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Bruce Nauman. Dream Passage

Deutschland / Berlin: Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
28.5. – 10.10.2010

Der amerikanische Medien- und Objektkünstler Bruce Nauman (* 1941) ist einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart und zweifacher Preisträger des Goldenen Löwen der Biennale von Venedig (1999 Goldener Löwe und 2009 Goldener Löwe für den besten nationalen Beitrag). Seit Mitte der 1960er Jahre kreist Naumans Werk um die Grundbedingungen des Menschseins. Anfangs befragte er seinen eigenen Körper (Bewegung und Denken) in Performances, die er in Videoarbeiten festhielt. Zwischen 1970er und den späten 1980er Jahren arbeitete er mit Akteuren, entwarf ab 1969 Erfahrungsräume, Architekturmodelle und Videoinstallationen sowie seine bekannten Neonarbeiten zu Sex und Gewalt bzw. Sprache. Als er wieder zu Mensch und Tier zurückkehrte, wurden Körperfragmente erneut wichtige Ausdrucksmittel seiner Kunst. Die Schau in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin führt anhand der Sammlung von Christian Flick in Leben und Werk des US-Künstlers ein.

 

 

Performance und Video: Körper und Umwelt

Bruce Nauman untersuchte in seinen frühen Performances ein „Denken des Körpers“, das er ab 1965 in betont einfachen Handlungsabläufen in Videos festhielt und damit sowohl die Bildhauerei wie die Medienkunst enorm mitprägte (→ Skulptur seit 1946). Für Bruce Nauman hat Denken etwas mit dem Körper in Aktion zu tun – und anfangs als Interaktion mit herumliegenden oder geschaffenen Dingen in seinem Atelier, später mit der (von ihm veränderten) Umgebung. Meist sind aber nur Fragmente seines Körpers und des Raumes zu sehen. Symptomatisch für diese eingeschränkte Wahrnehmung ist die unbewegliche Kamera. Körper und Raum stehen dabei für das Selbst und die Welt, das Kameraauge symbolisiert die Ausschnitthaftigkeit und Fragmentierung der Wirklichkeitsaneignung. Nauman setzte diese Überlegungen zur künstlerischen Arbeit sowohl in einfachen Handlungsabfolgen, die körperlich anstrengend sind, selbst vor der Kamera um, oder instruierte Akteure für Performances. Gleichzeitig arbeitete er aber auch bildhauerisch und schuf Objekte, die an Regale, Stelen und Bodenarbeiten erinnern.

 

„Der Zusammenhang besteht für mich darin, dass ich ins Atelier gehe und dort etwas tue. Manchmal schließt dieses Tun ein, dass ein Produkt entsteht, und manchmal ist das Tun selbst das Produkt.“[1]Zitiert nach Sonja Claser, Handeln, in ebenda, S. 139. (Bruce Nauman, 1970)

 

Ausgehend von der Überzeugung, dass „das Subjekt in seiner Selbsterkenntnis als an seinen Körper gebunden wahrgenommen wird“[2]Dorothée Brill, Körper, in: ebenda, S. 163., entsteht für Nauman Erkenntnis über das Selbst und Welt immer auf der Wahrnehmungsbasis Körper. Naumans Beschäftigung mit Fragen des zeitgenössischen Tanzes (Merce Cunningham) in den Jahren 1968/69, das körperliche Ausloten des Raumes führten ihn zum Entwerfen von Architekturen, die in Form von Korridoren, Tunneln und Räumen meist visuell und akustisch einengende, beängstigende Wirkung haben. Entweder sind sie eng und/oder mit kalten Neon-Röhren-Licht ausgestattet, oder als Modelle unterirdischer Tunnelsysteme von Dunkelheit bestimmt. Macht, Ohnmacht, Handlung, Kontrolle gehören zu den wichtigsten Erfahrungssituationen, mit denen die Benutzerinnen und Benutzer von Bruce Naumans Korridoren sich ausgesetzt finden. Diese Raumkonstruktionen sind explizit politisch zu lesen, wollte der Künstler doch mit ihnen Gewalt und Terror in Südamerika und Südafrika anprangern. Vor allem in „South America Triangle“ (1981) thematisierte Bruce Nauman politische Folter, zu der er durch V.S. Naipaul „The Return of Eva Peron with The Killing in Trinidad“ (1980) inspiriert wurde. Seine Wut über das asynchrone Verhältnis von Macht und Unterlegenheit kanalisierte Nauman in skulpturalen Arbeiten, aus denen der Körper verschwunden ist. Gleichzeitig suchte er, die Rezipientinnen und Rezipienten für die Gewalt der Sprache, die Gewalt der Systeme zu sensibilisieren.

 

 

Atelier und künstlerische Arbeit

 

„Es [das Atelier] ist der Ort, wo die Arbeit getan wird. Kann sein, dass mir die Ideen beim Reiten oder Herumfahren kommen – selbst beim Lesen. Ich sitze hier; ich blättere in einem Buch, irgendwann gegen fünf springe ich auf und werfe ein, zwei Striche aufs Papier. Dann kann ich gehen.“[3]Zitiert nach ebenda, S. 21. (Bruce Nauman)

„Es gab einen Zeitpunkt, da glaubte ich, dass ich es eines Tages herausbekommen würde, wie das zu machen sei: Kunst. Nach dem Muster „Wie gehen wir jetzt vor, Leute?“ und dass es dann nicht mehr so ein mühseliger Kampf wäre. Später habe ich dann eingesehen, dass es immer ein Kampf bleiben wurde. Mir wurde klar, dass es nie einen festgelegten Arbeitsprozess geben würde. Ich würde ihn immer wieder neu erfinden müssen.“[4]Zitiert nach Gabriele Knapstein, Arbeit, in: Eugen Blume, Gabriele Knapstein, Chatherine Nichols, Sonja Claser (Hg.), Bruce Nauman. Ein Lesebuch (Ausst.-Kat. Bruce Nauman. Dream Passage, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 28.5.-10.10.2010), Köln 2010, S. 21. (Bruce Nauman)

„Leider gibt es aber immer wieder lange Phasen, in denen ich nichts machen kann, weil mir nichts einfällt. Irgendwann fange ich dann einfach an, irgendetwas zu machen, ganz egal ob mit guter Idee, schlechter Idee, keiner Idee. Ich mache einfach etwas aus dem, was herumliegt. Und gerade diese Dinge, die aus einer Sprachlosigkeit heraus entstehen, aus Verzweiflung heraus, sind oft die wichtigsten.“[5]Zitiert nach ebenda, S. 21–22. (Bruce Nauman)

 

Ab Mitte der 1960er Jahre erarbeitete sich Bruce Nauman ein Œuvre von Performance- und Videoarbeiten, in denen er mit Hilfe seines Körpers Räume – und vor allem sein Atelier – vermaß. „Kunst ist eben das, was ein Künstler tut, eben im Atelier herumsitzen“, gab der Performance- und Medienkünstler 1970 zu Protokoll. Um seiner Tätigkeit eine Richtung zu geben, stellte er für sich selbst Regeln auf, die er in den Videos bis zur Erschöpfung befolgte. Doch auch einige der skulpturalen Arbeiten wie „Device to Stand In“ (1966) waren für performative Nutzung bestimmt. Der Keil aus Stahl fixiert dabei ein Bein am Boden, während der Körper zum Tanz aufgefordert wurde. In „Walk with Contraposto“ nutzte er 1968 erstmals einen schmalen Gang in seinem Atelier, um seine Bewegung zu „rahmen“ bzw. zu strukturieren und schuf damit erstmals eine jener Erfahrungs- und Kontrollarchitekturen, die er ab 1970 in Ausstellungen auch dem Publikum zur Verfügung stellte.

 

 

Conditio humana – der Mensch und seine Lebensbedingungen

 

„Sonnenuntergänge, Blumen, Landschaften: Diese Dinge bringen mich nicht an die Arbeit. Ich lasse lieber die Finger davon. Mein Werk entsteht aus der Enttäuschung über die „conditio humana“. Es frustriert mich, dass Menschen sich weigern, andere Menschen zu verstehen, und dass sie so grausam zueinander sein können. Nicht dass ich denke, ich könnte daran etwas ändern, aber das ist wirklich ein frustrierender Aspekt der Menschheitsgeschichte.“[6]Zitiert nach Eugen Blume, Conditio humana, in: ebenda, S. 43. (Bruce Nauman)

 

 

Mit Hilfe von fragmentierten Körpern – meist Köpfe und Hände – konzentrierte Bruce Nauman seine Fragen zum Menschsein. Anfangs arbeitete er mit seinem eigenen Körper, mit dem er das Atelier vermaß. Damit stand im Frühwerk des Künstlers das eigene Subjekt, der eigene Körper im Zentrum. Doch nicht nur das Tun ist für den amerikanischen Künstler spannend, sondern auch das wiederholte Scheitern und die damit verbundene Frustration. Als er XX zum Körper zurückkehrte, begann er sich mit Kopf, Arm und Hand als Verweis auf den ganzen Leib zu beschäftigen. Erneut war es Samuel Beckett, der in „Molloy“ (1948) seinen Protagonisten seine Gliedmaßen als ihm fremde Körperteile empfinden ließ.

Zum Nachdenken über das Sein und den Körper gehört für Bruce Nauman unweigerlich auch Sexualität, die er jedoch unter negativen Vorzeichen verbildlicht. Menschen werden in seinen Neonarbeiten zu Schablonen, die in regelmäßiger Wiederholung einander penetrieren, mit Messern bedrohen. Ähnlich wie in seinen Spracharbeiten interessiert Bruce Nauman an Sexualität jener Teil, wo sie zu versagen beginnt. Schriftliche Spiegelungen, Anagramme, Wortspiele lösen das Kommunikationsmittel aus seiner postulierten Sicherheit und machen Assoziationsketten sichtbar (z. B. „Raw War“ (1970).

 

 

In den späten 1980er Jahren trat im Werk von Bruce Nauman erstmals die Figur des Clowns auf. Wie Eugen Blume herausstrich, vereint der tollpatschige Pausenfüller mehrere Eigenschaften, die Bruce Nauman schon in früheren Arbeiten interessierten:

 

„Das Akrobatische, das Tänzerische, das Performative, die Beziehung von Körper und Gesicht, die Maske und das Make-up, die Suche nach der Balance und das Scheitern, die Dichotomie von Geschick und Ungeschick und nicht zuletzt die abstrakte Dimension der Person, ihre Ortlosigkeit im Dazwischensein.“[7]Eugen Blume, Clown, in: ebenda, S. 33.

 

 

Biografie von Bruce Nauman (* 1941)

Am 6. Dezember 1941 wurde Bruce Nauman Fort Wayne, Indiana, geboren. Sein Vater war Ingenieur bei General Electric, weshalb die Familie häufig umzog.
1960–1964 Studium der Mathematik und Physik an der University of Wisconsin in Madison auf.
1962 Beginn des Kunststudiums. Zugleich beschäftigte er sich intensiv mit Musik (den Werken von Beethoven, Webern, Berg und Schönberg) und Philosophie (besonders mit Wittgensteins Schriften „Tractatus logico-philosophicus“, 1922, und „Philosophische Untersuchungen“, 1953). Abschluss des Studiums an der University of Wisconsin mit einem B. A. in Kunst.
1964–1966 Bruce Nauman schrieb sich an der University of California in Davis ein (Kunst-Graduiertenprogramm). Hier studierte Nauman bei William T. Wiley und Robert Arneson; außerdem arbeitete er als Assistent des Malers Wayne Thiebaud (* 1920) und begann selbst zu unterrichten.
1965/66 In den ersten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit entstanden zahlreiche Arbeiten aus Polyesterharz und Fiberglas, die nicht nur an der Wand hängen, sondern häufig in Beziehung zum sie umgebenden Raum an Wänden lehnen oder in Ecken positioniert werden.
1965 Nauman führte an der University of California in Davis seine erste Performance auf. Zeitgleich entstanden in Zusammenarbeit mit Robert Nelson und William Allan erste Filmprojekte. „Cup and Saucer Falling Over“ (1965).
1965/66 Veröffentlichung des Künstlerbuches „Pictures of Sculptures in a Room“. Nauman begann, mit unterschiedlichsten Materialien zu arbeiten. Es entstanden Gipsabdrücke von Körperteilen und Leerräumen, Skulpturen aus Stahl, Karton oder Latex sowie erste Arbeiten mit Neonröhren („Neon Templates of the Left Half of My Body Taken at Ten-Inch Intervals“, 1966). Fotografie wurde für Nauman zu einem wichtigen Medium.
1966 Abschluss des Studiums an der University of California mit einem Master of Fine Arts. Umzug nach San Francisco, wo sich Bruce Nauman in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt ein Atelier einrichtete. Erste Einzelausstellung in der Nicholas Wilder Gallery in Los Angeles (Mai) mit Fiberglas-Arbeiten. Nauman ist mit Werken an der von Lucy Lippard kuratierten Ausstellung „Eccentric Abstraction“ in der Noah Goldowsky Gallery in New York beteiligt. Unterrichtete am San Francisco Art Institute. Besuch der Man-Ray-Retrospektive im Los Angeles County Museum of Art. Nauman las Werke von Samuel Beckett. „Fishing for Asian Carp“, „Shelf Sinking into the Wall with Copper-Painted Plaster Cast oft he Spaces Underneath“ (1966), „A Rose Has No Teeth“ (1966).
1967 Umzug nach Mill Valley, Kalifornien. In seinem Atelier führte Nauman zahlreiche Performances durch – Körper- und Raumerkundungen, die er per Videokamera festhielt. „Eleven Color Photographs“ (1966/67), „From Hand to Mouth“ (1967), „Bound to Fail“, „Self-Portrait as a Fountain“ (1966/67), „Dance or Exercise on the Perimeter of a Square“ und „Walking on an Exagerated Manner Around the Perimeter of a Square“, „Art Make-Up, No. 1-4: White, Pink, Green, Black“ (1967/68).
1968 Erste Einzelausstellung in der Leo Castelli Gallery in New York (Januar), für die er erstmals nach New York reiste. Bruce Nauman besuchte Europa, um in Düsseldorf die erste von zahlreichen Einzelausstellungen in der Galerie Konrad Fischer vorzubereiten. Teilnahme an der 4. documenta in Kassel und Stipendium des National Endowment for the Arts. Nauman lernte die Choreografin und Musikerin Meredith Monk und den Komponisten Steve Reich kennen und setzte sich mit Minimal Music auseinander. Zudem beschäftigte er sich mit den Kompositionen von Karlheinz Stockhausen und John Cage sowie mit den Choreografen von Merce Cunningham. „Dark“, „John Coltrane Piece“, „Concrete Recorder Piece“, „Walk with Contraposto“ (die erste Arbeit mit einem schmalen Gang), „Slow Angle Walk [Beckett Walk]“, „Bouncing in the Corner No. 1“, „Flesh to White to Black to Flesh“ (1968).
1969 Nauman führt im Rahmen der Ausstellung „Anti-Illusion: Procedures/Materials“ eine Performance im Whitney Museum of American Art in New York auf. In derselben Ausstellung wird seine erste Korridor-Installation („Performance Corridor“) präsentiert, die er anlässlich „Walk with Contraposto“ geschaffen hatte. Seine Arbeiten waren in diesem Jahr auch Teil der von Harald Szeeman kuratierten Ausstellung „Live in Your Head – When Attitude Becomes Form“ in der Kunsthalle Bern. Umzug nach Pasadena, Kalifornien. „Performance Corridor“, „Untiteled [Performance Project for Leverkusen]“.
1970 Auf Einladung von Jasper Johns entwirft Bruce Nauman das Bühnenbild für das Stück „Tread“ der Merce Cunnigham Dance Company. Lehrte an der University of California in Irvine. Erhielt ein Stipendium des Aspen Institute of Humanistic Studies. Zusammen mit Richard Serra führte er in Santa Barbara eine Performance von Meredith Monk auf, was für Jahre sein letzter Live-Performance-Auftritt war. Nauman arbeitet an ersten installativen Raumarbeiten, beispielsweise an Korridoren, die oft mit Close-Circuit-Videosystemen versehen sind wie in „Corridor Installation (Nick Wilder Installation). Die sechs unterschiedlich schmalen Gänge sind nur teilweise betretbar, ein Korridor beinhaltet ein Kamera-Monitor-System, bei dem die Benutzer von hinten gefilmt und am Monitor am Ende des Ganges gezeigt werden. Je mehr man sich dem Monitor nähert, desto kleiner wird das eigene Bild. Publizierte „Withdrawal as an Art Form“.
1971 „Acustic Pressure Piece“.
1972 Seine erste museale Retrospektive „Bruce Nauman: Work from 1965 to 1972“ fand im Los Angeles County Museum of Art und im Whitney Museum of American Art, New York statt (weiter nach Houston und San Francisco und nach Europa, Stationen sind u. a. Bern, Düsseldorf, Eindhoven  und Mailand). Teilnahme an der documenta 5.
1973 Erstmals engagiert Nauman Schauspieler für seine Videos, beispielsweise für „Elke Allowing the Floor to Rise Up over Her, Face Up oder and Face Down“ oder „Tony Sinking into the Floor, Face Up and Face Down“. Dies sind seine letzten Videoarbeiten, bis er sich dem Medium 1985 erneut zuwendet. In den frühen 1970er-Jahren entstehen auch unterschiedlichste Neonarbeiten, wobei Nauman mit Neonröhren Worte schreibt und mit Sprache spielt („Raw War“, 1970).
1974 „Body Pressure“
1977 Teilnahme an der documenta 6. Naumans künstlerische Arbeit der 1970er Jahre ist von seinen Raumarbeiten geprägt, wobei häufig Modelle in kleinerem Maßstab als Vorlagen für größere Arbeiten dienen.
1978 Teilnahme an der Biennale in Venedig.
1979 Nauman zog nach Pecos, New Mexico, wo er sich ein neues Atelier einrichtete. Damit entzog er sich auch der Kunstwelt Kaliforniens. Das Klischee vom „Cowboy“ unter den Konzeptkünstlern verbreitete sich rasch.
1980 Teilnahme an der Biennale in Venedig.
1981 Es entstehen erste raumfüllende, hängende Konstruktionen, die auf unterschiedlichen geometrischen Grundformen basieren und jeweils einen ebenfalls von der Decke hängenden Stuhl umgeben („South America Circle, South America Square, South America Triangle“). Diese Arbeiten weisen eindeutig politische Konnotationen auf. Große Werkschau im Rijksmuseum Kröller-Müller in Otterlo „Bruce Nauman 1972–81“und Baden-Baden (April).
1982 Teilnahme an der documenta 7. Umfassende Ausstellung seiner Neonarbeiten im Baltimore Museum of Art: „Bruce Nauman: Neons“. Die Ausstellung führt zu einer erneuten Hinwendung zur Arbeit mit Neonröhren, von denen in den Folgejahren zahlreiche entstehen und die große Bekanntheit erlangen. Neben Wortspielen entstehen vermehrt figurative Darstellungen in Neon.
1983 „Musical Chair“
1984 Weitere Raumarbeiten entstehen, in großem Maßstab ausgeführt oder als Modelle („Model for Room with My Soul Left Out“, „Room That Does Not Care“).
1985 Nauman macht nach 1973 erstmals wieder eine Videoarbeit: „Good Boy Bad Boy“, bestehend aus zwei Videos in Farbe, ist Teil einer auf drei Räume verteilten Installation im Haus Esters, Krefeld. Seine Videoarbeiten präsentiert er zunehmend installativer, den jeweiligen räumlichen Verhältnissen entsprechend.
1986 „Clown Torture: Clown Taking a Shit; Clown with Goldfish, Clown with Water Bucket; Pete and Repete; No, No, No, No (Walter)“, „Violent Incident“.
1987 „Clown Torture: I’m Sorry an No, No, No“
1988 In der Videoinstallation „Green Horses“ ist Bruce Nauman seit den 1960er Jahren erstmals wieder selbst – und zwar als Pferdedresseur und Reiter – zu sehen ist. In dieses Jahr fällt auch seine erste Carousel-Arbeit: Fünf an Kadaver erinnernde Tierkörper aus Aluminium hängen an einer auf dem Boden stehenden Konstruktion, die sich um die eigene Achse dreht. Coosje van Bruggen veröffentlicht eine umfassende Monografe zu Bruce Nauman. „Learned Helplessness in Rats (Rock and Roll Drummer)“.
1989 Nauman zog mit seiner Frau, der Malerin Susan Rothenberg, nach Galisteo, New Mexico. Vom San Francisco Art Institute wurde er zum Ehrendoktor ernannt. Nauman baute seine Arbeit mit Tierkörpern und Tierkörperfragmenten weiter aus: „Hanging Caruousel (George Skins a Fox)“ und „Animal Pyramid“, „Hanging Heads“, „Hanging Cat“.
1989/90 Neben den fragmentierten Tierkörpern widmet sich Nauman vermehrt Abgüssen menschlicher Körperteile. In den 1990er Jahren arbeitet er insbesondere mit Wachsabgüssen von Köpfen.
1990 Eine Serie von Videoarbeiten mit dem Titel „Raw Material“ entsteht. Im Museum für Gegenwartskunst Basel findet eine Ausstellung der jüngsten Werke statt: „Bruce Nauman: Skulpturen und Installationen 1985–1990“ (weitere Station: Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt am Main). Die Stadt Frankfurt am Main ehrt Bruce Nauman mit dem Max-Beckmann-Preis. „Shit in Your Hat – Head on a Chair“ (1990)
1992 Teilnahme an der documenta 9 in Kassel.
1993 „Think“ (Videoinstallation).
1994 Das Walker Art Center in Minneapolis organisiert eine große Retrospektive, über zwei Jahre hinweg in unterschiedlichen Institutionen gezeigt wird (Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid; Walker Art Center, Minneapolis; Museum of Contemporary Art, Los Angeles Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution, Washington; Museum of Modern Art, New York; Kunsthaus Zürich). Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der einen umfassenden Catalogue raisonné der Werke Naumans enthält. „Work“ (Videoinstallation).
1995 Nauman wird zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences ernannt.
1997 Bruce Nauman wird Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Im Kunstmuseum Wolfsburg wird die Einzelausstellung „Bruce Nauman: Image Text, 1966–1996“ gezeigt (weitere Stationen: Centre Georges Pompidou, Paris; Hayward Gallery, London; Kiasma – Museum of Contemporary Art, Helsinki). „Partial Truth“ (1997).
1999 Teilnahme an der Biennale in Venedig: Bruce Nauman wurde mit dem Goldenen Löwen der 48. Biennale von Venedig ausgezeichnet. Mit seiner Videoarbeit „Setting a Good Corner (Allegory and Metapher)“ rückte er sein alltägliches Leben auf einer Ranch in New Mexiko ins Zentrum seiner Arbeit: Er filmte sich beim Aufstellen von Zaunpfosten.
2000 Nauman wurde zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters ernannt und erhält die Ehrendoktorwürde des California Institute of the Arts, Valencia. Die Kunsthalle Wien macht mit ihrer Ausstellung Samuel Beckett Bruce Nauman auf die Bezüge zu Beckett aufmerksam, die in Naumans Werk auftreten.
2001 Mit der Videoarbeit „Mapping the Studio I (Fat Chance John Cage)“ schlug Bruce Nauman einen Bogen zurück zu den Anfängen seiner künstlerischen Arbeit. Erneut stehen das eigene Atelier, das alltägliche Arbeitsumfeld und die Frage, was Kunst-Machen ist und ausmacht, im Mittelpunkt. Für „Mapping the Studio“ stellte Nauman über zwei Monate hinweg nachts an sieben unterschiedlichen Stellen in seinem Atelier eine Kamera auf und beobachtete so, was Katzen und Mäuse in seinem Atelier so trieben. Das Ergebnis dieser nächtlichen Überwachungen wird als Multi-Screen-Installation präsentiert.
2002 „Mapping the Studio I (Fat Chance John Cage)“ wird im DIA Center for the Arts, Beacon, New York, erstmals präsentiert (im folgenden Jahr auch im Museum Ludwig in Köln). Eine zweite, überarbeitete Version wird in der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf sowie im Centre Pompidou in Paris gezeigt.
2004 Nauman präsentiert im Rahmen der Unilever-Series sein Sound Piece „Raw Materials“ in der Turbinenhalle der Tate Modern in London. „Raw Materials“ ist eine Collage aus Sounds, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte u. a. für Installationen oder Videoarbeiten entstanden, und die er für diese Arbeit, losgelöst aus ihrem jeweiligen Kontext, „recycelt“, um damit den riesigen Raum der Turbinenhalle zu füllen. Premium Imperiale für Bildende Kunst.
2005 Teilnahme an der Biennale in Venedig.
2006 Kunstpreis Nordrhein-Westfalen Düsseldorf.
2007 Umfangreiche Präsentation der frühen Werke Naumans: „A Rose Has No Teeth: Bruce Nauman in the 1960s“ (University of California, Berkeley Art Museum & Pacifc Film Archive, Berkeley; Castello di Rivoli, Turin; The Menil Collection, Houston). Teilnahme an der Biennale in Venedig.
2009 Nauman bespielt mit „Topological Gardens“ den Amerikanischen Pavillon der Biennale in Venedig, der den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag gewinnt.
2010 In der Ausstellung „For Beginners“ wurden in New York bei Sperone Westwater in deren neuem, von Norman Foster errichteten Galeriegebäude neue Video- und Sound-Arbeiten sowie Zeichnungen Naumans präsentiert.
2011 „Bruce Nauman: Für Kinder / Beschriebene Kombinationen“ in der Konrad Fischer Galerie, Berlin.
2014 Nauman erhielt den Österreichischen Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst. Peter Plagen publizierte seine Bruce Nauman-Biografie „The True Artist“.
2015 Arbeiten Naumans sind Teil von „America Is Hard to See“, der ersten Ausstellung im Neubau des Whitney Museum of American Art in New York.
2016 Sperone Westwater in New York und das Philadelphia Museum of Art präsentierten zeitgleich die neuen Videoinstallationen „Contrapposto Studies, i through vii“ bzw. „Contrapposto Studies, I through VII“. Arbeiten und Studien beziehen sich auf eine frühe Videoarbeit Naumans – „Walk with Contrapposto“ (1968).

 

Literatur

Eugen Blume, Gabriele Knapstein, Chatherine Nichols, Sonja Claser (Hg.), Bruce Nauman. Ein Lesebuch (Ausst.-Kat. Bruce Nauman. Dream Passage, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 28.5.-10.10.2010), Köln 2010.

 

 

Bruce Nauman: Bilder

  • Bruce Nauman, Thighing (Blue), 1967, Film Still (Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York)
  • Bruce Naumann, Lighted Center Piece, 1967/68 (Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Panza Collection, Gift, 1992)
  • Bruce Nauman, Flesh to White to Black to Flesh, 1968, Film Still (Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York)
  • Bruce Nauman, Wall-Floor Positions, 1968, Film Still (Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York)
  • Bruce Nauman, Raw War, 1971 (Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, Berlin)
  • Bruce Nauman, Marching Figure, 1985 (Courtesy of Sperone Westwater)
  • Bruce Nauman, Ten Heads Circle/ In and Out, 1990 (Kunstmuseum Wolfsburg)
  • Bruce Nauman, Poke in the eye/nose/ear 3/8/94 Edit, 1994 (Collection Walker Art Center, Minneapolis T.B. Walker Acquisition Fund, 1994)
  • Bruce Nauman, All thumbs, 1996 (Kunstmuseum Basel)

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1. Zitiert nach Sonja Claser, Handeln, in ebenda, S. 139.
2. Dorothée Brill, Körper, in: ebenda, S. 163.
3. Zitiert nach ebenda, S. 21.
4. Zitiert nach Gabriele Knapstein, Arbeit, in: Eugen Blume, Gabriele Knapstein, Chatherine Nichols, Sonja Claser (Hg.), Bruce Nauman. Ein Lesebuch (Ausst.-Kat. Bruce Nauman. Dream Passage, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 28.5.-10.10.2010), Köln 2010, S. 21.
5. Zitiert nach ebenda, S. 21–22.
6. Zitiert nach Eugen Blume, Conditio humana, in: ebenda, S. 43.
7. Eugen Blume, Clown, in: ebenda, S. 33.