Paris | Louvre: Rembrandt und die Antike Der Niederländer finde Vorbilder für Naturalismus und Emotionalität | 2028
Für Frühjahr 2028 kündigt der Louvre eine Ausstellung zu „Rembrandt und die Anitke“ an, die erstmals Rembrandt van Rijns (1606–1669) lebenslange Auseinandersetzung mit den Alten Meistern thematisiert. Organisiert gemeinsam mit dem Met Museum in New York, wird die Schau das Werk des niederländischen Barockmalers ein besseres Verständnis der Vergangenheit als auch von Rembrandts Zeit vermitteln.
Rembrandt und die Antike
Frankreich | Paris: Louvre
22.3. – 3.7.2028
Rembrandt und die Antike im Louvre (2028)
Der Louvre präsentiert mit „Rembrandt und die Antike“ eine umfassende Auseinandersetzung mit der lebenslangen künstlerischen Beschäftigung des niederländischen Meisters mit der Geschichte, Kunst und Literatur des antiken Griechenlands, Roms und des gesamten Mittelmeerraums. Die Ausstellung versammelt über 125 Kunstwerke, darunter rund 70 Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen Rembrandts. Diese Kunstwerke treten in einen Dialog mit bedeutenden Objekten der Antike und der Renaissance, die dem Barockkünstler als Inspirationsquellen dienten. Die Auswahl deckt das gesamte Schaffen Rembrandts ab – von seinen ehrgeizigen frühen Historienbildern bis hin zu seinen ergreifenden späten Darstellungen einzelner Held:innen – und beleuchtet damit einen bislang wenig erforschten, aber wesentlichen Aspekt seines Werdegangs.
- Rembrandt, Bathseba im Bade, den Brief von König David in der Hand haltend, 1654, Öl auf Leinwand, 184 x 142 cm (Louvre, MI 957, Gemäldeabteilung, Paris)
- Rembrandt, Aristoteles mit der Büste Homers, 1653, Öl auf Leinwand, 143,5 x 136,5 cm (The Met Museum, New York)
Die Antike im Amsterdam des 17. Jahrhunderts
Rembrandts Laufbahn entfaltete sich vor dem Hintergrund eines wachsenden Interesses an der Antike in der niederländischen Republik des 17. Jahrhunderts. Führend darin war das weltoffene Amsterdam. Dort entstanden bedeutende Sammlungen antiker Kunst, ein modernes Theater, das unter anderem antike Dramen zur Aufführung brachte, weiters wurden zahlreiche antike Texte ins Niederländische übersetzt. Zugleich führten die zunehmend globale Ausrichtung der Republik sowie wissenschaftliche und philosophische Entwicklungen zu neuen Erkenntnissen und einem veränderten Weltverständnis, die das überlieferte Wissen und die Errungenschaften der Antike sowohl in ein neues Licht rückten als auch kritisch hinterfragten.
In diesem dynamischen kulturellen Umfeld entwickelte Rembrandt eine ausgesprochen moderne Interpretation der Antike. Er nutzte deren Themen und Motive häufig, um Ideen zu seiner eigenen Zeit und seinem eigenen Lebensumfeld zum Ausdruck zu bringen. Indem er die ferne Vergangenheit als wirkungsvolles Prisma für die Gegenwart nutzte, schuf er eine unverwechselbare Bildsprache, die zugleich spielerisch und ergreifend, respektlos und intensiv – und stets zutiefst menschlich – ist. „Rembrandt und die Antike“ zeigt die vielfältigen Arten, auf die die Antike einige der kühnsten Innovationen dieses visionären Künstlers beflügelte.
Leihgaben von Weltformat
Neben Meisterwerken aus der eigenen Sammlung, etwa die ergreifende „Bathseba mit dem Brief von König David“ (Musée du Louvre, Paris), kommt voraussichtlich Rembrandts berühmter „Aristoteles mit der Büste des Homer“ aus New York nach Europa. Zu den Höhepunkten zählt die spektakuläre „Entführung des Ganymed“ (Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden), eine lebendige und unmittelbare Veranschaulichung von Rembrandts ganz eigener Interpretation der Antike. Die National Gallery in London leiht „Badende Frau im Bach“, die gemeinsam mit dem antiken römischen Relief (Palazzo Altemps, Rom) und den dazugehörigen grafischen Vorlagen zu sehen sein wird.
„Der Eid der Bataver“ (Konstakademien / Königliche Schwedische Akademie der Künste, Stockholm) – eine außergewöhnliche Auseinandersetzung mit der frühen niederländischen Geschichte – ist in der ersten Station der Schau in New York zu sehen; noch nicht bekannt ist, ob auch der Louvre dieses monumentale Werk zeigen kann. Darüber hinaus versammelt die Ausstellung zahlreiche selten gezeigte Zeichnungen, darunter alle drei von Rembrandts feinfühligen Skizzen römischer Büsten (Albertina, Wien; Königliche Bibliothek, Turin; Kupferstichkabinett, Berlin), seine spielerische Darstellung von „Diana und Aktäon“ (Kupferstich-Kabinett, Dresden) sowie seine meisterhafte Rötelzeichnung „Der Götzendienst des Salomo“ (Louvre). Rembrandt, so analysiert Kuratorin Joanna Sheers Seidenstein präzise, nutzte für all diese revolutionären Kompositionen antike Werke als Inspirationsquellen. Der Künstler fühlte sich offenbar von ihre Frische, Menschlichkeit, Nahbarkeit, ihren Naturalismus und ihre emotionale Unmittelbarkeit so angezogen, dass er die Grenze der Kunst seiner Zeit überwand.
„Rembrandt und die Antike“ wird von Blaise Ducos, Kurator für niederländische und flämische Malerei am Musée du Louvre, und Joanna Sheers Seidenstein, Associate Curator in der Abteilung für Zeichnungen und Druckgrafik am MET, kuratiert. Die Ausstellung wurde vom Metropolitan Museum of Art in New York und dem Musée du Louvre in Paris gemeinsam konzipiert.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfassend illustrierter Katalog mit Beiträgen der Kuratoren sowie weiterer führender Fachwissenschaftler.
- Rembrandt, Badende Frau, 1654, Öl auf Holz, 61,8 x 47 cm, The National Gallery, London.
- Rembrandt, Ganymed in den Fängen des Adlers, 1635, Öl auf Leinwand, 177 x 129 cm (Gemäldegalerie Alte Meister, Gal. Nr. 1558, Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut)
Bilder
- Rembrandt, Aristoteles mit der Büste Homers, 1653, Öl auf Leinwand, 143,5 x 136,5 cm (The Met Museum, New York)
- Rembrandt, Bathseba im Bade, den Brief von König David in der Hand haltend, 1654, Öl auf Leinwand, 184 x 142 cm (Louvre, MI 957, Gemäldeabteilung, Paris)




