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Paris | Musée de Cluny: Das Einhorn Das Fabeltier in der Kunst | 2026

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 16. März 2026
Dame mit dem Einhorn, Le Goût [Der Geschmack], Detail (Musée de Cluny, Paris)

Dame mit dem Einhorn, Le Goût [Der Geschmack], Detail (Musée de Cluny, Paris)

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Phantasie angeregt. Seit Jahrhunderten ist es in vielen Kulturen belegt. Seine Faszination hält bis heute an. Das mythische Tier ist ein vielschichtiges Zeichen, von dem eine assoziative Energie ausgeht. Die Spur des Einhorns zeigt sich in der christlichen und außereuropäischen Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin und einer vielfältigen Symbolik. Die Beschäftigung mit der Ikonografie des Einhorns lädt ein zu Reflexionen über Fantasie, Weltwissen, Ambivalenzen und Projektionen.

La Licorne [Das Einhorn]

Frankreich | Paris: Musée de Cluny
13.3. – 12.7.2026

Das Einhorn im Musée de Cluny 2026

Zu den berühmtesten Werken des Musée de Cluny in Paris zählt die Serie von Wandteppichen mit dem Titel „Die Dame mit dem Einhorn“ (1484–1538, Cl. 10831-10836). Das textile Kunstwerk gehört zur frühen französischen Renaissance. Die Wandteppiche tragen die Beschriftungen „Tasten“, „Schmecken“, „Riechen“, „Hören“, „Sehen“ und ein sechster mit einem blauen Zelt und die Aufschrift „Mein einziger Wunsch“. Alle sechs zeigen das gleiche Kompositionsschema auf rotem Hintergrund. Die Dame steht auf einem großen blauen Oval feierlich zwischen einem Löwen und einem Einhorn und trägt Banner, Umhänge oder Schilde mit drei Halbmonden. Sie ist elegant gekleidet, mit Juwelen geschmückt und oft von einer weiteren jungen Dame unterstützt. Diese Gruppe wird von vier verschiedenen Baumsorten gerahmt: Eichen, Orangenbäume, Kiefern und Stechpalmen. Der Boden der sechs „Inseln“ ist mit Blumen bepflanzt, und der rote Hintergrund ist mit blühenden Pflanzen und Tieren übersät: weiße Kaninchen, ein Fuchsjunge, ein Löwenjunges, Lämmer, Vögel … aber auch Affen oder ein Panther.

Das Wappen, rot mit einem azurblauen Band, auf dem drei silberne (weiße) Halbmonde thront, ermöglichte die Identifizierung der Familie, die diese Stücke weben ließ: Die Familie Le Viste, ursprünglich aus Lyon stammend, besaßen Ländereien in Burgund und Pariser Residenzen. Die Identität des Stifters ist weiterhin in Diskussion: Es könnte sich entweder um Jean IV. Le Viste handeln, der im Jahr 1500 starb, oder um seinen Neffen Antoine, der im Jahr 1532 starb. Beide stammen aus der Zeit der französischen Könige Karl VIII. und Ludwig XII. und hatten hohe Ämter in der damaligen Verwaltung inne.

Die großformatigen Modelle von Frauen und Tieren wurden vom Maler Jean d'Ypres (†1508) gezeichnet. Er war von 1489 bis 1508 in Paris tätig und ist als Buchmaler im Dienste der Königin Anne der Bretagne sowie als Entwerfer von Buntglasfenstern und Kupferstichen zur Illustration gedruckter Bücher bekannt. Möglicherweise wurden Pflanzen und Tiere nach Mustern gewebt, die in den Werkstätten der Weber aufbewahrt wurden. Das Weben erfolgt mit großer Sorgfalt, ja sogar virtuos, doch der Herstellungsort der Wandteppiche ist nicht bekannt. Sie könnten auf Webstühlen in den südlichen Niederlanden, in Städten wie Brüssel oder Tournai, hergestellt worden sein, genauso gut sie könnten aber auch das Werk von Pariser Webern sein.

Von den sechs Wandteppichen geht ein Gefühl von Frieden und Harmonie aus. Es sind nur wenige Gegenstände und Accessoires zu sehen, während die Kleidung und der Schmuck der Dame sorgfältig beschrieben sind. Pflanzen und Tiere sind überall dargestellt, manchmal stilisiert, manchmal durch direkte Beobachtung inspiriert.

Der Wandteppich wurde auf unterschiedliche Weise gedeutet, abhängig von der Interpretation des sechsten Stücks. Wie ist die Inschrift zu verstehen, die aus den beiden Initialen A und I besteht und den Ausdruck „Mein einziger Wunsch“ umrahmt? Vielleicht die Vornamen von Antoine Le Viste und seiner Frau Jacqueline? Nimmt die Dame eine Halskette oder legt sie sie zurück in die Schachtel, die ihr die junge Dame hinhält? Ist es eine Allegorie der Sinne und eines sechsten Sinns, der der Seele und dem Herzen nahe ist? Können wir diese Wandteppiche als Symbol für die höfische Liebe interpretieren, da sich die Dame in einem Garten befindet, in dem viele Pflanzen und Tiere auf die Suche nach Liebe anspielen? Ist „Mein einziger Wunsch“ ein Motto? Welche Bedeutung sollten wir dem Wort „Wunsch“ in einer Welt geben, die zwar noch immer zutiefst christlich ist, sich aber an der Schwelle zur Renaissance befindet?

Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Museum Barberini in Potsdam vorbereitet → Potsdam | Museum Barberini: Einhorn
Quelle: Musée de Cluny, Paris

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