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Wien | mumok: Andy Warhol 2020 feiern zwei Ausstellungen in Wien den Künstler und Kurator Warhol

Andy Warhol, In the Bottom of My Garden, um 1956 (Udo und Anette Brandhorst Stiftung, Foto: Haydar Koyupinar, Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Museum Brandhorst München, © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Licensed by Bildrecht, Wien, 2018)

Andy Warhol, In the Bottom of My Garden, um 1956 (Udo und Anette Brandhorst Stiftung, Foto: Haydar Koyupinar, Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Museum Brandhorst München, © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Licensed by Bildrecht, Wien, 2018)

Ab 1. Mai 2020 verschreibt sich das mumok im Rahmen zweier Ausstellungen dem Phänomen Andy Warhol (1928–1987). Statt der Präsentation altbekannter Klassiker blickt das mumok mit bisher kaum gezeigten Arbeiten hinter die Fassade der weltberühmten Pop Art-Ikone und entdeckt Warhols Fähigkeit als bahnbrechender Ausstellungskurator und Installationskünstler neu (→ Andy Warhol: Biografie).

 

Ausstellungskünstler, Installationskünstler oder doch verkappter Kurator?

Mit den Ausstellungen „WARHOL EXHIBITS a glittering alternative“ sowie einer Hommage an Warhols wegweisendes Projekt „RAID THE ICEBOX 1“ gibt das mumok erstmals einen exemplarischen Überblick über die Ausstellungspraxis des Universalkünstlers, ohne dabei dessen Früh- und Spätwerk außer Acht zu lassen. Dieser Querschnitt eröffnet neue Perspektiven auf die vielfältigen, von Warhol eingesetzten Medien und zeigt, dass seine Präsentationsmodi als wesentliche Bestandteile seines Werkes zu verstehen sind.

Dass Andy Warhol bereits zu Lebzeiten die Präsentation seines Frühwerks – also jener Werke, die vor 1962 entstanden sind – untersagte und deren Wahrnehmung in bewusster Manier steuerte, ist nur Wenigen bekannt. Beginnend mit der „Campbell’s Soup Can“-Schau in der Ferus Gallery 1962 konzentrierten sich die Folgeausstellungen der frühen 1960er Jahre auf die Präsentation eines einzigen seriellen Themas: „Campbell’s Soup Cans“, „Brillo Boxes“, „Flowers“, „Disasters“ und „Celebrity Portraits“. Andy Warhol kreierte ein für die Öffentlichkeit bestimmtes Image, das bis zum heutigen Tag erfolgreich seine Rezeption prägt.

 

Keine Warhol Retrospektive ...

WARHOL EXHIBITS wirft einen Blick hinter das erwähnte öffentliche Image des Künstlers und rückt stattdessen bisher kaum beleuchtete Aspekte von Warhols Universum in den Fokus. So werden zwei Seiten seiner „Doppelpersona“ – zum einen eine vielzitierte inszenierte, zum anderen eine von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, versteckte Persönlichkeit – auf zwei Ebenen des mumok einander gegenübergestellt. Die Eingangsebene beschäftigt sich mit Warhols kuratorischen Intentionen und vorherrschenden Motiven/Abstraktionen der 1950er Jahre.

Gezeigt werden „Blotted Line“-Drucke und Zeichnungen, die den männlichen Körper, Drag sowie homoerotische Symbole und Gesten thematisieren – ein Themenkomplex, der den Künstler bis an sein Lebensende beschäftigten sollte. Die Spannweite reicht von Werken aus Warhols erster Ausstellung „Fifteen Drawings Based on the Writings of Truman Capote“ (1952) über bisher noch nie gezeigte marmorierte Papierskulpturen (1954) bis hin zu kaum ausgestellten Drag-Zeichnungen (1953) und Buchprojekten wie „In the Bottom of My Garden“ (1958).
Die ausgewählten Arbeiten verdeutlichen Warhols frühe Beschäftigung mit ikonografisch klar definierten Serien – insbesondere sein Interesse an Varianten der Geschlechterperformance – sowie die Entwicklung einer spezifischen Motivsprache, die in unterschiedlichsten Kontexten immer wieder aufs Neue erscheint. So lässt sich Andy Warhols Frühwerk nicht mehr einzig als „kommerziell“ abstempeln.

Die zweite Ebene stellt Warhols Ausstellungsmodi der 1960er, 1970er und 1980er Jahre mit Schwerpunkt auf die Präsentation einzelner Werkserien in den Mittelpunkt. Thematisiert wird die enge Verwobenheit von Werk und Präsentationsmodus.

 

KHM x mumok

Zeitgleich steht eine weitere Ebene des mumok im Zeichen Warhols: „RAID THE ICEBOX 1“ versteht sich als eines der frühesten Beispiele für eine von einem Künstler kuratierte Sammlungsausstellung, die 1969/70 am Museum of Art, Rhode Island School of Design, stattfand. Obwohl die von Warhol kuratierte Ausstellung keine eigenen Werke des Künstlers zeigte, enthielt sie wesentliche Präsentationsstrategien, die mit traditionellen Museumsstandards brachen: Anstatt die bildenden Künste zu priorisieren, stellte Warhol die angewandten Künste aus. Anstatt ein Klassifizierungssystem nach Chronologie, Medium oder Stil anzuwenden, präsentierte er die Objekte in ahistorischer und unhierarchischer Form. Das Depot wurde zur Ausstellung, fast schon Vergessenes rückte in den Mittelpunkt. Warhols kuratorischen Prinzipien folgend, nimmt das mumok diese Ausstellung zum Anlass, um jene ungewöhnlichen Präsentationsstrategien an einer so bedeutenden historischen Sammlung wie jener des Kunsthistorischen Museums Wien anzuwenden.

Ganz nach Warhols Motto „den Kühlschrank plündern“, wird dem Depot des Kunsthistorischen Museum eine gesamte Ebene des mumok gewidmet. In Anlehnung an Warhols untypische Werkliste – er stellte u. a. 2 Vasen, 7 Decken, 9 Körbe, 10 Hutboxen, 11 Schüsseln, 12 Skulpturen (Kopien), 12 Tapeten, 17 Stühle, 57 Regenschirme und 194 Paar Schuhe aus – liegt der Fokus auf ausgewählten Werken der Sammlung des Weltmuseums (Warhol war ein fanatischer „American Folk Art“-Sammler), auf griechischen und römischen Skulpturenkopien sowie auf Kostümen und Displayelementen.

Kuratiert von Marianne Dobner.

 

mumok. Andy Warhol: Bilder

 

Beiträge zu Andy Warhol

30. Juli 2019
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Aktuelle Ausstellungen

14. August 2019
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München | Pinakothek der Moderne: Georg Baselitz. Die Schenkung Pinakothek der Moderne besitzt nun über 31 Werke des Künstlers – von 1962 bis in die Gegenwart

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Raffaels „Schule von Athen“ (1508–1511) gehört zu seinen berühmtesten Werken – der Karton zu dem Werk in der Stanza della Segnatura im Vatikan befindet sich seit dem Jahr 1610 in der Mailänder Pinacoteca Ambrosiana.
15. Juli 2019
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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.