Willem de Kooning

Wer war Willem de Kooning?

Willem de Kooning (1904–1997) war ein US-amerikanischer Maler mit niederländischen Wurzeln und ein Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus (→ Abstrakter Expressionismus | Informel). Er nahm für sich und seine Kunst eine radikale Subjektivität in Anspruch.

Kindheit und Ausbildung

Willem de Kooning erhielt an der Rotterdamer Kunstakademie und Kunstgewerbeschule eine formelle akademische Ausbildung in Malerei und angewandter Kunst und arbeitete dann in einer kommerziellen Designfirma in seiner Geburtsstadt Rotterdam. Er wanderte 1926 in die Vereinigten Staaten aus, indem er ohne Pass oder Visum zu haben, als Matrose auf einem Dampfer anheuerte.

New York

Willem de Kooning ließ sich in New York nieder und begeisterte sich für jenen Künstlerkreis, der sich in New York um John Graham, Stuart Davis und Arshile Gorky bildete. Insbesondere Gorky wurde ein enger Freund und Vertrauter, der das frühe Werk von Willem de Kooning intensiv prägte. Im Jahr 1938 begann de Kooning seine bekannte Serie „Women [Frauen]“, Gemälde mit nackten weiblichen Figuren als wiederkehrendes Thema. In den 1940er Jahren malte de Kooning einige der bedeutendsten Bilder des Abstrakten Expressionismus, die er 1948 in seiner ersten Einzelausstellung zeigte. Ende der 1950er Jahre zählte de Kooning zu den bekanntesten Künstlern des Abstrakten Expressionismus.

De Kooning – Courbet – Hopper

Angesprochen auf seine aktuellen Werke, großformatige, ungegenständliche gestische Malerei, erwähnte de Kooning 1959 zwei Künstlerkollegen, Gewährsmänner für seine Arbeit: zunächst den Realisten Gustave Courbet und Edward Hopper. An Courbet schätzte er besonders, dass er so „konkret“ und völlig durchdrungen von „Realität“ gewesen sei. Die Erinnerung an Courbet brachte de Kooning schnell zu sich: Er stellte fest, dass das ‚Mysterium in der Welt‘ darin bestehe, etwas zu sehen, was wirklich da sei:

„Ich möchte ein Stück Natur packen und es so real wie möglich machen – wie in meinem Merritt-Parkway-Bild.“

Was de Kooning an Edward Hopper schätzte, erklärte er angesichts des Gemäldes „Cape Cod Morning“ (1950, Smithsonian American Art Museum). In dem Bild stellt Hopper den Erker eines Hauses dar, von dem eine Frau in angespannter Haltung nach rechts blickt. Das Geschehen, das ihr Interesse so sehr geweckt hat, liegt außerhalb des Bildfeldes. Die rechte Hälfte des Bildes zeigt im Hintergrund einen Wald und eine orange-gelbe Wiese. De Kooning begeisterte sich vor allem für den Wald:

„Der Wald sieht real aus, wie ein Wald; als ob man sich umdreht, und da ist er; als ob man sich umdreht und ihn wirklich sieht.“1 (Willem de Kooning, 1959)

  1. Irving Sandler, Conversations with de Kooning, in: Art Journal, 48, 3, Herbst 1989, S. 217. Zit. n. Ulf Küster, Edward Hopper – Ein neuer Blick auf Landschaft. Über die Ausstellung in der Fondation Beyeler (Ausst.-Kat. Fondation Beyeler, Riehen b. Basel, 26.1.– 17.5.2020) Berlin 2020, S. 13–22, hier S. 15.