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Kunsthaus Zürich: Picasso – Gorky – Warhol aus der Sammlung Hubert Looser Skulpturen und grafische Werke zwischen Fläche und Raum

Anthony Caro, Table Piece CCXXIX, 1975, Stahl mit Rostanflug, lackiert, 61 x 167,6 x 50,8 cm (Sammlung Hubert Looser, © 2019 Courtesy of Barford Sculptures)

Anthony Caro, Table Piece CCXXIX, 1975, Stahl mit Rostanflug, lackiert, 61 x 167,6 x 50,8 cm (Sammlung Hubert Looser, © 2019 Courtesy of Barford Sculptures)

Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus der Privatsammlung von Hubert Looser zeigt neben 70 Werken des Surrealismus, des Abstrakten Expressionismus (→ Abstrakter Expressionismus | Informel), der Arte Povera und der Minimal Art überraschen einzelne Positionen aus Pop Art und Klassische Moderne. Über das Spiel von Linien und Texturen, die sich auf dem Zeichnungsblatt ergeben, kommt der Betrachter der Präsenz der Skulpturen im Raum näher.

Eines der frühesten und bedeutendsten Werke der Looser-Sammlung ist eine großformatige Zeichnung von Arshile Gorky. Im osmanischen Reich geboren, musste Gorky 1920 in die USA auswandern und setzte sich in der Folge namentlich mit den Surrealisten auseinander. Das Blatt in der Looser-Sammlung, ein Hauptwerk, ist wohl eine der bedeutendsten Zeichnungen der 1930er Jahre in Schweizer Besitz. Mit einer einzigartigen Darstellungsweise kombiniert Gorky hier figürliche und abstrakt-biomorphe Elemente. Von Picassos Recherchen inspiriert, scheint er dabei zugleich auch schon Elemente einer Abstraktion vorwegzunehmen, wie sie in den USA erst viel später mit Jackson Pollock Fuß fassen wird.

 

Gemalte Zeichnung im Raum

Der in Europa wenig bekannte Bildhauer und Zeichner David Smith – einer der Väter der amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts und Pionier der eigenständigen amerikanischen Bildhauerei –verbindet Elemente des Surrealistischen mit freien Formen, wie sie für den amerikanischen Blick auf die Möglichkeiten der Moderne kennzeichnend ist.

Eine berühmt gewordene Skulptur lenkt den Blick nach Europa: Pablo Picassos „Sylvette“ von 1954. Sie besteht aus ausgeschnittenem Metallblech, das mit Ölfarbe bemalt wurde, und ist eine (gemalte) Zeichnung im Raum. Der spielerische Umgang mit Form und Material, der darin sichtbar wird, überrascht. In der Ausstellung zeigt „Sylvette“ die direkte Kombination des Zeichnerischen mit dem Skulpturalen.

Ein weiteres skulpturales Hauptwerk ist Willem de Koonings „Head“ von 1973. In den Niederlanden geboren, wurde de Kooning zu einem der wichtigsten Künstler der amerikanischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei entfernte er sich nie komplett vom Thema der menschlichen Figur. Mit „Head III“ wird der Kopf des Menschen nicht abgebildet, sondern aus der Wucht der skulpturalen Arbeit heraus als haptisches Ereignis neu erfunden.

Mit Yves Kleins „ANT 37“ (um 1960) und Andy Warhols Zeichnung zu „Mao“ (1973) sind kurz weitere malerische Positionen angesprochen, welche die Kunstentwicklung der 1960er und 1970er Jahre maßgeblich beeinflusst haben. Weitere bedeutende Künstler und Künstlerinnen der Sammlung Looser sind Giuseppe Penone, Meret Oppenheim, Richard Serra, Richard Tuttle, Anthony Caro.

 

Umrisse von Hundepfützen

Neuartig und beeindruckend wirken auch die Arbeiten des 1948 geborenen US-amerikanischen Künstlers Al Taylor. Taylor hat nicht zwischen seinen zwei- und dreidimensionalen Kompositionen unterschieden und stattdessen von Zeichnungen im Raum gesprochen. Seine „Hanging Puddles [Hängende Pfützen]“ sind abstrakte Linien aus Stahlbändern, die sich allansichtig im Raum ausbreiten. Für die Serie „The Peabody Group“ übertrug Taylor Umrisse von Hundepfützen von städtischen Gehsteigen mit Tinte und Farbe auf Papier und transformierte sie damit zu Kunst.

 

Poetischer Minimalismus

Eine wichtige neuere Position in der Ausstellung vertritt die amerikanische Künstlerin Roni Horn. Ihre Zeichnungen sind subtile kartografische Aufnahmen des Selbst oder auch der Elemente. Die mitunter großen Blätter sind Patchwork-Arbeiten, die Horn mit Pigment und Stift zunächst zeichnet, um sie dann zu zerschneiden und neu zusammenzusetzen. Von fern betrachtet wirken sie eher wie abstrakte Muster, aus der Nähe erwecken sie den Eindruck von architektonischen Konstrukten. In ihrer zarten, fast zerbrechlichen Schönheit sind diese Zeichnungen von einem poetischen Minimalismus geprägt.

 

Essenzielle Elemente der Moderne für das erweiterte Kunsthaus

Die Ausstellung macht Wesentliches über die Zwiesprache von Zeichnung und Skulptur in der Moderne erfahrbar. Das ist nur eine der Stärken der Sammlung Hubert Looser, die sich optimal in die Auffächerung der großen, wichtigen Stränge der europäischen und amerikanischen Moderne einreihen lässt, wie sie im Kunsthaus angestrebt wird. Eine im Jahr 2018 erneuerte Kooperation garantiert auf 20 Jahre die Präsenz von 70 Gemälden, Skulpturen, Installationen und Zeichnungen in der Ende 2020 fertiggestellten Kunsthaus-Erweiterung. Die aktuelle, temporäre Präsentation, die zuvor in Krems gezeigt wurde, gibt einen inspirierenden Vorgeschmack auf kommende Begegnungen zwischen dieser privaten Kollektion und der öffentlichen Sammlung des Kunsthauses.

Quelle: Pressetext

 

Sammlung Hubert Looser im Kunsthaus Zürich: Bilder

  • Arshile Gorky, Untitled, 1931–1933, Tusche auf Papier, 64,8 x 92,7 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • David Smith, Untitled (Virgin Islands), 1933, Tusche auf Papier, 46,4 x 61 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Meret Oppenheim, Weiblicher Oberkörper, 1954, Tusche auf Papier, 59,2 x 42 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Pablo Picasso, Sylvette, 1954, Beidseitige Ölmalerei auf ausgeschnittenem Metallblech, 69,9 x 47 x 1 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Yves Klein, ANT 37, ca. 1960, Reines Pigment und Kunstharz auf Papier auf Leinwand, 79 x 29,5 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Willem de Kooning, Untitled, um 1970/71, Öl auf Papier auf Leinwand, 176,2 x 94 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Willem de Kooning, Head III, 1973, Bronze mit schwarzer Patina, 49,5 x 24,7 x 26,5 cm, AL/ed.: 4/12 (Sammlung Hubert Looser)
  • Andy Warhol, Mao, 1973, Grafit auf Papier, 92,1 x 92,7 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Anthony Caro, Table Piece CCXXIX, 1975, Stahl mit Rostanflug, lackiert, 61 x 167,6 x 50,8 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Giuseppe Penone, Grand geste végétal, No 1, 1983, Bronze, 150 x 150 x 150 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Richard Tuttle, One Red Orange Sway, 1986, Mischtechnik, 52 x 26 x 7,5 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Al Taylor, The Peabody Group #8, 1992, Bleistift, Tinte und Gouache auf Papier, 127 x 96,5 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Richard Serra, Finkl-forge, 1991, Ölkreide auf Papier, 168,2 x 328,6 cm (Sammlung Hubert Looser)
  • Roni Horn, Could IX, 1996, Pigmentpulver, Grafit, Kohle, Buntstift und Lack auf Papier, 136 x 177 cm (Sammlung Hubert Looser, © Roni Horn)
  • Hubert Looser, Foto © Christian Scholz

Aktuelle Ausstellungen

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Rau, ruppig und politisch unbequem: Die Berliner Kunst zur Kaiserzeit besitzt Sprengkraft! „Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix“ zeigt politisch engagierte Kunst zwischen Realismus und Verismus.
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Raffael und seine Freunde in Urbino Künstlerisches Netzwerk Raffaels in den Marken

Das Netzwerk Raffaels in und aus Urbino ist Thema der Raffael-Ausstellung in Urbino. Wie entwickelte er sich zu einem Hauptvertreter der Renaissance? Welche Einflüss übte er selbst mit seinen Werken in Rom auf urbinatische Künstler wie Giulio Romano aus?
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.