Paris | Louvre: Italienische Renaissanceskulptur von Donatello bis Michelangelo

Die italienische Renaissanceskulptur ist berühmt für ihr neues Verständnis der menschlichen Figur und ihren Bewegungen. Mit großer Innovationskraft ausgestattet, brachten Bildhauer aus Ober- und Mittelitalien in der Darstellung des Menschen neue Qualitäten hervor.
29. September 2020
Vittore Carpaccio, Zwei Frauen auf einem Balkon, Detail, um 1492/1494, Öl/Holz (Musei Civici Veneziani, Museo Correr, Venedig)

Washington | National Gallery: Vittore Carpaccio Venezianischer Renaissance-Maler als großer Erzähler

Obwohl er seit Jahrhunderten in seiner Heimatstadt wegen seines aufmerksamen Auges, seiner fruchtbaren Fantasie und seiner Fähigkeit zum Geschichtenerzählen geliebt und gefeiert wird, ist diese Ausstellung die erste Retrospektive VittoreCarpaccios, die jemals außerhalb Italiens stattfindet.

Aktuelle Ausstellungen

6. November 2020
William Kentridge, Espagne Ancienne (Porter with Dividers), 2005, Tapestry © William Kentridge

Hamburg | Deichtorhallen: William Kentridge Why Should I Hesitate: Putting Drawings To Work

Die Ausstellung „Why Should I Hesitate: Putting Drawings To Work“ bietet einen umfassenden Überblick über das Werk Kentridges. Gezeigt werden Werke aus über 40 Jahren künstlerischer Produktion.
31. Oktober 2020
Rembrandt und Werkstatt, Mann in orientalischer Tracht, Detail, um 1635, Öl/Lw, 98.5 x 74.5 cm (National Gallery of Art, Washington, Andrew W. Mellon Collection, Inv.-Nr. 1940.1.13)

Basel | Kunstmuseum: Rembrandts Orient Orientalisch-exotisch Motive in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts

Rembrandts Vorstellung vom Orient und seine Orientbilder im Kontext der niederländischen Malerei, Ausstellung im Kunstmuseum Basel 2020/21
30. Oktober 2020
Franz Gertsch, Medici, Detail, 1971/72 (Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung © Franz Gertsch, Foto: Dominique Uldry, Bern)

Linz | LENTOS: Franz Gertsch. Die Siebziger

Franz Gertsch erlebte 1972 an der documenta 5 in Kassel (D) seinen internationalen Durchbruch als der Schweizer Vertreter des Fotorealismus. Im Jahr 2020 begeht der international gefeierte Schweizer Künstler seinen 90. Geburtstag mit einer Ausstellung seiner Gemälde in Linz.