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William Turner in Münster: erhabene Berge, pittoreskes Italien und das Meer Große Turner-Ausstellung 2019 in Deutschland

William Turner, Peace - Burial at Sea, Detail, Exhibited 1842 (© Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856. Foto © Tate, London 2018)

William Turner, Peace - Burial at Sea, Detail, Exhibited 1842 (© Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856. Foto © Tate, London 2018)

William Turner (1775–1851) zählt zu den populärsten Malern der Romantik; sein Werk wird Ende 2019 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster in einer großen Ausstellung gewürdigt. Turners Reisen in die Schweiz und nach Italien stehen im Fokus der Schau. Sie inspirierten ihn zu atmosphärischen Landschaftsdarstellungen.

William Turner. Horror and Delight

Deutschland / Münster: LWL-Museum für Kunst und Kultur
8.11.2019 – 26.1.2020

Turners Landschaftsbild: zwischen Tradition und Naturerlebnis

Seit seinen Anfängen als Künstler war die unmittelbare Begegnung mit der Natur für Turner als vielseitig interessierten und gebildeten Künstler ebenso bedeutend wie die Auseinandersetzung mit der Tradition der Landschaftsdarstellung. Zu Beginn der künstlerischen Entwicklung Turners stehen damit zunächst Ansichten der britischen Landschaft und deren Küste sowie Architekturaufnahmen.

 

Erste Reise in die Schweiz: Begegnung mit der „erhabenen“ Bergwelt

Turners erste Reise in die Schweiz 1802 und seine Begegnung mit der Bergwelt bedeutete für den Künstler eine grundlegend neue Erfahrung (→ Turner. Das Meer und die Alpen). Der irische Schriftsteller und Philosoph Edmund Burke beeinflusste mit seiner Schrift „Philosophische Untersuchungen über den Ursprung unserer Ideen vom Erhabenen und Schönen“ (1757) eine ganze Generation von Künstlern. Er stellte das „Erhabene“ der Natur in den Vordergrund, die mit ihrer Urgewalt auch Grauen und Furcht einflößen kann. Künstler hielten das „Erhabene“ fest, indem sie Stürme und andere Naturkatastrophen malten. Aufgrund ihrer überwältigenden Größe und Dramatik hatten die Alpen in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung.

Pittoreskes Italien

Demgegenüber stehen in der Ausstellung Turners Werke, die das „Malerische“ aufgreifen, also die Ruhe, Ordnung und Schönheit klassischer Landschaftsmalerei, die der Künstler zum Beispiel nach Rückkehr von seinen Italien-Reisen im Atelier umsetzte. Während Turner bei seiner ersten Italienreise alle wichtigen Stationen einer „Grand Tour“ mit dem Ziel Rom besuchte und deren charakteristische Bauwerke in unzähligen Skizzenbüchern festhielt, war Venedig das bevorzugte Ziel seiner späteren Italienreisen. Die spezielle Atmosphäre und das Licht in der Lagunenstadt inspirierten ihn zu den stimmungsvollen Aquarellen der 1840er Jahre. Die Aquarelle waren ein Experimentierfeld für die Arbeiten seines Spätwerks, wie sie in der Ausstellung mit zahlreich zu sehen sind.

Turner und das Meer

Das Meer ist eines der zentralen Themen im Werk von Turner. Der Künstler bearbeitete das Thema in vielen „Seestücken“ in der größtmöglichen Bandbreite der unterschiedlichen Wetter- und Lichtverhältnisse. Sei es nun der heimatliche Strand von Margate in der Grafschaft Kent oder das sturmgepeitschte Meer am Pier von Calais: Immer ist das Meer Gegenstand einer eindringlichen, manchmal dramatischen Erzählung, die den Betrachter mit der Urgewalt der Elemente und ihren todbringenden Kräften konfrontiert.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Tate Britain in London, der Großteil der gezeigten Werke stammt aus dem Turner-Nachlass der Tate.

Quelle: Pressetext

 

 

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  • Joseph Mallord William Turner, Peace - Burial at Sea, Exhibited 1842 (© Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856. Foto © Tate, London 2018)

Beiträge zu William Turner

4. Mai 2019
Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, Detail, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

Von Reynolds bis Turner. Das Goldene Zeitalter der englischen Malerei Hauptwerke der Tate Britain im Musée du Luxembourg

Die 1760er Jahre sind ein Wendepunkt für die britische Kunst. Kurz nach Mitte des 18. Jahrhunderts begann der Siegeszug von Joshua Reynolds (1723–1792) und Thomas Gainsborough (1727–1788). Das Musée du Luxembourg in Paris zeigt ab Herbst 2019 Hauptwerke aus der Tate Britain.
22. April 2019
William Turner, Selbstporträt, um 1799, Öl/Lw, 74,3 x 58,4 cm (Tate Britain, London, Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856)

William Turner: Biografie Lebenslauf des britischen Landschaftsmalers der Romantik

Joseph Mallord William Turner (1775–1851): Hier findest du ausführliche Informationen zur Kindheit, Ausbildung zum Landschaftsmaler, Turners Ausstellungen in der Royal Academy of Arts, seinen Landschaften (Stil), Tod und Erbe. Ein chronologischer Lebenslauf gibt einen Überblick über das Leben und Wirken des britischen Romantikers und wichtigsten Landschaftsmaler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der sich selbst an den Alten Meistern schulte.
17. März 2019
Sean Scully, Landline China 8, Detail, 2018, Öl/Aluminium, 300 × 190 cm (Privatsammlung (SS3506) © Sean Scully. Photo: courtesy the artist)

National Gallery, London: Sean Scully – Sea Star Irisch-amerikanischer Maler zoll Hommage an William Turner

In „Sea Star“ ehrt Sean Scully sein Vorbild William Turner und gibt in der National Gallery of Art, London, einen Überblick über Arbeiten der letzten Jahre. Vor allem die Serie „Landline“ zeigt mit ihren den Horizont abstrahierenden Streifen formale Ähnlichkeit mit der malerischen Auseinandersatzung des Romantikers mit dem Meer, dem Horizont und dem Himmel.

Aktuelle Ausstellungen

17. Oktober 2019
Werner Scholz, Am Bülowbogen, Detail, um 1930, Farblithographie (© Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Leihgabe aus Privatbesitz, Hamburg)

Köln | Käthe Kollwitz Museum: Berliner Realismus Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix. Sozialkritik – Satire – Revolution

Rau, ruppig und politisch unbequem: Die Berliner Kunst zur Kaiserzeit besitzt Sprengkraft! „Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix“ zeigt politisch engagierte Kunst zwischen Realismus und Verismus.
14. Oktober 2019
Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, Detail, um 1600/01, Pappelholz, 91,2 × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband)

Wien | KHM: Caravaggio & Bernini Barocke Genies in Wien

Das Kunsthistorische Museum Wien präsentiert erstmals ein visuelles Barockspektakel. Im Zentrum stehen dabei bahnbrechende Werke des Malers Michelangelo Merisi da Caravaggio, genannt Caravaggio (1571–1610), und des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini (1598–1680).
10. Oktober 2019
Edvard Munch, Unter den Sternen, Detail, 1900-1905, Öl/Lw, 90 x 129 cm (Munchmuseet Oslo)

K20: Edvard Munch gesehen von Karl Ove Knausgård Schriftsteller zeigt unbekannten Munch

Düsseldorf, Herbst 2019: Der umtrittene norwegische Schriftsteller zeigt den "unbekannten" Munch aus dem Archiv und dem Kunstdepot des Munch Museum in Oslo.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.