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Brueghel, Rubens, Jordaens… Meisterwerke europäischer Malerei aus der Hohenbuchau Collection

Frans Snyders (1579–1657), Stillleben mit Früchten, Wild und Gemüse sowie ein lebender Affe, ein Eichhörnchen und eine Katze, um 1635-40, Öl auf Leinwand; 81 x 118 cm, Sign. unten rechts: F. Snyders fecit, Hohenbuchau Collection, Inv.-Nr. HB 87.

Frans Snyders (1579–1657), Stillleben mit Früchten, Wild und Gemüse sowie ein lebender Affe, ein Eichhörnchen und eine Katze, um 1635-40, Öl auf Leinwand; 81 x 118 cm, Sign. unten rechts: F. Snyders fecit, Hohenbuchau Collection, Inv.-Nr. HB 87.

Die letzte Sonderausstellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM stellt die bereits seit Dezember 2007 als Dauerleihgabe vom Museum verwaltete HOHENBUCHAU COLLECTION vor. Schwerpunkt der Sammlung des Ehepaars Faßbender ist die Malerei des 17. Jahrhunderts – vor allem das holländische und flämische Barock. So erzählt Otto Christian Faßbender im Katalog über seine Motivation, Werke dieser Epoche zu sammeln:

„Im „Goldenen Zeitalter“ der Niederlande treffen wir – par excellence – auf diese Malerei der „sichtbaren Welt“ – nach dem Leben (naar het leven) – in all ihrer Themenvielfalt. Den vielen spezialisierten Fachmalern sind neben der Historie und dem Portrait erstmals auch Genre, Landschaft und Stillleben als eigenständige Gattungen der Malerei bildwürdig.“ Und er präzisiert weiter: „In ebendieser vielfältigen und facettenreichen Bilderwelt wollten und sollten wir uns also fortan tummeln: als Kunstsammler und nicht bloß als Kunst-Liebhaber.“

Die Werke der HOHENBUCHAU COLLECTION umspannen einen Zeitraum von etwa 150 Jahren und belegen die hohe Qualität, malerisch wie kompositionell, und die vielfältigen Themen dieser blühenden Kunstlandschaft. Innerhalb der letzten 35 Jahre formte das Ehepaar Faßbender eine Sammlung, die sowohl berühmte Künstler aus auch weniger bekannte vereint. Von manieristischer Feinmalerei bis hin zu offen gemalten Bildern eines Hendrick ter Brugghen, von Landschaften bis zu religiösen und mythologischen Sujets spannt der Bogen dieser Privatsammlung und beschränkt sich dabei nicht auf das typische Kabinettformat, sondern beinhaltet auch außergewöhnliche Großformate.

 

 

Die in den Damenappartements gattungsspezifisch gehängten Werke führen zuerst manieristische Historien und Landschaften und Stillleben vor Augen. Frühe Arbeiten von besonderer Bedeutung sind Abraham Bloemaerts (1566–1651) „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ von 1592, Roelant Saverys (1576–1639) und Cornelis Cornelisz. van Haarlems (1562–1638) „Adam und Eva im Paradies – Der Sündenfall“ von 1618 und Joachim Antonisz Wtewaels (1566–1638) „Venus und Adonis“ (um 1607-10). Bewegung, Drehung und Eleganz, Detailfülle und Genauigkeit der Wiedergabe von Oberflächen und Stoffen spielen bei diesen niederländischen Manieristen eine große Rolle.

 

Die Erfindung des Barock

In den Jahren nach 1600 wurden die Kompositionen ruhiger und die Künstler suchten nach neuen Themen. In kurzer Zeit entstanden eigenständige Bildgattungen wie das Genrebild, die Landschaft und das Stillleben in ihren mannigfachen Ausprägungen. Voraussetzung für die kulturelle Blüte des so genannten „Goldenen Zeitalters“ war der plötzliche und unvorhergesehene Reichtum und Macht der jungen Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, ihre international führende Rolle als Handelsnation und die außergewöhnliche Position seiner finanzkräftigen Bürger.

Einen wichtigen Einfluss – vor allem auf die Utrechter Maler – hatten die durch Licht und Schatten dramatisch modellierten Körper Caravaggios (1571–1610). Nur durch die Inspiration aus Rom lässt sich die radikale stilistische Veränderung zwischen Abraham Bloemaerts lichterfüllter Feinmalerei und einer so drastischen Schilderung eines „Lachenden Vagabunden mit seinem Hund (Diogenes)“ von dessen Schüler Hendrick Ter Brugghen (1588–1629) aus dem Jahr 1628 erklären. Ter Brugghen studierte die lebensnahen Dramen und die theatralischen Lichteffekte von Caravaggios Bildern zwischen 1607 und 1614 in Italien. Die Kühnheit der Komposition, die minutiöse und subtile Schilderung von Haut, Zähnen und Haaren des Vagabunden verbinden Ter Brugghen vielleicht auch mehr mit der flämischen Malerei als mit den meisten seiner niederländischen Zeitgenossen. So verwundert es auch nicht, dass Rubens (1577–1640), als er 1627 Utrecht und das Atelier von Ter Brugghen besuchte, diesen als den einzigen „echten Maler“ bezeichnete, den er in den Niederlanden getroffen hätte.

 

 

Barocke Landschaftsmalerei in Holland

Für die Landschaftsmalerei zeigen die Entwicklungen der ersten drei Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts fundamentale Auffassungsunterschiede. Ansichten von phantasievoll gestalteten Gebirgen wichen in diesen Jahren natürlich anmutenden holländischen Landstrichen. Dass sich die Landschaftsmalerei überhaupt zu einem eigenen Thema entwickeln konnte, hat vermutlich mit einem neuen Verhältnis zur Natur zu tun. Landschaft wurde nicht mehr nur als die Schöpfung Gottes angesehen und daher möglichst vollständig und ehrfurchtgebietend abgebildet, sondern der beginnende Nationalstolz führte zur Wertschätzung heimatlicher Gegenden. Daher konnte sich ein Künstler wie Aert van der Neer (1603/04–1677) auf Winterlandschaften und Nachtstücke spezialisieren. Die „Große Winterlandschaft mit Eisvergnügen bei Sonnenuntergang“ zeigt den Winterspaß im Vordergrund, und dennoch ist der Blick auf das Anekdotenhafte durch Wolken- und Lichtstimmung ergänzt. Die sog. italianisanten Maler brachten zusätzlich südlichen Sonnenschein in die holländische Landschaftsmalerei: Karel Du Jardins (1626–1678) „Weite südliche Landschaft mit Hirten und ihrer Herde“ (um 1675; Abb. 5) zeigt jedoch keine topographisch genaue Ansicht. Das Bild entstand – inspiriert durch das italienische Licht – im Atelier. Du Jardin brilliert vor allem in der Wiedergabe von Wärme, Tieren und ruhigen Szenerien mit Hirten, Reisenden und Kaufleuten.

 

 

Jagd und Stillleben

Wenn Aelbert Cuyp (1620–1691) auch nicht zu den bekanntesten Malern des holländischen Barock zählt, so besticht dessen Kinderporträt „Des kleinen scheuen Jägers“ (1655?) durch seine meisterhafte Beobachtung. Der junge Knabe mit Regenpfeifer ist mit kindlichem Gesichtsausdruck und vielleicht sogar unsicherem Blick eingefangen. Sowohl die reiche Kleidung als auch der tote Vogel sind Hinweise dafür, dass er aus einer wohlhabenden, aristokratischen Familie stammt. Die Jagd war nicht nur ein aristokratisches Privileg, sondern galt obendrein als Pflege militärischer Tugenden und Freizeitbeschäftigung. Daher fanden wohl auch Prunkstillleben mit Wildbrett ihre Sammler. Frans Snyders` (1579–1657) „Stillleben mit Früchten, Wild und Gemüse sowie einem lebenden Affen, einem Eichhörnchen und einer Katze“ (um 1635–1640) zeigt, dass Stillleben seit Beginn des Jahrhunderts immer abwechslungsreicher wurden. Der verschwenderisch gedeckte Tisch, die exotischen und heimischen Tiere, die versteckte Anekdote sind sorgsam arrangiert und belegen den unglaublichen Reichtum in flämischen und holländischen Häusern. Als ausgewiesener Tier- und Stilllebenmaler in Antwerpen interessierte sich Snyders nicht nur für Oberflächenqualitäten, sondern auch die Charaktere der lebenden Tiere.

Die Ausstellung zeigt viele der stilistischen Charakteristika und die Themenvielfalt der niederländischen und flämischen Malerei des „Goldenen Zeitalters“. Genau diese Mannigfaltigkeit bei gleichzeitiger technischer Virtuosität ist es, an deren Darstellung das Ehepaar Faßbender in ihrer Sammlung seit über 35 Jahren arbeitete.

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.