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Wien | Leopold Museum: Tilla Durieux Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen | 2022/23

Franz von Stuck, Tilla Durieux als Circe in dem gleichnamigen Stück von Pedro Calderón de la Barca, 1912 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/ Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland/Jörg P. Anders)

Franz von Stuck, Tilla Durieux als Circe in dem gleichnamigen Stück von Pedro Calderón de la Barca, 1912 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/ Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland/Jörg P. Anders)

Sie war gefeierter Theater- und Filmstar, moderne Frau der 1920er Jahre, politisch engagierte Zeitgenossin und galt als die am meisten porträtierte Frau ihrer Epoche. Die Rollen von Tilla Durieux (1880–1971) waren ebenso vielfältig wie auch die Liste der Künstler:innen, denen sie Modell saß: unter ihnen Pierre-Auguste Renoir, Max Slevogt, Lovis Corinth, Franz von Stuck, Charley Toorop, Ernst Barlach, August Gaul, Mary Duras, Emil Orlik, Sasha Stone, Oskar Kokoschka, Olaf Gulbransson, Max Oppenheimer oder die Fotografinnen Frieda Riess und Lotte Jacobi.

Wer war Tilla Durieux?

Ottilie Helene Angela Godeffroy wurde am 18. August 1880 in ein gutbürgerliches, aber liebloses Elternhaus in Wien geboren. Sie wollte seit ihrer Kindheit zur Bühne und änderte ihren Namen in – an den Geburtsnamen der Großmutter väterlicherseits angelehnten – Tilla Durieux.

Nach der Schauspielausbildung in ihrer Heimatstadt schaffte es Durieux über Stationen in Olmütz und Breslau 1903 zu Max Reinhardt nach Berlin. Zuerst erhielt die Nachwuchskünstlerin nur kleinere Rollen, bis der gefeierte Star Gertrude Eysoldt – sie verkörperte in Oscar Wildes Stück Salomé die titelgebende Protagonistin – erkrankte und Durieux den Part übernahm. Dies war die Geburtsstunde des Mythos Tilla Durieux. Daraufhin spielte sie über die Jahre in allen wichtigen Häusern Europas und stellte sich gerne – nicht nur auf der Bühne, sondern auch vor der Kamera – neuen, herausfordernden Rollen. Durch ihren ersten Ehemann, den Künstler Eugen Spiro, erlangte Durieux erstmals Zugang zur bildenden Kunst und den entsprechenden Kreisen; durch ihren zweiten Ehemann, den Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer, wurde sie selbst Teil davon. Als Bildmotiv wie als Sammlerin blieb Durieux auch bis zum Beginn der Naziherrschaft in Deutschland aktiv.

Durieux zeigte sich nicht nur künstlerisch engagiert, sondern ebenso in sozialen wie politischen Fragen: Ob nun während des Zürcher Exils im Ersten Weltkrieg, in den Wirren der Münchner Räterepublik oder nach der missglückten Flucht mit ihrem dritten Ehemann, dem Industriellen und Sammler Ludwig Katzenellenbogen, im Zagreber Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Tilla Durieux-Ausstellung in Wien

In einer umfassend angelegten Schau geht das Leopold Museum erstmals der Faszination, die Tilla Durieux bereits bei ihren Zeitgenoss:innen auslöste, auf den Grund und folgt anhand von Bildnissen quer durch alle Medien (Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Fotografien, Filme etc.) den Spuren dieser schillernden Persönlichkeit. Durch kaum ausgestelltes Archivmaterial und Leihgaben aus internationalen wie nationalen Museen und Privatsammlungen wird Durieuxs Karriere, ihr soziales und künstlerisches Umfeld sowie ihr von politischen Umbrüchen geprägtes, knapp ein Jahrhundert umspannendes Leben beleuchtet.

Kuratiert von Daniela Gregori.
Quelle: Leopold Museum, Wien

Tilla Durieux: Bilder

  • Franz von Stuck, Tilla Durieux als Circe in dem gleichnamigen Stück von Pedro Calderón de la Barca, 1912 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/ Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland)