Bruce Nauman
Wer ist Bruce Nauman?
Bruce Nauman (* 6.12.1941, Fort Wayne, Indiana, USA) gehört zu den wichtigsten Kunstschaffenden der Gegenwart (→ Zeitgenössische Kunst). Seit Mitte der 1960er Jahre setzt sich Nauman mit Körper, Zeit und Raum, Gesellschaft, Sexualität und Leid in Performances, Videos und Skulpturen auseinander.
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Kindheit
Bruce Nauman wurde am 6. Dezember 1941 in Fort Wayne, Indiana (USA), geboren. Sein Vater war Ingenieur bei General Electric, weshalb die Familie häufig umzog.
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Ausbildung
Von 1960 bis 1964 studierte Bruce Nauman Mathematik und Physik an der University of Wisconsin in Madison. Im Jahr 1962 begann Nauman auch ein Kunststudium. Zugleich beschäftigte er sich intensiv mit Musik (den Werken von Ludwig van Beethoven, Anton von Webern, Alban Berg und Arnold Schönberg) und Philosophie (besonders mit Ludwig Wittgensteins Schriften „Tractatus logico-philosophicus“, 1922, und „Philosophische Untersuchungen“, 1953). Im Jahr 1964 schloss Bruce Nauman sein Studium an der University of Wisconsin mit einem Bachelor of Science ab.
Danach schrieb sich Bruce Nauman an der University of California in Davis ein (Kunst-Graduiertenprogramm). Hier studierte er bei William T. Wiley und Robert Arneson; außerdem arbeitete er 1964 als Assistent des Malers Wayne Thiebaud (1920–2021) und begann selbst zu unterrichten. Nauman beendete das Studium mit einem Master of Arts mit Schwerpunkt auf Skulptur.
Nauman begann, mit unterschiedlichsten Materialien zu arbeiten. In den ersten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit entstanden zahlreiche Arbeiten aus Polyesterharz und Fiberglas, die nicht nur an der Wand hängen, sondern häufig in Beziehung zum sie umgebenden Raum an Wänden lehnen oder in Ecken positioniert werden (1965/66). Es entstanden Gipsabdrücke von Körperteilen und Leerräumen, Skulpturen aus Stahl, Karton oder Latex sowie erste Arbeiten mit Neonröhren („Neon Templates of the Left Half of My Body Taken at Ten-Inch Intervals“, 1966). Fotografie wurde für Nauman zu einem wichtigen Medium. Zudem veröffentlichte er das Künstlerbuch „Pictures of Sculptures in a Room“.
1965 führte Nauman an der University of California in Davis seine erste Performance auf. Zeitgleich entstanden in Zusammenarbeit mit Robert Nelson und William Allan erste Filmprojekte. „Cup and Saucer Falling Over“ (1965).
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Frühe Werke
Nachdem Bruce Naumen 1966 sein Studium an der University of California mit einem Master of Fine Arts abgeschossen hatte, zog er nach San Francisco, wo er sich in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt ein Atelier einrichtete. Der Künstler wandte sich von der Malerei ab und begann in den Bereichen Film, Bildhauerei, Fotografie, Video und Performance zu arbeiten. Erste Einzelausstellung in der Nicholas Wilder Gallery in Los Angeles (Mai) mit Fiberglas-Arbeiten. Nauman war mit Werken an der von Lucy Lippard kuratierten Ausstellung „Eccentric Abstraction“ in der Noah Goldowsky Gallery in New York beteiligt. Er unterrichtete am San Francisco Art Institute (bis 1968) und besuchte die Man Ray-Retrospektive im Los Angeles County Museum of Art. Nauman las Werke von Samuel Beckett. „Fishing for Asian Carp“, „Shelf Sinking into the Wall with Copper-Painted Plaster Cast oft he Spaces Underneath“ (1966), „A Rose Has No Teeth“ (1966).
Im folgenden Jahr übersiedelte Bruce Naumen nach Mill Valley, Kalifornien. In seinem Atelier führte Nauman zahlreiche Performances durch – Körper- und Raumerkundungen, die er per Videokamera festhielt. „Eleven Color Photographs“ (1966/67), „From Hand to Mouth“ (1967), „Bound to Fail“, „Self-Portrait as a Fountain“ (1966/67), „Dance or Exercise on the Perimeter of a Square“ und „Walking on an Exagerated Manner Around the Perimeter of a Square“, „Art Make-Up, No. 1-4: White, Pink, Green, Black“ (1967/68).
Sein erste Einzelausstellung hatte Bruce Naumen in der Leo Castelli Gallery in New York (Januar 1968), für die er erstmals nach New York reiste. Bruce Nauman besuchte Europa, um in Düsseldorf die erste von zahlreichen Einzelausstellungen in der Galerie Konrad Fischer vorzubereiten. Teilnahme an der „documenta IV“ in Kassel und Stipendium des National Endowment for the Arts.
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Nauman, Meredith Monk und das Theater
Im Jahr 1968 lernte Bruce Nauman die Choreografin und Musikerin Meredith Monk und den Komponisten Steve Reich kennen und setzte sich mit Minimal Music auseinander. Zudem beschäftigte er sich mit den Kompositionen von Karlheinz Stockhausen und John Cage sowie mit den Choreografen von Merce Cunningham. „Dark“, „John Coltrane Piece“, „Concrete Recorder Piece“, „Walk with Contraposto“ (die erste Arbeit mit einem schmalen Gang), „Slow Angle Walk [Beckett Walk]“, „Bouncing in the Corner No. 1“, „Flesh to White to Black to Flesh“ (1968).
Nauman führte gemeinsam mit Meredith Monk im Rahmen der Ausstellung „Anti-Illusion: Procedures/Materials“ 1969 eine Performance im Whitney Museum of American Art in New York auf. In derselben Ausstellung wurde seine erste Korridor-Installation („Performance Corridor“) präsentiert, die er anlässlich „Walk with Contraposto“ geschaffen hatte. Seine Arbeiten waren in diesem Jahr auch Teil der von Harald Szeeman kuratierten Ausstellung „Live in Your Head – When Attitude Becomes Form“ in der Kunsthalle Bern. Umzug nach Pasadena, Kalifornien. „Performance Corridor“, „Untiteled [Performance Project for Leverkusen]“.
Auf Einladung von Jasper Johns entwarf Bruce Nauman 1970 das Bühnenbild für das Stück „Tread“ der Merce Cunnigham Dance Company. Er lehrte an der University of California in Irvine und erhielt ein Stipendium des Aspen Institute of Humanistic Studies. Zusammen mit Richard Serra führte Nauman in Santa Barbara eine Performance von Meredith Monk auf, was für Jahre sein letzter Live-Performance-Auftritt war. Nauman arbeitet an ersten installativen Raumarbeiten, beispielsweise an Korridoren, die oft mit Close-Circuit-Videosystemen versehen sind wie in „Corridor Installation (Nick Wilder Installation). Die sechs unterschiedlich schmalen Gänge sind nur teilweise betretbar, ein Korridor beinhaltet ein Kamera-Monitor-System, bei dem die Benutzer von hinten gefilmt und am Monitor am Ende des Ganges gezeigt werden. Je mehr man sich dem Monitor nähert, desto kleiner wird das eigene Bild. Publizierte „Withdrawal as an Art Form“.
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Reife Werke
Naumans künstlerische Arbeit der 1970er Jahre ist von seinen Raumarbeiten geprägt, wobei häufig Modelle in kleinerem Maßstab als Vorlagen für größere Arbeiten dienen.
Im Jahr 1972 hatte Bruce Nauman seine erste museale Retrospektive „Bruce Nauman: Work from 1965 to 1972“ im Los Angeles County Museum of Art und im Whitney Museum of American Art, New York (weiter nach Houston und San Francisco und nach Europa, Stationen waren u. a. Bern, Düsseldorf, Eindhoven und Mailand). Teilnahme an der „documenta 5“ (1972), gefolgt von der „documenta 6“ (1977), der „documenta 7“ (1982), der „documenta 9“ (1992) und der Biennale von Venedig (1978/1980).
Erstmals engagierte Nauman Schauspieler:innen für seine Videos, beispielsweise für „Elke Allowing the Floor to Rise Up over Her, Face Up oder and Face Down“ oder „Tony Sinking into the Floor, Face Up and Face Down“ (1973). Dies sind seine letzten Videoarbeiten, bis er sich dem Medium 1985 erneut zuwandte. In den frühen 1970er Jahren entstanden auch unterschiedlichste Neonarbeiten, wobei Nauman mit Neonröhren Worte schrieb und mit Sprache spielte („Raw War“, 1970).
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New Mexico
Bruce Nauman zog 1979 nach Pecos, New Mexico, wo er sich ein neues Atelier einrichtete. Damit entzog er sich auch der Kunstwelt Kaliforniens. Das Klischee vom „Cowboy“ unter den Konzeptkünstlern verbreitete sich rasch.
Es entstanden erste raumfüllende, hängende Konstruktionen, die auf unterschiedlichen geometrischen Grundformen basieren und jeweils einen ebenfalls von der Decke hängenden Stuhl umgeben („South America Circle, South America Square, South America Triangle“). Diese Arbeiten weisen eindeutig politische Konnotationen auf. Im Jahr 1981 fand eine große Werkschau im Rijksmuseum Kröller-Müller in Otterlo „Bruce Nauman 1972–81“und Baden-Baden (April) statt.
Eine umfassende Ausstellung seiner Neonarbeiten im Baltimore Museum of Art 1982: „Bruce Nauman: Neons“ führte zu einer erneuten Hinwendung zur Arbeit mit Neonröhren, von denen in den Folgejahren zahlreiche entstehen und die große Bekanntheit erlangen. Neben Wortspielen entstehen vermehrt figurative Darstellungen in Neon.
Im Jahr 1984 entstanden weitere Raumarbeiten, in großem Maßstab ausgeführt oder als Modelle („Model for Room with My Soul Left Out“, „Room That Does Not Care“).
Nauman machte nach 1973 erstmals wieder eine Videoarbeit: „Good Boy Bad Boy“ (1985), bestehend aus zwei Videos in Farbe, ist Teil einer auf drei Räume verteilten Installation im Haus Esters, Krefeld. Seine Videoarbeiten präsentierte er zunehmend installativer, den jeweiligen räumlichen Verhältnissen entsprechend: „Clown Torture: Clown Taking a Shit; Clown with Goldfish, Clown with Water Bucket; Pete and Repete; No, No, No, No (Walter)“, „Violent Incident“ (1986), „Clown Torture: I’m Sorry an No, No, No“ (1987).
In der Videoinstallation „Green Horses“ von 1988 ist Bruce Nauman seit den 1960er Jahren erstmals wieder selbst – und zwar als Pferdedresseur und Reiter – zu sehen. In dieses Jahr fällt auch seine erste Carousel-Arbeit: Fünf an Kadaver erinnernde Tierkörper aus Aluminium hängen an einer auf dem Boden stehenden Konstruktion, die sich um die eigene Achse dreht. Coosje van Bruggen veröffentlicht eine umfassende Monografe zu Bruce Nauman. „Learned Helplessness in Rats (Rock and Roll Drummer)“.
Nauman zog mit seiner Frau, der Malerin Susan Rothenberg (1945–2020), nach Galisteo, New Mexico (1989). Vom San Francisco Art Institute wurde er zum Ehrendoktor ernannt. Nauman baute seine Arbeit mit Tierkörpern und Tierkörperfragmenten weiter aus: „Hanging Caruousel (George Skins a Fox)“ und „Animal Pyramid“, „Hanging Heads“, „Hanging Cat“. Neben den fragmentierten Tierkörpern widmete sich Bruce Nauman 1989/90 vermehrt Abgüssen menschlicher Körperteile. In den 1990er Jahren arbeitete er insbesondere mit Wachsabgüssen von Köpfen.
Eine Serie von Videoarbeiten mit dem Titel „Raw Material“ entstand. Im Museum für Gegenwartskunst Basel fand eine Ausstellung der jüngsten Werke statt: „Bruce Nauman: Skulpturen und Installationen 1985–1990“ (weitere Station: Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt am Main). Die Stadt Frankfurt am Main ehrte Bruce Nauman mit dem Max-Beckmann-Preis; 1995 wurde Nauman zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences ernannt, 1997 zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, 2000 zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Im Kunstmuseum Wolfsburg wurde die Einzelausstellung „Bruce Nauman: Image Text, 1966–1996“ gezeigt (weitere Stationen: Centre Georges Pompidou, Paris; Hayward Gallery, London; Kiasma – Museum of Contemporary Art, Helsinki). „Partial Truth“ (1997).
Teilnahme an der „48. Biennale von Venedig“ (1999): Bruce Nauman wurde mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Mit seiner Videoarbeit „Setting a Good Corner (Allegory and Metapher)“ rückte er sein alltägliches Leben auf einer Ranch in New Mexiko ins Zentrum seiner Arbeit: Er filmte sich beim Aufstellen von Zaunpfosten.
Mit der Videoarbeit „Mapping the Studio I (Fat Chance John Cage)“ schlug Bruce Nauman 2001 einen Bogen zurück zu den Anfängen seiner künstlerischen Arbeit. Erneut standen das eigene Atelier, das alltägliche Arbeitsumfeld und die Frage, was Kunst-Machen ist und ausmacht, im Mittelpunkt. Für „Mapping the Studio“ stellte Nauman über zwei Monate hinweg nachts an sieben unterschiedlichen Stellen in seinem Atelier eine Kamera auf und beobachtete so, was Katzen und Mäuse in seinem Atelier so trieben. Das Ergebnis dieser nächtlichen Überwachungen wurde als Multi-Screen-Installation präsentiert.
2004 präsentierte Nauman im Rahmen der Unilever-Series sein Sound Piece „Raw Materials“ in der Turbinenhalle der Tate Modern in London. „Raw Materials“ ist eine Collage aus Sounds, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte u. a. für Installationen oder Videoarbeiten entstanden, und die er für diese Arbeit, losgelöst aus ihrem jeweiligen Kontext, „recycelt“, um damit den riesigen Raum der Turbinenhalle zu füllen. Premium Imperiale für Bildende Kunst.
Bruce Nauman bespielte 2009 mit „Topological Gardens“ den Amerikanischen Pavillon der Biennale in Venedig, organisiert vom Philadelphia Museum of Art, der den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag gewann. Die Punta della Dogana präsentierte „Bruce Nauman: Contrapposto Studies“, in der „Walk with Contrapposto“ (1968) mit „Contrapposto Studies“ (2015-2019) kontextualisiert wurde.




